Ubud Teil 2: Einmal das Standard-Programm, bitte!
Die Tegalalang Reisterassen
Zweiter kompletter Tag in Ubud. Zeit, die üblichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Einerseits mag man ja die Vorstellung, sich abseits der üblichen Pfade zu bewegen und Dinge zu tun und zu sehen, die eben nicht im Reiseführer stehen. Andererseits wird es ja wohl einen Grund haben, dass Orte in Reiseführern empfohlen und von vielen Leuten besucht werden. Und außerdem – das haben uns sowohl Taxifahrer als auch Unterkunftsbesitzer bestätigt – befindet sich Bali immer noch in der Erholungsphase und der Tourismus ist bei weitem noch nicht so zugange wie vor der Pandemie. Wenn also nicht jetzt, wann dann?
Gedacht, gesagt, getan. Wir haben uns einen Fahrer für den Tag organisiert, der uns einmal durch Ubud manövrieren sollte (das passiert auf Bali eigentlich von selbst, man bucht eine einzelne Fahrt und wird dann fast immer gefragt, was man heute noch so vor hat – und ob man nicht dort auch noch hingefahren werden möchte). Unser erstes Ziel waren die Tegalalang Reisterassen. Die wird so ziemlich jeder schon mal gesehen haben, in einem Reiseführer, auf einem Fotokalender oder als Desktophintergrund. Die Reisterassen von Tegalalang sind DAS Fotomotiv Balis. Das wurde uns auch spätestens bewusst, als wir uns den Terassen näherten. Es gibt unzählige Parkplätze, Cafés und überall dort, wo man zwischen Gebäuden schon einen ersten Blick auf die Terassen erhaschen konnte, stand eine Schaukel, auf der man für das besondere* Foto (*es macht ungefähr jeder und es gibt pro Tag gefühlt fünf Milliarden neuer Schaukelfotos und -videos auf Instagram) eine Runde über die Terassen schaukeln kann. Unser Fahrer ließ uns dann an einem der vielen Zugangspunkte auf die Terassen raus und wartete auf uns.
Auf den ersten Blick sahen die Reisterassen ganz anders aus als auf den Fotos. Das lag aber nicht an Photoshop, sondern ganz einfach daran, dass wir zur falschen Zeit da waren: die Terassen wurden aktuell neu hergerichtet. Die Stufen wurden begradigt und in Kürze sollte das Areal wieder geflutet und neu bepflanzt werden. Einige Wochen später wäre hier wieder alles sattgrün gewesen. Einen tollen Blick hatte man trotzdem. Es wurden übrigens pro Person ca. 1€ Eintritt verlangt und unser Fahrer verriet uns auch, dass die Terassen aus Showzwecken für die Touristen angelegt und gepflegt werden. Geerntet wird auf normalen, ebenen Feldern – sieht vielleicht nicht so spektakulär aus, ist aber bedeutend praktischer.
Tirta Empul – der Holy Water Temple
Unser nächster Halt war der Pura Tirta Empul. Ein hinduistischer Tempel, der für seine heilige Wasserquelle bekannt ist. Unser Taxifahrer hat ihn nur „holy water temple“ genannt, vermutlich die gängige Bezeichnung von und für Touristen. Auf dem Weg von den Reisterassen zum Tempel hätte man noch denken können, dass man hier einem echten Geheimtipp auf der Spur ist – die Straßen waren schmal und holprig, einmal hat sich unserer Fahrer sogar verfahren. Aber am Tempel wurden wir dann wieder in die Realität zurückgeholt: ein riesiger Parkplatz, Essensstände, teilweise wurden Reisegruppen mit Bussen abgeladen. Kein Geheimtipp, eher ein klassischer Touristenmagnet. Der Eintritt betrug hier etwa 3€ pro Person und war damit schon vergleichsweise teuer. Wie üblich müssen im Tempel die Knie bedeckt sein, für die kurzhosigen Touristen gab es deshalb einen kostenlosen Sarong zur Leihe. Die Tempelanlage selbst war groß und schön. Neben der typischen balinesischen Architektur konnte man hier die namensgebenden Wasserquellen bestaunen. Gläubige Hindus können sich hier symbolisch reinigen, Touristen, die sich dafür einen speziellen Wassersarong ausgeliehen haben, können es ihnen in einem separaten Becken abgucken und gleichtun. Wir haben uns das ganze nur angeguckt und das hat uns gereicht. Die Quelle selbst entspringt hinter den religiösen Badewannen und sieht auf den ersten Blick sehr sauber und klar aus. Wikipedia verrät aber, dass die Wasserqualität auch hier zu Wünschen übrig lässt. Also gilt auch hier: Mund zu!
Ganz dem Klischee einer typischen Touristenattraktion entsprechend führte der Ausgang aus dem Tempel nicht etwa direkt zum Parkplatz, sondern durch ein wortwörtliches Labyrinth aus Shops. Wir mussten uns also erst noch durch einen endlosen Gang schlängeln, in dem uns rechts und links pausenlos Räucherstäbchen, Sarongs, T-Shirts und der andere übliche Kram angeboten wurde. Naja, man hatte sich das „no thank you“ ja mittlerweile angewöhnt. Unser Fahrer hatte es sich während unseres Tempelbesuchs in seinem Kofferraum bequem gemacht und war jetzt fit für unseren nächsten und letzten Auftrag.
Ubud Zentrum
Der dritte und letzte Stopp unserer Tour war das Stadtzentrum von Ubud. Das lag etwa eine halbe Stunde Fußweg östlich unserer Villa und der Plan war, uns dort absetzen zu lassen und dann nach Hause zu laufen.
Wir haben uns am KAFE absetzen lassen, einem Café/Restaurant mitten in der Innenstadt. Das können wir auch absolut empfehlen (und war auch im Reiseführer explizit empfohlen worden). Sowohl optisch als auch geschmacklich ein absolutes Highlight für uns in Ubud! Außerdem war man hier sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Die Getränke standen auf wiederverwendbaren Stoff-Untersetzern, es gab nur Metallstrohhalme und die Papierhandtücher auf dem Klo wurden nach sauber und recyclebar und nicht-recyclebar getrennt.
Nach einer kleinen Stärkung ging es dann zu Fuß durch die Straßen Ubuds. Einerseits war es ganz nett, mal in normale Läden schauen zu können, andererseits macht einem auch hier die charakteristische Infrastruktur Balis schnell einen Strich durch die Rechnung. Die Fußwege sind sehr schmal und oft belegt von Rollern, Werbeschildern oder schlichtweg anderen Menschen. Auf die Straße ausweichen ist oft nötig, aber nie so ganz ungefährlich. Das und der Lärm tragen dazu bei, dass man es nicht allzu lange in der, wir nennen sie mal ironisch Fußgängerzone – Ubuds aushält. Und wir waren rückblickend sehr froh, abseits des Zentrums zu wohnen. Je näher wir unserer Villa kamen, desto mehr nahmen Verkehr und Menschenmassen ab und umso ruhiger wurde es. Für heute hatten unsere Augen genug gesehen, unsere Ohren genug gehört und unsere Füße waren auch genug gelaufen.
Schön war es trotzdem! Und ein echtes Highlight, das in keinem Reiseführer fehlt und auf keiner Balireise fehlen sollte, stand noch für den kommenden Tag auf unserem Programm. Aber dazu später mehr…