Viel mehr als nur Angkor: Unsere Tage in Siem Reap

Die meisten, vermutlich sogar alle Besucher von Siem Reap sind vor allem wegen einer Sache hier: der Tempelanlage von Angkor Wat oder auch für das gesamte Areal mit unzählbar vielen Tempeln und Gebäuden des ehemaligen Königreichs. Viele kommen auch nur deshalb her und fahren dann weiter, von Thailand (und vermutlich auch anderen südostasiatischen Staaten) aus gibt es sogar Ausflugspakete ab Bangkok per Bus oder Flugzeug. Wir, die das Glück hatten, länger und ohne Zeitdruck unterwegs zu sein, hatten vier ganze Tage in Siem Reap und wollten davon mindestens zwei Tage für Siem Reap selbst haben (oder: um sich mental und körperlich auf Angkor vorzubereiten bzw. sich davon zu erholen, dazu mehr im nächsten Blog). Siem Reap selbst ist nämlich eine wirklich hübsche Stadt, ganz anders, als man es vielleicht erwarten würde. Die Stadt besteht nicht nur aus Hotels und Shuttlebussen von und nach Angkor, wir haben richtig schöne Gebäude, Läden und Ecken entdeckt. Sowohl in der Architektur als auch in den Speisekarten der Restaurants entdeckt man sowohl französischen Einfluss als auch traditionellen Khmer-Style. Die Stadt ist außerdem sehr grün. Für uns ging es zunächst zum Post Office der Stadt, das direkt am Siem Reap River liegt. Unsere Postkarten aus Vietnam, die wir aus Phu Quoc nicht mehr verschicken konnten, wollten genauso nach Deutschland geschickt werden wie unsere Weihnachtspost (an dieser Stelle ein Lob an die kambodschanische Post, die Sachen waren nicht mal zwei Wochen unterwegs, Rekordwerte für uns!). Anschließend ging es am Fluss entlang in Richtung Stadtkern – immer schön unter den Bäumen entlang durch den Schatten, denn natürlich waren wir mal wieder in der Mittagssonne unterwegs. Wann auch sonst.

Kunst oder Gemüse: Zwei Märkte in Siem Reap

In Siem Reap gibt es täglich mehrere Märkte zu unterschiedlichen Zeiten, je nachdem, wonach einem der Sinn steht. Mehr oder weniger zufällig sind wir am Made in Cambodia Market vorbeigekommen, einem kleinen Markt, in dem (angeblich) selbstgemachte Kunst (Armbänder, Gemälde, Kerzen…) verkauft wird. Der Markt ist übersichtlich, aber schön angelegt. Der Eingang führt durch einen bepflanzten Bogen in einen kleinen Hof. Wir hätten uns hier gerne in Ruhe umgesehen, aber hier stellte sich wieder ein uns inzwischen sehr bekanntes Szenario ein: Man wird dermaßen von den Händlern bedrängt und genervt, dass man sofort weiter geht und nirgendwo stehen bleibt. Jeder flüchtige Blick, jedes kurze Innehalten, wurde vom jeweiligen Standbesitzer sofort als Aufforderung interpretiert, uns ausführlich über jedes Produkt zu informieren. Und natürlich darüber, dass die Preise hier absolut niedrig sind für absolut hochwertigen Kram. Nein danke.

Deutlich entspannter, wenn auch wuseliger, ging es an unserem zweiten Stopp zu: dem normalen Wochenmarkt. Hier gab es zwar auch Gassen, in denen der übliche Touri-Ramsch verkauft wurde, man war aber glücklicherweise deutlich weniger motiviert, uns zuzutexten. Davon abgesehen schien man hier als Bewohner der Stadt alles zu bekommen, was man zum Leben braucht. Neben Obst, Gemüse und Fleisch gab es Gassen mit Friseuren, Nähereien und sogar Elektronik und Baumaterialien. Außerdem war das Marktgebäude eine gelungene Sonnenpause – zumindest, wenn man sich weit genug von der duftenden Fleischgasse fernhielt (ungekühltes Fleisch bei 35 Grad, fast slow cooking).

Bier in der Pub Street und andere Köstlichkeiten

Wer es richtig touristisch mag und sich von einheimischen Dingen möglichst fernhalten will, ist in der Pub Street gut aufgehoben. Die ist tagsüber so leise und unschuldig wie die Khao San Road in Bangkok oder die Bangla Road in Patong, erwacht dann aber abends erwartungsgemäß zum Leben. Wir haben uns das auch einmal angetan und auf der Terrasse des El Toro Grill ein Bier getrunken und eine überraschend leckere Pizza gegessen. Von da oben hat man außerdem einen guten Blick auf das Treiben, ohne selbst Teil der Masse sein zu müssen. Wer es ruhiger, stilvoller und vor allem vegan mag, dem sei das HeyBong südlich der Innenstadt ans Herz gelegt. Hier haben wir sehr gute Burger bzw. Burritos gegessen. Letztendlich ist in Siem Reap tatsächlich für jeden Touristentypen etwas dabei. Sowohl kulinarisch als auch was Abendgestaltung oder Unterkunft betreffen. Am Ende kommen sie aber doch alle zusammen: denn irgendwann führt die Reise eines jeden hier nach Angkor…