Road Trip Tage 21 bis 24: Die Blue Mountains und der Abschied
Blackheath und der Grand Canyon Walk
Die letzte Station unseres Campingabenteuers war ein Klassiker der australischen Ostküste: die Blue Mountains. Die waren schon von Anfang an auf unserer Liste und sind nicht nur bei Touristen, sondern auch bei Einheimischen beliebt. Von Sydney fährt man weniger als drei Stunden bis ins Herz des Nationalparks, für australische Verhältnisse also vermutlich ungefähr so, als würden wir drei Straßen weiter Oma Inge besuchen. Der Zufall wollte es außerdem so, dass wir an einem Wochenende in den Blue Mountains sein würden. Und das hieß: die meisten Campingplätze waren entweder voll oder unbezahlbar. Das gleiche galt für Nicht-Campingunterkünfte. Und die Campingplätze, die weder teuer noch ausgebucht waren, waren wegen der Unwetter der letzten Wochen gesperrt. Wer direkt in Katoomba, dem Hauptort in den Blue Mountains, übernachten will, sollte sich definitiv früher um Unterkunft oder Stellplatz kümmern als ein paar Tage vorher. Also früher als wir. Am Ende sind wir in Blackheath untergekommen, der nächstgrößeren Stadt weiter nördlich, was sich aber als gute Entscheidung herausgestellt hat. Der Blackheath Glen Tourist Park war schön und gut ausgestattet, mit großer Küche und sauberen Waschräumen. Und bei weitem nicht so teuer wie alles in Katoomba, durch das wir am Ende nur durchgefahren sind und dort nur kurz zum üblichen Einkauf angehalten haben.
Wie sich allerdings schnell herausstellte, beginnt einer der schönsten Wanderwege der Blue Mountains auf dem Stadtgebiet von Blackheath: der Grand Canyon Walk. Das ist ein etwa 6 km langer Wanderweg, der zunächst hinab in den Canyon führt und anschließend wieder rauf zum Parkplatz. Der war übrigens sehr gut gefüllt. Wir hatten Glück, dass wir einen Parkplatz direkt am Trailhead bekommen haben und das auch nur, weil gerade ein anderes Auto wegfuhr. Aber überraschenderweise hat es sich auf der Wanderung sehr gut verlaufen und man ist nie mit einer Gruppe anderer Menschen unterwegs gewesen. Bis auf den Namen hat der Grand Canyon der Blue Mountains übrigens wenig mit dem Original aus den USA gemeinsam, denn im Gegensatz zu Arizona ist hier kein trockener Stein zu finden. Vielmehr ist alles in sattes Grün getaucht und von überall her fließen kleine Bäche bis hin zu größeren Wasserfällen an einem vorbei. Einmal mussten wir sogar die Schuhe ausziehen und durch einen Fluss waten. Inwieweit das normal oder teilweise noch Folge der Regenfälle war, wissen wir nicht, aber der Zeitpunkt hätte für uns nicht besser sein können (vor allem, weil der Wanderweg geöffnet und nicht durch die Wetterlage gesperrt oder gar teilweise zerstört war, was man bei weitem nicht von allen behaupten konnte). Wie üblich haben wir den Rückweg, der aus gefühlt endlosen Treppen bestand, schnell verflucht, aber die Wanderung war trotzdem eines unserer Australien-Highlights. Die Belohnung für die Strapazen ist der Evans Lookout am Ende des Aufstiegs aus dem Canyon, von dem aus man einen Blick in die Schlucht hat. Der ist allerdings bei Weitem nicht so beeindruckend wie am „echten“ Grand Canyon, dafür muss man also dann doch zum Original.
Undercliff Walk und ein schöner Wasserfall
Eine Sache, die wir schon vorher befürchtet hatten, ist definitiv eingetreten: wir haben gefroren über Nacht in den Blue Mountains. Unsere sonnen- und sommergewöhnten Körper waren definitiv wenig geeignet für einstellige Temperaturen in der Nacht, vor allem in einem wenig isolierten Auto. Wachte man nachts auf, war man froh, wenn zufällig alle Extremitäten unter der Decke waren. Herausguckende Arme fühlten sich nämlich gerne mal kalt und tot an. Tagsüber war dafür tolles Wanderwetter: nicht zu kalt, nicht zu warm, nicht zu sonnig und trotzdem trocken. War also eher Jammern auf hohem Niveau (wie fast immer). Und obwohl wir uns gestern nach (und auch schon während) der Grand Canyon Wanderung geschworen hatten, heute auszuruhen, wollten wir unseren zweiten vollen Tag in den Blue Mountains nicht komplett ungenutzt lassen. Stattdessen sind wir etwa 30 Minuten nach Wentworth Falls gefahren, das den gleichnamigen Wasserfall und einige, dort hinführende Wanderwege beheimatet.
Von den vielen Wanderwegen, die alle in der Wentworth Falls Picknick Area starten (bei der wir wieder ein bisschen auf einen der wenigen vorhandenen Parkplätze warten mussten), haben wir uns für den Undercliff Walk entschieden, der wie der Name schon verrät teilweise auch direkt unter den Klippen entlangführt. Natürlich hieß es auch hier wieder, treppauf, treppab (bzw. andersrum), aber deutlich weniger anstrengend als am Grand Canyon. Die Wentworth Falls selbst bestehen aus einem mehrstufigen Wasserfall, der am Ende mehrere Hundert Meter ins Tal fließt. Wir sind bis zu einer Brücke gewandert, unter der der Wasserfall vorbeifließt, bevor er die Schlucht herunterfließt. Für einen besseren Blick hätte man noch weiterlaufen und über viele Treppenstufen die Schlucht hinabsteigen können, aber gegen Treppen waren wir an dem Tag absolut allergisch. Zumindest gegen solche, die sich vermeiden lassen. Also ging es danach wieder zurück Richtung Parkplatz. Irgendwann war auch mal gut. Außerdem mussten wir es abends noch irgendwie schaffen, unseren ganzen Essensreste zu vernichten, die wir nicht mit nach Sydney nehmen konnten oder wollten…
Teurer Blick auf die Three Sisters und bye bye grüner Schlingel
Nach einer weiteren kühlen Nacht mit sehr vollen Mägen brach dann endgültig der letzte Tag in und mit unserem grünen Flitzer an. Ein letztes Mal wurde am Kofferraum Kaffee zubereitet, ein letztes Mal das Bett abgebaut und die Fahrerkabine fahrtauglich gemacht. Vor der Abgabe des Campers wollten wir noch einen letzten Abstecher in den Blue Mountains machen, der eigentlich schon ein Pflichttermin ist. Die Three Sisters sind eine markante Felsformation in den Blue Mountains und fast sowas wie das Aushängeschild des Nationalparks. Es gibt vermutlich keinen Australien-Reiseführer, der nicht irgendwo ein Foto der Three Sisters abdruckt. Die Three Sisters lagen außerdem auf unserem Weg von Blackheath runter nach Sydney, also war es eigentlich keine Frage, ob wir dort einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Wanderungen in den Blue Mountains war die Infrastruktur allerdings irgendwie seltsam undurchdacht. Es gab eine übertrieben große Aussichtsplattform, in dessen Ecke ein kleiner Souvenirshop gequetscht war, allerdings überhaupt keine Parkplätze. Geparkt werden konnte (bzw. musste) auf den Seitenstreifen oder auf wenigen vorhandenen öffentlichen Parkbuchten, die aber alle eines gemeinsam hatten: den sehr unverhältnismäßigen Studentarif von satten 8 Australischen Dollar. Aber gut, scheint ja zu funktionieren, denn allen Besuchern inklusive uns blieb am Ende ja nichts anderes übrig, als das Ticket zu bezahlen (oder die Three Sisters halt einfach nicht zu besuchen). Eine Stunde Parken hat am Ende aber tatsächlich gereicht, es sei denn, man klettert auf die Three Sisters selbst, die teilweise über kleine Brücken miteinander verbunden sind. Wer wie wir nur einen Blick auf die Felsen haben möchte, kann einen kleinen Weg zu einer Aussichtsplattform nehmen – besser aber noch, wie wir im Nachhinein festgestellt hatten – einfach auf der großen Aussichtsplattform am Anfang bleiben, von der aus man den besten Blick auf die Felsformation hat. Die sieht übrigens einfach so aus, wie sie aussieht und auf Milliarden Google-Fotos zu sehen ist. Dort dann allerdings umsonst.
Der Rest des Tages bestand dann nur noch aus der Fahrt nach Sydney, wo wir unseren grünen Flitzer vollgetankt am Jucy Standort in der Nähe des Flughafens abgegeben hatten. Dort standen schon mehrere seiner Freunde, die auf neue Besitzer auf Zeit warteten. Etwas wehmütig gaben wir unseren Jucy Crib ab, sagten uns aber, dass das nicht unser letzter Campingtrip gewesen war. Wir haben die drei Wochen wirklich genossen. Man hatte sich schnell mit dem geringen Platzangebot abgefunden und die Flexibilität und Freiheit, immer dort zu sein, wo man sein möchte, sehr zu schätzen gelernt. Wir wissen zwar nicht, wann wir das nächste Mal campen gehen, geschweige denn, wo das sein wird und welche Art und Größe des fahrbaren Untersatzes uns dann begleiten wird, aber eines steht fest: es wird definitiv ein nächstes Mal geben!