New York City Teil 1: Unsere Ankunft im Big Apple
Mit dem Amtrak nach New York
Die USA sind ja eigentlich ein absolutes Autoland. Auch für uns würde es nach Florida, der Westküste und Hawaii der erste USA-Aufenthalt ohne Mietwagen sein. Amtrak zeigt, dass das auch überregional und staatenübergreifend möglich ist, denn das Unternehmen verbindet nicht alle, aber viele Staaten der USA miteinander und das Liniennetz zieht sich ähnlich wie das Netz der Interstates von Ost nach West. So kann man in mehreren Tagen wunderbar einmal die USA und viele tolle Landschaften beim Vorbeifahren (oder auch im Schlaf) durchqueren – und wer nicht nur genug Zeit, sondern auch genug Geld hat, reist sogar in eigenen kleinen Kabinen mit Bett und Dusche. Wir haben es etwas gemäßigter angehen lassen und sind nur mit dem Northwest Regional von Washington DC nach New York City gefahren. Dazu ging es zunächst zur Union Station in Washington, die selbst schon eine kleine Attraktion ist. Zumindest für die, die es nicht gewohnt sind, dass Bahnhöfe riesige, saubere und prächtige Hallen sind, als stünde man in einem Opernhaus. Etwas ungewöhnlich für uns war, dass die Gleise erst kurz vor der Einfahrt des Zuges bekannt gegeben werden. Das macht einerseits zwar Sinn, denn so kann man schnell auf blockierte Gleise reagieren und Züge stehen nicht ewig irgendwo rum (viele Grüße an die Deutsche Bahn), andererseits sorgt das dafür, dass in der Haupthalle ein kleines Chaos ausbricht, sobald das Gleis angesagt wird und alle gleichzeitig losstürmen. Der Run hielt sich bei unserem Zug aber zum Glück in Grenzen und wir haben locker einen Platz gefunden. Die Zugkategorie entsprach auf dem Papier vermutlich einem Regional-Express, erinnerte aber sonst eher an einen Intercity – die Dimensionen in den Staaten sind halt einfach andere. Die Sitze waren bequem, die Ablagen groß genug für unsere Rucksäcke – man hätte deutlich schlechter unterwegs sein können. Waren wir ja auch oft genug. Knapp dreieinhalb Stunden haben wir für die Fahrt zur Pennsylvania Station in Manhattan gebraucht, sind dabei durch die großen Metropolen Baltimore und Philadelphia gefahren und haben mit Maryland, Delaware, Pennsylvania, New Jersey und New York selbst auch noch fünf Bundesstaaten passiert. Und als die Skyline von Manhattan immer deutlicher durchs Zugfenster zu erkennen war wussten wir, dass es jetzt wirklich wahr wurde: Wir waren in New York City.
Unser American Dream
An der Penn Station in Manhattan kauften wir uns direkt den 7-Tage-Metropass, mit dem man eine Woche lang beliebig oft die New Yorker Subway nutzen konnte (und von dem wir sehr guten Gebrauch machten). Damit ging es dann direkt über zwei Metrolinien plus einen kurzen Fußmarsch zu unserer Unterkunft für die nächsten sieben Nächte. Lange hatten wir hin und her überlegt, wo wir uns eine Unterkunft buchen sollten. Die einzigen Optionen für unser Budget waren entweder ein Apartment in New Jersey (mit dem Vorteil einer eigenen Küche und eigenem Bad, aber dem Nachteil, außerhalb der Stadt zu sein) oder ein Hostel in Manhattan (mit dem Vorteil, mitten in Manhattan zu wohnen und dem Nachteil, naja, in einem Hostel zu sein). Letztendlich wurde es das American Dream Hostel, das uns vor allem mit seiner Lage im Herzen Manhattans überzeugte. Für „nur“ 140 Euro die Nacht für ein Hostel mitten in New York City kann man sich vieles ausmalen. Dreckig, laut, voller preisbewusster, aber sonst nicht viel bewusster Gäste. Das American Dream Hostel war das komplette Gegenteil und mit Abstand die größte positive Überraschung all unserer Unterkünfte. Die Gemeinschaftsküche war groß und jedes Mal absolut sauber, man konnte sich hier jederzeit am Kaffee bedienen und morgens gab es frisches Obst, Donuts und Toast zum Frühstück. Die Gemeinschaftsbäder immer wie frisch geputzt. Die Zimmer waren sehr klein, aber ausreichend zum Schlafen und jeweils mit eigenem Waschbecken, sodass man immerhin zum Zähneputzen und Wasser auffüllen nicht nochmal raus musste. Das Beste aber war: Das Partyvolk blieb komplett aus. Stattdessen waren vor allem Pärchen, aber auch ältere Alleinreisende oder Familien anwesend, die alle auf Sightseeing aus und froh waren, wenn sie in der Unterkunft die Geräusche der Stadt hinter sich lassen und ihre Ruhe haben konnten. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann die Betten, die sehr mitteilungsbedürftig waren und bei jeder kleinen Bewegung extrem gequietscht und geknarrt haben. Außerdem bleibt der Ausblick bei den Zimmern nach hinten raus aus, denn hier steht direkt das nächste Gebäude. Das macht die Zimmer aber nochmal ruhiger – und einen Ausblick braucht man eigentlich auch nicht, wenn der eh direkt vor der Tür wartet. Im Hostel haben wir uns nicht nur absolut und jederzeit wohl gefühlt, wir würden auch ohne zu zögern sofort wieder dort buchen, wenn es uns nochmal nach New York verschlägt (und wir bis dahin nicht im Lotto gewonnen haben).
Erstes Manhattan-Feeling
Auch sonst hatten wir das Gefühl, mit der Entscheidung, direkt in Manhattan und nicht außerhalb zu wohnen, goldrichtig gelegen zu haben. Nicht einmal zehn Minuten zu Fuß haben wir in den Madison Square Park gebraucht, von dem aus man schon das Empire State Building sehen konnte. Mehr New York Feeling zum Einstieg geht doch fast nicht. Höchstens mit einem Burger – und den gibt es praktischerweise direkt im Park bei Shake Shack. Die machen nicht nur generell gute Burger, wir waren auch noch zufällig in der allerersten Filiale der Kette, die als kleiner Burgerstand im Madison Square Park ihren Anfang fand. Ansonsten punktete der Park bei uns noch mit einer kleinen Hundewiese, wo man sehr vielen Hunden beim Spielen zusehen konnte. Und das alles mitten in New York zwischen all den Hochhäusern – wir konnten uns also schon so ungefähr vorstellen, wie es im Central Park sein würde. Der musste allerdings noch bis morgen warten. Stattdessen drehten wir eine Runde um ein paar Blocks, um noch beim nächstgelegenen Trader Joe’s einzukaufen, dem Aldi der USA. Denn neben ein paar Pflichtsachen wie dem Burger, die wir uns gönnen wollten, standen die Zeichen hier ganz klar auf Selbstverpflegung. Zurück im Hostel hatten wir komischerweise immer noch Energie, oder zumindest genug Lust, nochmal rauszugehen. Und irgendwo den Sonnenuntergang zu erwischen.
Sonnenuntergang in Dumbo
Zum Glück war alles, um das nochmal zu erwähnen, vom Hostel aus in relativ kurzer Zeit zu erreichen. So auch der inoffizielle Stadtteil Dumbo, der eigentlich zu Brooklyn gehört und dessen Name für „Down under the Manhattan Bridge Overpass“ steht. Dumbo ist also eigentlich einfach ein kleiner Zipfel von Brooklyn unter der Manhattan Bridge. Und nicht nur für coole Restaurants und Bars bekannt, sondern auch für einen kleinen Park mit Blick auf Manhattan, die Freiheitsstatue – und den Sonnenuntergang. Der war zwar schon ziemlich weit fortgeschritten, als wir endlich dort ankamen (Metrofahren in New York stellte sich als nicht so einfach wie gedacht heraus), schön war es aber dennoch. Die Skyline von Manhattan wurden noch indirekt angeschienen und wir hatten einen tollen Blick, sowohl auf die Brooklyn- als auch auf die Manhattan-Bridge. Spätestens jetzt hatte uns die Stadt in ihren Bann gezogen. Die nächsten Tage konnten und sollten sehr schön werden. Aber auch sehr anstrengend.