Fünf Tage Entspannung: Das Urlaubsparadies Phu Quoc
Reise in eine andere Welt
Sechs Tage blieben uns noch in Vietnam, bevor unsere zweiwöchige visafreie Aufenthaltserlaubnis endete und wir das Land verlassen mussten. Wir hatten die kommenden neun Tage viel gesehen und erlebt, sowohl in der Großstadt Ho Chi Minh Stadt als auch in den kleineren Mekongstädten Ben Tre und Can Tho. Was uns jetzt fehlte und worauf wir uns auch sehr freuten waren ein paar Tage voller Ruhe und Entspannung. Die wollten wir uns auf Phu Quoc gönnen, der größten Insel Vietnams, die sich in den letzten Jahrzehnten vom Geheimtipp zur internationalen Urlaubsinsel entwickelt hat. Für uns lag sie so ein bisschen auf unserer Route, denn bis nach Kambodscha war es von Phu Quoc aus nicht mehr weit (die Insel war auch Streitpunkt im vietnamesisch-kambodschanischen Krieg 1978). Ursprünglich hatten wir vor, uns mit den Bussen bis an die Südspitze des vietnamesischen Festlandes vorzuarbeiten und dann von Ha Tien, der nächstgelegenen Hafenstadt, mit der Fähre nach Phu Quoc überzusetzen. Die Umwelt hätte es uns sicherlich gedankt, allerdings standen sich ein 30-minütiger (!) Flug und eine mindestens achtstündige Fahrt mit mehreren Bussen plus eine Fährfahrt gegenüber – bei ungefähr gleichen Kosten. Die Zahlen sprechen für sich, da sind wir letztendlich schwach geworden. Also ging es statt mit einem Bus zunächst mit dem Taxi zum Flughafen von Can Tho, der in den letzten Jahren ebenfalls stark gewachsen ist und inzwischen nicht mehr nur Inlandsflüge, sondern beispielsweise auch Flüge nach Thailand und Malaysia anbietet. Trotzdem ist der Flughafen sehr niedlich und definitiv der kleinste, den wir bislang gesehen haben. Viel los war auch nicht, sodass wir die Wartezeit zunächst in der leeren Abflughalle und später (nach einem sehr fragwürdigen Security Check, bei dem uns nicht mal unsere große Wasserflasche abgenommen wurde) am fast genauso leeren Gate verbrachten. Der Flug dauerte dann tatsächlich nur knappe 30 Minuten, was echt ein Witz ist. Die Taxifahrten vom Hotel zum Flughafen Can Tho bzw. vom Flughafen Phu Quoc zum nächsten Hotel waren jeweils genauso lang. Irgendwie absurd. Aber zeiteffizient, das kann man nicht anders sagen. Der Unterschied zwischen den beiden Taxifahrten war, dass es auf Phu Quoc ganz anders zuging als noch in Can Tho oder generell auf dem Festland. Vom Flughafen führt eine einzige große Autobahn entweder in den Norden oder in den Süden der Insel. Die Straße sieht aus, als wäre sie gestern frisch geteert und neu eröffnet worden. Was aber auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass uns auf der ganzen Fahrt kaum ein anderes Auto entgegen kam. Es kam uns vor, als würden hier überhaupt keine Menschen wohnen oder sich zumindest nicht fortbewegen. Auch am Straßenrand waren kaum Menschen zu sehen. Links und rechts sah man hin und wieder einen Hotelturm in der Ferne, die meiste Zeit war die Sicht aber durch hohe, plakatierte Bauzäune blockiert, die anzeigten, was hinter diesen Wänden entsteht – und zwar eigentlich immer das gleiche: riesige Hotelkomplexe. Ein sehr seltsamer erster Eindruck.
Urlaub in der Geisterstadt
Irgendwann bog unser Taxi links ab auf eine große Prachtstraße und ein großes Schild teilte uns mit, dass hier die Premier Residences Phu Quoc Emerald Bay begannen. Wir waren hin- und hergerissen. Einerseits sah alles richtig schön und sauber aus, andererseits völlig anders als alles, was wir bislang in Vietnam oder generell Asien gesehen hatten. Nachdem die Allee ein paar Minuten völlig ausgestorben war, begannen plötzlich große Häuserfronten, die nicht nach Asien, sondern eher nach europäischer Großstadt aussahen. Die Gebäude schienen meistens leer, vereinzelt waren aber Hotels oder Läden untergebracht. Alles wirkte wie eine Planstadt. Unser Hotel, das Ann Hotel, war zum Glück an einer belebten, um nicht zu sagen lebendigen Ecke angesiedelt, hatte praktischerweise einen Supermarkt nebenan und zum Strand sollten es auch nur ein paar Minuten sein. Der stellte sich tatsächlich als absoluter Traumstrand heraus (dazu gleich mehr). Wir kamen aber nicht drumherum, erstmal noch länger über unsere Umgebung für die nächsten Tage nachzudenken – und zu recherchieren. Auf Phu Quoc sind anscheinend mehrere große Investoren unterwegs, die das Potential der Insel erkannt haben. Überall entstehen Hotels – oder wie hier bei uns: ganze Hotelstädte unter der Schirmherrschaft eines Investors bzw. einer Hotelkette. Städte innerhalb von Städten quasi, die die Touristen während ihres Aufenthaltes gar nicht verlassen müssen, sondern in denen sie jede Dienstleistung, jedes Produkt und jede Art von Restaurant finden, je nachdem, wonach ihnen gerade ist. Unsere Art des Urlaubs wäre das nicht, den Reiz können wir aber irgendwo verstehen und haben das für unsere Umgebung auch durchgespielt. Wenn in den Gebäuden wirklich überall Hotels, kleine Cafés und verschiedene Restaurants untergebracht sind, könnte das eine wirklich interessante und abwechslungsreiche Geschichte werden. Ein bisschen wie ein Disneyland für Strandurlaub. Vermutlich hat hier – und unserem Anschein nach generell auf der Insel – entweder Corona oder eine generelle Investitionsmüdigkeit dazu geführt, dass vieles nur halbfertig ist oder einfach aufgegeben wurde. Der Leerstand macht die Atmosphäre nicht komplett kaputt, lässt einen aber etwas ratlos zurück.
Traumstrand mit Geschichte: Der Khem Beach
Nur drei Minuten Fußweg von unserem Hotel entfernt lag der Khem Beach. Der war ohne lange zu überlegen einer der schönsten Strände, die wir je gesehen haben. Der Sand ist strahlend weiß und unglaublich fein, der Weg zum Strand ist mit Palmen gesäumt, das Wasser ist türkisblau und kristallklar. Bei unserem ersten Besuch war es dazu noch absolut windstill und das Wasser war komplett ruhig und sah aus wie ein hellblauer Spiegel. Direkt am Wasser waren einige Restaurants angesiedelt, bei denen wir uns ein paar Mal ein Mittagessen oder ein kaltes Getränk gegönnt haben, auch wenn die Preise hier logischerweise etwas angezogen hatten. Der Strand war außerdem sehr sauber und wurde, zumindest dort, wo wir uns aufgehalten haben, mehrmals am Tag durchgeharkt. Hier konnten wir es trotz der fragwürdigen Atmosphäre unserer „Hotelstadt“ im Rücken definitiv ein paar Tage aushalten. Man muss dafür allerdings ausblenden, dass der Strand vor ein paar Jahren noch etwas wilder und natürlicher aussah. Bei Google findet man noch Bilder, die den Strand ohne schicke Restaurants, dafür mit einfachen Strandbuden zeigen. Und natürlich ohne Hoteltürme im Hintergrund. Dafür dann aber mit etwas mehr Müll (denn die Hotels haben natürlich genug Geld, für das nötige Personal zu sorgen, das die Strände sauber hält) und mit Plastikstühlen statt schöner Holzterrasse. Es wird halt nicht alles automatisch schlecht, wenn ein Strand mit Hotels zugebaut wird. Aber anders. Wir haben es am Strand trotzdem (oder gerade deshalb?) gut ausgehalten, waren im kristallklaren und warmen Meer schwimmen und haben es uns gutgehen lassen. Zumindest immer dann, wenn das Wetter mitgespielt hat. Leider war das oft nicht der Fall und wir mussten öfter vor Regen fliehen – oder sind durch den Regen davon abgehalten worden, überhaupt vor die Tür zu gehen. Zum Glück haben wir einen Pizzalieferdienst in der Nähe gefunden, dessen armer Fahrer uns ganze drei Abende lang sehr leckere Pizza durch sehr nasses Wetter auf seinem Moped liefern musste.
Eine Premiere: Wir wechseln das Hotel
Größtenteils unerwähnt blieb bislang unser Hotel. Das Ann Hotel war wie gesagt gut gelegen mit kurzen Wegen sowohl zum Strand als auch zum Supermarkt. Die Zimmer waren schön eingerichtet und alles schien ziemlich neu. Das war dann aber auch alles Gute, was man über das Hotel sagen kann. Unser Zimmer hatte kein Fenster – was bei wechselhaftem Wetter besonders nervig ist, denn um in Erfahrung zu bringen, ob gerade eher Strandwetter oder „Wir bestellen wieder Pizza“-Wetter ist, mussten wir jedes Mal zur Rezeption laufen und aus der Hoteltür gucken. Das inkludierte Frühstück war praktisch nicht existent und Kaffee gab es gar keinen (was bei unseren Erfahrungen mit Hotelkaffee in Vietnam aber nicht allzu tragisch war). Was in diesem Hotel aber wirklich furchtbar ist, ist die nicht vorhandene Ruhe. Die Zimmertüren sind gefühlt aus Pappe und lassen jedes Geräusch durch. Jeder Schritt durchs Treppenhaus, jede Unterhaltung an der Rezeption (die durch die gefliesten Gänge sehr schön in die oberen Stockwerke hallte) war so laut hörbar, als hätte man sein Bett in den Hotelflur gestellt. Das hätten wir alles irgendwie noch ausblenden können, das i-Tüpfelchen war allerdings eine vietnamesische Familie, die auf der gleichen Etage wohnte und – wie leider viele Vietnamesen generell – die Angewohnheit hatte, sich den ganzen Tag nur gegenseitig anzubrüllen. Von morgens bis abends. Besonders reizend war der Nachwuchs der Familie, der nicht nur das Brüll-Gen der Eltern geerbt hatte, sondern die Abendstunden am liebsten damit verbrachte, durch das Treppenhaus zu laufen. Eine wunderbare Geräuschkulisse. Besonders so ab 11 Uhr abends. Eine Beschwerde beim Nachtmanager wurde mit einem „Oooh“ zur Kenntnis genommen, was auch immer uns das sagen sollte. Am nächsten Morgen haben wir die Rezeptionistin darüber informiert, dass wir keinen Tag länger in diesem Hotel bleiben werden. Sie schien sehr verwundert über unsere Beschwerde, was die Lautstärke angeht (während es um sie herum schallte wie in einer Lagerhalle), aber das Geld für die verbliebenen Nächte haben wir zurückbekommen. Immerhin.
Umgezogen sind wir in das nur einen Block entfernt gelegene JM Boutique Hotel. Und der Unterschied war tatsächlich einer wie Tag und Nacht. Das Hotel war auch klein, aber sehr liebevoll eingerichtet. Unser Zimmer war groß, hatte Fenster, sogar mehrere! Es gab ein großes Bad mit großer Dusche und das Beste – es gab einen Hotelhund namens Pumpkin. Dem hat es laut der Besitzerin in Ho Chi Minh Stadt gar nicht gefallen, viel zu groß und laut. Hier auf Phu Quoc (und in der Geisterstadt) spaziert er tagsüber durch die Straßen oder schläft irgendwo im Hotel. Wir haben uns sofort in Hotel und Hund verliebt. Auch hier hatten wir Frühstück inklusive – das erste Mal gab es richtigen leckeren Kaffee! Und auch sonst ein sehr gutes Frühstück, das nur noch vom italienischen Essen im Hotelrestaurant Jo’s Cucina getoppt wurde. Und vielleicht auch von frischen Pommes im Hotelbett, die wir uns am letzten Tag dank Regenwetter gönnten. Was die Hotelsituation angeht, nahm das Ganze auf Phu Quoc auf jeden Fall ein versöhnliches Ende.