Mit dem Bus in die Toskana: Unsere Tage in Florenz
Um von Rom nach Florenz zu kommen stand unsere erste Fahrt mit dem Flixbus an. Nach ADO und CTM das dritte große Busunternehmen, dem wir uns während unserer Reise anvertrauten und das uns ab hier bis fast ans Reiseende begleiten würde, da die Dinger mittlerweile jede halbwegs größere Stadt in ganz Europa anfahren. Unser Flixbus startete am Fernbusbahnhof von Rom, zu dem wir mit Bus und Metro mehr schlecht als recht anreisten (vor allem Busfahren ist in Rom eine absolute Katastrophe). Ab dann klappte alles aber ziemlich gut, am Busbahnhof war alles gut organisiert. Der Bus kam pünktlich am vorgesehenen Bussteig an und fuhr auch fast pünktlich ab. Nur was die Mitreisenden angeht hätten wir uns persönlich was Angenehmeres gewünscht, denn irgendwie hatte es eine philippinische Großfamilie geschafft sich vor, hinter und neben unserer Sitzreihe zu platzieren. Was nicht weiter problematisch gewesen wäre, wenn man sich nicht unbedingt die gesamte Fahrt über die Sitzreihen hinweg laut unterhalten müsste und Snacktüten hin und her reichen müsste. Bei einer zweistündigen Fahrt war das alles aber noch zu verkraften.
Der Busbahnhof von Florenz ist zwar gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden, die Straßenbahn braucht trotzdem etwa 40 Minuten bis ins Zentrum. Von da mussten wir in einen Bus umsteigen und anschließend noch knappe zehn Minuten laufen. Der Weg hat sich am Ende aber gelohnt. Wir waren in einer Kellerwohnung ähnlich wie in Washington untergebracht. Die Besitzer, die oben wohnten, waren sehr nett und jederzeit erreichbar. Die Wohnung war super schön, die Dusche wieder mal sehr gut und die Küche hätten wir am liebsten abgebaut und mitgenommen. Was allerdings fehlte, war eine Kaffeemaschine. Zwar gab es wie in jedem guten italienischen Haushalt eine Mokkakanne, aber irgendwie haben wir es nie hinbekommen, damit leckeren Kaffee zu machen. Instantkaffee musste aushelfen. Zum Glück wurden wir dafür – oder für unsere TK-Pizzen – nicht verhaftet. Das Bett war zwar nur ein Schlafsofa, aber dafür erstaunlich gemütlich. Und durch die Lage am Stadtrand war es immer sehr ruhig. Diese Wohnung war eine von vielen, in denen unser Budget „nur“ für eine Unterkunft außerhalb der Innenstadt gereicht hat, was sich am Ende als absoluter Glücksfall herausstellte. Low-budget kann auch ziemlich cool sein!
Über die Piazzale Michelangelo in die Boboli-Gärten
Ein weiterer Vorteil einer Lage außerhalb des üblichen Sehenswürdigkeitenradius ist, dass man so vielleicht Sachen mitnimmt, die man sonst ausgelassen hätte. Wir konnten zum Beispiel von unserer Unterkunft aus zu Fuß zur Piazzale Michelangelo laufen, von der aus man einen der besten und schönsten Blicke auf Florenz hat. Der Weg dahin war zwar steil und sonnig, der Ausblick auf die Altstadt entschädigt einen aber für den Marsch. Wir haben uns zusätzlich mit einem sehr leckeren Caprese-Panino belohnt. So gestärkt ging es dann gleich zu noch einer Sehenswürdigkeit von Florenz außerhalb der Innenstadt. Der Boboli-Garten ist eine große Parkanlage auf der anderen Seite des Arno mit ebenfalls spektakulärem Blick auf Florenz. Uns hat der Park jetzt nicht umgehauen, zumal wir mittlerweile schon wieder gut müde und kaputt waren, allerdings war unser Anreisetag ein erster Sonntag eines Monats, sodass viele Sehenswürdigkeiten der Stadt, inklusive des Parks, keinen Eintritt kosteten. Dafür hat es sich dann schon gelohnt. Anschließend war dann aber Schluss und den Stadtkern hoben wir uns für die kommenden zwei Tage auf.
Die größte Kuppel der Welt
Der nächste Tag sollte ganz im Sinne des klassischen Sightseeings in Florenz stehen. Ein Besuch des Doms und der Kuppel einschließlich eines Blickes vom Dom über die Stadt darf da auf keinen Fall fehlen. Die Kuppel des Doms von Florenz aus dem 15. Jahrhundert ist bis heute die größte Kuppel der Welt, zumindest, wenn man die Dächer irgendwelche Sportarenen nicht mitzählt – und wer tut das schon? Außer Wikipedia. Um die Domkuppel zu besuchen, ist nicht nur ein Ticket fällig, sondern es muss auch ein Zeitfenster gebucht werden, in dem der Zutritt gewährt wird. Das führte leider zu einer regnerischen Anfahrt, denn das Wetter wollte an diesem Morgen nicht so richtig mitspielen. Am Dom angekommen mussten wir noch unsere Rucksäcke wegschließen (ging zum Glück kostenlos in der Nähe des Doms, hätte aber gerne besser kommuniziert werden dürfen), anschließend ging es knapp 500 Stufen rauf bis auf die Domspitze. Die Kuppel, an der man auf dem Weg hoch und runter vorbeikommt und dabei einmal komplett umrundet, ist schon beeindruckend. Keine Ahnung, wie man das vor 500 Jahren so bauen und bemalen konnte. Wir haben aber auch viele Risse in der Kuppel gezählt, die es mit Sicherheit irgendwann mal wert sind, geflickt zu werden… Von der Spitze oberhalb der Kuppel hat man den besten oder mindestens zweitbesten Blick über Florenz (mehr dazu später). In jeder Himmelsrichtung gibt es irgendetwas zu entdecken. Und insgesamt zeigte sich wie schon in Rom die Schönheit italienischer Altstädte mit ihrem Meer aus roten Dächern. Wir blieben so lange oben, bis der Regen zurückkam, der passenderweise eine Pause eingelegt hatte, und machten uns dann wieder auf den Weg nach unten und raus aus dem Dom.
Unten war der Regen dann wieder vorbei, wir hatten ziemliches Glück mit unserem Timing. So konnten wir noch gemütlich durch die Straßen schlendern, Postkarten kaufen, den Palazzo Vecchio und die Kopie von Michelangelos David bestaunen und uns über einen sehr vollen Ponte Vecchio drängeln, bis die Beine irgendwann wieder drohten, ihren Dienst zu quittieren und Sofazeit einforderten.
Dom- und Florenzblick vom Glockenturm
Wer ein Ticket für die Domkuppel von Florenz kauft, ersteht zwangsläufig ein Kombiticket, in dem auch ein Besuch des Glockenturms und des Baptisteriums inbegriffen sind. Deshalb ging es am nächsten Tag trotz leiser Proteste der Beine erneut etwa 400 Stufen empor, bis wir auf der höchsten Ebenen des Glockenturms von Florenz standen, der sich direkt neben dem Dom befindet. Von hier aus hat man dann sogar noch einen besseren Blick auf Florenz, denn jetzt ist auch der Dom selbst mit im Bild. Der Aufstieg lohnt sich also, außerdem gibt es im Glockenturm mehrere Ebenen, auf denen man zwischendurch verweilen kann, sodass man sich hier Zeit lassen kann und nicht super fit sein muss. Das Baptisterium nebenan fanden wir eher langweilig. Natürlich sieht es schön aus, ist aber nichts, was einen umhaut, wenn man eh schon die gleiche Architektur in Dom und Glockenturm gesehen hat. Außerdem wurde es gerade renoviert. Aber gut, war ja mit drin im Ticket, also haben wir das auch noch mitgenommen. Dann war aber auch gut mit Kultur.
Bunte Märkte und sehr gutes Eis
Abschließend wollten wir noch ein wenig die kulinarische Seite von Florenz kennenlernen. Den Anfang machte dabei ein Besuch auf dem San Lorenzo Markt, quasi dem Wochenmarkt der Stadt, der wie in Italien üblich in einer großen Halle untergebracht ist. Wir waren etwas zu spät dran für die Hauptbesuchszeit, die meisten Stände waren allerdings noch geöffnet. Sehr gut also zum Schlendern und Fotos machen. Fast hätten wir auch etwas gekauft, denn auf den ersten Blick schienen die Preise für Gebäck an einem Stand sehr niedrig und verlockend. Bei näherem Hinsehen mussten wir allerdings feststellen, dass keine absoluten Preise, sondern Preise pro 100 Gramm angegeben waren. Zum Glück haben wir das noch gesehen, sonst wäre es am Ende doch eine teure Überraschung geworden. Das gesparte Geld haben wir danach lieber in unser nächstes Caprese-Panino gesteckt (diesmal eins zum Teilen, weil die Dinger immer riesig sind). Auch verhältnismäßig teuer, dafür aber auch extrem gut, war ein Eis, das wir uns anschließend bei Venchi, einer bekannten italienischen Kette mit Filialen in vielen größeren Städten, gönnten. Der Laden lockt Kunden vor allem durch seine riesige Wand aus geschmolzener Schokolade an, die wenn gewünscht auch in die Eiswaffel gefüllt wird, wodurch das Eis nochmal leckerer wird. Klare Empfehlung für Venchi, auch wenn wir dafür bestimmt 20 Minuten anstehen mussten.
Florenz hat uns wirklich sehr gefallen. Die Stadt ist viel kleiner als Rom, zwar auch sehr touristisch und dementsprechend voll, aber trotzdem irgendwie sehr gemütlich. Zwar hatten wir auch hier das Gefühl, dass drei Tage bei weitem nicht ausreichen, um die Stadt wirklich kennenzulernen, für einen guten Einblick hat es aber dennoch voll gereicht. Und wie bei Rom gilt ja auch hier: Es muss ja nicht bei einem einmaligen Besuch bleiben.