Auf nach Siem Reap: Unsere erste Busfahrt in Kambodscha
Bequem, bequemer, Giant Ibis
Nach drei Nächten Phnom Penh in unserem mäßig empfehlenswerten Hotel ging es heute für uns in das kleine Städtchen Siem Reap. Sagt einem so erstmal nichts und würde auch niemandem etwas sagen, geschweige denn große Motivation auslösen, für einen Besuch einmal quer durchs Land zu fahren, läge nicht Angkor Wat, der größte Tempelkomplex der Welt, direkt vor der Tür. Dadurch konnte Siem Reap in den letzten Jahrzehnten wachsen, es gibt zahlreiche Hotels und Restaurants und mittlerweile sogar einen internationalen Flughafen. Diesmal erlagen wir allerdings nicht dem Drang, einfach einen bequemen kurzen Flug zu buchen, nicht zuletzt, weil der deutlich teurer gewesen wäre. Und so schlimm konnten sechs Stunden Busfahrt durch Kambodscha ja hoffentlich auch nicht sein. Statt zum Flughafen ging es also heute für 17$ pro Person mit dem Busunternehmen Giant Ibis von Phnom Penh nach Siem Reap. Im Preis inkludiert war sogar die Abholung per Minibus vom Hotel. Außerhalb der Stadt sind wir dann in unseren richtigen Bus umgestiegen. Auch hier hat sich unser positiver Eindruck von Kambodscha als modernes Land bestätigt, es war ein richtiger, sauberer Reisebus mit bequemen neigbaren Sitzen, genug Beinfreiheit, Steckdosen in jeder Reihe und – sehr wichtig – einer Klimaanlage. Jeder bekam außerdem eine Flasche Wasser und ein Croissant (französischer Einfluss sei Dank). Unsere Rucksäcke wurden gelabelt in einem separaten Gepäckfach transportiert. Quasi wie im Flieger. Ebenfalls wie im Flieger: ein quasi-Steward, der uns zwar nicht über Notausgänge und herunterfallende Sauerstoffmasken aufklärte, dafür aber sehr ambitioniert und leider etwas zu ausführlich über unsere Fahrt, die Fahrtzeit, die Stopps und sämtliche Dörfer und Regionen informierte, die wir durchfahren würden. Als er irgendwann fertig war und man den Blickkontakt für das aufgesetzte Interesse einstellen konnte, genossen wir mehrere Stunden entspannte Fahrt in einem halbleeren Bus, teilweise durchs Nichts, teilweise aber auch durch kleinere Ortschaften und Städte (wie hießen die nochmal, Herr Reiseleiter?).
Insgesamt legten wir zwei Stopps auf unserer Fahrt ein, nach einer kurzen Pinkelpause gab es noch einen längeren Stopp in einem Restaurant mit Seeblick. Wir konnten (bzw. sollten) sogar schon im Bus aussuchen, was bzw. ob wir essen wollen, damit es bei unserer Ankunft schon servierbereit ist. Vegetarische Optionen waren Mangelware, deshalb gab es für uns Fish & Chips, essbar, aber nichts Besonderes. Die restliche Rastzeit haben wir uns im angegliederten Shop vertrieben, in dem es nicht nur Snacks und Souvenirs gab, sondern auch mehrere kleine anhängliche Katzen. Die mussten wir leider irgendwann hinter uns lassen, als unsere Fahrt weiterging. Übrigens: Die schlimmste Zeit im Bus ist die zwischen „der Bus parkt eine Stunde in der prallen Sonne“ und „die Klimaanlage hat aus den 50 Grad wieder vergleichsweise erträgliche 38 gemacht“. Aber gut, wir sollten noch Fahrten erleben, bei denen Nörgeln viel eher angebracht gewesen wäre…
Zu Gast im Bokre Angkor Hostel
Auch bei der Ankunft in Siem Reap lief alles reibungslos ab. Verspätung hatten wir kaum, unsere Rucksäcke wurden vom Personal ausgeteilt und dann wartete bereits ein Fahrer auf uns, denn der Transport zum Hostel war im Übernachtungspreis inbegriffen. Nach wenigen Minuten erreichten wir das Bokre Angkor Hostel. Das liegt etwas außerhalb des Stadtkerns, was uns auf Google Maps erst verunsichert hatte, aber man kann in kurzer Zeit überall zu Fuß hinlaufen – und nicht mitten im Trubel zu sein würde wir in den nächsten Monaten eh immer öfter zu schätzen lernen. Der Tuktukfahrer, der sich uns als Mr. C vorstellte, wies uns bei unserer Ankunft noch darauf hin, dass wir ihn jederzeit nach Touren und Fahrten fragen können. Da wussten wir noch nicht, dass wir noch das ein oder andere Mal darauf zurückkommen würden.
Das Bokre Angkor Hostel ist – glücklicherweise – kein Hostel im gewohnten Sinne. Es gibt keine Gemeinschaftsküche, keinen großen Aufenthaltsbereich und, das Wichtigste, keine typischen Hostelgäste, die ihren Grad der Coolness von Lautstärke und Rücksichtslosigkeit abhängig machen. Wir wurden mit Willkommensdrink freundlich in der gemütlichen Lobby, die gleichzeitig Restaurant und Bar war, empfangen und auf unser Zimmer gebracht. Das war zwar klein und hatte mal wieder eine Nasszelle statt richtiger Duschkabine, war aber sonst echt gemütlich. Gutes Bett, leise Klimaanlage – und sogar ein Fenster! Der Blick fiel zwar auf das etwa einen halben Meter entfernte Nebengebäude, aber immerhin. Es gab gefiltertes Trinkwasser zum Auffüllen, inkludiertes Frühstück und sogar einen kleinen Pool. Wir haben uns hier sofort wohlgefühlt und waren froh, uns direkt für fünf Nächte hier eingebucht zu haben.
Erster Eindruck von Siem Reap
Da uns noch knappe zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang blieben und die Busfahrt alles andere als anstrengend und ermüdend war, entschieden wir uns dazu, uns einen ersten Eindruck von Siem Reap zu verschaffen. Dafür, dass es schon irgendwo ein klassischer Touri-Ort ist, der hauptsächlich von Besuchern lebt, die sich Angkor anschauen, war die Stadt überraschend normal und wenig wuselig. Es war ruhig, aufgeräumt und wie schon in Phnom Penh hat uns die Atmosphäre irgendwie sofort gefallen. Das einzig bemerkenswert touristische waren die vielen Tuktukfahrer, die einem (zugegeben aber wenig aufdringlich) eine Fahrt andrehen wollten – das altbekannte „no thank you“ war zurück. Und natürlich gab es auch viele Restaurants, die nicht gerade traditionelle Khmerküche im Angebot hatten, sondern Burger, Pizza und Co. Wir haben uns für einen Kompromiss entschieden: traditionelle Küche für den ausländischen Gaumen. Dazu ging es zu Madam Moch, einem der bei Google am besten bewerteten Restaurants der Stadt. Können wir auch genauso unterschreiben. Wir hatten vegetarisches Curry und vegetarisches Amok, jeweils ein Gedicht. Nomnomnom! Kulinarisch hatte uns Siem Reap also schon komplett überzeugt. Für den nächsten Tag nahmen wir uns vor, unseren ersten Eindruck weiter zu vertiefen.