Weiter Richtung Norden: Auf nach Bologna

Auch unsere zweite Flixbus-Fahrt, diesmal ins etwa zwei Stunden entfernte Bologna, hätte besser sein können. Zumindest, was den Start anging. Aus einer zwanzigminütigen Verspätung wurden erst 60, dann 90 Minuten. Und da man ja nie weiß, ob und inwiefern so ein Bus die Verspätung wieder aufholt (und wir eh aus unserer Unterkunft auschecken mussten), sind wir trotzdem so früh am Busterminal gewesen, als wäre der Bus pünktlich abgefahren. Was sich am Ende auch als schlau herausgestellt hat, denn am Ende waren es immerhin nur noch 50 Minuten Verspätung, mit der der Bus aus Florenz losfuhr. Die Fahrt selbst war dann allerdings deutlich entspannter und ruhiger als die letzte, außerdem war der Bus moderner und bequemer. Modern war auch unser erster Eindruck von Bologna, das sich weder wie die Antike in Rom noch wie die Renaissance in Florenz anfühlte, sondern wie eine normale Stadt der Neuzeit. Und endlich mal mit einem Busterminal innerhalb der Stadt direkt am Hauptbahnhof und nicht weit außerhalb.

Dort befand sich allerdings unsere Unterkunft, aber mit einem Regionalzug war sie am Ende auch nur zwei Haltestellen und 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Unsere Unterkunft war ein kleines Apartment mit kleiner Küche und großem Schlafzimmer im Vorort Casalecchio di Reno. Es lag direkt an einer viel befahrenen Straße, davon war mit geschlossenen Fenstern aber kaum etwas zu hören. Außerdem waren wir umgeben von Restaurants, Supermärkten und Bushaltestellen. Positiv überrascht waren wir auch von der Waschmaschine, die nicht im Inserat angegeben war und wir uns deshalb schon darauf einstellten, einen Waschsalon suchen zu müssen (von denen es hier nicht gerade viele gab). Dass die unsere gesamte weiße Wäsche pink einfärbte, dürfte aber eher an der nicht so guten Idee gelegen haben, eine billige rote Hose aus Thailand mit zu waschen, als an der Maschine. Die Besitzer waren ein süßes älteres Ehepaar, das kein Wort Englisch sprach, aber mit Händen, Füßen und dem Google Translator waren am Ende alle Fragen geklärt. Wir haben uns wieder mal sehr wohl gefühlt, haben erstmals selbst Caprese-Panini gemacht, Tortellini gekocht und mussten ausnahmsweise mal nicht an einer Mokkakanne verzweifeln, sondern konnten die Aufgabe, trinkbaren Kaffee zu kochen, einer Kapselmaschine überlassen.

Ziellos quer durchs Quadrilatero

Im Gegensatz zu Rom und Florenz haben wir uns für Bologna deutlich weniger Sightseeing-Gedanken gemacht. Bologna ist viel weniger touristisch als unsere zwei bisherigen Ziele in Italien und hat viel weniger klassische Sehenswürdigkeiten. Außerdem ist die Altstadt ziemlich kompakt, sodass man sich für die Stadt eigentlich keinen Plan machen muss. Deshalb sind wir am nächsten Tag einfach mit dem Bus gefahren, bis wir uns laut Google Maps an einer guten Position befanden, um von dort aus die Innenstadt zu durchqueren. Und von der waren wir ziemlich schnell begeistert. Wie eigentlich jede italienische Altstadt ist auch Bologna einfach an sich schön. Die Fassaden leuchten in rotbraun in der Sonne, das Wetter spielte mit und nach leckerem Kaffee und Essen riecht es eh immer überall. Könnte schlechter. Von der Piazza Maggiore, dem großen Hauptplatz der Altstadt, ging es weiter durch die schmalen Gassen des Quadrilatero, dem alten Marktviertel von Bologna. Hier kann man an jeder Ecke frische Pasta, Gewürze, Fleisch und Fisch, Blumen, Kaffee und alles, was das Herz sonst noch begehrt, kaufen. Uns hat es genügt, durch die Straßen zu schlendern und sich die Stände und Läden anzuschauen und das Treiben zu verfolgen.

Viele Stufen im Asinelli-Turm

Nachdem wir uns sowohl Rom als auch Florenz auch immer irgendwo und teilweise sogar mehrfach von oben angeschaut hatten, wollten wir unsere Quote auch in Bologna aufrechterhalten. Das ist dort zum Glück gar kein Problem, denn im Mittelalter war Bologna mit zahlreichen sogenannten Geschlechtertürmen praktisch zugepflastert. Diese Türme wurden von Adelsgeschlechtern gebaut, um ihre Macht, ihren Reichtum und ihren Einfluss zu demonstrieren. Vermutlich je größer, desto besser, also nicht weit entfernt von gewissem heutigem Gehabe. Bis zu 200 Geschlechtertürme soll es hier gegeben haben. Was heute das dicke Auto (das natürlich vor der Garage geparkt ist, damit es jeder sehen kann) oder der neue Rasenmäher ist, nachdem man mit Schrecken feststellen musste, dass der vom Nachbarn viel größer und teurer zu sein scheint als der eigene, waren damals anscheinend Türme. Von denen haben zwar nur die wenigsten bis heute überlebt, mindestens einen, den Torre degli Asinelli, kann man aber heute noch besteigen. Also hieß es für uns mal wieder Stufen laufen, knapp 500 an der Zahl. Davon lohnt sich allerdings wirklich jede einzelne, denn von oben hat man einen 360°-Blick über Bologna. Die Kombination aus gutem Wetter und trotzdem wenigen Touristen hat außerdem dazu geführt, dass wir uns oben viel länger aufgehalten haben als beispielsweise auf dem Dom oder dem Glockenturm in Florenz. Absolute Empfehlung – für 5€ pro Person auch absolut bezahlbar. Der Asinelli-Turm ist übrigens um 1,3 Grad geneigt. Damit ist er zwar nur ein Drittel so schief wie der Turm von Pisa, andererseits doppelt so hoch. Von oben fühlt man die Neigung von über 2 Metern nicht, umso sichtbarer ist sie von unten. Wir hoffen mal, dass die Familie Asinelli nicht nur in Höhe, sondern auch in Qualität investiert hat und der Turm noch einige Jahrhunderte steht.

Zahllose Arkaden bis zur Madonna di San Luca

Bologna ist auch für seine Arkaden bekannt. Reiht man alle aneinander, ergibt sich ein 38 km langer Bogengang. Seit 2021 sind die Arkadengänge von Bologna UNESCO-Weltkulturerbe. Verdientermaßen würden wir behaupten, denn die sind nicht nur echt hübsch, sie machen die Stadt auch ziemlich wetterfest. Die Bögen führen mehr oder weniger komplett um und durch die Stadt, bei Regen bleibt man so trocken, bei Sonne im Schatten. Letzteres kam uns sehr entgegen, sonst hätten wir unsere kleine Wanderung an unserem zweiten Tag in Bologna wohl kaum machen können – oder zumindest nicht wollen. Von der Altstadt aus führt der längste zusammenhängende Bogengang der Welt über 4 km hoch bis zur Santuario della Madonna di San Luca, einer Kirche auf ungefähr 300 m Höhe. Die Kirche selbst ist ein kleiner Wallfahrtort und ist sowohl architektonisch interessant als auch für ein Heiligenbildnis bekannt, das in ihr aufbewahrt wird. Für uns war allerdings eher der Ausblick auf die Stadt die Motivation für den Aufstieg und aufgrund des Bogengangs im Grunde der Weg das Ziel. Es war definitiv anstrengend und trotz Schatten immer noch ziemlich heiß, aber es war wirklich schön, durch den Bogengang zu laufen, den wir die meiste Zeit der Strecke sogar für uns alleine hatten. Sowohl auf dem Weg nach oben als auch vom Gipfel haben wir nochmal einen tollen Blick auf Bologna genossen. Und ja, um das auch abzuhaken, die Kirche sieht auch schön aus, sowohl von außen als auch von innen. Bevor wir den deutlich weniger anstrengenden Rückweg antraten, machten wir noch Station in einem kleinen Restaurant in der Nähe der Kirche. Dadurch haben wir nicht nur was in die Mägen bekommen, sondern auch das Fornarina für uns entdeckt. Das war das mit Abstand günstigste Gericht auf der Karte und stellte sich als „trockene“ Pizza heraus, also ohne Belag, dafür mit Gewürzen. Quasi Focaccia in dünn und knusprig. Sehr lecker! Auch in der Altstadt gab es nochmal was Köstliches, schließlich waren wir am Ende über 7 km gelaufen. Und wir mussten einer der Food-Hauptstädte der Welt auch wenigstens irgendwie ein bisschen gerecht werden. Dafür gab es dann Tigelle, kleine, runde, gefüllte Brote, die typisch für diese Region Italiens sind. Wir haben uns für welche mit Squacquerone entschieden, einem speziellen Frischkäse. Auch sehr lecker. Aber wir hatten ja bereits in Rom und Florenz gemerkt, dass man in Italien eigentlich eh nicht schlecht essen kann.

Spaziergang durch Casalecchio di Reno

Der Vorort von Bologna, in dem wir die drei Tage gewohnt haben, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Obwohl nicht sonderlich sehenswert, war der Ort trotzdem irgendwie schön. Kleine Läden, schöne Cafés und zwischen Wohnung und Supermarkt hatte man immer Ausblick auf den namensgebenden Fluss Reno und die umliegende Landschaft. An unserem letzten Abend eröffnete außerdem eine Art Food Festival seine Tore, auf dem Restaurants aus dem Ort an Ständen einzelne Gerichte ihrer Speisekarten anboten. Man konnte auch direkt ein ganzes Menü aus verschiedenen Probierportionen und einem Glas Wein bestellen. Eröffnet wurde das Festival nicht nur mit guten Gerüchen, sondern auch mit einer Band mit einem sehr enthusiastischen Sänger, vor dem wir geflohen sind, als er anfing, vorbeilaufende Besucher „anzusingen“ und sie irgendwie versuchte, in seine Performance zu integrieren. Wir haben uns eh kulinarisch anders entschieden – dem eher fleischlastigen Angebot sei dank – und uns eine Pizza in der Pizzeria in unserer Nachbarschaft geholt. Damit macht man eh nie was falsch. Vor allem nicht in Italien. Unsere Wohnung und dieser Ort waren ein erneutes positives Beispiel, wie schön es sein kann, nicht mittendrin zu wohnen. Wenn man genug Zeit mitbringt und der Ort gut an Bus und Bahn angebunden ist, kann es sich lohnen, außerhalb zu hausen, abends seine Ruhe zu haben und auch noch Geld zu sparen. Aber das mit der Verkehrsanbindung ist ja immer so eine Sache. Nicht nur in Italien.