Surfer, Sonne, Sand und saunerviger Verkehr: Santa Teresa
Anreise mit Tücken
Nach zwei Tagen in Montezuma ging es für uns weiter in den nächsten Badeort im Süden Nicoyas. Santa Teresa war nicht viel größer als Montezuma und Luftlinie sogar ziemlich nah dran. Da Luftlinie allerdings nicht zählt und es keine direkte Straßenverbindung zwischen den beiden Badeorten gibt, ging die Reise zwangsläufig wieder über Cóbano. Der Plan war, den Bus vor dem Hotel anzuhalten, nach Cóbano zu fahren und dort in den Bus nach Santa Teresa umzusteigen. An sich ein ziemlich simples Unterfangen, vor allem im Vergleich zur langwierigen Anreise nach Montezuma. Wir positionierten uns also guter Dinge an einem schattigen Stück Straße vor unserem Hotel und warteten auf den nächsten Bus. Und warteten. Als der Bus nach reichlich Verspätung in Sicht kam und wir fröhlich winkten, fuhr der einfach stumpf an uns vorbei. Cool. Das „Der Bus hält dort, wo man ihn anhält“ funktioniert also doch nur in der Theorie. Die Alternative hieß dann: zu Fuß Richtung Cóbano, was bei einer Strecke von vier Kilometern mit reichlich Gepäck und reichlich Sonne und reichlich Hügeln nicht allzu erstrebenswert war. Glücklicherweise hielt irgendwann ein Mopedfahrer neben uns, der sich völlig zurecht fragte, was zur Hölle wir gerade treiben. Als wir ihm gerade unsere Situation erklärten, fuhr ein Taxi vorbei und nahm uns mit. Ende gut, alles gut! Den Anschlussbus nach Santa Teresa bekamen wir so jedenfalls mühelos (der startet übrigens in Cóbano, sodass es hier glücklicherweise sowas wie eine Haltestelle gibt) und eine halbe Stunde später waren wir ohne Zeitverlust, aber mit deutlich durchgeschwitzteren Klamotten als geplant, in Santa Teresa. Angemessene Belohnung und Entschädigung: Eis.
Unser kleines Idyll
Santa Teresa war, wie üblich, mal ein Fischerdorf gewesen, bevor es den Tourismus für sich entdeckt hatte. Heute ist es immer noch ein Dorf, allerdings ohne Fischer, dafür mit vielen Hotels, noch mehr Hostels, noch mehr Restaurants und – davon am allermeisten – nervtötend lauten Quads, denen erstaunlich viele Touris etwas abgewinnen können. Die brettern mit den Dingern nämlich von morgens bis abends über die einzige Straße Santa Teresas, die regelmäßig verstopft und auf der man sich trotzdem irgendwie noch zu Fuß bewegen muss, denn für richtige Fußwege war anscheinend kein Platz oder Geld mehr übrig. Umso glücklicher waren wir mit unserer Unterkunft, dem Point Break, das zwar zwangsläufig auch an eben jener Straße lag, von deren Lärm man aber im schönen großen Innenhof und insbesondere in unserem Zimmer kaum etwas mitbekam. Wir waren in einem der hinteren Zimmer untergebracht, der Lärm der Straße wird größtenteils vom vorderen Gebäudeteil der Unterkunft geschluckt, in denen weitere Zimmer und Schlafsäle untergebracht sind. Mitleid für die Leute, die hier ihr Nachtlager aufschlagen müssen, ist absolut angebracht. Der Innenhof des Hostels lädt nicht nur zum Verweilen ein, sondern beherbergt auch die Gemeinschaftsküche, die beste und sauberste, die uns je in einem Hostel untergekommen ist. Mag aber auch daran gelegen haben, dass hier die üblichen Hostelvibes fehlten (worüber wir nicht traurig waren). Kochen war also kein Problem, sondern hat im Gegenteil sogar Spaß gemacht. Und Kaffee wurde auch jeden Morgen für die Gäste gekocht und kostenlos zur Verfügung gestellt. Wenn doch jedes Hostel so wäre…
Emotionale Achterbahn am Strand
Hauptgrund, vielleicht sogar der einzige Grund, wieso man nach Santa Teresa kommt (und sich kein Quad mietet, um allen auf den Sack zu gehen), ist der lange und wirklich unheimlich schöne Sandstrand. Tatsächlich war der Strand von Santa Teresa mit einer der schönsten, die wir während unserer gesamten Reise besuchen durften. Es liegt kein Müll herum, alles ist ziemlich naturbelassen mit vielen Bäumen und Sträuchern, die (notwendigen) Schatten spenden. Es gibt ein paar wenige unaufdringliche Strandverkäufer, bei denen man frische Säfte oder Snacks kaufen kann, und das Wasser hat eine sehr angenehme Temperatur. Wellen und Strömung sind vielleicht nichts für Schwimmanfänger oder kleine Kinder, aber wir fanden es hier wirklich traumhaft. Spätestens zum Sonnenuntergang versammelt sich ähnlich wie am Waikiki Beach gefühlt der ganze Ort und sieht zu, wie die Sonne im Meer versinkt. Das ging in unserem Fall besonders gut mit einem frisch gemixten Cocktail. Nachdem wir den Sonnenuntergang leider am ersten Tag verpasst haben, sind wir sonst jeden Tag spätestens dann am Strand gewesen. Eines der Highlights von Santa Teresa, vielleicht sogar von ganz Costa Rica!
Auch wenn wir den Strand insgesamt sehr positiv im Gedächtnis behalten werden, werden wir ihn auch immer mit einer gehörigen Portion Frust und Genervtheit verbinden. Nachdem unser Surfabenteuer auf Bali schon so lange her war und wir weder in Australien, noch auf Hawaii dazu gekommen waren, nochmal aufs Brett zu steigen, hatten wir uns das in Costa Rica fest vorgenommen. Auf eine teure Surfstunde wollten wir allerdings verzichten und es stattdessen selbst versuchen, da wir die Grundlagen ja kannten und es im Prinzip jetzt eh darum ging, aus eigener Kraft aufzustehen und die richtige Welle zu erwischen. In der Theorie also ein guter Plan, außerdem gibt es in Santa Teresa Surfboardverleihe en masse – und der halbe Strand besteht quasi aus Surfanfängern, die von ihren Lehrern in die Wellen geschubst werden. Wo also, wenn nicht hier? Heute würden wir vermutlich antworten: überall, Hauptsache woanders. Denn wieso Santa Teresa als toller Surfspot für Anfänger gepriesen wird, weiß vermutlich auch niemand. Unser Plan stellte sich jedenfalls als absoluter Reinfall heraus, denn die Wellen kamen in einer so hohen Frequenz, dass wir nie Zeit hatten, uns auf eine vorzubereiten. Und wenn wir mal eine erwischten, waren die auch nicht besonders gut (für uns). Noch gravierender war allerdings die starke Strömung, die uns nach wenigen Aufstehversuchen immer nah an das Strandende (und somit gefährlich nahe an Felsen) getrieben hat und wir dann jedes Mal mühsam mit Surfbrett unterm Arm aus dem Wasser laufen und an anderer Stelle wieder reinlaufen mussten. Die meiste Zeit saßen wir dann leider nur frustriert und kraftlos am Strand, wo wir beobachten konnten, dass es den anderen Anfängern nicht anders erging. Surfen lernen in Santa Teresa stellte sich so als großer Mythos heraus, der sich hartnäckig zu halten scheint. Wir empfehlen daher lieber die schönen Sonnenuntergänge. Die gibt es nämlich wirklich.