Zwischen Räucherstäbchen und Wasserfall: Hippie-Vibes in Montezuma
Erster Eindruck, erstes Casado
Nach einem ausgiebigen Ankommen und kurzer Verschnaufpause wollten wir den ersten Abend in Montezuma nicht komplett ungenutzt lassen (immerhin waren wir auch nur zwei Abende hier) und sind runter ins Dorf marschiert. Unser Hotel lag oberhalb der Stadt, gut, wenn man ruhig schlafen will, schlecht, wenn man nicht laufen will (und gerade kein Bus oder Taxi in der Nähe ist). Getreu dem Motto „runter kommen sie alle“ sind wir aber in gut 20 Minuten nach Montezuma gelaufen, was bis auf ein kurzes, wirklich sehr steiles Stück auch kein Problem war. Montezuma selbst ist ein kleines Örtchen mit mehr oder weniger einer Straße, an dem sich Restaurants, Cafés, Unterkünfte, Touri- und Souvenirshops mit allerlei hippem Krimkrams und Kleidung und vereinzelt ein paar Supermärkte befinden (gut für uns Selbstversorger). Der erste Eindruck passte für uns sehr gut zu dem, was wir erwartet und gelesen hatten. Gemütlich und relaxed ging es hier zu, jedenfalls dann, wenn man sich von der Zufahrtsstraße entfernte, über die auch wir in den Ort gelaufen sind. Dort staut es sich regelmäßig, wenn Busse, Taxis und Mietwagen gleichzeitig versuchen, in den Ort rein- oder rauszufahren – also quasi rund um die Uhr. Pech für alle, die hier ihre Unterkunft haben, denn bei dem Lärm zu entspannen, geschweige denn zu schlafen, dürfte nicht allzu einfach sein. Und Glück für uns, die sich entschieden haben, außerhalb der Stadt zu wohnen (was aber ehrlich gesagt eher eine Frage des Budgets als der Location war). Das ausgiebige Schlendern durch Montezuma wollten wir uns aber für den nächsten Tag aufsparen, stattdessen zog es uns in eines der wenigen authentischen costa-ricanischen Restaurants in Montezuma, das Soda El Artesano, in dem wir unser erstes Casado verschlangen. Lecker, günstig und sehr viel, sodass wir uns die Hälfte einpacken ließen und für den nächsten Abend mitnahmen. Für den Rückweg nahmen wir dann allerdings doch ein Taxi, denn die steile Straße hoch zu laufen, noch dazu in kompletter Dunkelheit, stand nicht wirklich zur Debatte.
Hotel Ticozuma
Unsere Unterkunft, das Hotel Ticozuma, war bis auf eine Ausnahme ein absoluter Glücksgriff. Für vergleichsweise wenig Geld hatten wir ein schönes kleines Zimmer, das über eine Holzveranda zu erreichen war, außerdem gab es einen bei der Hitze sehr willkommenen Pool und eine tolle Dachterrasse mit Blick ins Grüne (und auf Brüllaffen, wenn die nah genug waren), auf der wir morgens gefrühstückt haben. Einziges Manko war hier ganz klar die Gemeinschaftsküche, die mit „siffig“ noch sehr wohlwollend beschrieben ist. Alles schien irgendwie dreckig, klebrig und monatelang nicht benutzt – und nach der letzten Nutzung nicht geputzt – zu sein. Wir waren daher sehr froh, hier nicht richtig kochen zu müssen, sondern unsere Casadoreste in der Mikrowelle aufwärmen zu können. Für Kaffee kochen und Toast toasten (im Sandwichtoaster, der das einzig neue und deshalb zur Abwechslung nicht versiffte Gerät zu sein schien) hat es auch noch gereicht, damit waren wir dann auch zufrieden. Ansonsten konnte man es hier aber gut aushalten. Auch Busse fuhren regelmäßig vorbei und hielten (manchmal) vor dem Hotel an, geht also auch ohne Auto ganz gut. Vor allem für die Nachtruhe hat sich das Außerhalbwohnen aber mal wieder sehr bezahlt gemacht.
Klettereinlage zum Wasserfall
Egal wie lange man in Montezuma ist, man kommt schnell an den Punkt, an dem man sich fragt, was man denn hier so treibt. Zumindest dann, wenn einem die allgemein chillige Atmosphäre auf Dauer zu langweilig wird. Darauf findet man meistens zwei Antworten: Entweder, man macht einen Ausflug ins südlich gelegene Cabo Blanco Schutzgebiet, quasi ein kleiner Nationalpark mit Wanderwegen und Strand, wo man den Touristenmassen noch sehr gut entfliehen kann, weil es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und die Straße selbst auch nicht jeden zum Selbstfahren einlädt, oder man bleibt in Reichweite des Ortes und erkundet den nahegelegenen Wasserfall. Faul, autolos und mit wenig Zeit ausgestattet, entschieden wir uns für letzteres. Der Wasserfall liegt praktischerweise direkt außerhalb Montezumas und ist zu Fuß gut erreichbar. Für uns war der kleine Spaziergang umso angenehmer, da wir nicht wie am Tag zuvor zu Fuß nach Montezuma kraxelten, sondern den Bus nehmen konnten, der zufälligerweise gerade am Hotel vorbeifuhr (und auf unser zögerliches Winken eine halbe Vollbremsung hinlegte).
Ein Infoschild am Wasserfall verweist auf verschiedene Stufen des Wasserfalls sowie auf unterschiedliche Wanderwege, die in Schwierigkeitsgrade eingeteilt sind. Natürlich nahmen wir den leichtesten. Es war heiß und unser Schuhwerk war nicht das wanderfesteste, also wollten wir uns mit dem kürzesten und leichtesten Weg zur untersten Wasserfallstufe begnügen. Vorsorglich hatten wir sowohl unsere Flipflops als auch unsere normalen Alltagssneaker mitgenommen und haben tatsächlich beide gebraucht. Denn eine einfache, barrierefreie Wanderung war das hier keineswegs. Nach dem ersten Drittel der Strecke, bei der wir über Felsen und riesige Wurzeln klettern mussten, ging es durch einen Fluss. Die Leute, die mit ihren Wasserschuhen oder Sandalen einfach durchs Wasser wateten, waren wirklich zu beneiden. Wir hingegen tauschten Schuhe gegen Flipflops und mussten dann versuchen, weder auf einem rutschigen Stein abzurutschen, noch einen der Schuhe für immer im Fluss zu verlieren. Und mit nassen, dreckigen Füßen wollten wir hinterher auch eher ungern wieder in unser festes Schuhwerk, sodass die restlichen Felsen und Wurzeln mit unseren herzlich wenig geeigneten Strandschlappen überwunden werden mussten. Einen Teil der Strecke mussten wir sogar halb an einem Seil hängend entlang klettern, weil es an einer steilen Klippe entlang ging. Wer sich das alles sparen will, kann übrigens auch gegen einen kleinen Obolus einen gepflasterten, mit Stufen versehenen Weg über ein Privatgelände nehmen (da hatte jemand Geschäftssinn), aber dazu waren wir zu geizig. Umso schöner war die Belohnung, irgendwann endlich am Wasserfall angekommen zu sein. Erfrischendes Bad inklusive.
Entspanntes Dörfchen
Nachdem wir uns ausreichend erholt und den Rückweg lange genug vor uns hergeschoben hatten, ging es über die gleichen Wurzeln und Felsen und mit den gleichen Strapazen wie auf dem Hinweg wieder zurück nach Montezuma. Immerhin wollten die vielen Läden und der schöne, naturbelassene Strand auch einmal begutachtet werden. Viel mehr ging im Ort selbst zwar nicht, aber der Strand lud schon sehr zum Verweilen (und vielleicht auch zum Schwimmen) ein. Auch die kleinen Läden sind gut und unterschiedlich genug ausgestattet, sodass man hier problemlos seine Zeit rumkriegt und einiges zu sehen bekommt. In Montezuma hätten wir es auf jeden Fall noch ein oder zwei Tage länger ausgehalten. Vielleicht sogar für immer, jedenfalls sahen viele Ladenbesitzer hier so aus, als wären sie selbst vor einigen Jahrzehnten spontan hier hängen geblieben. Aber dazu blieb keine Zeit. Costa Rica ist groß – und unsere Rundreise stand noch ganz am Anfang.