Zurück nach Asien: Von Sydney nach Ho Chi Minh Stadt

Mal wieder war frühes Aufstehen angesagt. Und diesmal leider nicht wegen irgendeiner Tour, Wanderung oder sonstiger Sehenswürdigkeit, die sich wegen irgendeiner Laune der Natur dann am schönsten präsentiert, wenn der Wecker zu unmöglichsten Zeiten klingelt, sondern wegen eines schnöden Fluges. Aber gut, es war ja auch etwas Schönes und Aufregendes: Heute würden wir nach Asien zurückkehren. Unser Abstecher in die westliche Welt endete heute in Sydney und der zweite Teil des Asienblocks begann in Ho Chi Minh Stadt, Vietnam. Dazu war zur Abwechslung mal nur ein einziger Flug nötig, die Reise sollte also nicht allzu kompliziert und anstrengend werden. Trotzdem begann die Reise wie so oft viel zu früh am Morgen, aber auch zum Flughafen war es nur eine U-Bahn-Fahrt ohne umsteigen, könnte also schlechter. Falls uns der Kaffee noch nicht wach genug gemacht hatte, tat der Fahrpreis allerdings den Rest. 20$ pro Person sollte die Scheiße das Ticket plötzlich kosten, das Ticket, das wir vor zwei Tagen für zwei Haltestellen weniger gekauft hatten, kostete gerade mal 6$. Wie sich herausstellte, kostet es pro Nase einfach mal 14$ Flughafensteuer, um den heiligen Boden des Terminals zu betreten. Australien ist offenbar noch nicht teuer genug oder es soll einem bei der An- und/oder Abreise nochmal dick aufs Butterbrot geschmiert werden. Die Alternative wäre gewesen, eine Haltestelle eher auszusteigen und zwei Kilometer zu laufen, nein danke. Vermutlich wäre sogar ein Taxi günstiger gewesen…wobei, nein, vermutlich nicht. Im Grunde war es auch nicht wert, sich drüber aufzuregen, andere Flughäfen kaschieren solche Gebühren vermutlich einfach in den Flugtickets, sodass es nicht weiter auffällt. Aber geärgert hat es uns zunächst trotzdem.

Am Flughafen angekommen suchten wir unseren Check-in Schalter. Heute wollten wir das Gepäck wieder aufgeben, denn bei Bamboo Airways war es inklusive. Theoretisch hätte jeder von uns sogar zwei Koffer mit je 23kg Gewicht aufgeben können. „Wer nimmt so viel Gepäck mit?“ hatten wir uns da noch gefragt. Am Schalter angekommen, wurde uns die Frage von der längsten Schlange, die wir je an einem Schalter gesehen haben, beantwortet. Die Schlange belegte nicht nur den ganzen Schalterbereich von Bamboo Airways, sondern bahnte sich ihren Weg durch das halbe Terminal, sodass das Flughafenpersonal irgendwann dafür sorgte, dass die Schlange sich an den Hallenwänden entlangwand, anstatt eine menschliche Mauer quer durchs Terminal zu bilden und jedem im Weg zu stehen. Gebildet wurde die Schlange vorrangig aus Vietnamesen, die vermutlich zurück nach Hause flogen, hie und da unterbrochen von verwunderten Touristen wie uns. Die Länge der Schlange kam aber nicht unbedingt nur durch die Anzahl der Passagiere zustande, sondern auch dadurch, dass buchstäblich jeder Vietnamrückkehrer mindestens zwei riesige und schwere Kartons vor sich herschob, die offenbar als Aufgabegepäck abgegeben werden sollten. Wir fragten uns kurz, ob wir auch Lebensmittel, Küchengeräte und Fernseher hätten kaufen und mitnehmen sollen, weil es sowas in Vietnam offenbar nicht gibt. Und bewegen tat sich die Schlange auch sehr mäßig, da die ganzen Kisten erstmal irgendwie vom Gepäckwagen aufs Band gehievt werden mussten. Aber irgendwann war es tatsächlich so weit, wir waren am Schalter, gaben unsere lächerlich leichten Rucksäcke ab (und hofften, dass sie nicht unter dem Gewicht von 800 Backöfen mitfliegen mussten) und machten uns auf zur Security. Auch das dauerte länger als üblich und wir waren tatsächlich erst am Gate, als gerade zum Boarding aufgerufen wurde. Nicht mal eine Minute am Gate sitzen und auf den Abflug warten hatten wir bislang auch noch nirgends geschafft. Das erste Mal hatte es sich tatsächlich gelohnt, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein.

Unkomplizierte Anreise und erster Eindruck

In Vietnam angekommen war zum Glück alles entspannter. Die Einreise verlief einfach und schnell hatten wir unseren Stempel für die zweiwöchige visafreie Aufenthaltserlaubnis im Pass (das Visum für einen längeren Aufenthalt kostet Geld). Unsere Rucksäcke waren unter den ersten Gepäckstücken, die auf dem Band waren – irgendein kluger Mensch hatte die leichten Sachen also tatsächlich nach oben in den Flieger gepackt. Die Zollbeamten haben für uns sogar eine Absperrung geöffnet und uns einfach durchgelassen – vermutlich waren die eher an den ganzen Paketen interessiert als an unseren Rucksäcken. Dann wurde uns noch in schon bekannter asiatischer Einfachheit und Schnelligkeit eine Simkarte installiert und schon konnte es mit einem günstigen Grab-Taxi zum ersten Hotel gehen. Asien hat schon auch seine Vorteile, vor allem in finanzieller und bürokratischer Hinsicht…

Unseren ersten Eindruck von Ho Chi Minh Stadt und Vietnam an sich bekamen wir also durch die Fensterscheiben unseres Taxis. Wir hatten uns eigentlich auf „balinesische Verhältnisse“ eingestellt, also laut, wuselig, chaotisch. Tatsächlich war es ganz anders und wir waren positiv überrascht. Der Verkehr schien viel gesitteter und leiser zu sein und Müll lag nirgendwo offensichtlich herum. Unser Taxi konnte manchmal sogar ganz normal und ordentlich beschleunigen, etwas, das auf Bali eigentlich nur in der Theorie möglich ist und auch in Bangkok war das für uns nie der Fall. Hier schon, deshalb war die Fahrt zum Hotel auch in 20 Minuten erledigt. Das sollte sich allerding noch ändern. Unser Hotel war das LeBlanc Saigon, ein erster Hinweis auf die französische Geschichte des Landes sowie den alten Namen von Ho Chi Minh Stadt. Es lag in einem Hinterhof einer größeren und vielbefahrenen Straße und obwohl man diese vom Fenster aus sehen konnte, haben wir sie aufgrund der Lage im Hotel kein bisschen gehört. Der Check-in war etwas holprig, da die Dame hinterm Tresen kein Wort Englisch konnte. Etwas, das uns zu diesem Zeitpunkt noch verwunderte, aber für uns in Vietnam fast zum Normalzustand werden sollte. Das Zimmer war nicht groß, aber groß genug, das Bad klein und, typisch für diese Region der Welt, eine Nasszelle. Was bedeutet, dass es keine Duschkabine gab, sondern einfach mitten im Raum geduscht wird, was alles unter Wasser setzt. Aber auch das ist Asien. Genau wie die Klimaanlage, die hier aber auch auf jeden Fall nötig war. Wir fühlten uns auf jeden Fall wohl und waren froh, hier drei Nächte zu verbringen, um uns in Ruhe die Stadt anschauen zu können. An diesem Tag – mittlerweile war es dunkel – sollte aber nur noch etwas zu essen her. Das fanden wir eine Straße weiter bei einem guten und günstigen indischen Restaurant. Der Verkehr war jetzt nicht mehr so ruhig wie vorhin, die Stadt ist mit der Dunkelheit zum Leben erwacht. Es sollte dann doch voller, lauter und wuseliger in Vietnam werden, als zunächst angenommen. Eine erneute hohe Dosis Asien erwartete uns in den kommenden sechs Wochen.