Wir lernen surfen! Unser Aufenthalt in der SurfWG

Wir haben lange darauf hin gefiebert und heute sollte es endlich los gehen. Schon bevor wir nach Bali gekommen waren, haben wir uns vorgenommen, hier das Surfen zu lernen. Wir standen vorher noch nie auf einem Surfbrett, aber auf Bali gibt es viele Surfschulen und jede Menge gute Strände, an denen die Wellen Anfängern gegenüber gnädig sind. Und als blutige Anfänger war uns klar, dass wir nicht einzelne Surfstunden nehmen, sondern einen richtigen Kurs belegen wollen, in denen uns die Grundlagen erklärt werden. Wir sind nach kurzer Recherche auf die SurfWG gestoßen, eine Unterkunft, die gleichzeitig eine Surfschule ist. Das fanden wir sehr praktisch, da man sich so nicht um Transport oder Equipment kümmern muss, sondern alles direkt als Komplettpaket buchen konnte. Und da die SurfWG von einem Deutschen geleitet wird, war die Kommunikation auch sehr einfach. Wir haben pro Tag knapp 70€ pro Person gezahlt, darin enthalten waren Unterkunft (im Doppelzimmer), Frühstück und ein dreitägiger Surfkurs inklusive Ausrüstung und Versicherung. Wir haben zwar keinen Vergleich zu anderen Anbietern, aber wir fanden das preislich ziemlich gut für das, was wir bekommen haben und können die SurfWG auch uneingeschränkt empfehlen.

Achja: im Preis inbegriffen war auch noch der Transport. Wir wurden direkt aus Uluwatu abgeholt und zur SurfWG gefahren, die etwas nördlich von Canggu gelegen ist. Dort wurden wir herzlich empfangen und nach einer kurzen Führung durch die Anlage aufs Zimmer geführt. Die Anlage sieht wirklich schön aus und ist sehr gepflegt. Es gibt mehrere Pools und Aufenthaltsbereiche sowie einen Restaurantbereich, in dem es auch den ganzen Tag über kostenlos Kaffee, Tee und Wasser gibt. In der Anlage verteilt liegen die Zimmer. Es gibt Mehrbettzimmer, die man sich mit anderen teilt aber auch eine ganze Reihe Doppelzimmer mit eigenem Bad. Wir waren wieder in einem Lumbung untergebracht, mussten aber abermals feststellen, dass die von außen zwar wirklich hübsch sind, aber von innen dann eher simpel und leider, wie auch schon in Uluwatu, ziemlich hellhörig. Ein weiterer Nachteil hier war, dass das Bad nicht direkt am Zimmer war, sondern wir erst eine Treppe runter mussten. Das ist besonders dann unschön, wenn es regnet oder geregnet hat, denn überdacht war der Weg nicht. Ein großer Pluspunkt war allerdings unser privates Haustier: eine kleine Katze hatte es sich auf unserem Balkon gemütlich gemacht und hat sich immer sehr laut miauend gefreut, wenn wir zu oder aus unserem Zimmer kamen. Manchmal haben wir sie auch mit ins Zimmer gelassen, aber aus Angst, sie markiert auf unseren Rucksäcken ihr Revier, meistens schnell wieder hinausgebeten.

Unsere ersten Geh- und Stehversuche auf dem Surfbrett

Als wir in der SurfWG ankamen, war uns noch nicht klar, wie anstrengend die kommenden Tage werden würden. Pro Tag werden zwei Surfzeiten angeboten, eine morgens und eine nachmittags. Auf einer Tafel trägt man sich in die Zeitfenster ein, die einem passen. Wir waren gleich für den Timeslot nach unserer Ankunft eingetragen und da wir ja eh nichts Besseres hier vorhatten und zum Surfen hergekommen sind, sind wir gleich mit eingestiegen. Wir waren am Ende zu sechst, alles Anfänger, für alle die erste Stunde – sehr gut! Jeder bekam ein Surfbrett (ein Softboard für Anfänger), alle Bretter kamen aufs Dach eines Minibusses uns los gings zum Strand. Die erste Herausforderung war dann, die riesigen Bretter (nicht gerade leicht) über eine selbstgebaute Treppe (nicht gerade sicher) zum Strand (nicht gerade frei von Scherben) zu transportieren. Und nach einer Einweisung, wie man genau aufs Surfbrett steigt und sicheren Stand bekommt, ging es auch schon ins Wasser. Das war auch mittlerweile bitter nötig, denn unter den langarmigen Shirts, die wir von der SurfWG zur Leihe bekommen haben, fängt man in der Sonne schnell an zu schwitzen. Das erste Mal auf einem Surfboard zu liegen war schon irgendwie ein cooles Gefühl, außerdem wurde die ganze Sache jetzt richtig real. Anders als bei unserem Tauchkurs, aus dem letztendlich nichts wurde, würden wir jetzt tatsächlich lernen, wie man surft.

Die erste Stunde bestand nur daraus, sich von den Surflehrern in die Wellen schubsen zu lassen, um das Aufstehen zu üben. Man musste also nichts weiter tun, als auf seinem Surfbrett zu liegen und auf ein lautes „UP!“ zu warten – und es dann im Idealfall schaffen, auf dem Board zu stehen. Nach ein paar Versuchen klappte das auch schon ganz gut. Wir haben aber schon nach dieser einen Stunde gemerkt, dass uns das die nächsten Tage körperlich ganz schön fordern würde. Zum einen kam der Muskelkater durchs viele Hochdrücken auf dem Board mit Ansage, zum anderen schürfen einem die Softboards durch ihre raue Oberfläche Knie und Hände auf (und auch Arme, wie wir bei den anderen feststellen mussten, die aus irgendeinem Grund keine langarmigen Shirts bekommen haben). Geschunden und kaputt sind wir abends ins Bett gefallen. Nachts wurden wir von dem Gewitter des Jahrhunderts geweckt, zumindest kam uns das in unserem Lumbung (die nicht vorhandene Isolation lässt grüßen) so vor. Mehrfach knallte es direkt über uns so laut, dass wir dachten, das ganze Dach muss jeden Moment auf uns hinabfallen. Und ein bisschen getropft hat es von der Decke auch. Das hatte zur Folge, dass wir am nächsten Morgen ziemlich gerädert zur zweiten Surfstunde um 7 Uhr morgens aufgebrochen sind. Unterwegs musste unser Van irgendwie durch stark überflutete Straßen kommen (bzw. halb schwimmen), denn das Gewitter war wirklich heftig, selbst für balinesische Verhältnisse. Überall sah man Leute, die versuchten, ihre Läden und Einfahrten wasserfrei zu bekommen. Das Surfen klappte heute schon deutlich besser, sowohl in der Morgens- als auch in der Nachmittagsstunde (zwei Sessions am Tag sind wirklich hart, mussten wir feststellen). Leider wurden unsere Hände auch immer röter und offener. Da wir im näheren Umfeld der SurfWG keine Apotheke gefunden hatten, haben wir uns eine Wundsalbe über Grab bestellt (die liefern nicht nur Essen oder dich selbst überall hin, sondern auch Lebensmittel und Medikamente, sehr praktisch)! Jetzt blieb nur zu hoffen, dass die unsere Wunden bis zum nächsten Morgen einigermaßen hinbekommt, bevor sie dann wieder aufgerissen werden…

Allmähliche Fortschritte und kurzzeitige Lebensgefahr

Dritter Morgen, dritter und letzter Tag des Anfängerkurses. Die Wunden waren natürlich nicht geheilt und langsam wurde es wirklich unangenehm, mit den Fingern auf den kratzigen Surfboards zu liegen. Zum Glück würden wir morgen auf die „normalen“ Surfboards wechseln, die sind kleiner und glatter. Mittlerweile waren wir auch ziemlich sicher auf den Anfängerboards, deshalb machte es trotz kleinerer Blessuren und Sonnenbränden wieder viel Spaß. Mittlerweile bekamen wir viel weniger Hilfe von den Guides und mussten auch selbst auf die richtigen Wellenhöhe paddeln. Was den Wunden und unserer allgemeinen Ausdauer sehr zugute kam, war der Plan unserer Surfguides, heute nur eine (längere) Session zu machen, anstatt zwei, damit wir uns bis zum nächsten Tag ausruhen konnten. Da waren dann keine normalen Surfstunden, sondern ein ganzer Tagesausflug von morgens bis nachmittags geplant. Und alle waren sehr angetan von der Idee. Ausgiebig frühstücken und dann einen ganzen Nachmittag mit Nichtstun auf dem Bett zu verbringen: äußerst verlockende Vorstellung nach den anstrengenden Tagen.

Am nächsten Morgen ging es dann früh los zum Tagesauflug. Wir bekamen dazu auch erstmal noch unsere neuen Surfboards. Longboards waren das jetzt, Softboards sind nur was für Anfänger! Auf dem Weg zum Strand konnten wir schon von weitem sehen, dass die Wellen heute viel höher schienen als an den Tagen zuvor. Und auch unsere Surfguides waren sich nicht sicher, ob sie uns da reinschicken sollten. Am Ende war die Entscheidung, wir würden es einfach mal versuchen. Die erste Herausforderung war dann, hinter die Wellen zu paddeln. Gar nicht mal so einfach, wenn einen jede Welle erstmal wieder ein paar Meter Richtung Strand spült… Nach etwa 10 Minuten waren wir weit genug draußen, schon völlig fertig und mit sehr viel Respekt vor den Wellen, auf denen wir gleich surfen sollten. Zumal wir ja noch nie auf den neuen Surfboards gestanden haben. Aber es blieb keine Zeit, darüber lange nachzudenken, unsere Surflehrer bugsierten uns in die nächstbeste Welle und los gings. Die Wellen waren stark und rissen einen mit, ans Aufstehen war nicht zu denken. Die Welle riss einen direkt vom Board. Unsere Surflehrer hatten uns zwar theoretisch gezeigt, wie man solche Wellen passiert, ohne vom Board zu kippen, aber das hier waren erschwerte Bedingungen. Sobald man wieder wusste, wo oben und unten war und kurz Luft geholt hatte, sah man schon die nächste Welle vor sich, die einen unter sich begrub. So ging es ein paar Wellen lang bis zum Strand zurück. Und für uns war sofort klar: das wars. Nochmal geht es nicht in diese Wellen. Das sahen auch fast alle anderen aus unserer Gruppe so und kurze Zeit später saßen wir alle nur am Strand – fast ein bisschen demütig und froh, es überhaupt wieder heil hier hin geschafft zu haben. Das war definitiv eine Nummer zu groß für uns. Ein neues, weniger ausbalanciertes Surfboard und viel höhere Wellen – mit beidem gleichzeitig lernen umzugehen war zu viel. Nach einer Mittagspause ging es nochmal ins Wasser, diesmal allerdings nur im flachen Bereich, in dem die Wellen schon längst gebrochen waren. Da klappte es dann auch mit dem Aufstehen wieder ganz gut. Ein versöhnlicher Abschluss eines aufregenden Tages.

Der irre Verkehr in Canggu und vorzeitige Abreise

Achja: wir waren ja in Canggu. Weitestgehend zumindest, das Zentrum war weiter südlich, aber wir waren schon noch im Einzugsgebiet. Das sah man spätestens auf Google Maps, nicht zuletzt wegen der endlosen Aneinanderreihung hipper Cafés und Boutiquen. Wir hatten jetzt nicht allzu viele Gelegenheiten, das Umfeld der SurfWG zu erkunden, aber ehrlich gesagt war das Interesse daran auch nicht furchtbar groß. Der Verkehr hier war nochmal schlimmer als in Kuta. Roller wohin das Auge sieht und das Ohr hört. Es wird auf den Gehwegen (sofern vorhanden) geparkt oder gefahren. Vor allem deshalb dauerten die Fahrten zu den Surfstunden so lange, denn hier muss man viel Geduld mitbringen. Wenn wir uns mal vor die Tür gewagt haben, dann nur, um zu essen. Wir haben zweimal sehr lecker bei zwei Italienern gegessen – entweder abseits des Straßenlärms oder mit einer dicken schalldichten Scheibe dazwischen – und einmal einen gruseligen Clown gesehen, der aber tatsächlich mit seinen Auftritten in Restaurants Leuten eine Freude machen wollte. Canggu wird von vielen Reisenden und Reiseführern erwähnt oder gar empfohlen, wenn es um eine Balireise geht. Für uns war der Ort für unseren Surfkurs aber nur Mittel zum Zweck und uns persönlich gefallen die ruhigeren Ecken der Insel deutlich besser.

Wir haben uns für uns unseren fünften Tag nochmal für eine letzte Surfstunde angemeldet. Die begann früh. Sehr früh sogar. Um 6 Uhr war diesmal schon Abfahrt und wenn wir in die Gesichter anderer Leute blickten, waren wir nicht die einzigen, die gerne länger geschlafen hätten. Die Surfstunde lief wieder gut und wir hatten den Eindruck, in den letzten Tagen wirklich viel gelernt zu haben. Der Kurs und die Stunden haben sich wirklich gelohnt und viel Spaß gemacht, allerdings war für uns nach dieser Stunde Feierabend. Der Körper brauchte wirklich dringend Erholung und auch wenn wir noch eine Nacht in der SurfWG gebucht hatten und noch mindestens zwei Sessions hätten mitnehmen können: wir waren durch. Zurück in der WG hieß es nach dem Frühstück trotzdem erstmal packen, denn wir sollten in ein neues Zimmer umziehen. An sich kein Problem, hätte sich nicht kurz vor dem Umzug herausgestellt, dass wir in ein Viererzimmer umziehen sollten. Auf Zimmerteilen hatten wir nun wirklich keine Lust und da wir eh nicht mehr surfen wollten, haben wir kurzerhand die letzte Nacht storniert und eine zusätzliche Nacht in dem Hotel gebucht, in dem wir am nächsten Tag ohnehin eingecheckt hätten. Unsere Körper waren geschunden, wir waren richtig müde – aber wirklich glücklich. Surfen hat uns viel Spaß gemacht und in der SurfWG hatten wir eine wirklich coole Umgebung, um die Grundlagen in kurzer Zeit zu lernen. Wir würden die SurfWG dafür auf jeden Fall weiterempfehlen. Und trotzdem waren wir froh, wenn es für die nächsten Tage wieder deutlich ruhiger und weniger anstrengend zugehen würde.