Drei Tage Nicht-Campen in Venedig
Camping in town
Kein Italien-Trip ist vollständig ohne Venedig. Sagt man doch zumindest. Und wer wie wir von Bologna nach Norden reist und auch noch Flixbus fährt, hält in den allermeisten Fällen ohnehin dort. Nicht zuletzt deshalb war es eigentlich keine Option für uns, Venedig auszulassen. Zumal man ja eh nicht weiß, wie lange die historische Lagunenstadt noch so unbeschwert und ohne vorherige Registrierung (und Zahlung von Eintrittsgeldern) besucht werden kann. Da Venedig ohnehin schon eher zu den teureren Pflastern – nicht nur Italiens, sondern ganz Europas – zählt, haben wir uns für eine Unterkunft außerhalb der Lagune entschieden. Am Ende ist es ein Campingplatz der Kette hu camping in town geworden, der mit einem sehr günstigen Preis und einem kostenlosen Shuttlebus zur Lagune geworben hatte. Anreisen konnten wir mit einem öffentlichen Linienbus, der nicht oft am Tag, uns aber zu einer uns einigermaßen passenden Zeit vom Bahnhof Mestre zum Campingplatz brachte.
Warum sich das Ganze „camping in town“ nennt, wissen wir nicht, vielleicht passt es anderswo besser. In Venedig gab es jedenfalls kein Camping, Zelte oder Stellplätze sucht man hier vergeblich. Stattdessen werden Wohncontainer in verschiedenen Größen und unterschiedlicher Ausstattung angeboten. Wir haben uns für die zweitkleinste Variante entschieden. Freistehend, mit kleiner Terrasse, auf der wir morgens gefrühstückt haben. Keine Küche, aber ein kleiner Kühlschrank, also ausreichend für ein bisschen Obst, Joghurts und Getränke. Wer mehr investiert und mehr Personen mitbringt, kann größere Familiencontainer mit eigener Küche mieten. Generell war der Platz eher auf Familien ausgelegt, im vorderen Bereich in der Nähe der Rezeption gab es einen großen Poolbereich, der aber die meiste Zeit über ziemlich leer (und damit für uns umso einladender) war. Klar, denn die meisten machen wohl Tagesausflüge in die Region oder zur Lagune, aber selbst am späten Nachmittag, wenn die meisten zurück zum Platz kamen, hatte man nie ein Problem, eine freie Liege zu finden. Dass wir noch ganz knapp vor der Hauptferienzeit da waren, hat sicherlich auch nicht geschadet. Am meisten überrascht waren wir vom parkeigenen Supermarkt. Nicht, dass es generell einen gibt, denn mit sowas kann man ja nochmal ordentlich Kasse machen, wenn man den Gästen hier ein großes Angebot an Verpflegung bietet, ohne dass die extra zu einem Supermarkt fahren müssen. Allerdings waren die Preise dort allerdings echt okay und bei weitem nicht so hoch, wie wir erwartet hatten. Wir haben uns hier zwar nur mit Getränken versorgt (Wein für 3 Euro? Her damit!), hätten aber im Grunde alles für unser Frühstück bekommen können und nur unwesentlich mehr bezahlt als im normalen Supermarkt. Sicherheitshalber sind wir trotzdem einmal hingelaufen – und haben dadurch noch eine leckere Pizza gegessen. Die hätten wir zwar auch im Parkrestaurant bekommen, dort aber wiederum deutlich teurer und gemäß Bewertungen und Berichten anderer Gäste nicht allzu gut. Da haben wir uns lieber auf den morgendlichen Kaffee beschränkt, der zwar auch nicht günstig, dafür aber sehr gut war.
Schleichwege durch Venedig
Nach Pizza und Wein schläft es sich eigentlich meist gut. Wäre auch hier der Fall gewesen. Bequemes Bett, ruhig, einigermaßen dunkel, angenehm kühl durch Klimaanlage. Die Voraussetzungen waren da, die Mücken leider auch. Eine einzige Mücke hat es irgendwie geschafft uns die halbe Nacht wach zu halten, da sie uns entweder durch juckende Stiche oder Flugmanöver direkt an unseren Ohren geweckt hat. Wir besiegten die Müdigkeit halbwegs mit Kaffee und schworen Rache. Der Shuttlebus nach Venedig ist für diejenigen inklusive, die direkt bei „hu camping“ buchen. Allen anderen wird pro Ticket 2,50 Euro abgeknöpft. Uns auch, hätten wir nicht an der Rezeption nachgehakt. Nach einem kurzen Blick ins System gab es die Tickets dann kostenlos. So schnell spart man bei zwei Personen dann nochmal 10 Euro pro Tag – und holt damit womöglich jeden Rabatt raus, den sich manche bei der Buchung über einen Drittanbieter erhofft hatten. Die Busse fahren in der Hauptsaison mindestens stündlich und brauchen etwa eine halbe Stunde zur Lagune. Hier wurden wir am Terminal für eine Magnetschwebebahn rausgelassen, die aber auch Geld gekostet hätte und mit der wir eh nur eine Station weiter bis zur Piazzale Roma, dem zentralen Busbahnhof, hätten fahren können. Hier waren wir kurz sehr schockiert über die Massen an Menschen, die wir schon aus der Ferne gleichzeitig über eine Brücke laufen sahen. Am liebsten hätten wir wieder umgedreht, haben aber dann festgestellt, dass die Brücke in Richtung Bahnhof führte, also aus der Lagune raus. Später hat sich außerdem herausgestellt, dass es irgendeine Störung gab und keine Züge fuhren. Ein Hoch auf den Shuttlebus. Und darauf, dass wir jetzt eine andere Brücke nehmen konnten, an denen es in Venedig nicht mangelt (immerhin laut Wikipedia rund 435 an der Zahl). Wir arbeiteten uns nicht wie die meisten direkt Richtung Markusplatz, dem zentralen Platz von Venedig, vor, sondern hielten uns eher am Rand und entdeckten dadurch nicht nur viele fast schon verlassene Gassen und Kanäle, sondern auch einige schöne Restaurants, die immerhin halbwegs bezahlbar waren. Trotzdem gut, dass wir gefrühstückt hatten. Es ging vorbei an bunten Booten, einsamen Kanälen und den ersten Läden für die berühmten venezianische Masken. Als wir den Ponte Dell’Accademia, eine berühmte Holzbrücke mit tollem Blick über den Canale Grande erreichten, war es dann aber auch vorbei mit der Einsamkeit. Wir waren immer noch in Venedig, einer der Touri-Hotspots der Welt. Zeit, sich ins Getümmel zu stürzen.
Klassiker, Bücher und viel zu viel zu essen
Venedig ist ohne Frage eine schöne Stadt. Und wie die meisten Orte auf der Welt wirkt sie da am schönsten, wo die wenigsten Menschen sind. An sich waren wir also mit unseren Zufallsfunden der einsamen Gassen abseits der Massen sehr zufrieden und hätten wieder zurück zum Campingplatz fahren können. Venedig ohne die klassischen Sehenswürdigkeiten ist aber irgendwie auch nix, deshalb kämpften wir uns als erstes zum Markusplatz vor. Der war allerdings überraschend leer. Sowohl der Platz selbst, als auch die Cafés mit ihren stolzen Preisen (7 Euro pro Espresso, 11 Euro für einen Cappuccino…) waren überwiegend frei. Selbst die Schlangen für Markusdom und Glockenturm hielten sich in Grenzen. Wo sind die Leute alle? Uns war es recht, so könnten wir ziemlich entspannt über den Platz und am Dogenpalast vorbei Richtung Kanal laufen. An der Uferpromenade, vor allem rund um die Seufzerbrücke, war deutlich mehr los, aber nichts, was uns umgehauen hätte. Das schaffte eher mal wieder die Sonne und ein gewisses Hungergefühl ließ sich mittlerweile auch erahnen. Die Essensmöglichkeiten, die bei Google Maps als günstig markiert sind, halten sich in der Altstadt von Venedig sehr in Grenzen. Eine sehr gute ist aber das Dal Moro’s, ein kleiner enger Laden in einer noch kleineren, engeren Gasse mitten in Venedig. Hier gibt es Pasta to go, die frisch zubereitet in einer Box serviert werden. Mit der muss man sich dann ein geeignetes Plätzchen suchen, denn einerseits will man die Gasse nicht blockieren, andererseits ist das Sitzen in Venedig auf Stufen oder Bootsanlegern verboten, was das Ganze nicht so einfach machte. Unsere Nudeln mit Pesto und extra Mozzarella mussten eh erstmal abkühlen und bis dahin fanden wir eine einigermaßen ruhige und ausreichend breite Gasse für Pasta to go while standing. War tatsächlich auch saulecker, allerdings auch sau viel. So viel, dass danach fast kein Platz mehr für ein Tiramisu von I Tre Mercanti reinpasste. Zum Glück nur fast, denn das soll angeblich das beste Tiramisu von ganz Venedig sein. Lecker war es jedenfalls. Mit vollen Mägen ging es dann noch zur Libreria Acqua Alta, einem Buchladen, der vor einigen Jahren noch ein Geheimtipp war, jetzt aber leider vor Besuchern genauso platzt wie vor Büchern, die hier mal mehr, mal weniger sortiert in unendlich vielen Regalen und teilweise sogar in ausrangierten Gondeln gelagert werden. Richtig entspannt gucken konnten und wollten wir so aber nicht, deshalb blieb es nur bei einem kurzen Besuch. Wo die ganzen Leute sind, die eigentlich auf dem Markusplatz sein sollten? Die sind alle hier in dem Buchladen.
Venedig von oben
Nach den Nudeln war schnell die Luft raus. Die vielen Menschen und die Sonne trugen auch ihren Teil dazu bei. Das veranlasste uns, früher als eigentlich geplant wieder zurück zum Campingplatz zu fahren. Da wir den Shuttlebus erst für später am Tag gebucht hatten, nahmen wir den normalen Linienbus. Noch ein Vorteil, wenn man für den Bus nicht extra zahlen muss: Man kann die Fahrt getrost verfallen lassen. Zurück auf dem Platz gab es erstmal eine Abkühlung im Pool – und abends nur noch Snacks, da die Nudeln echt lange hielten. Preis-Leistung sehr gut! Am nächsten Tag sind wir, obwohl müde, chronisch faul und mit dem regulären Sightseeing in Venedig durch, nochmal mit dem Shuttlebus zur Lagune gefahren. Denn auch Venedig wollten wir einmal von oben sehen. Das geht nicht nur sehr gut, sondern auch sehr günstig – nämlich kostenlos – von der Dachterrasse der Fondaco dei Tedeschi, einer früheren Niederlassung deutscher Händler. Das Gebäude beherbergt heute vor allem Filialen von bekannten Luxusmarken, lässt aber komischerweise gleichzeitig kostenlos Touristen aufs Dach. Zumindest dann, wenn sie vorher (und zwar mindestens ein paar Tage im Voraus, da die Plätze begrenzt sind) eine Online-Reservierung getätigt haben. Und die lohnt sich, nicht nur, weil sie nichts kostet. Der Blick über Venedig ist von hier oben wirklich toll. Auch wenn die Terrasse nicht besonders hoch ist, sieht man nicht nur hinab auf den Kanal und die Rialtobrücke, sondern guckt über die Dächer der Stadt bis zum Markusdom. Und obwohl wir uns ein bisschen aufraffen mussten, extra dafür nochmal mit dem Bus in die Stadt zu fahren: Gelohnt hat es sich am Ende allemal. Definitiv ein gelungener Abschluss unseres Besuchs von Venedig. Nicht zuletzt deshalb, weil wir danach noch den halben Tag Zeit hatten, um nochmal intensiv den Pool zu nutzen.