Phnom Penh zum Dritten: Eine Woche Alltag

Eine Woche noch durften wir uns mit unserem Visum in Kambodscha aufhalten. Wir haben wenig vom Norden und wenig vom Osten gesehen – und kurz dachten wir, wir könnten noch ein paar Tage nach Kratie, dem kleinen Städtchen und Tor zu einem schönen Stück Natur außerhalb von Kambodschas Metropolen. Nach vielen Fahrten und Umzügen in andere Unterkünfte hatten wir uns letztendlich allerdings dazu entschlossen, uns eine Woche lang in ein Apartment in Phnom Penh einzumieten, um ein bisschen runterzukommen, alles sacken zu lassen und die weitere Reise zu planen. Zunächst ging es ein letztes Mal über die Brücke ins Zentrum von Kampot, wo wir ein ebenso letztes Mal in einen Bus von Giant Ibis steigen würden (diesmal sogar umsonst, nach unserer mäßig bequemen Fahrt nach Sihanoukville). In Phnom Penh angekommen ging es nach dem Check-in in unsere letzte kambodschanische Unterkunft (dazu unten mehr) erstmal eine Runde einkaufen – und mittlerweile hatte sich die Stadt in ein richtiges Weihnachtsdorf verwandelt. Hatten wir vor drei Wochen schon vereinzelt Weihnachtsbäume und -dekoration gesehen, konnte man dem jetzt nirgends mehr entfliehen. Wären es nicht 30 Grad, man hätte sich fast wie zuhause fühlen können. Fehlte nur noch der Glühwein…

Nichtstun in den fast eigenen vier Wänden

Für unsere letzte Station in Kambodscha ging es ins Residence 105 Hotel and Apartment, einem eher kleinen Apartmentgebäude im Herzen Phnom Penhs. Die meisten Zimmer hier sind Apartments mit einem oder zwei Schlafzimmern und einer Wohnküche, vermutlich bewohnt von einer Mischung aus Langzeitmietern und Touristen. Im oberen Stockwerk gibt es außerdem ein Fitnessstudio und einen Pool auf dem Dach, der leider arschkalt war und wir uns deshalb nur zweimal reingequält haben. Dafür hat man von dort oben einen sehr schönen Blick über Phnom Penh, inklusive täglichem Sonnenuntergang. Für uns war es optimal und wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Wir hatten aber auch das Glück, ein Apartment mit zwei Schlafzimmern zu bekommen, weil anscheinend kein One-Bedroom-Apartment frei war. Das hatte zur Folge, dass das zweite Schlafzimmer zwar abgeschlossen war, aber dafür als Pufferzone zwischen unserem und dem Nachbarapartment diente, in der die vermutlich lauteste Familie der Welt wohnte (nach der auf Phu Quoc, vielleicht war es aber auch dieselbe). In unserem Schlafzimmer war es absolut ruhig, trotz Straßenlage, Jackpot! Die meiste Zeit haben wir auch tatsächlich im Apartment (am liebsten im Bett) verbracht und ab und an mal ein wenig die Umgebung erkundet. Eine Woche Runterkommen hat hier auf jeden Fall funktioniert und tat sehr gut, sodass wir uns vornahmen, öfter länger an einem Ort zu verbringen und nicht überall alle paar Tage umzuziehen. Schlaucht irgendwann doch ganz schön…und wir sind ja keine 20 mehr!

Marktbesuch und mal wieder zur Post

Um nicht komplett zu Stubenhockern zu werden, sind wir allerdings noch einmal rein nach Phnom Penh gefahren. Zum einen, um uns den großen zentralen Markt anzuschauen, der in einem imposanten Gebäude untergebracht ist und den wir bei unseren ersten Tagen in der Stadt ausgelassen haben. Überraschenderweise ging es hier deutlich weniger wuselig zu, als gedacht, vermutlich, weil hier wirklich Einheimische für den täglichen Bedarf einkaufen und es zur Abwechslung mal keine Touristenfalle ist. Nicht nur gab es hier frische Lebensmittel (deren Bereich wir aufgrund des allzu bekannten Geruches nach einsetzender Verwesung ausgelassen haben), sondern auch Klamotten, Schuhe, Elektronikbedarf…sogar ein paar Frisöre haben wir zwischen den Marktständen entdeckt. Auf jeden Fall ein interessanter Besuch – dazu noch überdacht. Perfekt für heiße, sonnige Tage. Danach rief noch einmal die Pflicht: es wollten mal wieder Postkarten verschickt werden. Nach der Weihnachtspost waren jetzt noch die regulären Postkarten dran. Und da die Weihnachtskarten sogar schon in der Heimat angekommen waren, konnten wir dem Postsystem in Kambodscha wohl unser volles Vertrauen schenken. Das Postgebäude (inklusive seiner Umgebung) war, wie sollte es auch anders sein, auch direkt nochmal ein altes Gebäude aus der Kolonialzeit, also war das Sightseeing direkt inklusive.

Last but not least: Wat Phnom

Der zweite und jetzt wirklich allerletzte Ausflug innerhalb Phnom Penhs führte uns zu Wat Phnom, einer Tempelanlage im Norden des Stadtzentrums. Nachdem wir zweimal mit dem Bus dran vorbeigefahren waren und es sich ständig bei Google Maps als große und bekannte Sehenswürdigkeit aufgedrängt hatte, gaben wir schließlich nach und statteten der Tempelanlage einen Besuch ab. Im Nachhinein sind wir sehr froh, uns dafür entschieden zu haben, denn die Anlage ist wirklich sehr schön. Der Haupttempel selbst ist eher klein, dafür aber auf einem kleinen Hügel gelegen, Stadtpanorama inklusive. Wer wie wir zur Nachmittagszeit kommt, kann außerdem beobachten, wie die Sonne untergeht und die Anlage durch die vielen Bäume und Pflanzen in tolles Licht taucht. Ein Eintrittsgeld von 1$ ist dafür absolut zu verschmerzen und lohnenswert. Mit einem letzten Sonnenuntergang in Phnom Penh ging es dann für uns mit dem Tuktuk zurück ins Apartment. Am nächsten Abend stand unsere nächste Reise an – unsere längste bisher. Es hieß also wieder einmal packen. Und genug Energie tanken. Die würden wir nämlich brauchen.