We come to a land down under – Auf nach Australien
Gepäck am Limit
Nach einem letzten Frühstück im Hotel ging es via Grab zurück zum Flughafen. Die Fahrt dauerte nur 10 Minuten, deshalb konnten wir uns morgens Zeit lassen und die letzten Sachen ohne Stress packen (großes Argument für ein flughafennahes Hotel für die letzte Nacht vor der Weiterreise). Bei der Ankunft hatten wir den Flughafen und seine Umgebung nur im Dunkeln gesehen, im Tageslicht wurde nochmal deutlicher, wie sauber und ordentlich vor allem die Zufahrtsstraßen hier waren. Kein wuseliger Verkehr, breite Straßen…vermutlich vor allem der Tatsache geschuldet, dass hier in Kürze der G20-Gipfel stattfinden würde. Der Flughafen selbst ist auch wirklich nett gemacht. Zumindest der vordere Bereich. Eine große offene Eingangshalle. Weiter hinten ist es dann eher der normale Flughafeneinheitsbrei. Jetzt ging es aber erstmal zu den Schaltern von Jetstar für den Check-in.
Jetstar ist eine australische Billigairline und hatte in den letzten Wochen vor allem dadurch Schlagzeilen gemacht, dass sie ständig Flüge von und nach Bali (und auch zu anderen asiatischen Destinationen) hat ausfallen lassen. Die Gründe an sich schienen zwar irgendwo nachvollziehbar und der Airline war oft die Hände gebunden (mehrere Flugzeuge waren durch Blitzeinschläge oder Vogelschläge beschädigt und die Ersatzteile steckten irgendwo fest), das half den Passagieren aber auch nicht. Die hingen dann mehrere Tage irgendwo fest und, wenn’s blöd lief, überschritten ihre Visa, sodass zu den zusätzlichen Hotel- und Verpflegungskosten auch noch Strafen der Grenzbehörden dazu kamen (zwar sicherlich irgendwann erstattet von Jetstar, aber sowas dauert ja gerne mal einige Zeit). Wir hatten wie so oft Glück und eine Woche vor unserem Flug normalisierte sich die Lage wieder.
Achja: der Check-in selbst lief an sich unkompliziert. Wir hatten vorher eine Gebühr bezahlt, um statt 7 kg 14 kg Handgepäck mit an Bord nehmen zu dürfen – damit war dann unser ganzes Gepäck abgedeckt und wir mussten nichts aufgeben. Etwas überrascht waren wir dann allerdings schon, dass wir laut der Waage haarscharf innerhalb der 14 Kilogramm geblieben sind. Haben wir ausversehen ein paar Steine eingepackt? Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, dass wir (wie schon auf dem Flug nach Bali) wieder mal mit ahnungslosem Flughafenpersonal zu tun hatten. Beim Check-in wollte man unbedingt unsere Impfausweise sehen – ungeachtet der Tatsache, dass das für die Einreise nach Australien schon seit Wochen keine Rolle mehr spielte. Naja, geschenkt.
Teures Essen und lange Wartezeit
Unser Flug hatte leider knapp zwei Stunden Verspätung. Die waren nach den Chaoswochen von Jetstar aber fast eine Erleichterung – Hauptsache das Ding hebt ab! Den Ruf muss man sich auch erstmal erarbeiten: Passagiere beschweren sich nicht mehr über Verspätungen, sondern sind froh, wenn alles irgendwie überhaupt klappt. Hab ich da grad von irgendwo „Deutsche Bahn“ gehört?
Um die Wartezeit totzuschlagen gab es dann erstmal einen Mittagssnack. Die Auswahl war an sich gut, vegetarische Optionen eher Mangelware (die vermeintlich vegetarischen gebratenen Nudeln wurden mit Fischsauce zubereitet). Am Ende gab es Pizza, Schokomuffin und Cola für stolze 30€ – dafür haben wir schon zwei Tage irgendwo übernachtet! Ansonsten bestand die Wartezeit daraus, zum Gate zu laufen, hin und her zu laufen und rumzusitzen. Kurz vor dem Boarding gab es dann noch eine Besonderheit, zumindest für uns Australien-Neulinge. Das Gate musste verlassen werden, es bildete sich eine Schlange und von jedem Passagier wurde penibel das Handgepäck kontrolliert. Es waren keine Flüssigkeiten über 100 ml erlaubt – also wirklich keine. Nicht einmal Wasser, das man sich im Sicherheitsbereich gekauft hatte. Unser Mückenspray wurde auch konfisziert, aber dann durften wir zurück zum Gate und kurze Zeit später begann auch endlich das Boarding.
Der Flug selbst verlief unspektakulär. Die Wartezeit bis zum Abflug haben wir uns mit einer interessanten Funktion des Bordentertainments beschäftigt: chatten. Man konnte hier allen Ernstes eine Sitznummer eingeben und die dort sitzende Person zu einem Chat einladen. Wer will, findet so vielleicht auch neue Freunde fürs Leben. Für das weitere Entertainment (Filme, Serien, das übliche) musste man übrigens zahlen. Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen. Sehr bequem war es nicht, dafür gab es kostenlos Wasser. Die restliche Zeit war dann abwechselnd kurzes Wegnicken und Starren auf den Bildschirm, der zeigte, wie sich das Flugzeug allmählich nach Brisbane vorarbeitete.
Welcome to Australia
Das Starren auf den Bildschirm dauerte noch eine ganze Weile. Australien ist groß, ziemlich groß. Von den 5 Stunden Flugzeit ging es über die Hälfte über den roten Kontinent. Dafür ging dann die Einreise selbst ziemlich schnell, locker und unkompliziert von statten. Mit der Passkontrolle waren wir sogar als erste durch, wir waren fast die einzigen Nicht-Australier auf diesem Flug und konnten deshalb zu den „other passports“-Einreiseschaltern, während bei den „Australien citizens“-Schaltern jede Menge los war. Nach kurzem Blick in die Pässe (die Visa waren wohl im System hinterlegt) ging es weiter zur Zollkontrolle. Da gab es nach einem gut gelaunten Zollbeamten noch ein kurzes Abschnüffeln durch einen Polizeihund. Da der uns (zum Glück) wenig interessant fand, ging es problemlos durch den Zoll und schon waren wir im Land! 90 Tage dürfen wir uns hier jetzt offiziell aufhalten, ein Weiterflugticket wollte niemand sehen.
Mittlerweile war es 0:30 und die „Ich bin müde und will jetzt einfach nur noch ankommen“-Laune machte sich breit. In der Ankunftshalle des Brisbane Airport war mittlerweile alles geschlossen, an eine Simkarte kamen wir jetzt nicht mehr ran und an etwas zu essen auch nicht (wobei sich der Hunger zum Glück in Grenzen hielt). Statt Grab nutzt man in Australien wie in den USA Uber als transparente Taxi-Alternative. Unsere Kreditkarte war noch aus Las Vegas in der App hinterlegt, an sich also eine sichere und schnelle (wenn auch nicht ganz günstige, welcome to Australia) Sache. Wenn uns da nicht das Flughafen-WLAN einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Sobald wir einen Uber bestellt hatten und uns auf dem Weg zum Abholungspunkt machen wollten, versagte das Netz und damit auch jede Information über unseren Fahrer. Herzlichen Glückwunsch für die dämlichste WLAN-Infrastruktur der Welt, lieber Brisbane Airport. Uns blieb am Ende nichts anderes übrig, als ein normales Taxi zu nehmen. Der Ärger darüber verflog während der Fahrt aber schnell und wich der Begeisterung über das, was wir von Brisbane und Australien generell schon erahnen konnten. Die Skyline war bei Nacht schon ein Erlebnis, vor allem war es aber eins: sauber und ruhig. Sorry Bali, sorry Asien, aber für uns war dieser Moment wie ein Nachhausekommen. Bekannte Sprache, bekannte Schriftzeichen, westliche Infrastruktur…hat was. Kann man nicht leugnen. 50 Australische Dollar (etwa 30 Euro) hat uns die Fahrt am Ende gekostet – unser erste Erfahrung mit dem australischen Preisniveau.
Es würde teuer werden in den nächsten Wochen. Aber auch unglaublich schön.