Washington DC Teil 2: Ein Tag voller Natur- und Staatsgeschichte
Zu Besuch im Kapitol
Unser dritter und damit leider auch schon letzter voller Tag in Washington DC begann leider viel früher als eigentlich beabsichtigt. Das war der Tatsache geschuldet, dass in der Stadt viele Sehenswürdigkeiten zwar Reservierungen verlangen, aber keinen Eintritt kosten. Das Washington Memorial zum Beispiel, bei dem man die wenigen Tickets bis zu 30 Tage im Voraus buchen kann. Dafür waren wir leider zu spät dran und bei dem Restkontigent für jeden Tag wiederum nicht schnell genug (einmal den Browser aktualisiert, schon war alles weg). Bei der ebenfalls kostenlosen Führung durch das Kapitol der USA waren wir gerade noch rechtzeitig für die allerletzten zwei freien Plätze während unseres Aufenthaltes. Dafür dann leider schon um 9:20 Uhr, was mit der für Wachwerden, Aufstehen, Kaffee trinken und Anfahrt einen Wecker auf 6:30 Uhr bedeutete. Naja, macht man ja wie so vieles wohl nur einmal. Immerhin spielte das Wetter wieder mit, es war richtig sonnig und über dem schon von außen sehr beeindruckenden Gebäude war viel vom blauen Himmel zu sehen.
Das Kapitol der Vereinigten Staaten ist quasi deren Reichstagsgebäude. Hier tagt neben dem Repräsentantenhaus (quasi Bundestag) auch der Senat (quasi Bundesrat). Und wenn es nicht gerade von irgendwelchen Irren gestürmt wird, werden dazu noch tausende Touristen pro Tag durch ein paar ausgewählte Räumlichkeiten geschleust. Nachdem wir irgendwann den Eingang gefunden, durch eine einem Flughafen in nichts nachstehende Sicherheitskontrolle durchlaufen und am Ticketschalter unsere Eintrittskarten bekommen hatten, ging es kurze Zeit später auch schon los. Erste Station war ungewöhnlicherweise ein Kinosaal. Hier bekam man dann in etwa 25 Minuten erzählt, was für eine großartige Nation die USA sind. Viele Fakten über die Besiedlung, Gründung der ersten Kolonien, Bürgerkrieg…das Übliche halt. Und natürlich ohne Stimmungskiller wie die Ausrottung von Indigenen oder die Sklaverei. Kevin, unser Airbnb-Gastgeber, hatte uns den Film nicht ohne Grund schon als Propaganda angekündigt. Danach wurde es etwas weniger pathetisch, es ging in einen Raum, der Krypta genannt wird und eigentlich zur Grabstätte von George Washington führen sollte. Da der aber nie hier begraben wurde, versucht man den Raum heute irgendwie anders zu nutzen und zu vermarkten. Statt einer Grabkammer stehen hier Statuen von bedeutenden Personen aus den 13 Gründungskolonien. Interessantes Detail ist aber der sternförmige Stein in der Mitte der Krypta, von dem aus die Stadt in vier Quadranten (Nordwest, Nordost, Südost, Südwest) eingeteilt ist, was sich dann in den Straßennamen und Hausnummern widerspiegelt. Noch ein Vorteil einer Planstadt.
Der zweite und mit Abstand sehenswerteste Raum (und vermutlich für die meisten auch der Hauptgrund eines Besuchs) war die Rotunde, also der Raum unter der großen Kuppel. Die ist schon ziemlich beeindruckend und zeigt im Zentrum ein Gemälde, wie George Washington zu einem Gott wird. Ziemlich übertrieben und laut unserem Guide auch nichts, was Washington selbst gewollt hätte. Unser Guide wusste auch sonst viel zu erzählen, zum Beispiel über die vielen Gemälde, die sonst noch in der Rotunde hängen und von wichtigen Meilensteinen der US-Geschichte erzählen, beispielsweise die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. Abschließend ging es in die National Statuary Hall, in der jeder der 50 Bundesstaaten zwei Statuen ausstellen darf, die berühmte und wichtige Personen aus dem jeweiligen Staat abbilden. Die meisten natürlich irgendwelche Politiker, aber mittlerweile stechen auch andere Statuen hervor, beispielsweise indigene Häuptlinge oder schwarze Frauenrechtlerinnen. Für uns witzig war, wie sich die Amerikaner (wir waren als Nicht-Amis ziemlich in der Unterzahl) über Statuen aus ihren Bundesstaaten gefreut und dann wie verrückt abfotografiert haben. Patriotismus in den USA ist schon irgendwie anders.
Nach 90 Minuten war die Tour vorbei. Kurzweilig und informativ war es gewesen und vor allem dadurch, dass sie kostenlos war, das frühe Aufstehen auf jeden Fall wert. Dass es zwischendurch sehr patriotisch sein würde und über negative Facetten eher nicht gesprochen wird, war uns vorher klar – und wäre in einem anderen Land wohl auch nicht unbedingt anders gewesen. Und noch ein Gutes hatte das frühe Aufstehen: Fast der ganze Tag lag jetzt noch vor uns.
Das Smithsonian Museum of Natural History
Da wir am Vortag bei weitem nicht alles vom Smithsonian Museum of Natural History gesehen hatten, ging es nach der Kapitol-Tour nochmal dort hin. Auch hier war das kein Problem, denn die Museen sind ebenfalls kostenlos. Und da das Museum in verschiedene Bereiche eingeteilt ist (Säugetiere, Dinosaurier, Meerestiere, Insekten und so weiter), lohnt es sich, sich für jeden Bereich genug Zeit zu nehmen – und lieber nochmal wieder zu kommen, anstatt sich zu zwingen, alles in einem Besuch abzuklappern. Ein weiterer Vorteil unseres zweiten Besuchs: Vormittags war hier viel weniger los und auch die Bereiche, die wir eigentlich schon gesehen hatten, ließen sich jetzt viel entspannter durchlaufen. Im Museum gibt es alles von ausgestopften Tieren über Skelette, jeden erdenklichen Edelstein, irgendwelche anderen Steine die irgendwann irgendwo auf die Erde geknallt sind, Fossilien, lebende Insekten und eine große den menschlichen Vorfahren gewidmete Ausstellung. Generell kann man hier locker mehrere Stunden verbringen. Wer wie wir aber nur „die Bilder anguckt“ und nicht ständig irgendwelche Texttafeln lesen will – und außerdem faul ist und immer noch geschundene Beine und Füße hat – der hat irgendwann dann doch genug davon. Und so ging es, auch mit dem Wissen, immer noch nicht alles gesehen zu haben, zurück in die Sonne.
Erst die Arbeit, dann die Pho
Nachdem wir uns nach der Kapitol-Tour schon kulturgemäß in einem Diner mit Pancakes, Sandwiches und so viel Kaffee wie man schaffte gestärkt hatten, war es an der Zeit, zwei Pflichtpunkte auf unserer Liste abzuhaken. Postkarten wegbringen war hier mit deutlich weniger Aufwand verbunden als noch in den Ländern zuvor. Postamt suchen, hingehen, Briefmarken am Automaten kaufen, aufkleben, einwerfen. So einfach kanns gehen. Da blieb zwischendurch sogar Zeit für ein erstes und einziges Foto vom Washington Monument ohne graue Wolkendecke als Hintergrund. Und auch den zweiten Punkt hatten wir uns komplizierter vorgestellt, als es letztendlich war. Da es nämlich seit dem Temperatursturz echt frisch war in Washington und es nicht danach aussah, dass die Temperaturen in New York höher sein würden, mussten wir pullovertechnisch aufstocken. Zum Glück wurden wir direkt beim nächsten H&M fündig und konnten die nächsten Tage auf zwei Pullover übereinander plus optionaler Regenjacke bauen. Sollte reichen. Und dann? Dann war es eigentlich immer noch zu früh, um zurück in die Unterkunft zu fahren, allerdings sagten einerseits die Beine ganz klar nein zu weiteren Schritten, andererseits lockte unsere Wohnung mit einem gemütlichen Sofa und Kaffee. Die Entscheidung fiel uns dann nicht schwer. Genauso wenig wie die, unseren letzten Abend mit einer vietnamesischen Pho, die es wenige Schritte von unserer Wohnung entfernt gab, ausklingen zu lassen. Die kostete zwar zehnmal mehr als in Vietnam selbst, sorgte aber für einen sehr leckeren und warmen Abschluss unserer Tage in Washington DC.