Von Küste zu Küste: Die endlos lange Reise nach Puerto Viejo

Nachdem wir unseren Besuch der Karibikküste Costa Ricas wegen der Regenzeit nach hinten verschoben hatten, stand er jetzt mit einer Woche Verspätung endlich auf dem Programm. Dort sollte es ganz anders zugehen als auf der Pazifikseite, ruhiger, entspannter, karibisch eben. So sehr wir uns darauf freuten, so sehr verfluchten wir die Anreise, die uns dahin bevorstand. Was wir schon auf der Nicoya-Halbinsel mitbekommen hatten, setzte sich auf dem Festland fort: Straßen durch das Landesinnere sind Mangelware. Und wenn, sind sie schmal, schotterig, steil und kurvig. Also nichts für Busse. Schlecht, wenn man eigentlich nur eine relativ kurze Strecke von Küste zu Küste zurücklegen muss, die Luftlinie gerade mal etwa 100 km beträgt. Der Mangel an Straßen führte allerdings dazu, dass uns eine sehr lange, etwa sechsmal so weite Busreise über San José bevorstand. Von Puerto Jiménez aus geht es dafür zunächst in etwa acht Stunden in die Hauptstadt, von dort aus steigt man in einen Bus, der einen in weiteren sechs Stunden nach Puerto Viejo bringt. So zumindest in der Theorie. Und weil eine vierzehnstündige Busfahrt allein noch nicht schlimm genug war, fuhr der einzige Bus nach San José auch noch um 5 Uhr morgens in Puerto Jiménez ab. Konnte also nur gut werden.

Das führte auch zwangsläufig dazu, dass wir noch eine Nacht in Puerto Jiménez verbringen würden. Diesmal hatten wir uns in einem kleinen Airbnb eingemietet, das wie Raffaels Haus am Standrand lag, von dem aus man aber in etwa zehn Minuten zur Bushaltestelle laufen konnte. Das Airbnb war sehr schön, sauber und hatte eine Klimaanlage. Die war nicht nur sehr angenehm, sondern auch wirklich wichtig, denn unsere durch Dos Brazos durchgefeuchteten Habseligkeiten mussten erstmal in Ruhe trocknen. Es gab sogar einen kleinen Pool, der allerdings nicht sehr sauber wirkte. Wir sind trotzdem einmal rein. Als Highlight hatte die Unterkunft eine tolle private Outdoorküche auf einer großen Terrasse, von der aus wir nachmittags mehrere Tukane, Kolibris und sogar ein Ara-Pärchen gesehen haben, das wir leider nicht schnell genug fotografieren konnten. Es hätte also alles gut sein können (mit Ausnahme der Tatsache, dass der Wecker um 4 Uhr klingeln würde), wäre da nicht der Stromausfall gewesen. Für etwa zwei Stunden war in Puerto Jiménez der Strom weg. Was erstmal nicht weiter schlimm war – wir hatten immerhin Datenvolumen als WLAN-Ersatz und die Klamotten waren mittlerweile zum Glück trocken und mussten nicht mehr klimatisiert werden – stellte sich irgendwann als sehr unglücklicher Umstand heraus. Irgendwie hat der Stromausfall dazu geführt, dass es die Klimaanlage erwischt hatte. Statt angenehmer Kühle gab es nur noch einen lauwarmen Luftzug, der das Zimmer in kürzester Zeit heiß und stickig machte. Der Ventilator im Zimmer war viel zu laut, um damit zu schlafen. Unsere einzige Option war daher, die Fenster zu öffnen, was nicht nur eine Einladung für sämtliche Mücken der Stadt war, sondern auch dazu führte, dass das obligatorische nächtliche Hundegebell noch lauter und nerviger war als ohnehin schon. Schlaf war praktisch nicht drin, jedenfalls kein erholsamer. Es war fast eine Erlösung, als wir um 4 Uhr völlig verschwitzt und zerstochen aufstehen mussten. Und der Tag sollte lang werden. Verdammt lang.

Eine Busreise durch die Hölle

Der Bus fuhr auf die Sekunde pünktlich in Puerto Jiménez ab. Und wenn man der schlaflosen Nacht etwas abgewinnen wollte, waren wir dadurch immerhin müde genug, um einen Großteil der Fahrt nach San José zu verschlafen. Insgesamt war die Fahrt bis auf einen kurzen Blick auf den schönen Sonnenaufgang über dem Meer auch ziemlich ereignislos. Durch die für Costa Rica leider üblichen Staus (die wiederum meistens Folge von schlechten Straßen sind) brauchten wir am Ende knapp neun Stunden nach San José. Den Anschlussbus nach Puerto Viejo haben wir so gerade eben noch erwischt. Allerdings gab es so kurzfristig nur noch „standing tickets“. Die Frage war also: sechs Stunden stehen oder zwei Stunden auf den nächsten Bus warten, um dann sechs Stunden zu sitzen. Wir entschieden uns am Ende für ersteres, der Tag war eh gelaufen und fertiger konnten wir ohnehin nicht werden. Immerhin blieb am Ende doch noch ein Platz leer, auf dem wir abwechselnd sitzen konnten, so gingen die sechs Stunden (die es diesmal immerhin auch blieben) irgendwann tatsächlich zu Ende.

Vom Ortskern in Puerto Viejo waren es anschließend noch ein paar letzte Minuten Fußweg zu unserem Hostel für die nächsten vier Nächte. Dort angekommen waren eigentlich nur noch zwei Dinge wichtig: Essen und schlafen. Ersteres gab es in der Pizzeria fast gegenüber vom Hostel (nicht günstig, dafür mit wenig Aufwand verbunden und lecker, das war uns in dem Moment deutlich wichtiger), letzteres taten wir danach sehr gut und sehr schnell in unserem Zimmer, das wir – wie das ganze Hostel selbst – wieder erst viel später vernünftig in Augenschein nehmen würden.

Karibische Gelassenheit zur Kur

Nach einer wirklich guten und erholsamen Nacht (vermutlich wäre es aber überall besser und erholsamer gewesen als in der Nacht davor) waren für den nächsten Tag keine großen Sprünge geplant. Die immer noch geräderten Körper wurden mit Pizzaresten gefüttert, als zweites Frühstück wurde, nachdem wir jetzt endlich einen ersten kurzen Blick auf unser Hostel bei Tageslicht werfen konnten, eine sehr gute Bäckerei angesteuert, in der eine Zimtschnecke und sehr starker Kaffee für die maximal mögliche Wachheit sorgten. Ansonsten stand nur ein kurzer Spaziergang ins Zentrum und zum Stadtstrand an, um zumindest einen ersten kleinen Eindruck zu gewinnen. Das Karibische haben wir auf jeden Fall sofort gefühlt, auch wenn wir es nicht richtig beschreiben können. Eines war jedenfalls klar: Die kommenden Tage würden entspannt werden. Genau das, was wir jetzt brauchten.