Unerwartet schön: Drei Tage in Kampot

Nach fünf Nächten kompletter Erholung auf einer wirklich traumhaften Insel ging es für uns zu unserer vorletzten Station in Kambodscha. Ob wir überhaupt nach Kampot fahren, war bis kurz vorher gar nicht klar, weil wir beide gar nicht so richtig wussten, was man dort macht oder sich anguckt. Letztendlich hatten wir aber noch genug Zeit, außerdem liegt Kampot irgendwie auf dem Weg, wenn man letztlich zurück Richtung Phnom Penh will. Das Problem war allerdings wieder einmal das Hinkommen. Zum Glück war die Eisenbahnstrecke zwischen Sihanoukville nach Phnom Penh mit Halt in Kampot eine derer, die schon wieder reaktiviert war, deshalb stellten wir uns auf ein erstes Zugabenteuer in Kambodscha ein. Günstig sollte es angeblich sein, auch wenn wir uns nicht so richtig sicher waren, ob wir online Tickets oder erst am Bahnhof kaufen sollten. Am Ende entschieden wir uns, vom Fähranleger in Sihanoukville mit dem Tuktuk zum Bahnhof zu fahren, wo man uns die Fragen sicherlich beantworten konnte. Als wir wieder auf dem Festland ankamen, standen auch schon zahlreiche Tuktukfahrer parat, die uns gerne mitgenommen hätten. Für die kurze Fahrt zum Bahnhof wäre unter normalen Umständen etwa 1$ fällig gewesen. Wohl dem, der sich vorher informiert. Denn die Tuktukfahrer witterten hier offensichtlich das Geschäft ihres Lebens (oder zumindest des Tages) und wollten uns kurzerhand das Sechsfache berechnen. Das Zweifache hätten wir uns ja noch bieten lassen, selbst auf das Dreifache hätten wir uns vielleicht eingelassen. Aber das war einfach nur Abzocke, sodass wir sämtliche Fahrer stehenließen und uns entschlossen, bis zur Hauptstraße zu laufen, um dort ein besseres Angebot zu bekommen. Dort sind wir dann, wie es der Zufall so will, an einem kleinen Schalter für Shuttlebusse vorbeigekommen, die auch nach Kampot fahren. Der Bus sollte sogar nur 15 Minuten später abfahren und Plätze waren auch noch frei – quasi Schicksal. Kurze Zeit später saßen wir tatsächlich im Bus. Ganz hinten zwar, etwas eingepfercht zwischen Gepäckstücken, aber die Klimaanlage lief und wir fuhren. Drei Stunden dauerte die Fahrt, davon mindestens eine über eine schrecklich löchrige Straße voller Sand und Staub. Gut, dass die Fenster geschlossen waren, umso mehr taten einem die Leute leid, die an dieser Straße lebten und die ganze Zeit damit beschäftigt waren, die Straße zu bewässern, damit weniger Staub aufgewirbelt wird. An solchen Straßen erklärt sich dann auch die Motivation, Bahnstrecken zu reaktivieren und generell Zug zu fahren. Aber für uns war der spontane Bus am Ende trotzdem ein Glücksfall.

Immer wieder Frankreich

Nach dieser wirklich unerwartet einfachen Anreise war unser erster Eindruck von Kampot ebenso unerwartet. Statt direkt in den kolonialen Charme einzutauchen stürzte sich eine Horde Tuktukfahrer auf unseren Bus, damit sich ja niemand ohne einen überteuerten Transport zu seiner Bleibe aufmachen konnte. Den ersten Fahrer konnten wir noch abwimmeln, beim zweiten haben wir dann nachgegeben und einen für unsere Verhältnisse okayen Preis zu unserer Unterkunft ausgehandelt. Wir haben uns für das Kampot Coco Guest House entschieden, ein nettes kleines Hotel links des Flusses, der die Stadt in zwei Seiten teilt. Während es auf der rechten Seite eher laut und hektisch zugeht, weil sich hier der Ortskern mit den meisten Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten befindet, geht es auf der linken Seite eher ruhig zu, weil hier hauptsächlich Wohngebiete liegen. Das Guesthouse selbst war zwar wieder einmal sehr hellhörig (irgendwie mag man es in Asien sehr gerne, alles, wirklich ALLES zu fliesen, Böden, Wänden, Decke, sodass es im ganzen Gebäude fürchterlich hallt), aber die Umgebung selbst angenehm ruhig, sodass man gut schlafen konnte und trotzdem zu Fuß ins eigentliche Kampot laufen konnte. Die Besitzer waren außerdem sehr freundlich und Frühstück gab es auch wieder mal inklusive. Ein guter und empfehlenswerter Ausgangspunkt für ein paar Tage in Kampot.

Nachdem wir uns am Ankunftstag schon einen ersten Eindruck verschafft hatten, inklusive einem kurzen Blick auf den Durian Kreisverkehr (ja, wirklich, nein, keine Ahnung wieso) und einem sehr leckeren Essen im Simple Things, stand für den nächsten Tag das eigentliche Sightseeing auf dem Programm. Für uns war schnell klar: dass wir uns doch noch entschieden haben, Kampot mitzunehmen, war die absolut richtige Entscheidung. Kampot wurde schnell eine unserer Lieblingsstädte in Kambodscha. Die französische Architektur war wieder mal an jeder Ecke sicht- und spürbar – und hier vielleicht sogar noch eine Spur mehr als anderswo, zumindest hatten wir den Eindruck, dass sie hier noch mehr gelebt und gepflegt wird, eventuell auch von vielen Franzosen selbst, die sich hier niedergelassen haben. Und daneben hat man trotzdem den Charme einer kambodschanischen Stadt mit bunten Häusern, schönen Parks, Tempeln und Garküchen erlebt. Die Flusspromenade lud zum Spazierengehen oder Verweilen ein und an jeder Ecke gab es irgendwelche coolen Läden zu entdecken. Wir fanden es richtig schön – und man wieder richtig heiß. Abgekühlt haben wir uns mit Eiskaffee und Fruchtsaft im Epic Arts Cafe und damit direkt noch soziale Projekte unterstützt (win-win). Länger als bis zum frühen Nachmittag haben wir es dann aber trotzdem nicht durchgehalten und sind ins klimatisierte Hotelzimmer geflohen. Immer wieder von Vorteil, mehrere Tage an einem Ort zu haben und nicht aus Zeitmangel verbrühen und zerfließen zu müssen…

Heiß und scharf: Kampot und sein Pfeffer

Nachdem unsere Klimaanlage Schweiß und Hitze einigermaßen zurückgedrängt hatte, haben wir uns doch noch einmal vor die Tür gewagt, um uns ein wenig über Kampots bekanntestes Produkt zu informieren. Überregional bis weltweit bekannt ist Kampot nämlich nicht für seine nette Innenstadt, sondern für seinen Pfeffer. Nur in der Provinz Kampot angebaut und geerntet darf Pfeffer den Namen Kampot-Pfeffer tragen (also so ähnlich wie bei Parmesan oder Parmaschinken) und soll durch die besonderen Böden in dieser Region ein besonderes und einzigartiges Aroma haben. Anders als wir ursprünglich angenommen hatten, handelt es sich nämlich nicht um eine eigene Pflanzenart, sondern im Grunde um stinknormalen Pfeffer, der durch den Anbau in Kampot anders schmeckt als anderswo. Gelernt haben wir das alles bei FARMLINK, einer Firma, die den Kampot-Pfeffer anbaut und vertreibt und praktischerweise eine kleine Außenstelle unweit unseres Guesthouses hat. Hier haben wir bei einer kostenlosen Tour gesehen, wie der Pfeffer angebaut, getrocknet und die einzelnen Körner von Hand aussortiert werden (wobei wie so oft die schönsten und besten Exemplare exportiert werden und quasi nur die Bruchware vor Ort bzw. im Land bleibt). Wir durften anschließend sogar jede Menge verschiedener Pfeffersorten probieren, bis uns nur noch der Mund brannte und alles gleich schmeckte. Wir müssten an dieser Stelle vielleicht auch erwähnen, dass wir den einzigartigen Kampotpfeffergeschmack jetzt nicht wirklich rausgeschmeckt haben. Ist halt Pfeffer. Aber das mal gesehen und gezeigt bekommen haben, war auf jeden Fall interessant. Kaufen konnte man natürlich auch jede Menge, aber unser Handgepäck hat da ein klares Veto eingelegt. Wir haben stattdessen eine kleine Spende für die Tour dagelassen.

Erholen wie die Könige: Ein Ausflug nach Bokor

Kampot mag an sich für seinen Pfeffer internationale Bekanntheit haben, bei Backpackern und vielen anderen Reisenden ist aber eher Bokor Hill Station einer der Hauptgründe für einen Besuch. Der heute verlassene Ort wurde während der französischen Kolonialzeit als Kurort errichtet, da hier durch seine Höhe ein vergleichsweise angenehmes Klima herrscht. Perfekte Bedingungen für Mitteleuropäer, die sonst in der asiatischen Hitze eingehen (wie wir zum Beispiel), kambodschanische Könige haben aber später auch Gefallen an der Region gefunden. Heute macht den Reiz nicht mehr das milde Klima, sondern die vielen verlassenen und verfallenen Gebäude aus, die man teilweise noch betreten darf. Leider erfreut sich Bokor Hill mittlerweile wieder so viel Beliebtheit, dass sowohl Investoren als auch der Staat selbst ein zunehmendes Interesse an der Restaurierung der Gebäude und einer Wiederbelebung des Ortes finden, was vielleicht wirtschaftlich Sinn macht, aber dem Ort natürlich den aktuellen Charme nimmt und Besucher wie uns zukünftig nicht mehr anziehen wird. Während das ehemals als Casino genutzte Bokor Palace Hotel mittlerweile renoviert und neueröffnet wurde (mit anderen Worten: aus der Hauptattraktion der lost places von Bokor Hill wurde ein unfassbar hässliches Hotel im Nirgendwo) sind die meisten anderen Gebäude der Restaurierung noch verschont geblieben, sodass wir die Chance nutzten, uns Bokor Hill Station einmal selbst anzuschauen.

Praktischerweise vermietete unser Guesthouse auch Roller, sodass wir direkt von der Unterkunft auf den etwa 40-minütigen Weg von Kampot hoch nach Bokor Hill machen konnten. Schafft man es an den vielen Affen vorbei, die an und auf der Straße lauern und hin und wieder Gefallen daran finden, vorbeifahrende Autos oder Roller anzugreifen, erreicht man zunächst eine große, aber optisch nicht gerade schöne Buddhastatue, von deren Plateau man aber eine erste schöne Aussicht über die Region hat. Direkt gegenüber befindet sich außerdem eine kleine ehemalige Sommerresidenz des kambodschanischen Königs, die man betreten kann. Fährt man weiter bergauf, gelangt man schließlich ins eigentliche Bokor Hill Station. Viel los war hier oben nicht (und kalt auch nicht – wir hatten gelesen, dass man hier oben einen Pulli braucht, nope, nicht im Dezember jedenfalls), so konnten wir uns genug Zeit lassen, um uns von Google Maps den Weg zu ein paar ausgewählten Gebäuden zeigen zu lassen. Angesteuert haben wir zunächst das Le Bokor Palace Hotel, ein offenbar frisch renoviertes Hotel mit ziemlich cooler Terrasse mit Liegen, kleinen Pools und Aussicht über die ganze Region. Betreten konnte und durfte man das Hotel nicht, buchen angeblich schon. So richtig verstanden haben wir das Ganze nicht, vielleicht waren wir zufällig kurz vor der Neueröffnung da? Als nächstes haben wir das Annex Hotel besichtigt, ein kleines, ziemlich verfallenes und irgendwie gruseliges Gebäude mit zwei Stockwerken, das nicht so aussah, als würde es bald wieder Gäste empfangen. Danach haben wir noch an der ehemaligen katholischen Kirche von Bokor angehalten, irgendwie ein kleines Highlight, denn eine verlassene Kirche in einer Geisterstadt in Asien betritt man ja auch nicht jeden Tag. Man hätte sich sicherlich noch viele weitere Gebäude anschauen und betreten können, uns zog es aber schließlich wieder runter nach Kampot. Für einen Eindruck von Bokor Hill Station hat es gereicht. Cool, das mal gesehen zu haben – und sehr traurig, wenn das wirklich bald alles restauriert wird. Das nimmt dem Ort nämlich so ziemlich alles, wofür er steht, vor allem seine lebendige Geschichte.