Good morning Vietnam! Zu Fuß durch Ho Chi Minh Stadt
Grüner als erwartet
Die Anreise gestern steckte uns zwar trotz sehr guten und ruhigen Schlafes (ein Hoch auf die Hinterhoflage unseres Hotels) noch ein wenig in den Knochen, trotzdem war es heute an der Zeit, die Stadt zu erkunden. Das erste Mal seit Bali hatten wir außerdem inkludiertes Frühstück in unserem Hotel, gestärkt waren wir also schon mal – auch wenn der Hotelkaffee unglaublich fies war. Dabei ist Vietnam doch angeblich so ein Kaffee-Land. Egal, wir sollten nämlich heute noch genug in den Kaffeegenuss kommen. Wir hatten uns wie zwei Tage zuvor in Sydney eine Route zusammengestellt und ebenfalls wie in Sydney war unser Hotel wieder so günstig gelegen, dass wir die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erlaufen konnten. Die Liste war vor allem durch französische Kolonialgebäude geprägt, also machten wir uns auf den Weg nach Notre Dame (ja wirklich). Der Weg dort hin führte an großen und vielbefahrenen Straßen entlang, trotzdem waren wir wieder erstaunt, wie vergleichsweise gesittet der Verkehr hier war. Und trotz viel Asphalt war immer noch viel Grün in der Stadt. Der Höhepunkt dessen war ein kleiner Park, in den wir flohen – weniger wegen des Verkehrs, sondern wegen der Hitze, die uns dann doch wieder schnell killte. Also genossen wir eine Portion Schatten und Ruhe, bevor unsere eigentliche Sightseeing-Tour in Ho Chi Minh Stadt beginnen sollte.
Ein Ausflug durch die Kolonialzeit
Nach Verlassen des Parks sind wir erstmal in eine ganz klassische und billige Touristenfalle getappt und haben viel zu teure Kokosnüsse gekauft (die aber tatsächlich sehr lecker waren). Der Mann konnte vermutlich Feierabend machen, weil er genug verdient hatte. Lehrgeld nennt man das wohl. Immerhin hat er uns noch den Weg zu unserem ersten Ziel gezeigt, auch wenn wir das auch ohne Hilfe gefunden hatten. Durch seine französische Geschichte ist Ho Chi Minh Stadt durch viele Kolonialbauten geprägt und diese stellen auch viele dieser Sehenswürdigkeiten dar. Ist vielleicht irgendwo auch ein wenig ignorant und „westlich“, dass jeder Reiseführer und Reiseblog die Gebäude als Sehenswürdigkeiten auserkoren hat, die eben nicht der vietnamesischen Architektur entsprechen, aber ja, die meisten sind schon wirklich schön. Gestartet sind wir allerdings bei einem nicht so schönen Gebäude. Ho Chi Minh Stadt hat tatsächlich sein eigenes Notre Dame. Es kommt jedenfalls von seinem Bau her recht nahe ans Original ran, allen voran durch die charakteristischen Spitztürme vor dem Haupttor. Allerdings war das Gebäude, vor allem die Spitztürme selbst, gerade in ein Gerüst gekleidet, weil es renoviert wurde. Aber auch ohne Gerüst wäre das Gebäude jetzt nicht gerade ein optisches Highlight gewesen, so zumindest unser subjektiver Eindruck. Direkt neben Notre Dame steht allerdings ein wirkliches architektonisches Highlight der Stadt: das zentrale Postamt. Sowohl von außen als auch von innen wirkt das Gebäude eher wie ein Bahnhof und auch wenn es bis heute als Postamt genutzt wird, ist es leider zur Hälfte zu einem großen Souvenirshop verkommen. Während die Postschalter in den hinteren Gebäudeteil gequetscht wurden (von einem großen Portrait von Ho Chi Minh bewacht), befinden sich vorne Tourenschalter, ein Café und ein großer Souvenirshop mit jeder Menge Ramsch. Also: Gebäude schön, Inhalt weniger. Aber den muss man sich dann im Zweifel kurz wegdenken. Weggedacht hätten wir auch gerne die vietnamesische Hitze, das funktionierte allerdings nicht. Deswegen folgte auf das Postamt die Flucht in ein gut gekühltes vietnamesisches Café für einen ebenso gut gekühlten Kaffee – der konnte auch glücklicherweise eine ganze Menge – anders als der im Hotel. Danach sind wir noch am alten Rathaus und an der Oper vorbeigelaufen, beide Gebäude auch wieder im französischen Stil und sehr chic (oder auch tre bien).
Kleine Stärkung für den Rückweg und die lange Abendessensuche
Hotelfrühstück schön und gut, aber ewig gehalten hat es nicht. Passenderweise stand noch ein Café auf dem Plan, das laut Reiseführern und Blogs eines der kulinarischen Highlights der Stadt sein sollte. Das Little Hanoi Egg Café hat zwei Filialen in Ho Chi Minh Stadt und ist dem Namen nach vor allem durch ein Getränk bekannt: den Egg coffee, auf Vietnamesisch ca phe trung genannt. Das ist ein Espresso in einem Gemisch aus aufgeschlagenem und erhitzem Eigelb und Zucker. Klingt erstmal seltsam, ist aber tatsächlich saulecker. Der Eischaum selbst schmeckt ein bisschen nach Vanillepudding und wenn man den Kaffee durch den Eischaum löffelt und „isst“ (das ist wohl auch der korrekte Weg, diesen Kaffee zu trinken), hat man eine schöne Mischung aus starkem bitterem Kaffee und süßem Schaum. Sollte man wirklich mal testen – und wenn, dann hier. Gutes Essen gibt es da außerdem auch, zum Beispiel leckeres Sauerteigbrot (da lacht der deutsche Magen). So gestärkt ging es dann langsam zurück zum Hotel, vorbei an einer überraschend großen katholischen Kirche (vermutlich von den Franzosen gebaut, wäre jedenfalls naheliegend) und durch schöne kleine Gassen (durch die sich aber trotzdem Roller quetschen, Asien halt). Als es Zeit fürs Abendessen war, wagten wir uns nochmal vor die Tür. Der Eindruck vom Tag zuvor, dass der Verkehr abends besonders wuselig war, bestätigte sich. Man sah, hörte und roch nur Roller. Überall. Und wenn man nicht aufpasste, fühlte man sie auch. Eine Viertelstunde kämpften wir uns zu Fuß durch den Verkehr, nur um am Ende in einem Restaurant zu landen, was trotz riesiger Karte kein einziges Gericht ohne Fleisch anbot (entgegen der Liste für gute vegetarische/vegane Restaurants einer Webseite, danke für nichts). Um nicht nochmal zu riskieren, von Rollern in zwei Hälften gefahren zu werden, ging es danach mit dem Uber weiter zu Plan B. Plan B hatte geschlossen. Die dritte Option war ein kleines unscheinbares Lokal mit veganer Küche. Und es war sowohl geöffnet als auch tatsächlich vegan – Jackpot! Unsere erste vietnamesische Pho schmeckte dann gleich besonders gut, wir hatten sie uns mittlerweile aber auch wirklich verdient. Und danach war es dringend Zeit fürs Bett. Morgen sollte das Sightseeing weiter gehen – und der Wecker schon wieder früh klingeln…