Heading north: Zurück in die USA
Ein letzter ADO-Bus und hasta luego México
Elf Tage Cancún lagen hinter uns. Und insgesamt sechs Wochen Mexiko. In keinem Land waren wir länger. Wir haben uns hier die meiste Zeit über wirklich wohl gefühlt und es uns sehr gut gehen lassen. Wir sind entspannter und langsamer geworden, was das Reisen angeht, haben uns überall viel mehr Zeit gelassen, haben das „irgendwo einfach zu sein“ wieder mehr zu schätzen gelernt, gleichzeitig aber auch den schon sehr deutlichen westlichen Einfluss auf Yucatan genossen. Trotzdem waren wir nach alles in allem fast vier Monaten Latein- bzw. Mittelamerika irgendwie froh, wieder in einen anderen und uns bekannteren Kulturraum zu reisen. Der lag praktischerweise fast vor der Tür, denn mit unserem nächsten Flug würden wir nur eine Landesgrenze überqueren und in drei Stunden von Cancún nach Washington DC fliegen, der Hauptstadt der USA. Ein letztes Mal ging es dafür mit ADO auf die Straße, diesmal aber nur für eine kurze Fahrt von Downtown Cancún zum Flughafen. Hier wollte man zwar unseren Ausreisenachweis aus den USA sehen, die FMM-Einreisekarte mit den bewilligten 50 Tagen Aufenthalt in Mexiko hat aber niemanden interessiert.
Am Flughafen bekamen wir neben den üblichen Duty-free-Shops schon einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Tage, denn hier dominierten klar US-Amerikanische Fastfoodketten den Gatebereich. Und auch wir stimmten uns schon mal auf unsere nächste USA-Reise ein: mit einem Bagel mit Cream Cheese. Mangels Messer mit einer Gabel geschmiert. Quasi die erste Herausforderung vor und für die Einreise in die USA.
Welcome to the United States
Die nächste Herausforderung war dann der Flug selbst. Unser erster Flug mit United Airlines war an sich gut. Pünktlich und für drei Stunden ausreichend bequem. Ein die komplette Zeit schreiendes Kind mit offensichtlich überforderten Eltern direkt hinter uns weckte aber zwischendurch den Wunsch, eine Falltür unter deren Sitzreihe zu öffnen. Gegen den Flug war die Immigration dann keine Herausforderung mehr. Bis auf die knapp zweistündige Schlange jedenfalls. Diesmal wollte der Grenzbeamte wissen, ob wir genug Geld dabei hätten – und ein „ja“ reichte ihm schon. Mit perfektem Wetter und wolkenfreiem Himmel ging es dann mit der Metro vom Flughafen in die Innenstadt und von dort noch ein paar Haltestellen weiter bis zu unserer Unterkunft für die nächsten vier Nächte. Trotz im Grunde kurzer Anreise waren wir mittlerweile schon sehr geschafft. Früh aufgestanden, im Bus, am Flughafen, im Flieger und in der U-Bahn rumgesessen und lange nichts mehr gegessen. Und die ganze Zeit mit vollem Gepäck, denn wie bei American Airlines darf man bei United sein Gepäck grundsätzlich mit an Bord nehmen, solange es Handgepäck-Maße hat und man es selbst gehoben bekommt. Bekommen wir. Aber nach knapp acht Stunden wollten die 15 kg dann doch mal langsam von den Schultern runter…
Eine perfekte Ankunft
Die letzten zehn Minuten von der Metrostation bis zur Unterkunft mussten dann nochmal zu Fuß geschafft werden. Die kamen uns aber vor allem dadurch deutlich kürzer vor, weil es hier viel zu sehen gab. Unser Airbnb lag im Stadtteil Columbia Heights, der als einer der schönsten und lebenswertesten Bezirke von Washington DC gilt. Und das hätten wir direkt unterschreiben können. Sehr sauber und gepflegt sah alles aus. Und durch die Kombination aus sehr gutem Wetter und einem Freitagabend war überall viel los. Restaurants hatten ihre Tische rausgestellt, von irgendwo kam Livemusik. Und die Sonne war gerade noch hoch genug, dass sie alles durch die Bäume schön angestrahlt hat. Besser hätte unser erster Eindruck von DC nicht sein können! Auch die Straße, in der unsere Unterkunft lag, war super schön. Eine typische Ami-Straße voller Einfamilienhäuser, jedes davon mit einer schönen Veranda vor der Haustür. Wir konnten es kaum erwarten unsere Unterkunft zu sehen. Und unsere Schultern auch nicht.
Unsere Unterkunft für die nächsten Tage war die Kellerwohnung in einem der schönen Häuser. Kevin, der Besitzer des Hauses, sprach sogar sehr gut Deutsch, weil er viele Jahre bei Stuttgart gewohnt hatte. Durch die USA-typische Leichtbauweise hörte man sowohl ihn als auch seine zwei Hunde regelmäßig durchs Haus laufen, das hat uns aber nicht gestört (und war im Falle des Hundegetrappels eigentlich auch eher süß). Wir hatten ein großes Wohn-/Esszimmer mit Küche und einem großen Schlafzimmer zur Gartenseite. Das Bad war klein – aber diese Dusche! Konstant warmes Wasser und guter Wasserdruck, schöne westliche Welt. Waschmaschine und Trockner kamen uns ebenfalls sehr gelegen. Wie alles in den USA nicht billig, aber dafür mit Wohlfühlfaktor 1000. Wenn man etwas kritisieren will, dann die Küchenausstattung. Zwar gab es einen Herd, aber nur einen alten Topf und keine Pfanne. Wir beschränkten uns daher auf die Mikrowelle, in der wir nach einem schnellen Einkauf unsere erste TK-Pizza ohne Ofen zubereiteten. Fazit: es funktioniert. Knusprig nein, lecker ja. Zum satt werden und zufrieden ins Bett gehen hat es jedenfalls gereicht. Und als wir im Bett lagen und uns der absoluten Stille und Dunkelheit im Schlafzimmer bewusst machten war uns klar: Hier wird es uns gefallen.