Mele Kalikimaka: Weihnachten am Waikiki Beach

Nachdem der erste Flug aufgrund des nächtlichen Frühstücks nicht allzu gut geeignet war, um zu schlafen und wir danach noch ziemlich lange am Flughafen abhingen, waren wir ziemlich froh, irgendwann an Bord des zweiten Flugs zu sitzen. Wir hatten uns eine Zweierreihe reserviert, mussten also niemanden durchlassen oder fragen, wenn wir aufstehen wollten. Im Prinzip stand also einem erholsamen Nachtflug nichts entgegen. Die Rechnung hatten wir allerdings ohne die Wetterfronten des Pazifiks gemacht. Mehrfach leuchteten die Anschnallzeichen auf und das Flugzeug schwankte und ruckelte unangenehm durch die Nacht. Einmal fühlte sich auch der Pilot zur Durchsage berufen, dass sich bitte auch das Bordpersonal anschnallen soll. Nicht sehr beruhigend. Das mit Abstand Unangenehmste war ein Luftloch, durch das wir ohne Vorwarnung mehrere Meter nach unten stürzten. Danach war jedenfalls das ganze Flugzeug wach, angespannt und nicht mehr in der Stimmung, zu schlafen. Wir waren sehr froh und erleichtert, als wir am Morgen sicher in Honolulu landen. Für Vielflieger und Angestellte sicherlich kein besonders aufregendes Erlebnis, für uns aber etwas, worauf wir in Zukunft gerne verzichten.

Ankunft und Einreise waren dagegen ein Kinderspiel. Die Beamten an US-Grenzen sind ja eigentlich nicht dafür bekannt, die nettesten zu sein, auf Hawaii ticken die Uhren aber anscheinend auch diesbezüglich anders. So viele Gedanken hatten wir uns vorher gemacht, tausend Mal das ESTA kontrolliert, sogar unsere Reiseroute umgeplant, da wir erfahren haben, dass Mexiko (wo wir ursprünglich anschließend hinwollten) aufgrund der gemeinsamen Grenze nicht als Ausreiseland gilt (und damit ein Flugticket nach Mexiko nicht als proof of onward travel genügt). Am Ende wollte der Beamte nur wissen, wie lange wir auf Hawaii sind, einen Beweis für unsere Antwort wollte er nicht. Welcome to the United States – in Rekordzeit! Vom Flughafen, der übrigens wirkte, als hätte man seit den 1970ern vom Teppich am Boden bis zu den Infomonitoren an der Decke gar nichts verändert, ging es dann mit einem Sammeltaxi direkt zum Waikiki Beach, wo wir uns für sechs Nächte ein Apartment in Strandnähe gegönnt hatten. Problem: Check-in war wie üblich um 15:00, wir waren aber schon um 12:00 vor Ort. Die leise Hoffnung, dass sich der Schlüssel zum Apartment schon in der Schlüsselbox befindet, bestätigte sich leider nicht. Und so machten wir das Beste draus: Waikiki Beach, besonders seine Hauptstraße, die Kalakaua Avenue, ist gespickt mit jeder Menge riesiger Hotels. Das Hyatt hatte seinen Ableger, bestehend aus zwei bescheidenen Zimmertürmen sowie einem eigenen kleinen Open-Air-Einkaufszentrum im Erdgeschoss, in unmittelbarer Nähe unseres Apartmentgebäudes, sodass wir uns da sowohl einen wohlverdienten Kaffee besorgen, die Wartezeit bis zum Check-in auf einer Bank im Schatten verbringen und obendrein das freie WLAN schmarotzen konnten. Gegen den Hunger gab es einen riesigen Hotdog eines nahegelegenen Foodtrucks. Könnte deutlich schlechter. Und ein erster Blick in Richtung Strand verriet uns auch, dass es hier wohl ganz chic war. Das Wetter war gut, der Strand sah toll aus, Weihnachtsdeko war massig vorhanden. So hatten wir uns das vorgestellt!

What you pay is what you get

Etwas anders vorgestellt hatten wir uns unser Apartment. Zumindest, was die Sauberkeit betraf. Tatsächlich konnten wir erst um punkt 15 Uhr einchecken (nachdem wir mehrfach zur Schlüsselbox gegangen und gehofft hatten, dass es früher ginge). Daran, dass bis dahin noch exzessiv geputzt wurde, kann das aber nicht gelegen haben. Leider fanden wir überall noch lange Haare und unsere ersten Amtshandlungen waren Fegen und Staubsaugen (Putzgerät war zum Glück vorhanden). Die Küche war auch nicht so gut ausgestattet, wie erhofft, es gab keinen Topf, nur zwei Pfannen, und die elektrischen Herdplatten hatten auf jeden Fall schon bessere Tage gesehen. Das Bett wiederum war das weichste, das es auf diesem Planeten gibt. Lagen wir in Kambodscha öfter mal auf Brettern, war es hier eher eine Wolke. Aber im negativen Sinne. Dass man nicht einfach durch die Matratze geglitten und auf den Boden gefallen ist, war auch alles. Aber es war nicht alles schlecht: Das Apartment war groß, der Fernseher riesig, das WLAN gut, die Dusche auch…und trotz der Tatsache, dass wir in einem Apartmentgebäude direkt am Waikiki Beach waren, war es sowohl tagsüber als auch nachts erstaunlich ruhig. Außerdem wurde uns wurde fairerweise die Hälfte der Reinigungsgebühr zurücküberwiesen. Je länger wir hier waren, desto besser hat es uns dann doch gefallen. Und durch das Nichtvorhandensein von Töpfen haben wir zwangsläufig gelernt, wie man Nudeln in Pfannen kocht (und dass man eventuell beim nächsten Mal erst guckt, welche Küchenutensilien vorhanden sind, bevor man einkauft…). Außerdem war das Apartmentgebäude bewacht, zu den Stockwerken mit den Wohnungen kam man nur mit Transponder und im Erdgeschoss war praktischerweise ein Waschsalon untergebracht. Der Preis hatte es trotzdem in sich: Über 200 Euro haben wir hier pro Nacht latzen müssen. Und das war eines der günstigsten Apartments in ganz Waikiki! Hier kamen halt einige Dinge zusammen: Hawaii an sich, dann Honolulu, dann Waikiki, dann so nah am Strand und dann natürlich noch über die Weihnachtstage. Aber hey, es ist doch nur einmal im Jahr Weihnachten – und Weihnachten auf Weltreise wohl nur einmal im ganzen Leben.

Unsere Weihnachtschallenge

Während wir unseren ersten Nachmittag größtenteils verschlafen hatten und nur zum Abendessen nochmal raus sind (Tipp: im Moana Surfrider gibt es gute Nachos mit Meerblick und einem Typen mit Gitarre der Weihnachtslieder spielt – letzteres vermutlich nicht ganzjährig), hatten wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen. Es war der 23. Dezember und wir hatten nichts. Nichts fürs Frühstück, nichts fürs Abendessen, keine Snacks und: keine Weihnachtsgeschenke. Aus nachvollziehbaren Gründen hatten wir uns dagegen entschieden, mehrere Monate Geschenke mitzuschleppen, die dann nach Weihnachten lediglich die Rucksäcke tauschen würden. Aber jetzt so kurz vor Weihnachten und mit der vollen Dröhnung an hawaiianischer Weihnachtsstimmung schien es so ganz ohne Bescherung doch ein wenig karg. Der Plan war deshalb folgender: Mit dem Bus ins Ala Moana Center, dem größten Freiluft-Einkaufszentrum der Welt (!) und dort mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Gefrühstückt haben wir sehr lecker (und amerikanisch teuer, aber nach Australien waren wir was das angeht abgehärtet) im Island Brew Coffee House, eingekauft bei Target – und was die Weihnachtsgeschenke angeht, hatten wir uns etwas Besonderes ausgedacht: jeder bekam 20$ und zwei Stunden Zeit, um dem jeweils anderen etwas zu kaufen. Was in einem Einkaufszentrum dieser Größe an sich ja kein Problem sein sollte. Aber je nach Kreativität und Orientierungssinn kann es eine ziemliche Herausforderung werden. Weshalb aus den angepeilten zwei Stunden schnell drei wurden, bis wir endlich etwas gefunden hatten. Grund genug, den Tag für erfolgreich und beendet zu erklären und den Abend mit Weihnachtsfilmen zu verbringen. Wer es in Deutschland schon nervig findet, dass jeder Sender ab Mitte Dezember nur noch Weihnachtsfilme zeigt, sollte mal zur Weihnachtszeit US-Fernsehen schauen…

Entspannte Weihnachtstage

Heiligabend war vielleicht der ungewöhnlichste Tag unserer gesamten Reise. Nicht, weil wir irgendwas Besonderes gemacht hätten. Im Gegenteil. Nach einem Kaffee im Bett mit dem üblichen Weihnachtsfernsehen (daran konnte man sich trotz des Wolkenbetts wirklich gewöhnen), Weihnachts-Call mit unseren Familien (die schon bei Abendessen und Beschrung waren – hallo 12 Stunden Zeitverschiebung) und einem (zumindest für unsere Verhältnisse) typischem Amifrühstück bestehend aus Bagels mit Cream Cheese und Pancakes, ging es mittags eine Runde am Waikiki Beach schwimmen. Der war zwar bewölkt, hat aber niemanden davon abgehalten, dort ein paar Stunden des Christmas Eve zu verbringen, wie Heiligabend hier heißt. Gut, für hawaiianische Verhältnisse oder für solche, die die Weihnachtstage auf Hawaii verbringen, mag es nicht allzu ungewöhnlich erscheinen, am Strand zu sein. Aber uns kam das schon sehr surreal vor, verbringt man doch diesen Tag eigentlich mit der Familie mit voll aufgedrehter Heizung statt in Badehose am Meer. Nach dem Strand machten wir einen Abstecher zum Waikiki Christmas Store direkt um die Ecke, für die Extraportion Weihnachtsflair. Sehr teures Zeug, gut, dass wir erstens keinen Weihnachtsbaum hatten (auch wenn der Gedanke zwischenzeitlich vorhanden war) und zweitens nicht ein halbes Jahr filigranen Weihnachtsschmuck mit uns rumtragen wollten. Gegen Abend ging es dann nochmal ins Ala Moana Center zum Weihnachtsessen in Romano’s Macaroni Grill mit amerikanisch-italienischer Küche (mit anderen Worten: Teller mit ca. einem Kilo Nudeln). Den Abschluss machte unsere Bescherung im Apartment inklusive dem ein oder anderen Glas Wein. Und dann natürlich ein Weihnachtsfilm. Der Abend war dann doch viel ähnlicher zu dem typischen Weihnachten Zuhause – nur halt am anderen Ende der Welt auf Hawaii. Mele Kalikimaka.

Der erste Weihnachtstag, in den USA als Christmas Day das eigentliche Hauptevent, an dem es morgens Geschenke gibt, verlief bei uns ziemlich ähnlich. Kaffee im Bett, Frühstück und noch mehr Weihnachtsfernsehen als die Tage zuvor. Auch eine Runde durch Waikiki war wieder drin, denn an der Weihnachtsdeko konnte man sich nur schwer sattsehen (vor allem die Kombination aus Tannenbäumen, Weihnachtliedern und Sommerwetter war weiterhin sehr sonderbar für uns). Dafür musste man weder Hotels noch Einkaufszentren aufsuchen, auch wenn dort immer die meiste Deko zu finden war. Es reichten schon die kleinen ABC Stores, die es in Waikiki an jeder Ecke gibt und in denen es neben frischen Lebensmitteln auch Souvenirs, Snacks, Ramsch und zu dieser Zeit immer mindestens einen Weihnachtsbaum gibt. Alles übrigens zu Tankstellenpreisen, die man aber mangels richtigen Supermarkts am Waikiki Beach wohl oder übel zahlen muss. Während an diesem Abend viele irgendwo ein traditionelles Weihnachtsessen genossen, haben wir einen bescheidenen, aber sehr guten Mahaloha Burger verputzt – in der für den Weihnachtsabend doch überraschend gut besuchten Food Hall des Royal Hawaiian Centers (eines von unzähligen und oft direkt nebeneinanderliegenden Shopping Centers hier). Passte auch zu unserem ungewöhnlichen Weihnachten. Auch vom zweiten Weihnachtstag gibt es wenig Interessantes zu berichten. Die bewährte Reihenfolge aus Kaffee, Frühstück, Fernsehen und Strand wurde auch an diesem Tag erfolgreich eingehalten. Eine Routine, die wir gerne noch ein paar Tage beibehalten hätten, wenn nicht in zwei Tagen schon unsere Abreise angestanden hätte. Trotz eines holprigen Starts mit wortwörtlich turbulenter Anreise und einem auf den ersten Blick nicht ganz so tollen Apartment, war Weihnachten auf Hawaii wirklich ein Erlebnis, das uns auf jeden Fall positiv im Gedächtnis bleiben wird. Als Gewohnheitstiere haben wir uns aber gleichzeitig wieder auf unser bekanntes Weihnachten gefreut: kalt, dunkel, sonnen- und meerfrei, dafür aber im Kreise unserer Familien.

Der tägliche Sonnenuntergang

Ein Aspekt unseres leider kurzen Aufenthaltes auf Hawaii soll hier nicht nur nicht unerwähnt bleiben, sondern hat auch einen eigenen Abschnitt verdient. Wir haben am Waikiki Beach die schönsten Sonnenuntergänge unserer gesamten Reise gesehen. Hier passte einfach alles. Ein sauberer Strand, eine gemütliche und ruhige Atmosphäre und eine unglaublich orangefarbene Sonne, die das Wasser extrablau wirken ließ. Nirgendwo sonst hatte man eine so hohe Garantie für einen guten Sonnenuntergang und wir haben uns jeden Tag aufs Neue drauf gefreut. Und mit uns zahlreiche andere Touristen, die sich wie wir einfach in den Sand setzten und zusahen, wie die Sonne im Meer versank. Allein dafür hat es sich gelohnt, so nah am Strand in Waikiki zu wohnen, denn einen Fußweg von drei Minuten haben wir für dieses Schauspiel gerne jeden Tag in Kauf genommen. Schade, dass man nicht mal eben schnell für den ein oder anderen Sonnenuntergang zurück nach Honolulu kommen kann… Lohnen würde es sich.