Klarer Fehlgriff: Hitze, Langeweile und Frust in Orange Walk Town
Nächste Busfahrt und Ankunft im Casa Ricky’s
Nach einer Woche Caye Caulker ging es leider wieder zurück aufs Festland. Leider, denn uns hat es dort wirklich gut gefallen, obwohl wir nicht wirklich viel gemacht haben. Der allgemeine Inselvibe hat uns auf jeden Fall erwischt und gerne hätten wir am liebsten direkt noch einen Monat drangehangen. Aber wie so oft an solchen Orten ist das Preisniveau eher gehoben und mit einer Woche in unserer Hütte hatten wir unser Budget mal wieder genug strapaziert. Deshalb ging es heute wieder mit der Fähre zurück zum Anleger und dann mit dem Taxi zurück zur Bushaltestelle, an der wir vor einer Woche angekommen waren. Das Busterminal in Belize City war ziemlich wuselig (und ein bisschen schäbig und zwielichtig – wie generell die ganze Stadt). Uns wurde schon bei der Hinfahrt geraten, hier als Touri nicht unbedingt zu Fuß alleine rumzulaufen. Deshalb waren wir froh, dass der Bus nach Orange Walk Town schon bereitstand und wir direkt einsteigen (und diesmal sogar von Beginn an sitzen) konnten. Zwei Stunden dauerte die Fahrt in unsere letzte Station in Belize. Da dachten wir noch, dass es uns hier bestimmt auch gut gefallen würde…
Unser erster Eindruck von Orange Walk Town war: heiß, leer und staubig. Im Nachhinein können wir behaupten, dass es die Stadt generell ganz gut beschreibt und zusammenfasst. Zum Glück mussten wir mit unserem Gepäck nicht allzu weit durch die Hitze laufen, denn das Casa Ricky’s liegt nur wenige Gehminuten von der Bushaltestelle in Orange Walk Town entfernt. Hier wurden wir von Ricky und seinen zwei süßen kleinen Hunden empfangen und durch sein Reich geführt. Das Casa Ricky’s besteht aus einem Schlafsaal, einem Doppelzimmer mit eigenem Bad und zwei Zimmern, die sich ein Gemeinschaftsbad teilen. Eines davon war für die nächsten fünf Nächte unseres. Ansonsten gibt es hier eine große Gemeinschaftsküche sowie Sitzgelegenheiten und Hängematten im Garten und auf der Dachterrasse vor den Zimmern. Soweit, so gut. Die Küche war okay (hatte nur wieder diesen Junggesellen-Touch wie die in San Ignacio, also leider nicht besonders sauber) und dank eines bedeckten Himmels konnten wir den ersten Nachmittag gut und entspannt in den Hängematten ausklingen lassen und von hier sogar den Sonnenuntergang beobachten. Es hätte alles eigentlich ganz nett sein können. Wäre da nicht unser Zimmer gewesen.
Schlafen wie im Backofen
Die Zimmer im Casa Ricky’s sind alle nicht klimatisiert. In einer Stadt wie Orange Walk Town mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 27 Grad nicht ganz einfach. Unser Zimmer war beim Einzug schon warm, allerdings setzten wir da noch darauf, dass es abends sicherlich noch abkühlen würde. Durchzug war aber mangels Winds nicht drin und eine allgemeine Abkühlung, obwohl irgendwann draußen mindestens 10 Grad weniger herrschten, leider auch größtenteils Fehlanzeige. Da half es auch wenig, dass unser Zimmer eine Außenwand nach Westen hatte, die ab nachmittags von der Sonne ununterbrochen aufgeheizt und noch bis mindestens Mitternacht Hitze abgestrahlt hat, als wären wir eine Pizza bei 200 °C Ober-Unterhitze. Die Nacht war dementsprechend schwierig. Einfach zu warm. Der Ventilator half wenig, war eher schon zu laut und blies einem unangenehm ins Gesicht. Irgendwann half die Müdigkeit, doch noch einzuschlafen, aber erholsam waren die Nächte hier nicht. Immerhin waren die darauffolgenden Nächte etwas kühler und wir konnten nachts den Ventilator wieder ausschalten. Ansonsten half uns eine in der Gemeinschaftsküche geklaute Kaffeemaschine (die nicht den Eindruck machte, dass sie in den letzten Jahren mal benutzt wurde und sich unser schlechtes Gewissen so in Grenzen hielt) und hin und wieder Hundebesuch, um unser Zimmer einigermaßen erträglich zu machen. Casa Ricky’s hat eine übertrieben gute Durchschnittsbewertung bei booking.com, somit waren unsere Erwartungen vermutlich auch deshalb viel zu hoch angesetzt. Wir wissen nicht, ob die Unterkunft vor Corona einfach viel besser war, das Publikum hier generell nicht sehr anspruchsvoll ist oder niemand Ricky selbst etwas Böses will, weil er eben wirklich ein sehr netter, bemühter und hilfsbereiter Gastgeber ist. Allerdings rechtfertigt das unserer Meinung nach keine extrem gute Bewertung, wenn die Küche gleichzeitig nicht sauber ist, das Bad wie an unserem ersten Tag ständig überflutet ist und sowohl Garten als auch Dachterrasse in einem wenig einladenden Zustand sind. Ein oder zwei Tage hält man es so locker aus. Blöd ist nur, wenn man sich gleich für fünf Nächte eingebucht hat…
Boring Walk Town
Orange Walk Town schafft es vermutlich aus zwei Gründen auf die Route von Rund- oder Durchreisen in Belize. Erstens ist die Stadt nach Corozal die nächstgrößere Stadt vor bzw. nach der Grenze zu Mexiko und eignet sich deshalb gut zum Ankommen oder als letzte Station vor der Weiterreise gen Norden. Zweitens ist mit den Lamanai-Ruinen eine weitere Maya-Stätte leicht von Orange Walk Town zu erreichen. Auch wir hatten ursprünglich vor, uns die Ruinen anzuschauen, da allein die Anfahrt per Boot über einen Fluss eine Reise wert sein soll, allerdings waren wir nach Tikal und Cahal Pech – und mit der Aussicht auf Chichen Itza in ein paar Wochen – ein wenig Ruinen-faul und haben den Gedanken noch vor unserer Ankunft in der Stadt verworfen. Was macht man sonst in Orange Walk Town? Sehr gute Frage. Unser Plan war eigentlich der, dass wir in der Unterkunft entspannen, die Laptops rausholen und einfach nichts tun, bevor es weiter nach Mexiko geht. Allerdings luden weder die Gemeinschafträume noch unser Zimmer selbst zum Entspannen oder für Laptopkram ein, es war einfach immer und überall viel zu warm. Das half immerhin der Wäsche, denn die war nach dem Waschen innerhalb einer Stunde komplett trocken. Orange Walk Town stellte sich am Ende leider als absoluter Fehlgriff heraus, denn Herumlaufen in der Stadt war im Grunde noch langweiliger, als im Zimmer zu schwitzen und auf den kühleren Abend zu warten. An unserem Ankunftstag glich die Stadt schon einer absoluten Geisterstadt – da gingen wir noch davon aus, dass es am Sonntag liegt. Allerdings war es an den anderen Tagen, bis auf geöffnete Supermärkte, nicht viel besser. Die meisten Restaurants schließen hier um 14 Uhr, weil es sich danach vermutlich nicht mehr lohnt. Das sagt schon viel aus. Wir haben mit Maria’s Bakeshop und dem Aroma Cafe zwei der vermutlich wenigen (aber auch sehr guten) Frühstücks- und Brunchlokale mit westlicher Auswahl gefunden, und haben im Nahil Mayab sehr lecker zu Abend gegessen. Mehr können wir von Orange Walk Town dann auch wirklich nicht erzählen. Es ist einfach eine heiße, staubige Stadt irgendwo im nirgendwo. Und vermutlich der einzige Ort unserer gesamten Reise, bei dem wir uns klar einig sind, dass er uns nicht wieder sieht.