Viva México! Auf nach Yucatan

Wir hatten uns schon länger auf Mexiko und unser nächstes Land gefreut und die letzten langweiligen Tage im viel zu heißen Zimmer haben daran nicht gerüttelt. Im Gegenteil. Nach fünf Tagen Orange Walk Town freut man sich aber womöglich über jedes neue Ziel. Aber genug der schlechten Worte über Orange Walk Town. Eine letzte staubige Busfahrt, die etwa eine halbe Stunde nach geplanter Abfahrt startete, nachdem endlich jeder sein Mittagessen gekauft hatte (ok, jetzt aber wirklich keine bösen Worte mehr) trennte uns von der Grenze zu Mexiko. Es ging nochmal durch kleinere Dörfer und über holprige Straßen. Einen ersten größeren Stopp legten wir in der grenznahen Großstadt Corozal ein, die nicht nur direkt am Meer liegt, sondern auch generell viel mehr für Touristen bietet als Orange Walk Town. Wäre im Nachhinein auf jeden Fall der bessere Ort gewesen, um ein paar Tage zu entspannen. Dafür aber auch wieder um einiges teurer. Man kriegt, was man zahlt…

Die nächste Einreise über Land

War der Bus anfangs noch ziemlich voll, war es am Ende weniger als eine Handvoll Leute, die nach Corozal im Bus blieben uns mit uns zum Grenzort Santa Elena fuhren. Hier gab es den Ausreisestempel und pro Person war eine Gebühr von 20 Euro fällig, die angeblich und hoffentlich in Infrastruktur und Naturschutz investiert wird. Anschließend waren wir in einer Art staatenloser Schwebe, angeblich eine große „Free zone“ mit Casinos und den üblichen Shops für steuerfreie Einkäufe, von denen haben wir auf unserer Route allerdings nichts gesehen. Wer sehr knauserig ist, läuft von der Grenzstation von Belize etwa zwei Kilometer bis nach Mexiko, das war uns aber entschieden zu weit, vor allem in der Hitze und mit unserem Gepäck. Das wissen zum Glück auch Taxifahrer. Ein solcher fuhr uns zur Immigration von Mexiko und bot uns an, dort mit unserem Gepäck auf uns zu warten, während wir die Einreiseformalitäten erledigten.

Über die Einreise nach Mexiko hört man vieles. Und oft nichts Gutes. Sogar das Auswärtige Amt „warnt“ vor den Einreisebedingungen nach Mexiko, denn während früher meist jedem die maximale Aufenthaltsdauer von 180 Tagen in den Pass gestempelt wurde, sind die Grenzbeamten in den letzten Jahren zunehmend streng und teilweise auch stumpf geworden. Man findet auf jeden Fall viele Berichte von Leuten, die eine viel kürzere Aufenthaltserlaubnis erteilt bekamen, als sie anpeilten, nicht gerade freundlich behandelt und teilweise sogar inhaftiert wurden, wenn sie mit überschrittener Dauer erwischt wurden (wobei letzteres auch irgendwo Dumm- und Dreistheit der Reisenden ist). Wir waren uns jedenfalls einig, dass wir auf keinen Fall ohne gültiges Weiterreiseticket einreisen und hofften, dass wir sonst keine Probleme kriegen würden. Am Ende war auch alles ziemlich unproblematisch. Der Grenzbeamte fragte uns nach der geplanten Aufenthaltsdauer – 40 Tage bis zu unserer Weiterreise, die wir ihm mit unserem Ticket bewiesen – woraufhin er uns eine „50“ auf das Einreiseformular kritzelte, das wir noch mit unseren persönlichen Daten ausfüllten, um dann an einem separaten Schalter eine Einreisegebühr von knapp 35 Euro pro Person zu zahlen. Mit Quittung und ausgefülltem Formular ging es zurück zum Grenzbeamten, der unseren Pässen einen sehr minimalistischen Stempel verpasste und uns einen schönen Aufenthalt wünschte. So einfach kann es sein! Danach ging es zurück ins Taxi, kurz an der Zollkontrolle vorbei (die aus einem Hund bestand, der an unserem Gepäck schnüffelte) und ab auf unsere erste Fahrt auf mexikanischem Boden.

Ankunft in Bacalar

Die Fahrt nach Bacalar dauerte von der Grenze aus ungefähr eine halbe Stunde und fühlte sich an wie eine seltsame Mischung aus der uns so bekannten mittelamerikanischen Straßen- und Dorflandschaft und einem Hauch von USA, zumindest, was die Verkehrsschilder und Straßenbezeichnungen betraf. Das würde uns aber, vor allem je näher man Cancún kam, noch häufiger begegnen. Nachdem wir die letzten Wochen schon öfter das Gefühl hatten, ein wenig zu schnell zu reisen, hatten wir uns für Mexiko Entschleunigung verschrieben. Mehr Zeit an weniger Orten. Deshalb hatten wir uns für Bacalar direkt für sechs Nächte in ein Airbnb am Standrand eingebucht. Unsere Unterkunft war einfach, gefiel uns aber auf Anhieb (ok, jetzt muss man es doch nochmal erwähnen: Nach unserer Unterkunft in Orange Walk Town hätten wir vermutlich sehr vieles sehr toll gefunden). Wir hatten ein kleines Studio mit großem, bequemem Bett, großem Bad und kleiner Küche, in der wir wieder gut kochen konnten, wenn wir nicht zu faul waren und stattdessen Pizza holten. Und eine Klimaanlage! Aus der Hitze wieder in ein kühles Zimmer fliehen zu können, war eines der Highlights der nächsten Tage. Außerdem waren die Wände endlich wieder dicker und die Fenster dichter – ein erstes kleines Wiedersehen mit bautechnischen Highlights, an die wir uns in Mexiko endlich wieder gewöhnen konnten. Wir waren zwar immer noch ganz klar in Mittelamerika, der westliche Standard war aber schon wieder überall zu spüren. Für den gebeutelten und verwöhnten Europäer auf jeden Fall ein gerngesehener Luxus. Einzig und allein eine Grille, der unsere Wohnung offenbar ebenfalls gefiel, hat unsere erste Nachtruhe ziemlich torpediert. Nachdem sie uns den ganzen Tag entwischt war und sich versteckt hielt, konnten wir sie irgendwann in einer kleinen Nische am Badezimmer ausmachen. Und mit Insektenspray töten. RIP.

Gutes Essen und blauestes Wasser

Der wichtigste und erste Punkt auf unserem Entschleunigungs-Therapieplan lautete: Go Slow. Ganz getreu dem Inselmotto von Caye Caulker, nur eben jetzt in Bacalar, wo das Wasser aber nicht weniger türkisblau sein sollte. Davon wollten wir uns an unserem ersten Tag doch noch überzeugen, es aber sonst ganz entspannt und ruhig angehen lassen. So führte unser Weg immerhin an der berühmten Lagune von Bacalar vorbei bis zum Mango y Chile, einem tollen kleinen vegetarischen Restaurant mit Lagunen-Blick. Dort konnten wir an diesem ersten Tag schon mal festhalten, dass das Essen hier sehr gut ist und dass das Wasser der Lagune von Bacalar wirklich so aussieht wie auf den Fotos. Danach ging es nach einer etwas zu langen (aber am Ende immerhin erfolgreichen) Suche nach einem Geldautomaten und dem ersten kleinen Einkauf im örtlichen Supermarkt wieder zurück zur Unterkunft. Essen gut, Wasser gut, Unterkunft gut. Wir waren zufrieden. Und stellten uns auf ein paar entspannte Tage im Süden Yucatans ein.