Ubud Teil 3: Die graue Wand des Mount Batur
Aufwachen mit Wecker und Regen
Heute sollte ein echtes Highlight auf uns warten. Ein Must-do, ein Postkartenmotiv, das, was einem jeder empfiehlt und vorschwärmt, der schon mal auf Bali war. Es gibt hunderte Anbieter, tausende Fotos und Videos und noch mehr Berichte, wie toll es war. Klar also, dass wir uns eine Wanderung zum Sonnenaufgang auf dem Batur, einem großen und aktiven Vulkan, nicht entgehen lassen konnten. Die Tour haben wir zwei Tage im Voraus gebucht, es geht aber wegen der Fülle an Touranbietern sicherlich auch noch kurzfristiger. Uns hat es knapp 60€ pro Person gekostet, darin enthalten waren der Transport von und zur Unterkunft, der Tourguide, Verpflegung auf der Bergspitze sowie ein Frühstück nach dem Abstieg. Es geht auch günstiger, dafür war unser Tourguide nur für uns da und nicht für eine größere Gruppe. So konnte er einerseits besser auf unsere Fragen eingehen und andererseits konnten wir uns für ein eigenes Tempo entschieiden und waren nicht vom Herdentrieb einer großen Gruppe abhängig.
Damit man pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Vulkan steht, muss es natürlich früh los gehen. Die Abholung war für 2:30 angesetzt – und dabei hatten wir noch Glück, in Ubud und damit vergleichsweise nah am Startpunkt der Wanderung zu sein. Als wir um 2 Uhr wach wurden, waren wir uns allerdings nicht sicher, ob uns jetzt unser Wecker oder der extrem laute Regen geweckt hatte. Klasse, bisher war bestes Wetter, aber wenn man raus MUSS, regnet es. Aber wir hatten gelernt: regnet es irgendwo auf Bali, kann 10 km weiter die Sonne scheinen (oder eher der Mond zu dieser Unzeit). Nach einem kurzen Gang ins nasse Bad (und einer kurzen Inspektion des Schlafzimmers, das auch nicht ganz wasserdicht schien), ging es dann irgendwie raus und in Richtung Taxi, das leider nicht direkt vor der Unterkunft warten, sondern ein paar Minuten Fußweg entfernt halten musste. Was normalerweise ein kurzer Fußweg bedeutete, war jetzt aber ein Waten durch einen kleinen, reißenden Bach an unseren Füßen. Einen Lidschlag später waren unsere Schuhe nass, dann die Socken, dann die Füße – und dann auch alles andere, was nicht von der Regenjacke verdeckt war (viele Grüße an Anne an dieser Stelle, die keine Regenjacke dabei hatte…). Komplett durchnässt saßen wir kurze Zeit später im Auto und mussten uns entscheiden, ob wir ohne Klimaanlage feucht bleiben oder mit Klimaanlage leicht trocknen, aber erfrieren wollten. Und so sollte es dann erstmal über eine Stunde gen Norden gehen.
Irgendwann erreichten wir einen beleuchteten Parkplatz, an dem sich schon zahlreiche Reisegruppen versammelt hatten. Trotz des Wetters war hier einiges los (klar – wir wären auch lieber im Bett geblieben, aber war ja schon bezahlt). Kurze Zeit später traf auch unser Tourguide ein und die Wanderung ging los. Immerhin war man nicht mehr ganz so durchnässt und der Regen war von Sintflut in Nieselregen übergegangen. Doch trotz anstrengender Wanderung – teilweise musste man richtig klettern – blieb es kalt und windig. Nicht ganz das, was man sich vorgestellt hatte, aber bestimmt lohnt es sich, wenn man erstmal oben ist! Ja, ganz bestimmt…
Graue Realität und erstes Frühstück
Je heller es wurde, desto klarer wurde es. Nein, nicht die Sicht, sondern uns – dass wir nix vom Sonnenaufgang sehen würden. Wir – und alles um uns herum – waren in dichten Nebel gehüllt. Die Muskeln und Lungen brannten auch, eine „Wanderung für alle Fitnesslevel“, wie sie oft beschrieben war, war das unserer Meinung definitiv nicht. Als wir nach etwa zweieinhalb Stunden endlich am Gipfel ankamen, waren schon viele Reisegruppen oben. Es waren viele Bänke aufgebaut und viele wirkten mindestens so erschöpft wie wir. Wir waren aber genauso erleichtert und auch ein bisschen stolz, es bis hier oben geschafft zu haben. Ohne Nebel hätte man sicherlich einen fantastischen Blick auf den Gipfel, die Kraterlandschaft und das Umland gehabt – so blickte man aber nur auf einen graue Wand unmittelbar vor dem eigenen Gesicht. Die Enttäuschung wich dann irgendwie schnell dem Galgenhumor. Ändern konnte man das Ganze jetzt eh nicht mehr und solche Fotos machen nur die wenigsten! Die normalen Fotos mit Aussicht findet man doch eh zuhauf bei Google und sind nix besonderes mehr …
Unser Tourguide besorgte uns je nach Wunsch Kaffee, Tee oder heiße Schokolade. Sowas war auch bitter nötig und das Aufwärmen von Innen tat richtig gut. Für einen kurzen Moment zeigte sich sogar die Sonne als tennisballgroßes Etwas durch den Nebelschleier, was von der Menge frenetisch gefeiert wurde. Am Ende nahm jeder die Situation, wie sie eben war. Und eins war sie ohnehin: einmalig und unvergesslich.
Während uns das Heißgetränk von innen heraus wärmte, sorgten heiße Dämpfe für ein bisschen Wärme von außen. In diesen Dämpfen werden hier in großem Stil – natürlich auch als Touristen-Gag – Eier gekocht. Die hat unser Tourguide echt gut hinbekommen! Ein kleiner Snack vor dem Abstieg war auch wirklich angebracht, der sollte nämlich auch nochmal richtig anstrengend werden …
Schmerzhafter Abstieg und zweites Frühstück
Der Abstieg erfolgte glücklicherweise auf der anderen Seite des Vulkans. Da man für den Aufstieg teilweise richtig klettern musste, wäre das dort eine anstrengende und gefährliche Angelegenheit geworden. Der Weg nach unten war allerdings trotzdem hart und anstrengend – und teilweise auch nicht unbedingt weniger steil. Nach einer Weile ging das ganze ziemlich auf die Kniegelenke. Hin und wieder wurde der Gedanke, sich einfach fallen und bis zum Auto runter rollen zu lassen, sehr verlockend. Je tiefer wir kamen, desto mehr lichtete sich der Nebel und man konnte endlich mal ein bisschen was sehen. Es wurde außerdem immer grüner – die Vulkanasche sorgt vor allem am Fuße des Berges für extrem fruchtbare Böden. In der Ferne konnte man sogar einen Blick auf den Kratersee Lake Batur werfen, den man vom Gipfel aus hätte bestaunen können.
Zurück am Auto ging es dann noch zu einem zweiten, richtigen Frühstück. Die Aussicht muss normalerweise wunderschön sein, allerdings zeigte sich uns hier nochmal die Nebelwand in voller Pracht. Es sollte heute einfach nicht sein. Aber einen Ausblick gab es nach dem wirklich guten Frühstück trotzdem: nämlich den auf einen entspannten Tag ohne Laufen, Klettern und Frieren!