Rüber nach Afrika: Sechs Tage Casablanca
Eine viel zu lange Anreise
Eigentlich waren nach Portugal ursprünglich mal Spanien und Frankreich geplant. Mit dem Zug wollten wir uns über Madrid und Marseille Richtung Italien bewegen. Allerdings haben wir dann nicht nur festgestellt, dass Süd- und Westeuropa auf Dauer echt zu teuer ist, sondern auch, dass wir dann gar kein afrikanisches Land mitnehmen würden und der Begriff „Weltreise“ am Ende irgendwie nur eingeschränkt passt. Marokko bot sich dafür sehr gut an. Nicht nur, weil die Anreise aus Portugal kurz und bezahlbar war (zumindest in der Theorie), sondern auch, weil es im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Ländern mittlerweile zu den klassischen Urlaubsländern für Europäer zählt. Leider ereilte uns während unseres eh schon langen Abreisetages in Porto die Nachricht, dass unser Flug Verspätung haben würde. Ganze vier Stunden länger würden wir am Flughafen abhängen müssen. Theoretisch hätten wir natürlich einfach ein paar Stunden länger in Porto bleiben können, irgendwie zog es uns dann aber doch zur ursprünglichen Zeit zum Flughafen. Man weiß ja nie. Dort konnten wir immerhin trotzdem schon unser Gepäck aufgeben, außerdem bekamen wir als Entschädigung für die Verspätung einen Verpflegungsgutschein im Wert von unfassbaren 6 Euro pro Person. Wow. Ein Burger King Menü war dafür immerhin fast drin. Komplett abspeisen lassen haben wir uns mit dem Gutschein aber nicht, mittlerweile liegt der Fall bei Flightright, denn laut EU-Regeln bekommt man für Verspätungen einer bestimmten Länge je nach Flugdauer unterschiedlich viel Kohle als Entschädigung. Bislang haben wir war nichts davon gehört, im Zweifel füllt es aber bald ein wenig die Reisekasse.
Einer sehr langweiligen, sehr langen Zeit im Sicherheitsbereich des Flughafens von Porto folgte ein eher kurzer, dafür ziemlich wackeliger Flug in einer wenig royalen Maschine von Royal Maroc Air. 1 Uhr nachts war es, als wir endlich am Flughafen waren. Die Einreise verlief zum Glück unkompliziert und auch die Rucksäcke kamen schnell aufs Band. Zum Glück, denn die halbe Gepäckhalle stand voller gestrandeter Koffer vergangener Flüge. Keine Ahnung, was da los war, konnte uns aber glücklicherweise egal sein. Man kann sich schöneres vorstellen, als mitten in der Nacht auf die Suche nach seinem Gepäck zu gehen. Und auch um den Transport zur Unterkunft mussten wir uns nicht mehr kümmern, denn wir hatten uns im Vorfeld einen Fahrer organisiert. Der brachte uns direkt vor die Tür unseres kleinen Apartmentgebäudes in Casablanca. In das wir zum Glück dank Nachtwächter noch rein kamen, denn die offizielle Check-in-Zeit war seit Stunden vorbei.
Und auch mit der Wohnung selbst hatten wir Glück. Ein kleines, modernes Apartment. Separates Schlafzimmer mit sehr gemütlichem Bett, Badezimmer mit Waschmaschine. Küche mit Kaffeemaschine und Ofen, aus dem es unseren ersten Nudelauflauf seit Ewigkeiten gab. Und das alles in einer ruhigen Seitenstraße in einem insgesamt eher modernen Stadtteil von Casablanca. Definitiv geeignet für unsere ersten sechs Nächte in Marokko!
Frankreich mitten in Marokko
Aufgrund der späten Anreise konnten wir – bis auf Wasser von der Tankstelle, leider hieß es hier wieder Flaschen- statt Leitungswasser – nichts mehr einkaufen, sodass wir am nächsten Morgen (bzw. Mittag) nach einer ersten Kanne Kaffee erstmal raus mussten. Zunächst gab es unser erstes marokkanisches Frühstück, allerdings eher rein geografisch als kulinarisch. Die Crepes waren dann doch eher aus Frankreich. Nur der Orangensaft, der war definitiv aus Marokko, denn so guten Saft gibt es eigentlich nur hier. Und auch den Supermarkt, den wir nach dem Frühstück ansteuerten, hätte man eher in Frankreich vermutet. Carrefour ist als französische Kette aber in jeder größeren Stadt der ehemaligen französischen Kolonie vertreten. Für uns Europäer, die gerne das essen, was sie kennen (vor allem dann, wenn man selbst kocht), sind diese Läden ein Traum. Wir hatten richtig Spaß, hier einzukaufen und für europäisches Preisniveau günstige Sachen zu ergattern. Ein weiterer Vorteil an den größeren Carrefours in Marokko ist, dass diese als eine der wenigen Supermärkte im muslimischen Marokko die staatliche Lizenz haben, Alkohol zu verkaufen. Im „Cave“ gab es eine so große Auswahl an Rot- und Weißweinen, dass man damit vermutlich das ganze Land auf einmal hätte besoffen machen können. Umso besser für uns. Wir haben uns hier sehr erfolgreich mit allem Nötigen eindecken können und hatten so für die Tage mehr als genug Verpflegung.
Alt und neu in Casablanca
Casablanca ist doppelt so groß wie Marokkos Hauptstadt Rabat und damit nicht nur die größte Stadt, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Dadurch ist die Stadt auch vergleichsweise modern und für Touristen dementsprechend uninteressant. Zumindest wenn man nach dem authentischen ursprünglichen Marokko sucht, das man als Tourist in den meisten Fällen in den Souks, also den Märkten der Altstädte, die im arabischen Kulturraum Medina heißen, findet. Eine Medina gibt es auch in Casablanca und da wir nicht die vollen sechs Tage in unserer Wohnung hocken wollten, ging es an einem Tag mit dem Taxi zum südlichen Tor in die Altstadt. Die Medina von Casablanca ist an sich so, wie man sich so eine Altstadt vorstellt. Viele bunte Stände, hölzerne Dächer. Im Vergleich zu anderen marokkanischen Städten ist die Medina von Casablanca aber relativ klein, dafür wird man erstaunlich wenig angesprochen – bzw. genötigt, etwas zu kaufen oder sich zumindest die garantiert beste Ware mit den garantiert besten und niedrigsten Preisen anzuschauen. Wir konnten ziemlich ungestört durch die Gassen schlendern, waren aber auch schnell wieder draußen. Am nördlichen Eingang der Medina liegt das Restaurant La Sqala, das beste Restaurant der Stadt (zumindest, wenn man den Bewertungen auf Google Maps Glauben schenkt), in dem es dann endlich unser erstes richtig marokkanisches Essen gab: Tajine. Von den köstlichen Dingern sollten wir noch etliche andere essen, im La Sqala waren die aber auch wirklich gut. Kein Wunder, dass der Laden brechend voll war.
Läuft man weiter Richtung Norden, entfernt man sich nicht nur räumlich von der Medina, sondern macht eine kleine Zeitreise. Dann steht man plötzlich nicht mehr in engen Gassen, sondern vor mehrspurigen Schnellstraßen und einer großen modernen Shopping Mall. Hier gab es nicht nur Klamotten vieler bekannter Marken, sondern auch alle möglichen Fast-Food-Ketten. Generell sehr westlich, allerdings nichts, was jemanden, der vor kurzem noch in den Megamalls in New York City war, umhaut. Schöner war vielmehr das, was hinter der Mall auf einen wartete. Hier konnten wir das erste Mal in Marokko aufs Meer gucken. Der Atlantik war hier ziemlich schroff und trotzdem hat uns die salzige Luft direkt wieder in ihren Bann gezogen. So unterschiedlich Länder, Städte und sogar Teile innerhalb von Städten sein können: Aufs Meer gucken geht immer überall gleich gut und ist überall gleich schön. Gut, jedenfalls dann, wenn das Seegras ausbleibt.
Seltener Besuch in der Moschee
Mit der nach einem ehemaligen König von Marokko benannten Hassan-II-Moschee steht eine der größten Moscheen der Welt in Casablanca. Bis 2019 war das Minarett der Moschee außerdem das höchste der Welt. Eine weitere – vor allem für Touristen wie uns relevante – Besonderheit der Moschee ist die Tatsache, dass sie als eine von wenigen von Nicht-Muslimen besichtigt werden kann. Zwar ist eine Besichtigung mit 12 Euro pro Person nicht billig und wir mussten auch mal wieder eine kleine Reise- bzw. Unternehmungsfaulheit überwinden, am Ende hat sich der Besuch aber gelohnt. So eine Moschee von innen sieht man ja auch nicht jeden Tag. Wir wurden mit einem englischen Guide sowohl durch die große Gebetshalle als auch die unterirdischen Waschräume geführt. Den Tourguide konnte man aufgrund der Größe der Gruppe, der Größe der Räume und vor allem wegen der vielen anderen Touristengruppen kaum verstehen, am Ende sind wir einfach auf eigene Faust umherspaziert. Mit dem Besuch der Moschee hat sich am Ende auch der Besuch von Casablanca an sich gelohnt. Denn ansonsten hat die Stadt für Touris, wie schon erwähnt, nicht allzu viel zu bieten. Für uns war das nicht weiter schlimm, denn dafür war unsere Wohnung wirklich schön. Und legte die Messlatte für die weiteren Unterkünfte unserer Marokkoreise ziemlich hoch…