Corcovado on a budget: Das Dschungeldorf Dos Brazos

Unsere leitungswassergeschädigten Körper mussten, so wollte es das schlechte Timing, an diesem Morgen leider auschecken. Raffael erwartete schon die nächsten Gäste und konnte uns deshalb keinen späteren Check-out zugestehen, obwohl wir gerne ein bisschen länger im Bett geblieben wären. So hieß es leider Sachen packen, schultern und zu dem Punkt laufen, an dem angeblich unser Weitertransport abfahren sollte. Unsere nächste Station war Dos Brazos, ein sehr kleines Dorf am Rande vom Corcovado Nationalpark, etwa eine halbe Stunde Fahrzeit von Puerto Jiménez entfernt. Dort gab es bis auf seine wenigen Einwohner lange Zeit nichts. Mittlerweile gibt es vereinzelt Unterkünfte für Leute wie uns, die den Corcovado Nationalpark besuchen, oder zumindest einen Eindruck von ihm bekommen wollen. Dazu unten mehr. Wer hier hin will, muss eines der wenigen Sammeltaxen in Puerto Jiménez erwischen, die pro Tag die bucklige Piste hoch nach Dos Brazos auf sich nehmen. Das wollten an unserem Tag tatsächlich so viele, dass der Kleinbus komplett voll war und das Gepäck mehr schlecht als recht aufs Dach geschmissen wurde (gut, dass es nicht regnete).

In Dos Brazos selbst endete unsere Fahrt und wir waren in wenigen Schritten in unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Der Dorfkern ist nämlich relativ übersichtlich und besteht nur aus wenigen Gebäuden. Verlaufen kann man sich hier nicht. Einkaufen übrigens auch nicht, deshalb waren wir froh, uns in Puerto Jiménez noch mit allem Nötigen für Frühstück und Abendessen ausgestattet zu haben. An Essen wurde aber erstmal kein Gedanke verschwendet, auch unsere Unterkunft nahmen wir erst später so richtig in Augenschein. Erstmal rief das Bett. Der halbe Tag wurde verschlafen und zur Regeneration genutzt. Das war nötig und glücklicherweise erfolgreich, sodass wir uns abends noch aufraffen konnten, zu kochen und etwas zu essen. Am nächsten Tag wollten wir wieder fit sein – mussten es eigentlich sogar, da es unser einziger kompletter Tag hier sein sollte.

Abschalten im Yejos Guesthouse

Nächster Tag – beschwerdefrei! Es hätte deutlich schlimmer und nerviger kommen können. So aber waren wir einigermaßen fit und ausgeruht und gesund genug, um uns unsere Unterkunft und vor allem die Umgebung genauer anzuschauen. Gerne hätten wir länger geschlafen, leider wurden wir um 8 Uhr durch Baulärm wach. Sägen und hämmern kommt nicht wirklich gut, wenn es in Sichtweite passiert und man in einer schlecht isolierten Holzhütte residiert. Das war aber auch der einzige Kritikpunkt am Yejos Guesthouse, in dem wir sonst einen wirklich tollen Aufenthalt hatten. Der Eigentümer Josh, wieder ein USA-Auswanderer, war hier dabei, ein kleines Dschungelparadies zu schaffen (was den Baulärm erklärte), zu unserem Zeitpunkt bestand es aus wenigen rustikalen Unterkünften, die teilweise Zelte, teilweise Hütten, teilweise sogar nur durch lange Gardinen abgeschirmte Schlafplätze waren. Richtige Zimmer und sogar ein Restaurant sollten (oder sollen) noch folgen. Wir hatten ursprünglich ein Zimmer mit Klimaanlage gebucht, wurden aber wegen einer Doppelbuchung auf eine Blockhütte mit eigener Küche geupgradet. Allerdings halt ohne Klimaanlage, was aber ausnahmsweise zum Schlafen kein Problem war, da es abends gut genug abkühlte. Unsere Hütte war sehr privat, andere Gäste kamen hier nie vorbei. So haben wir es sehr genossen, in unserer Outdoorküche zu frühstücken und zu kochen. Dazu kam noch die einmalige Umgebung, denn hier waren wir wirklich mitten im Dschungel. Alles war grün und roch nach purer Natur. Wir haben außerdem mehrere Kolibris gesehen und viele weitere Vögel gehört. Schade, dass wir nicht von denen geweckt wurden, anstatt von einer Kreissäge.

Ein kurzes Gefühl von Corcovado

Eigentlich kommt man nur aus einem Grund nach Corcovado, wenn man hier nicht gerade lebt. Man will dem Corcovado Nationalpark so nah wie möglich kommen, ohne drin zu sein. Der Nationalpark ist nämlich so beliebt, dass man Tickets monatelang im Voraus kaufen muss. Außerdem kommt man nicht ohne offiziellen Guide in den Park, um die Tiere und Pflanzen, die vor wenigen Jahrzehnten noch von Menschen verschont blieben, so wenig wie möglich zu schaden. Sowohl Tickets als auch Guides sind darüber hinaus nicht gerade billig, also kam das für uns nicht in Frage (selbst wenn wir uns rechtzeitig informiert und gewusst hätten, wie früh im Voraus man Tickets hätte kaufen müssen). Die Alternative ist Dos Brazos, das direkt an der Grenze des Parks verläuft, sodass man ihn bzw. seine Natur hier genießen kann, ohne offiziell drin zu sein. Das nehmen noch sehr wenige Touristen in Anspruch (was aber auch an der weiten Anreise und der noch geringfügig vorhandenen touristischen Infrastruktur liegt), sodass man die Natur hier auch oft für sich alleine hat. Auch wenn man hier nicht die großen Tierbeobachtungen machen kann, für die man dann doch besser in den richtigen Park geht, ist Dos Brazos eine vergleichsweise günstige und empfehlenswerte Alternative. Zumindest, wenn man genug Zeit hat.

Unsere Wanderung führte vom Dorfkern bis hoch zum Bolita Hostel, das, um eine Mitreisende aus dem Sammeltaxi zu zitieren, „coolste Hostel hier“. Klar, ist ja auch das einzige, du Schlaumeier. Und wir waren ehrlich gesagt sehr froh, nicht dort übernachtet zu haben, denn uns war sehr schnell sehr klar, welcher Schlag Leute dort übernachtet. Zudem man nur durch eben jene Wanderung, die wir uns für diesen Tag vorgenommen hatten, überhaupt zum Hostel gelangt. An sich kein Problem (auch wenn wir uns fragten, wie masochistisch man veranlagt sein muss, um mit seinem Gepäck durch diese Affenhitze zu laufen), aber wenn man nur so halbfit ist wie wir, eine schon durchaus grenzwertige Angelegenheit. Die Luftfeuchtigkeit war wirklich extrem und die ohnehin schon engen und steilen Wege durch kurze Regenschauer, die es hier fast täglich gibt, schlammig und rutschig. Über einen Fluss mit fiesen spitzen Steinen muss man auch. Für die Natur lohnen sich die Strapazen allerdings absolut, die ist nämlich wirklich schön und wirkt hier total unberührt. Auch Tukane haben wir hier gesehen, endlich! Bis hoch zum Hostel haben etwa eine Dreiviertelstunde gebraucht und hätten von hier aus weitere Wanderwege in Anspruch nehmen können, für die für Nicht-Hostelgäste allerdings 10$ pro Person fällig gewesen wären. Uns hat der Weg hoch zum Hostel gereicht, für mehr waren wir erstens zu schlapp, zweitens zu faul, drittens vielleicht etwas zu geizig und viertens wies ein Zettel am Eingang zum Hostel darauf hin, dass dort gerade alle nackt unterwegs seien. Okay. Zeit, umzudrehen.

Per Privattransport zurück in die Zivilisation

Nach zwei Nächten kehrten wir Dos Brazos auch schon wieder den Rücken. Im Grunde reicht ein Tag zum Wandern auch völlig aus, auch wenn wir natürlich nicht allzu viel von der Umgebung gesehen haben, weil wir noch zu angeschlagen waren. Wir waren aber nicht allzu enttäuscht, wieder abzureisen, denn auch an diesem Tag hätten wir größere Wanderungen noch nicht durchgehalten. Unsere Hütte würden wir allerdings schon vermissen – die Luftfeuchtigkeit wiederum überhaupt nicht. Unsere durchgeschwitzten Klamotten waren noch genauso nass wie am Vortag und sogar die ungetragenen Sachen einschließlich der Rucksäcke selbst waren irgendwie klamm. Dafür wäre eine Klimaanlage dann doch nett gewesen. So waren wir irgendwie froh, wieder in weniger luftfeuchte Gefilde zu kommen und unsere Sachen vernünftig trocknen zu können. Praktischerweise musste Josh eh runter in die Stadt, um Besorgungen zu machen, also sparten wir uns das Taxi und ließen uns – nach einer ausgiebigen Verabschiedung von seinen lieben Hunden – zurück nach Puerto Jiménez fahren. Eine Nacht würden wir noch hier in einem Airbnb verbringen. Zum Glück wussten wir jetzt noch nicht, wie furchtbar die werden würde…