Schon wieder eine Insel: Ostern auf Holbox

Holbox war einer der Orte, die von Anfang an auf unserer Bucket List standen. Die Insel ist mittlerweile ein Klassiker bei Yucatan-Rundreisen und bei Einheimischen genauso beliebt wie bei Backpackern und Pauschaltouristen, die eine Alternative zu den Hotelriesen in Cancún und Tulum suchen. Mit Ausnahme weniger Gutbetuchter, die sich einen Flug mit kleinen Propellermaschinen direkt auf die Insel leisten, führt der Weg nach Holbox für Besucher über eine kurze Fährfahrt, die in der kleinen Stadt Chiquilá startet. Tickets für die Fähre kann man praktischerweise direkt am ADO-Busterminal kaufen, von dem man dann noch ein paar Minuten bis zum Fähranleger läuft.

Hier wartet dann noch ein kleines Hindernis. Ein halbwegs offiziell aussehender Stand mit halbwegs offiziell aussehenden Leuten versuchen die Touristen hier davon zu überzeugen, dass eine „conservation tax“ zu zahlen sei, die in den Umweltschutz von Holbox gesteckt wird und für den Aufenthalt obligatorisch ist. Und zunächst wollte man uns ohne das Bändchen, das man nach der Zahlung der Steuer ans Handgelenk bekommt, auch nicht zur Fähre lassen. Uns kam das aber komisch vor, denn erstens zahlt man solche Steuern meist mit der Buchung des Hotels oder der Fähre, zweitens schreit eine barbezahlte Steuer geradezu nach Verarsche. Als niemand hinsah, sind wir einfach am Stand vorbei zur Fähre gelaufen, wo fast jeder außer uns ein Bändchen trug – uns komischer-, aber bezeichnenderweise niemand danach fragte, weder beim Betreten der Fähre noch nach der Ankunft auf Holbox. Wir hatten zwar vermutlich „nur“ ein paar Euro gespart und unsere letzte Abzocke vor Cozumel damit nicht wieder drin, aber es fühlte sich trotzdem ein bisschen so an, quitt zu sein.

Unsere Casa Sunshine

Nach der Ankunft auf Holbox hat man zwei bis drei Optionen. Wer Glück bzw. das nötige Kleingeld hat, wird voraussichtlich von der gebuchten Unterkunft eingesammelt und bis vor die Tür gefahren. Die anderen nehmen entweder eines der zahlreichen Taxis, die es hier ähnlich wie auf Caye Caulker in Form von Golfcaddies gibt (allerdings deutlich größer und zahlreicher) oder laufen zu Fuß. Trotz der Hitze haben wir uns für letzteres entschieden, spart Geld und außerdem waren es nur knappe zehn Minuten bis zu unserer Bleibe für die nächsten vier Nächte. Die hört auf den Namen Casa Sunshine und liegt – mal wieder – am Rande der Innenstadt, wenn man auf Holbox von sowas sprechen möchte. Und war – glücklicherweise auch mal wieder – sehr hübsch. Von der staubigen Straße gelangt man in einen gepflegten und ruhigen Innenhof. Hier befinden sich nicht nur die Eingänge in die wenigen Zimmer, sondern auch Sitz- und Liegemöbel sowie eine Unmenge an Pflanzen. Ein bisschen wirkte alles wie der wahrgewordene Traum jeder zweiten Boho-Style-Pinterest-Seite. Der gute Eindruck setzte sich auch in unserem Zimmer fort. Chic, hell, sauber, klimatisiert… Und als Highlights eine Hängematte (die wir zwischendurch auch gerne als Kleiderstange missbraucht haben) und eine kleine eigene Kaffeemaschine. Für die restliche Verpflegung gab es eine kleine Gemeinschaftsküche, in der es zwei unserer Spezialitäten gab: Nudeln mit Tomatensoße und Pfannentoast. Abends war der Innenhof außerdem mit vielen Lichterketten beleuchtet, sodass es einem hier fast vorkam, als säße man in einem Restaurant. Und geschlafen haben wir hier auch wieder gut. Alles in allem also ein sehr guter Fang.

Die Suche nach dem Strand

Generell hat uns Holbox schon irgendwie an Caye Caulker erinnert. Straßen aus Sand, kleine bunte Holzhäuschen, schöne Restaurants… Inselvibe eben. Ein paar Sachen waren aber doch anders. Holbox ist nicht nur viel größer als Caye Caulker (obwohl nur ein sehr kleiner Teil bewohnt ist und der Rest unter Naturschutz steht), es war zumindest während unserer Zeit dort auch deutlich voller und wuseliger. Das wird aber auch (oder vor allem) daran gelegen haben, dass wir über Ostern dort waren und zu den eh schon reichlich vorhandenen ausländischen Touristen noch jede Menge Mexikaner dazu kamen, die hier vermutlich ein langes Wochenende verbrachten. Der „Stadtstrand“ der Insel, also das Stück Strand direkt im Ort, war dementsprechend voll – oder vielmehr überfüllt. Zwischen die mexikanischen Familientische – jeder standesgemäß mit eigener Musikbox ausgestattet, eine lauter als die andere – passte kein Haar mehr. Auf der Suche nach einem für uns geeigneten Stück Strand hat uns das nicht gerade angesprochen. Weiter östlich sind wir allerdings dann fündig geworden. Hier war deutlich weniger los. Zwar säumen auch dort noch Beachclubs den Strand, allerdings nicht bis nach vorne ans Wasser, sodass noch genug Platz für Nichtgäste bleibt. Auch in der anderen Richtung, also westlich des Stadtstrandes, sollen weniger besuchte Abschnitte kommen, die wir uns allerdings nicht angeguckt haben. Wir waren ganz zufrieden mit unserem Stückchen. Leider haben wir das an unserem ersten Tag dort nicht ganz so ausgekostet, wie wir es hätten tun sollen.

Was wir jetzt wissen, uns dort aber nicht so bewusst gemacht hatten: Die Gezeiten auf Holbox ändern sich jeden Tag stark. Das ist uns spätestens dann klar geworden, als wir (für unsere Verhältnisse) extra früh aufgestanden sind, um vormittags zum Punta Mosquito zu laufen. Das ist ein Strandabschnitt im Norden von Holbox (also nochmal deutlich weiter östlich des Ortes), der durch sein türkisblaues und klares Wasser zu einem der schönsten Strände der Welt zählen soll. Und vermutlich findet man auf Holbox keinen einsameren Ort, denn es gibt weder Verpflegungs- oder Verweiloptionen, noch Straßen, sodass man den Weg zu Fuß schaffen muss. Auch wenn der Punta Mosquito bei weitem kein Geheimtipp mehr ist und man wahrscheinlich auch Pech haben kann, wenn zur selben Zeit sehr viele andere Touristen die gleiche Idee haben. Viele Reiseblogs hatten uns versichert, dass man die Tour auf jeden Fall morgens machen soll, da ab mittags die Flut zurückkommt und die Sandbank, auf der man die meiste Zeit läuft, dann nicht mehr existiert. Als wir an dem Punkt ankamen, an dem man „durch knöchel- bis kniehohes Wasser“ zur Sandbank läuft, waren wir ziemlich irritiert. Zwar kam man immer noch auf die Sandbank und einige Leute liefen auch auf ihr entlang, von knietiefem Wasser konnte aber keine Rede sein. Es sei denn, bei denjenigen, die sich trotz der Lage zur Sandbank mühten, kommen die Knie direkt unter dem Hals. Wir waren nicht wirklich erpicht darauf, unsere Rucksäcke wie andere über unseren Köpfen zu balancieren, um irgendwie die Sandbank zu erreichen. Daher ging es leider unverrichteter Dinge wieder zurück. So wichtig war uns das dann zum Glück auch nicht. Schade war nur, dass die Gezeiten auch einen Strich durch unsere andere Strandrechnung gemacht hatten, denn von dem schönen Stück, an dem wir noch am Vortag gesessen hatten, war leider auch nicht viel übrig, so nah war das Wasser durch die Flut gekommen. Der Strand von Holbox ist glücklicherweise aber so breit, dass man irgendwo immer ein Fleckchen findet, an dem man sich mal niederlassen und ins Wasser gehen kann. Als einen richtigen Traumstrand, wie es manche Reiseführer tun, würden wir den von Holbox aber irgendwie auch nicht bezeichnen.

Holbox: Pro und Contra

Holbox ist einer dieser Urlaubsorte, bei dem die Meinungen sehr stark auseinander gehen. Auf Instagram beispielsweise sieht man natürlich nur die schönen Seiten. Traumkulissen an weißen Stränden und hellblauem Wasser. Logisch, dass jeder das mal live sehen will. Und das ist dann leider auch das Problem der Insel. Der kleine Ort platzt aus allen Nähten vor Touristen. Die Straßen sind entweder voller Menschen oder Taxis, die nicht selten mit viel Lärm dicht an einem vorbeirasen und dabei jede Menge Sand aufwirbeln, der einem dann um die Ohren fliegt. Die Strände sind zwar wirklich schneeweiß und das Wasser hellblau, richtig gepflegt sind hier aber nur die Privatgrundstücke der Strandclubs und Unterkünfte, während weiter vorne leider auch hier viel Seegras herumliegt. Kein Sargassum zwar, aber auch das „normale“ Seegras sorgt trotz kleiner Mengen für einen eher unangenehmen Geruch, dem man je nach Windrichtung kaum entkommen kann. Wir haben auf der Insel wirklich schöne Tage verbracht und oft stand man an Ecken, die einfach richtig schön aussahen (und die wir dann auch fotografiert haben). Das wirklich echte Bild von Holbox ist aber trotzdem eher das von Touristen überrannte kleine Dorf, das längst nicht mehr mit der Masse an Besuchern umgehen kann. Hier müsste der Staat eigentlich dringend regulierend eingreifen, aber klingelnde Kassen sind wohl wie immer der schönere Klang als der Ruf nach weniger Touristen. Womöglich gilt also hier der gleiche Ansatz wie bei der Seegras-Situation: Wird von außen zu wenig getan und die Sache ausgesessen, wird das System irgendwann von innen kollabieren. Und ehrlich gesagt kann man der Insel eine Auszeit vom Massentourismus nur wünschen.