Weiter nach Rabat: Zu Besuch in Marokkos Hauptstadt

Nach sechs größtenteils entspannten Tagen in Casablanca ging es weiter zu unserem zweiten Ziel in Marokko. Für die nächsten drei Nächte stand Rabat, die Hauptstadt des Landes, auf dem Programm. Für die Fahrt – und generell für die komplette Reise durch Marokko – haben wir uns für Busse entschieden. Wie in Mexiko verbinden auch in Marokko viele Buslinien die größeren Städte miteinander. Was ADO in Mexiko ist, ist CTM in Marokko. Moderne Busse, moderne Terminals, die Möglichkeit, online Tickets zu kaufen. Und das alles zu einem sehr guten Kurs. Wir waren von unserer ersten Fahrt jedenfalls schon sehr positiv angetan. Die Wartehalle in Casablanca war groß, modern und sauber – und inklusive Katze. Ein Mitarbeiter sprach gutes Englisch und half uns, den richtigen Bus zu finden (die Durchsagen wurden wie bei ADO nämlich nur von den Fahrern in den Raum geschrien und selbst für Muttersprachler kaum zu verstehen). Außerdem mussten wir für das Gepäck, das im Gepäckraum transportiert werden soll, ein Extraticket kaufen. Für 50 Cent bekamen unsere Rucksäcke dann einen Aufkleber wie am Flughafen verpasst und wurden verladen. Und beim Aussteigen auch nur durch Vorzeigen des Tickets wieder ausgegeben. Davon wiederum können sich ADO, aber auch europäische Busunternehmen wie Flixbus eine Scheibe abschneiden.

Zwei Stunden dauerte die Fahrt von Casablanca bis Rabat. Und durch unsere Plätze in der ersten Reihe hatten wir nicht nur sehr bequeme Sitze mit viel Beinfreiheit, sondern auch Panoramablick nach draußen. So lässt sich so eine Fahrt sehr gut aushalten. Vom CTM-Terminal in Rabat ging es mit dem Taxi weiter zur Medina, denn unsere Unterkunft für die nächsten Nächte lag innerhalb der Mauern der Altstadt. Viel größer konnte der Kontrast zu unserer Wohnung in Casablanca eigentlich nicht sein.

Wohnen in der Altstadt

Wer als Tourist in Marokko übernachtet, kann zwischen drei bis vier Kategorien wählen. Klassische westliche Hotels gibt es eher selten. Wer solchen Standard erwartet, wählt womöglich am ehesten eine Residénce, also eine Privatunterkunft in einer Apartmentanlage wie wir eine in Casablanca hatten (und später nochmal in Fes haben würden). Traditionell und für Touristen deutlich authentischer und interessanter ist eine Übernachtung in einem Dar oder einem Riad. Ein Dar ist ein klassisches marokkanisches Haus mit großem Wohnraum und davon abgehenden Schlafzimmern. Dort übernachtet man dann ein bisschen wie als Teil einer Großfamilie, vor allem dann, wenn die Unterkunft tatsächlich von der Familie geführt wird, die auch wirklich dort wohnt. Ein Riad wiederum ist die noch beliebtere Form der Unterkunft, marokkanische Riads sind alte Häuser oder Paläste mit einem Innenhof bzw. Innengarten. Heute werden sie meistens als Hotels genutzt, von einfachen Riads bis Fünf-Sterne-Luxus-Palästen ist alles dabei. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben in Rabat in einem Dar übernachtet. Das Dar Rita liegt direkt am Tor zur Medina von Rabat, hat einen großen Wohnraum, ein paar an Touristen vermietete Zimmer und eine tolle große Dachterrasse, auf der man morgens das Frühstück serviert bekommt und sich auch sonst wunderbar entspannen kann. Zumindest dann, wenn der Muezzin nicht gerade zum Gebet ruft. Davon haben wir in unserem Zimmer zum Glück nichts mitbekommen, denn am Morgengebet um ca. 5 Uhr morgens waren wir wenig interessiert. Umso eher daran, aus der Unterkunft treten und direkt in der Medina von Rabat stehen zu können. Spätestens jetzt fühlte man sich wirklich im traditionellen Marokko angekommen.

Zu Fuß durch Medina…

Die Medina in Rabat hat uns deutlich besser gefallen als die in Casablanca. Sie war größer, die Gänge breiter und die Läden irgendwie schöner und einladender. Der überdachte Teil, also der Souk, war sehr fotogen, besonders dann, wenn mittags die Sonne durch das Holzdach schien. Man konnte hier erwartungsgemäß wirklich alles kaufen. Von alltäglichen Dingen wie Werkzeug und Lebensmitteln (besonders natürlich Gewürze, aufgetürmt in riesigen Säcken) über Bücher bis hin zum klassischen Touri-Ramsch. Die Kehrseite dieser deutlich schöneren, weil touristischeren, Altstadt war, dass man schon deutlich öfter angesprochen wurde. Das hielt sich aber immer noch sehr in Grenzen und mit dankend ablehnen und weiter gehen fuhr man ziemlich gut. Wenn einem das Gewusel zu viel wurde, konnte man außerdem jederzeit in eine der kleineren Seitengassen einbiegen, in denen dann eher Wohnhäuser zu finden waren und in die sich kaum Touristen verirrten. Und schafft man es irgendwann einmal durch die Medina zu laufen und sie durch eines der großen Zugangstore zu verlassen, steht man nicht nur vor den alten Stadtmauern, sondern wieder direkt am Meer. Hier haben wir uns erstmal einen Orangensaft geholt und dann den vielen Fischerbooten zugesehen, die in der Bucht umhertrieben. Der ruhige Hafen war ein cooler Kontrast zu der pulsierenden Medina direkt dahinter. Obwohl auch Rabat, ähnlich wie Casablanca, nicht ganz oben auf der Liste der für Touristen interessanten Städte Marokkos auftaucht, hat es uns hier sehr gut gefallen. Das Verhältnis zwischen Tradition und Moderne kam uns hier ziemlich ausgeglichen vor. Und gut Essen konnte man auch an jeder Ecke. Mehr braucht man als Tourist doch eigentlich gar nicht.

…und hoch zur Kasbah

Läuft man an der Bucht entlang in Richtung offenes Meer, kommt eine nächste Sehenswürdigkeit von Rabat in Sicht. Genau wie fast jede größere marokkanische Stadt eine Medina hat, gibt es auch oft eine Kasbah. Das ist eine alte Festung, die nochmal extra ummauert ist und heute nicht mehr für die Verteidigung, sondern eher für den Tourismus da ist. Wir fanden die Kasbah von Marokko ziemlich schön, wenn auch auf den Hauptwegen ziemlich voll. Viele Hauswände sind hier blauweiß gestrichen und schön dekoriert und von der Kasbah aus hat man nochmal einen tollen Blick auf Rabat und das Meer. Sogar einige Surfer haben wir am Stadtstrand von Rabat sehen können. Die Kasbah sollte man auf jeden Fall mitnehmen, wenn man in Rabat ist. Die kostet nämlich auch keinen Eintritt und muss nicht, wie uns vergeblich jemand versucht hat weiszumachen, durch ein kostenpflichtiges Museum betreten werden. Leider nicht das erste und letzte Mal, dass uns jemand in Marokko bescheißen wollte.

Abstecher ins Ville Nouvelle

Unsere Unterkunft grenzte direkt an ein südliches Zugangstor zur Medina. Davor lag direkt das Ville Nouvelle, also quasi die Neustadt Rabats, die die Franzosen als Planstadt angelegt hatten. Für Touristen ist das Ville Nouvelle eher uninteressant. Sehens- und besuchenswert ist allerdings der Hassanturm, ein unvollendetes Minarett einer ebenfalls unvollendeten Moschee, von der nur die Reste der Außenmauer und Teile der Säulen zu sehen sind, die das Gebäude einmal hätten tragen sollen, aber teilweise sogar kleiner sind als Menschen. Weit kam man wohl mit dem Moscheebau nicht. Fertiggestellt wurde nur ein Mausoleum für die beiden letzten Könige Marokkos, Mohammed V. und Hassan II., die hier – von Soldaten zu Fuß und zu Pferd bewacht – ihre letzte Ruhe gefunden haben. Viel mehr haben wir vom neuen Teil Rabats nicht gesehen. Aber dafür ist man als Urlauber ja auch gar nicht da. Auch für uns spielte sich die Marokkoreise größtenteils in der Medina ab. Und die nächste wartete auch schon auf uns.