Urlaub vom Urlaub: Unser Elf-Tages-Stopp in Cancún
Unser Abhäng-Paradies
Von vornherein war klar, dass Cancún unser letzter Stopp in Mexiko sein würde, denn vom Flughafen südlich der Stadt würde es ins nächste Land gehen. Unklar war lange nur, wie viele Tage wir in der Stadt sein würden. Am Ende hat sich vor allem die Vernunft durchgesetzt und wir haben uns trotz vieler weiterer verlockender Reiseziele in Yucatan und trotz der Tatsache, dass Cancún nicht gerade als das schönste unter ihnen gilt, für einen verhältnismäßig langen Aufenthalt entschieden. Elf Tage sollten es am Ende sein – und dann natürlich auch eine schöne und trotzdem bezahlbare Wohnung, in der man auch gerne so lange sein möchte. Was das betrifft haben wir wieder einen guten Fang bei Airbnb gemacht. Wir haben die Dachwohnung inklusive Terrasse eines Hauses mit drei Unterkünften bewohnt, wobei wir von den Nachbarn kaum bis gar nichts mitbekommen haben. Das Bett war bequem, die Klimaanlage hat gut gearbeitet, die Dusche war warm. Die Küche war klein aber gut genug zum Kochen. Hier hat für uns wirklich alles gepasst und schnell haben wir uns hier wohl und heimisch gefühlt. Wir haben viel an den Laptops gesessen, gelesen oder einfach entspannt. Gekocht haben wir auch viel und oft (inklusive fast täglicher Guacamole, man ist ja schließlich in Mexiko und einmal sogar Kartoffeln mit Erbsen und Möhren, man ist ja schließlich Deutscher), denn mit einem Walmart war endlich mal wieder ein richtig guter Supermarkt in unmittelbarer Nähe. Sorry Mexiko, aber dagegen stinken eure Ketten leider ab, zumindest bei unseren westlich-europäischen Ansprüchen. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass coole nächste Reiseziele auf uns warteten, wären wir selbst nach elf Tagen nur sehr ungern ausgezogen.
Kurzbesuch in Downtown
Cancún ist eine Planstadt, die gebaut wurde, um Wohnraum abseits der Strände zu schaffen, an denen man viel lieber Hotels und Touristen haben wollte. Dementsprechend langweilig und unbedeutend ist die Stadt an sich. Weder gibt es historische Gebäude, noch irgendwelche anderen sehenswerten Dinge. Die wenige touristische Infrastruktur hilft da auch nicht wirklich, um Downtown Cancún großartig etwas abgewinnen zu können. Bei unserem Spaziergang durch einen Teil der Stadt sind wir bis zum Mercado 28 gelaufen, einem größeren Markt, der aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund in vielen Reisetipp-Listen zur Stadt auftaucht. Wer auf nervige Verkäufer steht oder für den üblichen Touri-Ramsch etwas weniger zahlen möchte als in der Hotelzone, wird am Mercado 28 seine Freude haben, alle anderen können getrost einen großen Bogen drum machen. Viel mehr haben wir von Cancún dann auch nicht gesehen, denn große Hitze, viel Verkehr (der dank fehlender Ampeln und ignorierter Zebrastreifen nicht selten kurz davor war, uns umzubringen) und am Ende auch einfach der Mangel an Alternativen trieb uns dann doch relativ schnell wieder in unser kühles ruhiges Zuhause auf Zeit.
Cancún und seine Hotelzone
Im Gegensatz zu Downtown soll in der Hotelzone von Cancún richtig was los sein. Zu irgendwas sollte es ja auch gut sein, wenn man das ursprüngliche Cancún aufs Festland verlagert, auf den Sandbänken riesige Hoteltürme baut und so Platz für den Massentourismus schafft. Cancún ist heute sowas wie der Ballermann für US-Amerikaner. Schnell zu erreichen, nicht zu teuer und die meisten sprechen die eigene Sprache und nehmen im Idealfall auch noch das eigene Geld. Dazu dann noch Vollpension bis All Inclusive mit eigenem Strandbereich und ausreichend Restaurants, Bars, Clubs und Läden – fertig ist der Pauschalurlaub. Verstehen kann man es, denn guckt man sich die Hotelzone auf Fotos oder auf Google Maps an, verspricht sie wirklich jede Menge Traumstrände. Die Erwartungshaltung war also nicht gerade niedrig, als wir uns mit dem Bus dorthin aufmachten. Busse in Cancún sind übrigens spottbillig, eine Fahrt hat uns keine 50 Cent gekostet. Problematisch ist eher, einen der Dinger anzuhalten, denn richtige Haltestellen scheint es (zumindest in Downtown) kaum zu geben. Als wir das geschafft hatten, ging es in etwa 30 Minuten in Richtung Strand. Tatsächlich wird Cancún immer schöner, je weiter man Downtown hinter sich lässt und je näher die Hotelzone kommt. Dichtbebaute Häuserreihen weichen luxuriösen Hotels und man erhascht immer wieder einen Blick auf den Strand und das Meer. In der Hotelzone angekommen arbeiteten wir uns durch eine sehr laute Gasse voller Restaurants und Discos zum Playa Chacmool vor. Und waren dann ziemlich enttäuscht, denn trotz Vorhersage im Netz, dass Cancún generell sargassumfrei sei und die Hotels genug Geld und Personal hätten, es im Fall der Fälle zu beseitigen, sah es hier kaum besser aus als in Tulum. Schlimmer noch, zu dem stinkenden Seegras kamen noch jede Menge Plastikmüll und Glasflaschen hinzu, die im Sand lagen. Auch das erinnerte dann irgendwie an Ballermann. Nicht mal ansatzweise das, was wir erwartet und uns erhofft hatten. Wir haben uns dann vom Strand entfernt, sind ein bisschen an der Straße und den Hotelriesen entlanggelaufen und haben am Ende noch einen anderen Strand gefunden, der offenbar so gelegen ist, dass das Seegras hier nicht vorbeikommt. Der Playa Caracol war dementsprechend sauber – dafür leider auch ziemlich voll. Wir haben trotzdem ein Plätzchen für uns gefunden. Aber auch hier sind wir nicht sehr lange geblieben und bald wieder zurück in unser Nest gefahren. Und waren dann irgendwie doch ganz froh, in Downtown und nicht in der Hotelzone zu wohnen.
Wir haben der Hotelzone ein paar Tage später eine zweite Chance gegeben und sind zum Playa Delfines gefahren, der etwas weiter außerhalb der Hoteltürme steht und eher bei Einheimischen beliebt ist. Hier gibt es kostenlose Schirme (die aber bei unserer Ankunft längst alle belegt waren), aber keine Liegen. Und auch hier war leider Sargassum am Start, allerdings viel weniger schlimm als an den Stränden, die wir zuvor besucht hatten. Hier hat uns dementsprechend deutlich besser gefallen als am Playa Chacmool oder am Playa Caracol. Trotzdem ist Cancún kein Ort, an den wir zurückkehren werden. Gleichzeitig haben wir aber auch nicht verstanden, was den Amerikaner so gerne und oft hier hinlockt, außer vielleicht das Preisniveau. Die Hotelzone selbst wirkte mit ihren lauten und aufdringlichen Clubs ein bisschen wie eine schlechte Version von Las Vegas oder dem Hollywood Boulevard (der an sich schon eine schlechte Version von sich selbst ist) und die Strände wie eine billige Kopie von Miami Beach. Dass man dafür einst die Bevölkerung vertrieben bzw. umgesiedelt hat, wirkt angesichts dessen, was man draus gemacht hat, wie ein schlechter Scherz. Aber lohnen wird es sich wohl irgendwie. Doch wie bei Holbox kann und muss man wohl auch hier fragen: zu welchem Preis?