Unsere Weltreise-Zeitplan-Checkliste – oder: Wie macht ihr das eigentlich?
Als uns die Idee der Weltreise in den Kopf kam, entstanden ganz schnell zwei Lager. Auf der einen Seite all die Möglichkeiten: Länder, die wir bereisen und Dinge, die wir dort erleben könnten. Auf der anderen Seite die großen Fragen: Wie läuft das dann eigentlich mit der Versicherung? Wie mit dem Arbeitsamt? Was machen wir mit unserer Wohnung? Und schon war das Chaos perfekt.
Glücklicherweise sind wir ja nicht die ersten Menschen, die so etwas wie eine Weltreise (oder zumindest eine längere Reise) machen. Eigentlich gibt es sogar ziemlich viele davon. Man hat nur irgendwie im Alltag selten mit ihnen zu tun. Und deshalb gibt es auch für alles eine Lösung.
Dieser Blogbeitrag soll einmal aufräumen mit allen großen Fragen und „Abers“. Im Prinzip ist es ein Best of der Antworten auf die Fragen, die uns auch immer und immer wieder gestellt wurden, wenn wir von unserem Vorhaben berichteten. Es sind die Fragen, die wir uns auch gestellt haben.
Um das Ganze ein bisschen zu strukturieren und vielleicht sogar Orientierung zu bieten, falls du bzw. ihr genau das gleiche vorhabt, aber nicht wisst, wie ihr das eigentlich angehen sollt, kommt jetzt unser persönlicher Weltreise-Countdown inklusive Checkliste, was man wann (bestenfalls) erledigen sollte.
Man muss dazu sagen – wir waren echt früh dran mit allem. Von der Idee bis zur Umsetzung (so sagt man doch, oder?) vergingen gut eineinhalb Jahre. In dieser Zeit haben wir in allererster Linie unseren Sparplan entwickelt und angefangen, monatlich alles an die Seite zu legen, was wir konnten.
Und wir haben angefangen, die Vorfreude zu schüren. Wir haben uns eine XXL-Weltkarte in die Küche gehängt, Pins in unsere Wunschländer gesteckt, überlegt, was wir vor Ort erleben oder lernen möchten und wie man die Länder am sinnvollsten miteinander verbinden kann. Unsere Bucketlist wuchs und wuchs. Und mit ihr die Vorfreude.
Zu dieser Zeit haben wir aber auch schon recherchiert, worum wir uns alles kümmern müssen, wenn wir uns mal ein Jahr lang komplett abmelden wollen. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Fragen kommen übrigens auf. Was ist eigentlich mit der Post? Und wohin mit dem ganzen Zeug aus unserer Wohnung? Will ich mein Auto eigentlich behalten? Und wer kümmert sich um unsere Pflanzen?
Und immer dann, wenn zu viele Fragen auf einmal aufploppen, nehme ich mir einen Zettel und einen Stift und bringe Ordnung in das Chaos. Manchmal mit einer Mindmap, manchmal mit einer Tabelle und manchmal mit einer Übersicht, die am Ende nur ich verstehe. So haben wir das auch mit all den Weltreise-Orga-Fragen gemacht. Was wir wussten: Anfang September soll’s losgehen. Dann haben wir die To Do’s mit all ihren Fristen (inklusive kleinem Puffer) den Monaten vor Abreise zugeordnet. Und am Ende wussten wir ganz genau, was wann zu erledigen war – ohne dass wir uns ständig fragen mussten, ob wir auch wirklich an alles gedacht haben.
Circa sechs Monate vor Abflug ging es dann los, sich um die wirklich wichtigen To Do’s zu kümmern. Man kann sicher auch spontaner sein – wir waren am Ende mit unserem Zeitplan aber sehr zufrieden. Wir hatten genug Zeit, alles in Ruhe zu erledigen und es wurde nicht stressig oder gar chaotisch in den letzten Wochen. Und so sah das Ganze dann letztendlich aus:
6 Monate vor Abreise
Termin beim Tropeninstitut für Reiseimpfungen
Der erste Termin ist einfach ein Vorgespräch. Dafür ist es gut, wenn man schon weiß, in welche Länder man reisen möchte. Dann können die Ärzte vor Ort einem genau sagen, welche Impfungen man braucht und ob sie auch ein Rezept für die Malaria-Prophylaxe ausstellen müssen. Da man teilweise mehrere Impfungen für die Grundimmunisierung braucht, kann es mehrere Monate dauern, bis man den vollen Impfschutz hat. Beim ersten Termin wurde also ein Plan für die kommenden Impfungen erstellt. Den ersten Impftermin hatten wir ca. drei Monate vor Abreise.
5 Monate vor Abreise
Kündigungsfristen und Abos checken
Ein Tipp, den ich mir selbst zu Herzen nehmen sollte. Ich hab’s nämlich nicht gemacht und zahle jetzt ein Jahr lang weiter 20€ pro Monat für einen Handyvertrag, den ich gar nicht benutzen kann. Auch Kündigungsfristen von Krankenkasse, Fitnessstudios, unnötigen Versicherungen und was man sonst nicht auf Reisen braucht, sollte man checken, um rechtzeitig aus den Verträgen rauszukommen.
4 Monate vor Abreise
Beim Arbeitsamt melden:
Der wohl ätzendste Punkt – zumindest für mich. Ich hasse sowas! Am Ende war’s aber halb so wild. Wenn man seinen Job (wie wir) für die Weltreise gekündigt hat oder der Arbeitsvertrag sowieso endet (Ausbildung, Volontariat, befristete Stelle, etc.), sollte man sich spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden (dreimal dürft ihr raten, wer das nicht gemacht hat). Wenn man spontaner kündigt, muss man sich spätestens drei Tage nach Kündigung melden, um eine Sperrfrist zu verhindern (in der man dann kein Arbeitslosengeld bekommt). Ich hab (mehrfach) bei der Agentur für Arbeit angerufen und mit offenen Karten gespielt, also von meinem Vorhaben erzählt und gefragt, wie ich nun vorgehen soll. Das würde ich auch jedem raten, denn ich habe durchweg nur mit super netten und hilfsbereiten Menschen gesprochen, die mir genau erklärt haben, wie die einzelnen Schritte für mich aussehen. Bei der Gelegenheit haben die Mitarbeiter auch direkt in meiner Akte notiert, dass ich ab dem Tag meiner Abreise dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehe – mich also abgemeldet. Ich musste dann nichts weiter tun, außer mich online arbeitssuchend melden. Dafür braucht man die online-Funktion des Personalausweises. Man kann aber auch einfach selbst hinfahren und alles vor Ort erledigen. Für den Antrag braucht man auch ein paar Unterlagen, zum Beispiel die Arbeitsbescheinigung vom Arbeitgeber. Da die bei uns beiden doch ein wenig auf sich hat warten lassen, kann man das eigentlich nicht früh genug anstoßen. Wenn man von der Reise zurückkehrt, meldet man sich wieder bei der Agentur für Arbeit, stellt sich dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung und bekommt dann auch Arbeitslosengeld (die Sperrfrist für die eigene Kündigung (drei Monate) läuft während der Abwesenheit ab – praktisch).
3 Monate vor Abreise
Erste Reiseimpfungen
Wir haben jeweils eine Rechnung über die Impfungen erhalten, die wir zunächst selbst gezahlt haben. Wir konnten sie aber ganz unkompliziert (per App) bei unseren Krankenkassen einreichen und haben das Geld sehr schnell zurückbekommen.
Zwischenmieter gesucht
Wir hatten das Glück und haben von unserer Vermieterin das Go bekommen, die Wohnung für ein Jahr zwischenvermieten zu dürfen (unbedingt vorher abklären!). Wir haben eine Anzeige auf ebay Kleinanzeigen geschaltet und wurden mit Anfragen überrannt. Wir haben eine Handvoll Bewerber eingeladen und uns direkt beim ersten Treffen für unsere aktuellen Zwischenmieter entschieden. Ein Sechser im Lotto!
Ersten Flug gebucht
Wir wussten ja, wann es losgehen sollte. Also konnten wir auch schon den ersten Flug buchen. Düsseldorf – Bangkok, one way!
2 Monate vor Abreise
Auslandskrankenversicherung abschließen
Für den Zeitraum der Reise haben wir uns mit einer Auslandskrankenversicherung quasi privat versichert und uns bei der gesetzlichen Krankenversicherung abgemeldet. Es gibt auch die Möglichkeit, Krankenversicherungen zu pausieren, dafür braucht man aber eine Anwartschaft und die kostet Geld. Um die gesetzliche Krankenversicherung kündigen zu können, braucht man a) den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung und b) einen Nachweis, dass man Deutschland verlässt, zum Beispiel ein Flugticket.
Krankenversicherung kündigen
Ich hab wieder mal bei meiner Krankenkasse angerufen (und hatte auch hier nur mit netten Menschen zu tun) und gefragt, wie ich vorgehen soll. Am Ende musste ich nur die beiden Nachweise (Auslands-KV und Flugticket) per App rüberschicken und das war’s. Super easy.
erste Unterkünfte gebucht
Ist glaub ich selbsterklärend. Je nachdem, wie flexibel man sein möchte, bucht man entweder nur die erste Nacht oder auch schon die erste Woche. Wir hatten unsere Unterkünfte für Bangkok und Phuket zu diesem Zeitpunkt fix.
4 Wochen vor Abreise
Auto verkauft
Ich hab mich schweren Herzens von meinem Auto getrennt. Erst hatte ich noch überlegt, es für den Zeitraum der Reise jemandem zur Verfügung zu stellen. Das hätte aber im Zweifel auch Ärger bedeuten können. Also dachte ich mir: „Besitz ist Last“ und habe es verkauft. Zu einem denkbar schlechten Kurs. Aber das ist eine andere Geschichte …
Internationalen Führerschein beantragt
Um in anderen (nicht EU-)Ländern Auto oder Roller fahren zu dürfen, braucht man einen internationalen Führerschein. Den bekommt man bei der Kfz-Zulassungsstelle. Man muss vorher einen Termin machen, seinen Führerschein und ein Passbild mitbringen. Kostenpunkt: 15€
3 Wochen vor Abreise
Wohnung ausmisten
Weil wir nicht alles auf dem letzten Drücker aus unserer Wohnung schaffen wollten, haben wir schon einige Wochen vor unserem Auszug angefangen, Sachen auszumisten und einzupacken, die wir vermutlich nicht mehr brauchen würden. Philipp war da konsequenter – ich habs dann doch quasi auf den letzten Drücker gemacht.
alternative Kreditkarte besorgt
Um unterwegs immer an Bargeld zu kommen, haben wir uns noch eine zusätzliche, alternative Kreditkarte für den Notfall besorgt. Mit der hat man einen bestimmten Verfügungsrahmen, den man innerhalb eines festgelegten Zeitraums begleichen muss. Leider habe ich (Kirsten) es irgendwie geschafft, so ein Chaos in meine Kartensituation zu bringen, dass ich letztendlich komplett ohne Kreditkarte losgereist bin …
2 Wochen vor Abreise
Online-Service für die Post gebucht
Damit wir unterwegs keine wichtigen Briefe verpassen, haben wir uns um einen Nachsendeauftrag bei der Post gekümmert. Wir nehmen für unsere Post einen online-Dienst in Anspruch, der unsere Briefe annimmt und uns benachrichtigt, wenn was angekommen ist. Auf Wunsch können wir die Post öffnen und scannen lassen. Das kostet pro Brief 1,50€. Das hängt aber vom Anbieter und Tarif ab.
Wohnung final ausgemistet
Dazu muss ich glaub ich nicht viel schreiben. Wir haben alle Schränke und Schubladen durchgeschaut und aussortiert, Dinge verkauft, verschenkt oder entsorgt und alles, was wir behalten wollten, in Kisten gepackt. Da unsere Zwischenmieter keinen eigenen Hausstand mitgebracht haben, konnten wir zum Glück die komplette Kücheneinrichtung einfach in der Wohnung lassen.
die letzte Woche vor Abreise
Dokumente scannen
Wir haben wichtige Dokumente wie unsere Impfzertifikate, Führerscheine und Reisepässe eingescannt und in einer Cloud gespeichert, quasi ein Backup für unterwegs.
Kisten mit privatem Zeug ausgelagert
Wir konnten unsere Kisten ganz unkompliziert bei meinen Eltern unterstellen (Danke nochmal :)) und haben uns dafür für einen Tag einen Transporter gemietet.
Wohnung putzen, Rucksäcke packen, und Tschüss
Und dann wurde es plötzlich ernst
War schon ein komisches Gefühl, die Wohnungstür das letzte Mal hinter sich zuzuziehen. Und zu wissen, dass wir sie ein Jahr lang nicht mehr öffnen werden, dass hier jetzt andere Menschen wohnen und leben und wir nun die Welt entdecken. Die letzten Tage vor Abreise haben wir bei Philipps Familie verbracht. Denn der Mietvertrag für die Zwischenmiete begann am 1. September, unser Flug ging aber erst am 3.
Auch Monate nach Abreise ist uns nichts mehr eingefallen, was wir hätten erledigen müssen. Haben also (vermutlich) an alles gedacht. 🙂