Washington DC Teil 1: Das ganz normale Sightseeing
Mit dem Bus zum Weißen Haus
Während wir in Cancún oft bis fast mittags geschlafen hatten – es ging ja eh nicht viel – wollten wir in Washington eigentlich das Gegenteil. Es gibt viel zu sehen und wir hatten nur wenig Zeit. Als kalter Entzug klingelte deshalb unser Wecker schon um 8 Uhr morgens. Und nach einem kleinen Frühstück bestehend aus Kaffee und natürlich Bagels mit Cream Cheese ging es dann immerhin „schon“ um 11 mit dem Bus ins Zentrum der Stadt. Viel Zeit blieb uns am ersten Tag leider womöglich nicht, denn es war Unwetter angekündigt. Nach einigen viel zu warmen Tagen (bis zu 30 Grad) sollte am Nachmittag ein Wetterumschwung mit Sturm und Starkregen stattfinden. Noch ein Grund, so früh wie möglich rauszukommen und ein paar der üblichen Washington DC Sehenswürdigkeiten abzuklappern.
Nach einer kurzen Busfahrt und ein paar Minuten Fußweg durch das Zentrum DCs, das mit seinen wuchtigen Gebäuden schon einen typischen USA-Eindruck machte, stand als erstes das Weiße Haus auf dem Programm. Der Amtssitz des Präsidenten war gut besucht und gut bewacht. Sehr nah kam man nicht heran. Für ein Foto hats gereicht – vielmehr gibt es hier auch eigentlich nicht zu sehen. Die vielen südkoreanischen Flaggen kündigten einen Staatsbesuch in ein paar Tagen an, vielleicht hatten wir also sogar Glück, überhaupt einmal am Weißen Haus vorbeispazieren zu können.
Vom Washington Monument zum Lincoln Memorial
Vom Weißen Haus ging es an zahlreichen Foodtrucks vorbei zum Washington Monument, das in der Mitte der National Mall steht. Die wiederum verbindet auf einer Ost-West-Achse das Kapitol mit dem Lincoln Memorial und ist dazu noch gesäumt mit vielen Museen der Smithsonian Institution. An solchen Orten zeigt sich dann der Vorteil von Planstädten. Wenn man vorher weiß, was wohin gebaut werden soll, findet alles auch seinen Platz und muss nirgendwo zwischengequetscht werden. Allein das Washington Monument hat so viel Freifläche um sich herum, dass wir einige Zeit brauchten, bis wir direkt an seinem Fuß standen, obwohl man das Ding aus mehreren Kilometern Entfernung sehen kann. Rein kamen wir leider nicht, denn Tickets sind meist schnell vergriffen und auch an eines der Resttickets kamen wir in den nächsten Tagen nicht mehr heran. Stattdessen ging es zu Fuß weiter Richtung Lincoln Memorial. Auch hier gilt: Das Gebäude sieht man von weitem, aber der Weg dahin zieht sich. Nach einer großen Freifläche, auf der viele Gruppen eine Art Football spielten, dessen Regeln wir bis heute nicht verstehen, kam nämlich erst noch ein riesiges Denkmal zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Und nach weiteren gefühlt ewigen Minuten Spaziergang am Reflecting Pool vorbei standen wir irgendwann endlich vor dem Lincoln Memorial. Auch das ist riesig. Riesiges Gebäude, riesiger Lincoln innendrin. Und jede Menge Text. Das ist uns schon beim Weltkriegsdenkmal zuvor aufgefallen und sollte uns in den nächsten Tagen noch öfter auffallen: Die Amis stehen extrem darauf, Text – vorzugsweise Zitate – in Stein zu meißeln. Darf jedenfalls bei keinem Denkmal fehlen. Aber die Gebäude, Denkmäler und Monumente schaffen auf jeden Fall das, was sie schaffen wollen: Durch ihre Größe beeindrucken sie, schüchtern fast ein. Man ist hier auf jeden Fall sehr stolz auf seine Hauptstadt und die Geschichte des Landes. Ein vergleichsweise kleines und fast schon in eine Ecke gedrängtes Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Vietnamkriegs zeigt aber auch die andere Seite: Darüber, was nicht so gut gelaufen ist, spricht man lieber nicht. Und wenn, dann besser leise und hinter vorgehaltener Hand.
Flucht vor dem Regen
Nachdem wir die westliche Hälfte der National Mall erfolgreich abgelaufen sind, machten uns die dichten Wolken und der starke Wind zunehmend nervös. Wir mussten uns langsam in Sicherheit bringen. Außerdem knurrten die Mägen, noch ein Grund mehr, einen Unterschlupf zu suchen. Nach einem Sandwich auf die Hand gab es noch einen Kaffee bei Gregorys Coffee – und dann kam der Wolkenbruch. Gut, dass wir im Café saßen, schlecht, dass wir irgendwann hier raus und wieder nach Hause mussten bzw. wollten. Mit der Aussicht auf einen entspannten Tagesausklang auf dem Sofa ging es dann trotz anhaltenden Unwetters mit dem Bus zurück nach Columbia Heights. Trotz einer relativ frühen Rückkehr war unser erster Tag in Washington am Ende ziemlich ereignisreich. Viel gesehen, noch viel zu sehen und auf jeden Fall angefixt von der unerwartet coolen Stadt. Und beim nächsten Mikrowellendinner freuten wir uns schon wieder auf den nächsten Tag in DC.
Bestes Wetter für Tag 2
Das Gewitter hatte über Nacht ganze Arbeit geleistet. Von schwülheißen 30 Grad ging es runter auf maximal 15, dafür aber auch mit blauem Himmel statt grauer Wolkendecke. Perfekte Bedingungen für einen Besuch des Eastern Market, einer Mischung aus Trödel-, Handwerks- und Lebensmittelmarkt. Unser Gastgeber hat uns sogar mit seinem Auto dort abgesetzt, so konnten wir uns eine Metrotour sparen und haben obendrein noch eine kleine kostenlose Stadttour dazubekommen. Der Eastern Market war dann auch wirklich ganz cool. Man hätte an jedem zweiten Stand gerne etwas gekauft, sei es irgendein Dekoartikel oder irgendwas leckeraussehendes zu essen, aber Platz- und Geldmangel ließen uns vernünftig bleiben.
Stattdessen ging es mit der Metro weiter zum The Wharf, einer relativ neu angelegten Hafenpromenade, die uns ein bisschen an Fisherman’s Wharf in San Francisco erinnert hat. Auch hier lässt sich wunderbar Zeit vertreiben, während man am Potomac River entlangläuft und überlegt, in welchem der teuren Restaurants man jetzt am ehesten essen würde, hätte man das nötige Kleingeld dabei. Das Geld reichte aber immerhin für ein sehr leckeres Falafelsandwich von Falacel Inc – sehr zu empfehlen! Gestärkt ging es anschließend zum nördlichen Ende vom Wharf, wo quasi noch der authentische, prä-touristische Teil des Handelshafens existiert. Hier gibt es jede Menge frischen Fisch und noch mehr lebende Krebse und Krabben zu kaufen (die nicht sehr nett aus Eimern direkt auf die Verkaufstheke gekippt wurden). Nicht unser Ding, außerdem waren wir ja eh satt.
Als letzte Station ging es über den Potomac zum Jefferson Memorial. Kam uns das für Lincoln schon groß vor, wurde hier nochmal einer draufgesetzt. Wieder mal eine überlebensgroße Statue und noch mehr Text in Stein gemeißelt. Was man halt hier so mit freier Fläche anfängt. Und um unseren Tag mit noch ein bisschen mehr Kultur und Bildung zu füllen, ging es danach noch zum ersten von zwei Besuchen ins Smithsonian Museum of Natural History. Voller Kopf und müde Beine sorgten hier allerdings schnell dafür, dass wir uns einen großen Teil des Museums für den folgenden Tag aufsparten. Zum Abendessen gab es mal wieder Pizza, wieder aus der Mikrowelle, allerdings diesmal aufgewärmt und nicht „selbstgebacken“. Am Ende war es wieder ganz schön viel Washington für einen Tag. Aber die Stadt hatte es uns echt angetan. Und ein Tag sollte zum Glück noch folgen.