Unerwartet schön und grün: Maribor in Slowenien

Unsere Reise durch Europa begann mit mittlerweile gewohnter Routine: einer Flixbusfahrt. Neu war nur, dass wir dem Fahrer unsere Pässe zeigen mussten, weil es über eine Staatsgrenze ging. Nach drei Wochen in Italien sollte es nämlich jetzt weiter nach Slowenien gehen, von Triest nur ein Katzensprung entfernt. Für uns ging es allerdings direkt durch das Land in Richtung Norden, an der Hauptstadt Ljubljana vorbei ins kleine beschauliche Maribor. Der Stopp war irgendwie sogar aus der Not geboren, weil der Flixbus auch dort Station macht und wir in Ljubljana keine wirklich ansprechende Unterkunft gefunden hatten. Das sollte sich noch als sehr schöner Zufall herausstellen.

Vier Stunden waren wir insgesamt unterwegs, dann trennte uns noch eine kurze Busfahrt und ein kurzer Fußmarsch über den großen Marktplatz von unserer Unterkunft. Den schönen Platz würden wir später noch entsprechend würdigen, jetzt musste er nur schnell hinter uns gelassen werden, denn es wurde stürmisch und regnerisch. Nicht nur deshalb waren wir froh, als wir noch rechtzeitig in unserer Unterkunft angekommen waren, sie war darüber hinaus mal wieder richtig schön. Eine Wohnung mit toller Küche und schönem Badezimmer in der zentralsten und belebtesten Straße der Stadt. Was viel Lärm bis spät in die Nacht durch zahlreiche Restaurants bedeutete, von dem man durch die Lage der Wohnung nach hinten raus allerdings glücklicherweise nichts mitbekam. Da nervte eher die Baustelle direkt vorm Schlafzimmerfenster, die sehr pünktlich früh morgens zum Leben erweckt wurde. Leider nicht wörtlich in den Schatten gestellt wurde das allerdings von einem sehr lichtdurchlässigen Rollo, das in Kombination mit einem nach Osten gerichteten Fenster für tolle Schlafatmosphäre ab 6 Uhr morgens sorgte. Das haben wir ab der zweiten Nacht mit Klebeband, unserem Sarong und den Regenjacken fixen können. Not macht erfinderisch.

Durch die Altstadt und entlang der Drau

Obwohl wir an unserem Ankunftstag nicht viel von der Stadt gesehen hatten, hat uns Maribor da schon total gefallen. Das lag da vor allem am Aldi, unserem ersten auf Reisen, in dem wir am liebsten das ganze Sortiment aufgekauft hätten, weil wir hier jede Menge leckerer Sachen und Snacks gefunden haben, die wir so lange nicht gegessen hatten. Aber auch abseits der Discounter ist Maribor ein echtes Idyll. Der Altstadtkern ist sehr kompakt und schnell durchlaufen, besonders auf dem Marktplatz lässt es sich aber auch sehr gut länger mit Blick auf die schönen Gebäude und das geschäftige Treiben aushalten. Ein paar Minuten vom Marktplatz entfernt wächst außerdem die angeblich älteste Weinrebe der Welt, die hier seit über 400 Jahren leider höchstens mittelmäßig leckere Weintrauben produziert. Von der Altstadt aus lassen sich viele kleine Gassen runter zur Drau nehmen, einem Nebenfluss der Donau. Die Uferpromenade direkt unterhalb der Altstadt wurde zwar während unseres Besuchs gerade neu gemacht und war eher Baustelle als Spazierweg, trotzdem war es sehr schön, am Fluss (vor allem dann an der gegenüberliegenden, baustellenfreien Seite) entlang zu laufen. Wir wissen zwar nicht, wie Ljubljana ist, hatten aber das Gefühl, mit Maribor als Plan B definitiv eine sehr gute Wahl getroffen zu haben. Die Stadt ist zwar die zweitgrößte des Landes, wirkte auf uns aber eher wie ein kleines Dorf inmitten einer großen grünen Landschaft.

Zweimal Park…

Wer an der Drau (oder generell beim Reisen durch Slowenien, denn auch aus dem Flixbus hatten wir schon den Eindruck, noch nie ein grüneres Land gesehen zu haben) noch nicht genug grüne Landschaft gesehen hat, findet mehr davon im Mestni-Park nördlich der Altstadt von Maribor. Der Park hat uns nicht nur durch seine großen Teiche angelockt, in denen wir sogar Schildkröten entdeckt haben, sondern vor allem wegen der Möglichkeit, aus einem einfachen Parkspaziergang schnell eine kleine Wanderung ins Umland von Maribor machen zu können. Unser erstes Ziel war die Pyramida, ein kleiner Weinberg oberhalb der Stadt, auf der eine alte Kapelle steht. Der Weg war durch wenig Schatten und wieder mal gnadenlose Sonne nicht gerade angenehm, am Ende waren wir aber ganz allein dort oben und hatten einen tollen Blick auf Maribor bis ins Umland. Dass in der Kapelle ein deutsches Gedicht an der Wand stand, war außerdem ein Hinweis auf die lange deutschsprachige Geschichte der Region, immerhin war das heutige Österreich keine 30 Kilometer von Maribor entfernt.

…zweimal Ausblick

Am nächsten Tag ging es nochmal durch den Park hoch zu einem Aussichtspunkt über Maribor. Der Weg war deutlich anstrengender und abenteuerlicher als der vorherige, dafür war man hier zwischenzeitlich richtig im Wald unterwegs, was uns bei den weiterhin hohen Temperaturen sehr entgegenkam. Als sich der Wald lichtete, standen auf dem Platz der sieben Eichen, der laut Infotafeln schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel war. Von dort aus ging es wieder an Weinbergen entlang, bis uns der Weg irgendwann zu schmal und zugewuchert wurde. Von dort hatte man wieder einen tollen Blick auf die Stadt und auf Kamnica, ein kleines Dorf westlich von Maribor. Auch auf diesem Aussichtspunkt stand eine Kapelle, zu der wir aber nochmal einige Höhenmeter in der prallen Sonne hätten zurücklegen müssen und wir uns deshalb mit einem Blick aus der Ferne begnügt haben.

Maribor war definitiv eines unserer Highlights in Europa, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Unter anderem deshalb, weil wir uns vorher gar keine großen Vorstellungen von der Stadt (oder von Slowenien generell) gemacht hatten. Im Nachhinein können wir sagen, dass wir selten eine schönere Stadt und ein grüneres Land gesehen haben. Und deshalb wird es auch kaum unsere einzige Reise nach Slowenien gewesen sein.