Road Trip Tage 4 und 5: Los Angeles

Nach einer durchwachsenen Nacht in unserem nicht so schönen Airbnb hieß es: Kaffee besorgen (die Unterkunft hatte keine Kaffeemaschine – das allein wäre schon Grund zum Umziehen gewesen), frühstücken (wir haben uns am Vorabend fertige Sandwiches gekauft, damit wir nichts vorbereiten müssen), Sachen einpacken (frisch gewaschen und getrocknet! … und leider teilweise ein wenig eingelaufen) und auschecken. Unsere letzte Beschäftigung am Abend vorher war nämlich, uns eine andere Unterkunft zu suchen, was so kurzfristig gar nicht so einfach war, wenn man micht ordentlich draufzahlen will.

Ob wir uns erfolgreich verbessern konnten, sollte sich am Abend zeigen, denn zunächst ging es jetzt mit Sack und Pack Richtung Hollywood. Jeder gute Los Angeles-Touri braucht natürlich mindestens ein Foto vom Hollywood Sign, am besten, nachdem man selbst hoch (oder zumindest in die Nähe) gelaufen ist. Das war natürlich auch unser Plan. Wir wussten nicht, ob wir uns freuen oder bemitleiden sollten, aber es war ein wolkenloser, 31 Grad warmer Tag angekündigt. Sehr ungewöhnlich für Februar und wie wir gelesen haben, durch ein seltenes Wetterphänomen hervorgerufen: sehr warme und trockene Luft, die vom Pazifik auf die Küste trifft. Für uns Touristen gut, für die Region nicht: Waldbrandgefahr und Dürre und so.

Google Maps hat uns – noch im WLAN – schon mal auf eine erneute staureiche Fahrt vorbereitet. Darauf hatten wir uns allerdings nach unserer Erfahrung am Vortag bereits mental eingestellt. Nach einer etwa einstündigen Fahrt (die ohne Stau in 25 Minuten machbar gewesen wäre), sind wir an unserem Startpunkt angekommen. Wir hatten uns vorher über die verschiedenen Wanderrouten informiert und haben uns am Ende für den Brush Canyon Trail entschieden. Der ist einerseits nicht so lang und anstrengend (was bei unserer nicht vorhandenen Fitness und der Hitze auf jeden Fall angebracht war). Andererseits gibt es öffentliche, kostenlose Parkmöglichkeiten direkt am Trailhead. Das ist gar nicht so selbstverständlich, weil die Wege zum Hollywood Sign oft durch Wohngebiete führen, wo öffentliches Parken entweder offiziell verboten oder zumindest nicht gerne gesehen wird.

Wir haben auch vorher gelesen, dass viele Anwohner Wege absperren und eigenständig Schilder aufhängen, die auf ein angebliches Verbot hinweisen, diese Wege zu betreten. Offenbar ist man genervt von den täglichen Touristenströmen, die zum Schild wandern. Ist natürlich auch ein hartes Los für die Leute, die bewusst dort ein millionenteures Anwesen mit Pools und Personal gekauft haben … Man kann diese Schilder im Prinzip getrost ignorieren. Drauf anlegen wollten wir es aber auch nicht. Auch deshalb noch ein Punkt für den Brush Canyon Trail: Der führt nur durch die Natur und stört keine Millionäre bei ihrem Sonnenbad.

Schwitzen und brutzeln für die Bucket List: Der Hollywood Sign Hike

Durch den Stau sind wir pünktlich zur Mittagshitze angekommen. Die Sonne brannte auch schon ordentlich auf uns herab. Glücklicherweise hatten wir ja eh unser ganzes Gepäck dabei und konnten so auch nicht die Sonnencreme vergessen haben, die wir jetzt definitiv brauchten. Es war zwar Donnerstag, also ein normaler Werktag, aber wir waren nicht die einzigen, die den Plan hatten, Richtung Holywood Sign zu wandern. Am auffälligsten, da am verrücktesten, waren joggende Menschen, die in der prallen Sonne an uns vorbei gelaufen sind, als würden sie einen kurzen Spaziergang im Park machen. In L.A. ist man halt sporty unterwegs. Wir hingegen waren schon nach wenigen Metern ordentlich am Luft holen, denn der Weg wurde direkt steil und Schatten gab es kaum.

Die wenigen Stellen, an denen man sich kurz unter einem Baum vor der Sonne schützen konnte, wurden gnadenlos ausgenutzt. Spätestens nach etwa einem Drittel der Strecke wurde man schon mit einem atemberaubenden Blick über die Skyline von Los Angeles belohnt. Der Rest des Weges lag zwar komplett in der Sonne, war dafür aber nicht mehr steil. So ließen sich die knapp vier Kilometer einigermaßen gut aushalten. Übrigens wäre die Wanderung vom Beachwood Drive nur halb so lang und deshalb ursprünglich unser Favorit gewesen. Allerdings soll diese Route aktuell tatsächlich offiziell geschlossen sein.

Nach zwei Dritteln der Strecke hat sich der Weg gegabelt und wir mussten eine Entscheidung treffen: rechts geht es etwa einen Kilometer weiter hoch und direkt zum (bzw. hinter) das Hollywood Sign. Links führt der Weg noch etwa einen halben Kilometer zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Sign. Wir haben uns für letzteres entschieden – einerseits, weil wir wirklich wenig Interesse daran hatten, nochmal eine steile Straße hochzulaufen, Andererseits aber auch, weil uns der Blick auf das Schild viel mehr gereizt hat als ein Blick auf die Buchstaben von hinten. Vom Aussichtspunkt hatten wir einen tollen Blick auf das Hollywood Sign und konnten gleichzeitig einen Blick auf einige nette Häuser ringsum werfen.

Da allerdings auch der Aussichtspunkt keinen wirklichen Schatten bieten konnte und leider auch nirgends ein Getränke- oder Sonnenschirmverkäufer zu sehen war (das wäre da wirklich ne gute Geschäftsidee gewesen), haben wir irgendwann den Rückweg angetreten. Um nochmal etwas anderes zu sehen, sind wir nicht denselben Weg zurück, sondern durch das Wohngebiet der Hollywoodlands gelaufen. Wirklich was sehen von den Häusern konnte man nur, wenn man von weiter oben auf entfernte Grundstücke blicken konnte. Stand man vor den Häusern selbst, waren oft nur Hecken oder Fassaden zu sehen. Wir hatten aber nicht das Gefühl, hier nicht willkommen zu sein. Das könnte aber auch daran gelegen haben, dass praktisch kein Mensch außer auf den Straßen unterwegs war.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz wollten wir eigentlich noch das Beachwood Cafe besuchen, das auf Fotos sehr vielversprechend aussah. Allerdings war es bis oben hin voll. Vermutlich, weil es der Anlaufpunkt schlechthin für alle Anwohner ist. Für uns war dann nur eine Cola im benachbarten Supermarkt drin (der wiederum eher nicht danach aussah, als würde hier die High Society einkaufen), bevor wir die letzten Kilometer zurück zum Parkplatz gelaufen sind.

Weder Schein noch Sein: der Walk of Fame am Hollywood Boulevard

Der Hollywood Walk of Fame ist eines der Wahrzeichen von Los Angeles und eine der ersten Assoziationen, die einem beim Namen der Stadt in den Sinn kommen. Jeder kennt Fotos von den berühmten Sternen, auf denen Namen von Schauspielern, Promis und wichtigen Persönlichkeiten der Filmindustrie Hollywoods verewigt werden. Wir sind ziemliche Filmbanausen, deshalb war der Hollywood Boulevard mit seinem Walk of Fame für uns eher ein „wenn man schon mal hier ist“-Ding. Wobei „hier“ ja, wie bereits im letzten Blog erwähnt, für Los Angeles ein dehnbarer Begriff ist. Aber wenn man eh in Hollywood ist, ist der Weg ja praktisch schon gemacht.

Unsere erste kleine Herausforderung war das Parken. Wir hatten uns vorher keinen Parkplatz rausgesucht und ohne Netz war auch keiner zu recherchieren. Also hieß es: einfach hin und hoffen, dass man irgendwo etwas sieht. Wir haben dann in einer Seitenstraße auf einem kleinen, angeblich überwachten Parkplatz geparkt. Für 10$ konnte man hier den ganzen Tag stehen, An sich ein Schnäppchen, allerdings für unser Vorhaben etwas unverhältnismäßig, da wir uns nur kurz umsehen wollten. Sei’s drum.

Der Walk of Fame war … dreckig. Das war zumindest das, was uns als erstes in den Sinn kam. Besonders am Anfang und am Ende. Und auch sonst war uns völlig unklar, dass dieser Ort so ein Touristenmagnet ist. Vermutlich kommen die meisten wirklich her, um es mal gesehen zu haben. Denn nachhaltig sehenswert ist hier unserer Meinung nach nichts. Es reihen sich Souvenirshops an Kneipen. Von überall her kommt laute Musik, Menschen mit viel zu großen Autos und noch größerem Ego fahren den Boulevard auf und ab und vor jedem zweiten Laden wird versucht, dir auf sehr penetrante Weise eine Bustour durch Hollywood zu verkaufen. Außerdem verkaufen Leute an Ständen hier (vermutlich zu horrenden Preisen) Säfte, Früchte und allerhand Ramsch und Doubles von Filmfiguren wollen dir ein Foto aufschwatzen. Sicherlich auch keine preiswerte Urlaubserinnerung.

Wir sind nach kurzer Zeit in eine Sports Bar geflüchtet um eine Kleinigkeit zu essen. Und dann hieß es: Nichts wie weg hier. Wir hatten nämlich noch einen Stopp geplant, der deutlich vielversprechender war. Und die Versprechen wurden sowas von eingehalten!

Der Sonnenuntergang am Griffith Observatorium

Das Griffith Observatorium ist eine Sternwarte in Hollywood und beherbergt unter anderem ein Planetarium und eine wissenschaftliche Ausstellung. Die meisten Besucher kommen allerdings nicht für das Observatorium selbst, sondern wegen seiner Lage. Es liegt an einem Hang oberhalb von Los Angeles und man hat sowohl einen Blick auf die Skyline als auch auf das Hollywood Sign. Besonders beeindruckend ist der Ausblick in der Dämmerung, wenn die Sonne langsam über den Dächern von Los Angeles untergeht. Sobald es dunkel ist, verwandelt sich die Stadt in ein funkelndes Lichtermeer.

Wir haben direkt am Observatorium geparkt, was uns nochmal 10$ gekostet hat – pro Stunde! Die Preise hier wurden wohl ziemlich angezogen und waren lange Zeit einstellig, aber hier bestimmt klar die Nachfrage das Angebot. Kostenloses Parken ist möglich, aber mit einem sportlichen Fußmarsch den Berg hoch verbunden (und das hatten wir heute schon zu Genüge). Der Blick und der Sonnenuntergang waren das Geld aber auf jeden Fall wert. Es waren zwar viele Menschen dort, aber trotzdem war es ruhig und friedlich und man konnte die letzten Sonnenstrahlen genießen und den Tag Revue passieren lassen.

Los Angeles bei Nacht (bzw. im Dunkeln) hätten wir zwar einerseits gerne gesehen, andererseits hätte uns das nochmal 10$ gekostet. Und wir wussten ja, dass wir noch zum Hotel fahren mussten. Zwar nur 25 Minuten laut Google Maps … aber ihr wisst schon. Deshalb haben wir uns, als die Sonne fast nicht mehr zu sehen war (und rechtzeitig bevor jeder die Rückfahrt antritt und sich eine lange Schlange an der Ausfahrt gebildet hatte), ins Auto gesetzt und gehofft, dass wir für die kommenden zwei Nächte eine schönere Unterkunft gebucht hatten …

Flanieren durch Beverly Hills

Kurz und knapp: Die Fahrt zum Hotel dauerte ewig. War ja klar. Aber: die Unterkunft war gut! Wir haben uns für zwei Nächte im Best Western Commerce eingebucht. Es liegt östlich von Los Angeles (Commerce ist schon eine eigene Stadt) und leider nicht wirklich in Reichweite zu dem, was wir von der Stadt bzw. seiner Umgebung sehen wollten. Aber etwas besseres und vor allem bezahlbareres war so kurzfristig nicht mehr zu finden. Doch wir waren zufrieden: Das Zimmer war groß und sauber und es gab sogar ein einfaches, aber seinen Zweck erfüllendes Frühstück.

Nach einer deutlich erholsameren Nacht sollte es heute deutlich entspannter zugehen als am Vortag. Für heute war Strandtag in Santa Monica angedacht, verbunden mit einem kurzen Abstecher nach Beverly Hills. Fun Fact: Beverly Hills ist übrigens auch kein Stadtteil von Los Angeles, obwohl komplett vom Stadtgebiet umgeben. Der Rodeo Drive ist eine der Prachtstraßen von Beverly Hills und ist mit allerlei teuren Geschäften bekannter Luxusmarken gespickt. Wer GTA V gespielt hat, hat hier schon einen Juwelier ausgeraubt. Wir haben darauf verzichtet. Und auch ohne schlechte Absichten sind wir in kein Geschäft gegangen. Gekauft hätten wir ja eh nix. Hier lohnt sich aber definitiv ein Abstecher. Denn anders als sein schmuddeliger Nachbar, der Hollywood Boulevard, ist der Rodeo Drive sehr sauber und schön anzusehen. Außerdem kann man in vielen Parkhäusern für zwei Stunden kostenlos parken. Wer also mal eben ne neue Gucci Handtasche für 3.000$ braucht, kann hier ordentlich an Parkgebühren sparen!

Entspannter Nachmittag am Santa Monica Pier

Nach einer tatsächlich gar nicht so langen Fahrt (da es mal nicht über die Interstate ging) kamen wir dann an unserem letzten Tagesziel an: dem Santa Monica Pier. Auch das ist so etwas, was vermutlich den meisten in den Sinn kommt, wenn sie an Los Angeles denken. Aber auch hier sei erwähnt: Santa Monica ist eine eigene Stadt und gehört nicht zu Los Angeles. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob wir überhaupt irgendwas im richtigen Los Angeles gesehen haben. Existiert die Stadt überhaupt? Egal.

Der Strand von Santa Monica ist unglaublich breit, weit und hat eine echt gute Infrastruktur. Es gibt zahlreiche öffentliche Toiletten, genug Verpflegungsmöglichkeiten, Fuß- und Radwege und viele bezahlbare Parkplätze. Wir hatten das Glück, den letzten Parkplatz auf einem kleinen Platz direkt am Strand nahe des Piers zu ergattern, der in der Nebensaison auch nur 7$ statt 14$ „until sunset“ (danach schließen viele Parkplätze) gekostet hat.

Am Strand ist ordentlich was los. Am „Muscle Beach“, einem open air-Fitnessstudio, ging’s sehr sporty zu. Auf dem asphaltierten Strandweg fuhren die Leute mit Inline Skates, Fahrrädern und Skateboards rum. Vor den Restaurants und Bars gab’s Gesangseinlagen oder einfach laute Musik, viele Menschen in schicken Klamotten mit nem Drink in der Hand.

Unsere erste Anlaufstelle war der Pier selbst. Der besteht zu einem Drittel aus Parkplatz, zu einem Drittel aus Restaurants und zu einem weiteren Drittel aus Vergnügungspark. Die Preise für letzteres sind nicht gerade niedrig für das, was man geboten bekommt. Allerdings zahlt man hier natürlich auch für die Lage un den Kultstatus. Wir haben uns aber mit einem leckeren Mittagessen bei Pier Burger zufrieden gegeben – übrigens die preiswerteste Möglichkeit, auf dem Pier zu essen, aber wirklich lecker! Auf dem Pier endet (oder beginnt?) übrigens auch die Route 66. Hätten wir das vor Ort schon gecheckt, hätten wir sicher ein Foto gemacht. Haben wir aber nicht … weder, noch.

Frisch gestärkt hätten wir sicherlich den Spaziergang am Strand entlang bis zum benachbarten Venice Beach geschafft, allerdings war uns heute wirklich nicht nach viel Bewegung zumute (vor allem weil wir wussten, dass es am nächsten Tag schon wieder bewegungsreicher zugehen würde). Stattdessen haben wir uns beim Anbieter Joyrides, der praktischerweise direkt am Parkplatz einen Stand hatte, einen Sonnenschirm und zwei Strandstühle für 15$ geliehen und den restlichen Nachmittag am Strand neben dem Pier verbracht. Hier konnte man es wirklich gut aushalten. Der Himmel war blau, der Wind war angenehm und über uns schrieb ein Kunstflieger Herzen in den Himmel. Läuft! Pünktlich zum Sonnenuntergang – und damit auch zur baldigen Parkplatzschließung – saßen wir im Auto und sind ein letztes Mal quer durch Los Angeles gefahren, bzw. geschlichen. Aber es waren nur lächerliche zwei Stunden bis zum Hotel. Man gewöhnt sich an alles.