Eine halbe Weltreise: Über Südkorea nach Hawaii

Drei Tage vor Heiligabend stand uns die längste Anreise unserer gesamten Reise bevor. Lange hatten wir hin und her überlegt, wo wir die Weihnachtstage verbringen könnten. Am Ende sollte es ein Kompromiss aus „passender Reisezeit“ (New York im Winter in Sommerklamotten wäre jetzt nicht so der Hit gewesen) und „möglichst weihnachtliches Ambiente“ werden, weshalb wir uns letztendlich entschieden haben, Asien den Rücken zu kehren (auch wenn sich Phnom Penh große Mühe gegeben hat, Weihnachtsstimmung zu verbreiten). Am Ende sollte es Hawaii werden. Nicht nur passte die Kombination aus gutem Wetter und Weihnachtsflair, es lag zufälligerweise auch auf unserer Route in Richtung Mittelamerika. Was nicht ganz so passte, waren die Kosten, denn Hawaii an sich ist schon teuer und dazu kam, dass nicht nur wir, sondern gefühlt die halbe USA Lust hat, mal Weihnachten unter Palmen zu erleben – zumindest, wenn man nicht eh schon in Florida lebt. Um dem Ganzen die Reisekostenkrone aufzusetzen, sollte es eine Unterkunft am Waikiki Beach sein. Wo, wenn nicht da? Mittendrin statt nur dabei. Wenn schon, denn schon. Oder was es sonst noch so für Floskeln gibt.

Man denkt jetzt vielleicht, Hawaii wäre von Asien gut zu erreichen. Stimmt auch – und Luftlinie wäre die Anreise gar keine allzu lange Geschichte geworden. Die Rechnung hatten wir allerdings ohne die Flugpläne der Airlines gemacht, die von Kambodscha nach Hawaii fliegen. Von denen gab es zu unserem Zeitpunkt exakt zwei, beide aus Südkorea und beide mit Flügen über Südkorea. Das Nervige daran war nicht der Zwischenstopp selbst, sondern seine Dauer: ganze zwölf Stunden Aufenthalt würden wir in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas haben. Aber übrig blieb uns eh nichts anderes. Um es noch nerviger zu gestalten, ging unser erster Flug von Phnom Penh nach Seoul erst gegen Mitternacht, sodass wir den Tag über eigentlich die ganze Zeit nur rumgammelten und nichts mehr richtig mit uns anzufangen wussten. Geflogen sind wir am Ende übrigens mit Korea Air. Der Flug selbst war an sich ereignislos, fünf Stunden dauerte es bis Seoul, gegen 7 Uhr Ortszeit sollten wir dort landen. An sich also ganz gut dazu geeignet, zu schlafen, hätte die Crew nicht um 3 Uhr nachts entschieden, alle Lichter in der zuvor abgedunkelten Kabine einzuschalten und allen ein Frühstück zu servieren. Gemäß den Gesichtern anderer Mitreisenden waren die genauso begeistert von dieser Idee wie wir. Und danach konnte man auch nicht mehr wirklich einschlafen…grandiose Idee. Und lecker war es auch nicht. Ziemlich gerädert landeten wir dann irgendwann in Seoul und wurden immerhin von einem schönen Sonnenaufgang begrüßt. Die sehen wir ja eher selten.

Zeitschinden im Transitbereich

Zwölf Stunden Aufenthalt in Südkorea kann man natürlich ganz unterschiedlich verbringen. An vielen Flughäfen weltweit gibt es sogenannte Transit-Touren, also Touren durch die nächstgelegene Stadt extra für Leute, die wenig (aber trotzdem genug) Zeit am Flughafen haben und etwas sehen wollen. Die gab es bis Corona auch in Südkorea und waren zu unserem Zeitpunkt leider noch nicht wieder angelaufen. Sonst hätten wir tatsächlich kostenlos eine Stadttour machen oder sogar die Grenze zwischen Nord- und Südkorea besichtigen können. Das blieb uns leider verwehrt. Die Alternative wäre gewesen, Seoul für ein paar Stunden auf eigene Faust zu erkunden. Das hatten wir auch zwischenzeitlich angepeilt, bis uns auffiel, dass Südkorea im Dezember nicht so ganz das Wetter bereithielt, das wir von Asien gewohnt waren. Als wir morgens landeten, waren es draußen beispielsweise -7 °C, also auch nix für unsere Sommerklamotten. Sogar innerhalb des Terminals froren wir ein wenig, trotz Heizung und Pullover. Den Plan haben wir dann also auch verworfen. Blieb die dritte Option: einfach am Flughafen bleiben. Seoul-Incheon landet auf Listen, die Flughäfen für lange Aufenthalte (Layover, wie der Fachmann oder Vielreisende sagt) bewerten, regelmäßig ganz vorne. Solche Listen beziehen sich aber meist auf den gesamten Flughafen, nicht nur auf den Transitbereich, in dem wir uns entschieden, zu bleiben (sonst hätten wir einreisen müssen, was uns zwar einen weiteren Stempel im Reisepass beschert, aber auch nervige Warteschlangen und Fragen nach sich gezogen hätte). Wir können aber im Nachhinein sagen, auch der Transitbereich von Incheon ist riesig, abwechslungsreich und selbst bei einem halbtägigen Aufenthalt nicht wirklich langweilig. Vor allem, wenn man die halbe Zeit davon schläft. Wir waren nämlich nach dem schlaflosen Flug aus Phnom Penh so erledigt, dass wir uns die zwei letzten freien Plätze in einer „nap zone“ geschnappt haben. Nicht super bequem, aber wir haben es sehr gefeiert, sind sofort eingeschlafen und erst sechs Stunden später wieder aufgewacht. War wohl nötig. Die restlichen sechs Stunden sind wir durch den Flughafen gelaufen, der gespenstisch leer schien und eher wie ein großes Einkaufszentrum wirkt, wenn man nicht gerade an den Gates entlangläuft: viele Läden (auch die üblichen teuren Luxusketten), angelegte Gärten, sogar eine Live-Band war am Start (und hat für ca. drei Zuhörer Weihnachtslieder geschmettert). Nur bei einem wurde eher gespart: Essensmöglichkeiten. Vor allem fleischlose. Bis wir da etwas gefunden hatten, war auch schon wieder eine Stunde vergangen. Und so verging die Zeit irgendwie wie im Flug. Der stand dann abends endlich an und würde leider auch nicht so erholsam werden wie erhofft.