Eine Stadt mit vielen Gegensätzen: Italien-Endspurt in Triest
Über den Dächern der Stadt
Unsere fünfte und letzte Stadt in Italien sollte Triest sein. Triest hat eine strategisch gute Lage. Einerseits für uns, denn hier halten Flixbusse von Italien kommend, die anschließend weiter Richtung Norden, also Mitteleuropa fahren, andererseits aber auch in historischer Hinsicht. Triest war lange Zeit ein bedeutender Hafen in Europa. Früher kam hier sämtlicher Kaffee aus Übersee an, was Triest immer noch den inoffiziellen Titel der Kaffeehauptstadt verleiht. Die Stadt hat zudem mehrfach den Besitzer gewechselt und ist nach über tausendjährigem Hin und Her zwischen Deutschland, Österreich und Italien heute die nordöstlichste Großstadt Italiens. Bis heute ist die Stadt aber besonders multikulturell und man sieht, hört und spürt das auch an jeder Ecke. Viele alte Schilder sind noch Deutsch, die Restaurants bieten oft österreichische Küche an und dadurch, dass Slowenien die Stadt fast vollständig umarmt, schnappt man immer wieder slawische Wortfetzen auf.
Bevor auch wir von Slowenien umarmt werden würden, wollten wir uns das besondere Triester Flair selbst einmal geben, also ging es mit einer weiteren Flixbusfahrt – leider wieder verspätet – in zwei Stunden von Venedig nach Triest. Die letzte halbe Stunde der Fahrt ging sogar direkt am Meer entlang und entschädigte ein wenig für die Verspätung. Und auch mit unserer Unterkunft haben wir wieder einen guten Fang gemacht. Zwar nicht ganz billig, ansonsten waren die Al Garibaldino Rooms ein echter Jackpot. Die Unterkunft befand sich ähnlich wie in Rom in einem großen Wohnhaus und war in drei Zimmer und eine Gemeinschaftsküche aufgeteilt. Unser Studio hatte eine eigene Küche, sodass wir komplett selbstständig waren (den großen Topf, den wir aus der Gemeinschaftsküche geklaut haben, ignorieren wir an dieser Stelle – wir haben ihn ja auch wieder zurückgebracht), außerdem hatten wir einen kleinen Balkon. Aus dem fünften Stock war dadurch der Ausblick über Triest inklusive, der sowohl im Tageslicht als auch bei Nacht ein echter Hingucker war. An unserem ersten Abend gab es übrigens mal wieder unser berühmtes Curry (quasi unser Standard, wenn wir eine eigene Küche hatten) – da wussten wir noch nicht, dass es das letzte Curry unserer Reise werden würde. Selbst an den besten Gerichten kann man sich irgendwann anscheinend überfressen.
Rom oder doch Wien?
Von unseren zwei vollen Tagen in Triest waren wir in Summe ungefähr einen nur in der Wohnung. Die war einfach wirklich schön und gemütlich – und trotz der sehr lauten Straße vor der Tür sehr ruhig, ein erneutes Hoch auf gute Fenster – und wir mussten auch mal wieder etwas Kraft für die nächsten Stopps und Wochen tanken. Dazu kommt, dass Triest wirklich nicht groß ist, von unseren bisherigen Zielen das mit Abstand untouristischste und deshalb im Grunde nach einem Spaziergang abgeklappert ist. Unsere Route führte uns zunächst die Scala dei Giganti, also die Treppe der Riesen hoch, die zwar erst 100 Jahre alt ist, architektonisch aber auch ins antike Rom passen würde. Vom oberen Treppenabsatz hat man nicht nur einen guten Blick auf eine der Hauptstraßen von Triest, sondern steht auch fast schon vor der Ruine eines antiken Amphitheaters – also diesmal wirklich Rom. Anschließend sind wir kreuz und quer durch die Innenstadt gelaufen, über die Piazza della Borsa bis zur Piazza Unità d’Italia, dem heutigen Rathausplatz und nach einem kurzen Abstecher am Hafen zurück am kleinen Kanal entlang bis zu einer serbisch-orthodoxen Kirche. Hätten wir nicht gewusst, wo wir wären, wäre ein Tipp wirklich schwierig gewesen. Von römischen Ruinen ist es nur ein Katzensprung zu Altbaufassaden, die man eher in Österreich vermuten würde und eine Straße weiter stehen Kirchen, die gut nach Russland passen. Eine wirklich interessante Stadt voller kultureller Widersprüche, in der aber trotzdem ein Zusammenleben funktioniert. Zumindest kam uns das aus unseren oberflächlichen touristischen Augen so vor. Viel mehr als diese kurze Citytour haben wir in Triest allerdings nicht unternommen. Vermutlich wieder mal kulturell zu banausig. Trotzdem hätte für uns wohl keine Stadt besser gepasst als Triest. Denn nirgendwo sonst bekommt man so einen perfekt fließenden Übergang von Italien zu Slowenien hin wie hier.