Das Highlight Kambodschas: Angkor Wat und das Khmer-Reich von Angkor
Unsere Tour mit Mr. C
Auch wir sind natürlich deshalb nach Siem Reap gekommen und haben die lange Anreise mit dem Bus auf uns genommen, um uns Angkor Wat und andere Tempelanlagen anzuschauen. Wir haben lange hin und her überlegt, wie viele Tage wir uns dafür nehmen, ob wir eine geführte Tour buchen und ob wir eher morgens oder eher nachmittags hinfahren sollten. Die Frage bezüglich der Tage wurde uns praktischerweise mehr oder weniger abgenommen. Um den Tourismus nach der Pandemie wieder anzukurbeln, waren bis Ende 2022 die Ein-Tages-Tickets zwei Tage gültig. Normalerweise gibt es Tickets für einen, drei und sieben Tage, das lange Schwanken zwischen den ersten beiden Optionen konnten wir uns also sparen. Um möglichst viel von Angkor zu haben und zu sehen und gleichzeitig nicht komplett zugrunde zu gehen, haben wir uns dazu entschieden, einen Nachmittag und einen Vormittag lang Erkundungen anzustellen. Für die Frage, was wir uns angucken wollten, fanden wir einen Kompromiss: Für unseren ersten Tag suchten wir uns selbst eine Tempelanlage aus, für den zweiten Tag wollten wir eine Tour buchen – am liebsten zum Sonnenaufgang. Und so machten wir uns nach einem guten Schlaf, einem sehr guten Frühstück (die Pancakes im Hostel waren super!) und einem sehr entspannten Vormittag auf unserem Zimmer auf den Weg nach draußen. Dort sprachen wir den erstbesten Tuktukfahrer an, der sich als Mr. C herausgestellt hatte, also der Mann, der uns auch schon vom Busbahnhof abholte. Wir vereinbarten mit ihm einen Preis für die Fahrt zum Ticketoffice (das liegt aus irgendeinem Grund relativ weit außerhalb des Stadtzentrums und man kann nur dort Tickets kaufen) und zu der von uns ausgesuchten Tempelanlage: Bayon, neben Angkor Wat die bekannteste und imposanteste Anlage. Und zurück natürlich, denn auch Angkor liegt einige Kilometer weit von Siem Reap entfernt (manche Irre fahren mit dem Fahrrad dort hin, bei 50 Grad, no thank you).
Der als einfacher Fahrt gedachte Transport mit Mr. C entpuppte sich schließlich als echte Tour. Vor Bayon fuhren wir durch eines der großen Tore von Angkor und er erklärte uns jede Menge über die Bedeutung von Figuren und Göttern, die sich überall in den Steinruinen verstecken. Dann ließ er uns vor Bayon raus und vereinbarte mit uns einen Punkt, an dem er auf uns warten und uns wieder einsammeln würde. Der Tempel war riesig und erinnerte uns von außen sehr an die Affenstadt aus Disneys Dschungelbuch. Die Größe der Anlage und die kleinen Details jedes Steins waren wirklich beeindruckend. Wir hatten zeitweise außerdem den Eindruck, völlig alleine hier zu sein – der Tourismus war wohl wirklich noch nicht so ganz wieder angelaufen (oder es war vielen einfach viel zu heiß, uns eigentlich auch). Da wir nach Bayon noch Zeit und Kraft hatten und uns der Ausflug bisher sehr gut gefallen hat, fragten wir Mr. C, ob er noch Zeit hat, uns andere Tempel zu zeigen. Spontan überlegte er sich eine Route zu anderen nahegelegenen Tempeln, die Tour endete schließlich am Phnom Bakheng, dem klassischen Tempel für einen Sonnenuntergang. Hier wurde auch klar, dass wir dann doch nicht so ganz die einzigen Touris waren, auch wenn sich der Andrang sehr in Grenzen hielt. Am Ende setzte uns Mr. C wieder vor dem Hostel ab. Uns war natürlich klar, dass er jetzt mehr Geld von uns bekommen würde, als ursprünglich vereinbart, da aus unserem Kurztrip eine spontane Halbtagestour wurde. Ihm war das auch klar, allerdings druckste er sehr rum und wollte keinen Preis nennen, sondern sagte nur, dass es aktuell sehr schwer sei, etwas zu verdienen und wir seine ersten Kunden seit vier Tagen waren. Wir haben ihm am Ende mehr als das Doppelte gegeben – für uns immer noch völlig in Ordnung, für ihn offenkundig viel Geld, denn er freute sich sehr (und wir uns dann auch).
Wir können Mr. C jedem wärmstens empfehlen, er weiß viel über Angkor, ist sehr freundlich und aufrichtig und absolut fair, was seine Preise betrifft. Vielleicht sogar etwas zu fair. Wenn wir könnten, wären wir am nächsten Tag sofort wieder mit ihm nach Angkor gefahren. Aber da waren wir leider von der Tour abhängig, die wir am Abend im Hostel gebucht hatten…
Der Sonnenaufgang über Angkor Wat
Nach reifer Überlegung, ob uns eine Abfahrt um 5 Uhr morgens wirklich zusagt, entschieden wir uns letztendlich für eine Sunrise Tour nach Angkor. Man ist ja voraussichtlich nur einmal in seinem Leben dort. Die Tour würde den Sonnenaufgang bei Angkor Wat und einige andere Tempel beinhalten, die passenderweise auch die waren, die wir uns nach unserer Recherche als unsere Besuchsfavoriten herausgeschrieben hatten. Auf der Quittung, die wir vom Hostel für die Tour bekamen, war „Minivan“ als Fahrzeug angekreuzt, wir stellten uns also auf eine Gruppentour ein. Das Hostel war immerhin ausgebucht und auch hier wollten natürlich alle nach Angkor. Als wir sehr müde um kurz vor 5 zur Rezeption stolperten und uns gesagt wurde, dass unser Fahrer schon auf uns wartet, stellte sich der Fahrer zu unserer Überraschung (und Freude) als Mr. C heraus. Und der Minivan als sein Tuktuk. Cool! Private Tour mit unserem neuen Lieblingsfahrer also, der Tag hätte deutlich schlechter beginnen können. Es ging zunächst zum Hauptgrund der Tour, dem Sonnenuntergang über Angkor Wat. Vom Parkplatz zum Tempel mussten wir leider gute 10 bis 15 Minuten laufen (und einige Tourguides abwimmeln, die uns sehr gerne begleitet hätten). Und auch hier waren wir nicht die einzigen, die sich so früh auf den Weg machten. Vor der Tempelanlage angekommen, waren wir dann aber doch wieder überrascht, wie leer es hier war. Selbst vor dem kleinen See, von dem aus man laut jedem Reiseführer und -blog die besten Fotos machen kann und wo sich Besucher manchmal sogar um die besten Plätze prügeln sollen, war so gut wie nichts los, sodass man locker einen Platz fand. Die Wartezeit bis zum ersten Sonnenstrahl überbrückten wir mit dem Versuch, unser Frühstückspaket, das uns das Hostel extra gepackt und mitgegeben hatte, zu entschlüsseln. Es stellte sich als zwei hartgekochte Eier (nochmal extra in Plastik eingewickelt, klar) und zwei Scheiben Toast heraus, die man, hätte man nicht in völliger Dunkelheit vor Angkor Wat gestanden, mit einem Plastikmesser mit Butter und Marmelade hätte beschmieren können). Aber das Paket erfüllte am Ende seinen Zweck (vor allem den der Zeitüberbrückung, denn bis man das Ei aus der Plastikfolie befreit und gepellt hatte, vergingen pro Ei gut und gerne 10 Minuten). Insgesamt standen wir etwa 40 Minuten an unserem Platz und beobachteten, wie das mächtige Angkor Wat langsam vom Sonnenlicht angestrahlt wurde. Die Stille und die relative Einsamkeit hier waren schon sehr besonders. Anschließend gab es einen Kaffee mit Katzenbesuch und einen letzten Blick auf Angkor Wat, über dem sich jetzt langsam die Sonne zeigte. Wir waren zwar immer noch sehr müde, aber uns auch einig, dass es sich jetzt schon gelohnt hatte, so früh zu fahren. Fotos von und vor Angkor Wat ohne Menschen drauf macht man definitiv nicht jeden Tag. Corona sei Dank.
Tempel, Tomb Raider, Todeshitze
Die gebuchte Tour beinhaltete eigentlich eine festgelegte Reihenfolge bestimmter Tempel. Wir hatten das Glück, dass wir alleine waren und Mr. C uns gestern schon einige Tempel gezeigt hatte, die zum Teil sonst heute auf dem Programm gestanden hätten. Deshalb hat er die Tour kurzerhand umgeplant, sowohl was die Tempel selbst als auch ihre Reihenfolge betraf. Das ging schon morgens los, denn anstatt sich nach dem Sonnenaufgang Angkor Wat von innen anzugucken, wie es sonst jeder tut, ist er mit uns weiter gefahren, um den Massen zu entgehen. Unser zweites Ziel nach Angkor Wat war deshalb Ta Prohm, ein Tempel, in dem Anfang der 2000er-Jahre Szenen für Tomb Raider gedreht wurden. Eine Tatsache, auf die man hier anscheinend sehr stolz ist, denn überall liest und hört man davon. Uns war es relativ egal, wir verstanden allerdings schnell, wieso sich der Tempel so gut als Filmkulisse eignete. Der Komplex war das absolute Sinnbild eines von der Natur überwachsenen Dschungeltempels – wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man es für eine künstlich entworfene Kulisse gehalten. Riesige Bäume mit armdicken Wurzeln rankten über die Tempelmauern, die Steine waren mit dichtem Moos überzogen, sodass alles sattgrün leuchtete. Das war definitiv unser Lieblingstempel der Tour – und dadurch, dass wir direkt nach dem Sonnenaufgang dort hingefahren und gerade zur Öffnung des Tempels dort waren, waren wir so ziemlich alleine dort.
Anschließend ging es noch zu einigen anderen Tempeln und Sehenswürdigkeiten, deren Namen wir nicht mehr alle zusammen kriegen. Darunter waren Srah Srang, ein riesiger künstlicher See, der anscheinend der Swimmingpool der Könige war (kleiner ging wohl nicht), Ta Keo, ein Tempel, den man über sehr hohe und steile Treppen erklimmen kann und Angkor Wat selbst, das von außen deutlich schöner und imposanter ist als von innen. Mr. C hat uns immer viel über die Tempel erklärt, uns mit Wasser versorgt und viele Pausen gemacht, wir waren aber spätestens um die Mittagszeit völlig tempelmüde und konnten nichts mehr aufnehmen. Man muss – zumindest ist das unsere kulturbanausige Sicht – auch irgendwie zugeben, dass die Tempel irgendwann auch alle nur noch gleich aussehen. Zumindest viele davon. Nach einem achtstündigen Ritt durch viele Tempel von Angkor, bei zunehmend brutaler Hitze, waren wir jedenfalls sehr froh, wieder in unserem kühlen Hostelzimmer zu sein. Außerdem hatte sich bei Angkor Wat schon durch dunkle Wolken und einige laute Donnerschläge angekündigt, dass es bald sehr nass werden würde (was es dann auch wurde – als wir im Hostel waren, stand der Außenbereich kurze Zeit später unter Wasser). Für uns persönlich waren zwei Tage Angkor absolut perfekt. Hätten wir uns zwischen dem Ein- oder Drei-Tages-Ticket entscheiden müssen, hätten wir uns womöglich (auch aus Kostengründen) für das Ein-Tages-Ticket entschieden und dann entweder knallhart von morgens bis abends durchziehen müssen oder viel weniger von dem sehen können, was wir letztendlich gesehen haben. Das Zwei-Tages-Ticket ist mittlerweile wieder Geschichte. Man muss auch mal Glück haben.