Brisbane Teil 1: Heimat in teuer
Low-Budget Zimmer, Anti-Low-Budget-Frühstück
Es war eine kurze aber überraschend erholsame und ruhige erste Nacht in unserem Hostel in Brisbane. Wir wurden vom Tageslicht geweckt, das uns dann gleichzeitig auch mal einen ersten richtigen Blick in unser Zimmer erlaubte. Klein wars, aber irgendwie gemütlich, vor allem aber zweckmäßig. Wir hatten ein Hochbett (wobei wir das obere Bett als Ablage benutzen konnten, sehr praktisch), eine Steckerleiste (an der wir an einer interessanten Reisestecker-Mehrfachstecker-Konstruktion unseren Elektrokram laden konnten) und gerade so viel Platz, dass man es trotz ausgebreiteter Rucksäcke noch stolperfrei ins Bett schaffte. Aber es war wirklich in Ordnung, andere Gäste hatten schlechtere Zimmer. Das Zimmer gegenüber schien keine Steckdose zu haben, zumindest führte immer ein Verlängerungskabel durch die zwangsweise offene Tür ins Zimmer. Außerdem hatten wir ein Eckzimmer, also zwei Fensterseiten und es ging nach hinten raus, also wenig bis keinen Lärm von komischen Hostelbewohnern (dazu später mehr).
Außerdem begann jetzt ein neues Kapitel unserer Reise. Nicht nur waren wir im ersten nicht-asiatischen Land, sondern würden die nächsten Wochen auch ohne inkludiertes Frühstück überleben müssen. Etwas, an das wir uns sehr gewöhnt hatten. Aber dank WLAN und Google Maps war schnell etwas in der Nähe gefunden. Das Posto ist ein kleines Café im Brisbaner Stadtteil West End. Es war nur wenige Minuten von unserem Hostel entfernt, warb mit gutem Kaffee und war bei Google mit nur einem $-Symbol vermerkt, also der Kategorie „günstig“ zugeordnet. Da wussten wir noch nicht, was günstig in Australien bedeutet… Für ein echt leckeres Frühstück mit echt leckerem Kaffee mussten wir 30 Australische Dollar hinlegen, gute 20 Euro (das sind 40 Mark!!1). Wow.
Erst die Arbeit…
Das Tagesbudget war längst überschritten, jetzt sollte es endgültig gesprengt werden. Wir waren noch lange nicht durch mit den ersten großen, aber notwendigen Ausgaben. Nächste Kategorie: Fortbewegung. Brisbane hat ein sehr gutes öffentliches Verkehrsnetz, deshalb wollten (und mussten, wenn man sich die Taxikosten ins Gedächtnis ruft) wir die Strecken, die wir nicht laufen konnten, mit Bussen erledigen. Dazu holt man sich die go card, die dann in ganz Queensland gilt. Das ist eine Prepaid-Karte, die man beim Ein- und Ausstieg aus Bus und Bahn an ein Gerät hält, das dann automatisch den korrekten Tarif von der Karte abbucht. Sehr cool! Weniger cool sind die 10$, die man für das Stück Plastik zahlen muss. Natürlich zuzüglich dessen, was man auf die Karte lädt, denn die 10$ sind nämlich nur Kartenpfand. Bei 15$ Fahrtgeld und das ganze mal zwei waren somit weitere 50$ auf den Kopf gehauen.
Mit der Karte im Gepäck ging es dann weiter zur nächsten und letzten Pflichtstation: dem nächstgelegenen Verkaufspunkt für Simkarten. Da wir am Flughafen wegen unserer späten (bzw. frühen) Ankunft kein Glück hatten, ging es jetzt mit dem Bus zum nächsten Shop von Telstra, dem führenden Mobilfunkanbieter in Down Under (und laut Netz der mit der besten Abdeckung). Nach einem ersten kurzen Spaziergang durch West End (einem wirklich schönen Stadtteil wie wir festgestellt haben) und einer ersten Busfahrt (übrigens mit der Möglichkeit zum Handy aufladen in jedem Bus!) ging es dafür für uns ins Toowong Village. Da mussten wir uns aufgrund des Andrangs bei Telstra noch ein bisschen die Zeit vertreiben (beispielsweise in einem sehr schönen Bastelladen) und dann ging es mit 30GB Datenvolumen für weitere 30$ in die nächsten Wochen. Damit waren wir dann erstmal mit allem Nötigen ausgerüstet…und gefühlt pleite. Zumindest war uns jetzt – und unser erster Streifzug durch den Supermarkt hat es uns auch nochmal klargemacht – endgültig klar, dass wir hier deutlich strenger auf unser Budget achten werden müssen als in Asien.
…dann das Vergnügen. Und Aldi.
Die zweite Tageshälfte stand dann erstmal im Sinne eines ersten groben Sightseeings. Mit dem Bus ging es zum Brisbane River, an dem man tolle Fotos der Skyline sowie absolut notwendige Touri-Fotos am Brisbane Sign machen kann. Wir sind noch ein bisschen weiter am Brisbane River entlang Richtung Süden. Am Fluss liegt auch der Stadtstrand, den haben wir uns aber für einen anderen Tag aufgespart. Insgesamt war unser erster Eindruck von Brisbane und Australien im Allgemeinen total positiv. Es war sauber, es war ruhig, der Verkehr war…normal. Wir waren eben wieder in einem westlichen Land, es fühlte sich alles ein wenig mehr nach Zuhause an. Da wir noch ziemlich müde von der Anreise waren, ging es jetzt aber erstmal zurück Richtung Hostel. Eine Sache war allerdings noch zu erledigen: damit wir die nächsten Tage nicht weiterhin Unmengen fürs Essen ausgeben, mussten eigene Lebensmittel her. Gut, dass es auch in Australien Aldi gibt. Da haben wir uns mit einigen Sachen für Frühstück und Abendessen eingedeckt – unter anderem mit echtem deutschem Butterkäse. Erst als Witz, später auch aus Überzeugung (war tatsächlich der günstigste Käse – und lecker!).
Unser erstes richtiges Hostel
Abschließend noch ein paar Worte zum Hostel. Wir haben uns für die ersten vier Nächte in Australien ins Somewhere to Stay Backpacker Hostel einquartiert. Wir waren zwar schon in Bangkok in einem Hostel, allerdings fühlte sich das eher noch nach Hotel an. Hier gab es Gemeinschaftsbäder, Gemeinschaftsduschen, eine Gemeinschaftsküche…und alles war generell auf Gemeinschaft und cooles, lockeres Zusammenleben ausgelegt. Mögen manche mehr, manche weniger. Wir gehören eher zur letzteren Kategorie (was weniger an der Philosophie solcher Unterkünfte, sondern an den Gästen und deren Umsetzung liegt). Für uns war die Unterkunft einfach eine bezahlbare Option im Herzen Brisbanes. Somewhere to stay halt. Wir können aufgrund unserer Hostelunerfahrenheit jetzt keine großen Vergleiche ziehen, fanden es aber wirklich gut. Das Zimmer war in Ordnung, die Badezimmer und Duschen sauber. Küche, Bäder und Flure wurden mindestens einmal pro Tag gereinigt. Es gab Getränke- und Snackautomaten, mehrere große Kühlschränke für alle Gäste und in der Küche gab es alles, was man zum Kochen und Spülen braucht – inklusive sehr witziger und leider sehr treffender passiv-aggressiver Hinweiszettel, wie man eine Küche nutzt. Sprach Bände, was die Art Touri angeht, die hier absteigt. Wir fanden es aber vor allem bezahlbar, zweckmäßig und gleichzeitig gemütlich genug, um ein paar schöne Tage in Brisbane zu verbringen!