Two days in Bangkok

Die Einreise nach Thailand verlief überraschend einfach. Die Einreisebeamten wirken zwar genauso schlecht gelaunt wie in den USA, sind aber deutlich wortkarger. Nach einem kurzen Dokumentencheck und der Frage, wie lange man in Thailand bleibt, kam auch schon der Stempel in den Pass. Und auch unser Gepäck hatte es nach Bangkok geschafft!

Die nächste Herausforderung war jetzt, vom Flughafen östlich des Stadtkerns in die Innenstadt und zu unserem Hotel zu gelangen. Der gemeine Tourist greift hier vermutlich aufs Taxi zurück. Einfach, schnell, direkt. Aber teuer. Passte also nicht so zu unserer Low-Budget-Strategie. Dafür hat Bangkok allerdings den Airport Rail Link im Angebot. Der Rail Link ist eine Stadtbahn die das Bangkoker Stadtzentrum mit dem Flughafen verbindet. Auch einfach, auch schnell, auch direkt. Und günstig! 45 Baht (ungefähr 1,20 €) kostet die Fahrt, die bis zur Endstation etwa 35 Minuten dauert. So sind wir relativ komfortabel und klimatisiert bis Phaya Thai gefahren, einem zentralen Knotenpunkt in Bangkok. Dort ausgestiegen gab es dann die erste volle Breitseite Bangkok: Lärm, Gestank, Dreck…aber vor allem Hitze. Eine sehr fiese feuchte Hitze, typisch für die Monsunzeit. Oder um Murray Head zu zitieren: Ya seen one crowded, polluted, stinking town. Vor allem mit Gepäck und aus einem stark klimatisierten Zug kommend war das ganz schön extrem. Und trotzdem hieß es jetzt: orientieren. Wir waren noch nicht am Hotel, dazu mussten wir irgendwie noch ein paar Blocks nach Süden kommen. Von da hätte der gemeine Tourist jetzt vermutlich spätestens das Taxi oder Tuk Tuk gewählt, aber wir Sparfüchse haben die öffentlichen Busse ins Auge gefasst (läppische 8 Baht, also 22 Cent, pro Nase). Und tatsächlich haben wir den passenden Bus relativ schnell gefunden und sind überraschend unkompliziert am MBK Center angekommen, in dem sich unser Hotel befand.

Das Pathumwan Princess Hotel ist ein 5-Sterne-Hotel im MBK Center, einem großen Einkaufszentrum in Bangkok. Das passte jetzt natürlich auch nicht zu unserem Budget, war aber der Tatsache geschuldet, dass wir das Hotel schon mal für einen stornierten Urlaub gebucht hatten und die Nächte praktisch als Guthaben dort hinterlegt waren. So konnten wir uns in Ruhe in Bangkok akklimatisieren und gleichzeitig ein wenig Luxus genießen. Neben der guten Lage hatten wir ein Zimmer mit Skyline- und Poolblick im 16. Stockwerk und das Frühstück war auch inklusive. Kann man nicht meckern! Und durch die Lage im MBK Center mussten wir auch nicht mehr raus, um etwas zu Essen zu finden und nach der langen Reise noch ein bisschen die Zeit zu vertreiben. Positiver Nebeneffekt: so haben wir auch vom starken Regen nichts mitbekommen, der irgendwann eingesetzt hatte.

Durch China Town mit Umwegen

Der nächste Tag – also der erste volle Tag in Bangkok – sollte ganz im Sinne des klassischen Sightseeings stehen. Die Route ging über China Town zu den Tempelanlagen Wat Pho und Wat Arun. Das ganze sollte wieder möglichst günstig vonstatten gehen, sodass wir wieder auf die sich gestern bewährten Busse zurückgreifen wollten. Heute sollte das ganze aber etwas komplizierter werden als gestern.

Google Maps ist ja eigentlich eine sehr gute Quelle für Routen, nicht nur mit dem Auto oder zu Fuß, sondern auch für öffentliche Verkehrsmittel. Als wir in der Buslinie auf unsere gewünschte Haltestelle deuteten (schien uns zielführender als ein Gespräch, da das mit dem Englisch in Thailand oft nicht so klappt), wurde das nach kurzer Überlegung allerdings nur mit einem „no no no“ quittiert und wir wurden quasi an der nächsten Haltestelle wieder rausgeworfen. Guter Start. Im nächsten Bus das gleiche Spiel: hier wurde allerdings nach einem Blick auf die Haltestelle mit „China Town?“ reagiert, was wir bejahen konnten – und diesmal glücklicherweise dann mitgenommen wurden. Gut, man hätte es im anderen Bus auch vielleicht mit „China Town“ versuchen können anstatt mit dem Namen irgendeiner Bushaltestelle in der Nähe…aber gut, wir lernen noch.

China Town startet mit einem großen Tor, ähnlich wie in San Francisco. Wir waren also schon mal richtig. Unser Weg sollte eigentlich durch die Hauptstraße führen, allerdings wurden wir relativ schnell von einem freundlichen (?) Mann angesprochen und nach etwas zu langem Smalltalk über das angebliche thailändische Restaurant seiner Tochter direkt am Kölner Dom auf die andere Straßenseite verwiesen, weil es dort viel besser sei. Dort angekommen hat uns unmittelbar der nächste Herr in Beschlag gekommen und uns erklärt, dass es gar keinen Sinn machen würde, jetzt zu den Tempeln zu gehen. Heute ist nämlich Feiertag, die Tempel machen erst nachmittags auf. Wir sollten lieber eine Bootsfahrt durch die Kanäle Bangkoks machen. Außerdem sind ausgerechnet heute die Tuk Tuks extrem günstig, alle kurzen Fahrten kosten nur 20 Baht! Praktischerweise hielt in diesem Moment auch ein Tuk Tuk neben uns und ehe wir uns versehen konnten, saßen wir drin und waren auf dem Weg zum Pier. Spätestens jetzt ging uns ein Licht auf und wir waren uns relativ sicher, dass wir gerade in eine extrem billige Touristenfalle getappt sind, bei denen man doch immer dachte, man selbst sei viel zu clever dafür. Immerhin ist es uns am Pier gelungen, hartnäckig zu bleiben und die angepriesene Kanaltour weder für 1000, noch für 800, noch für 700 Baht zu buchen. Stattdessen zahlten wir 20 Baht fürs Tuk Tuk (immerhin das stimmte!) und setzten unseren Weg durch China Town fort. Der Vorteil dieses Umwegs war, dass wir jetzt nicht mehr an der Hauptstraße, sondern in den viel besseren Seitenstraßen unterwegs waren. Kleinere Läden, mehr zu gucken und vor allem: niemand mehr, der einen ansprechen und weglocken wollte.

Wat Pho und Wat Arun

Nach den wuseligen engen Gassen von China Town ging es zu Fuß weiter zu Wat Pho, einer der wichtigsten Tempelanlagen ganz Thailands. Der Eintritt ist mit 200 Baht pro Person nicht ganz günstig – aber wenn man schon mal da ist… Die Anlage selbst ist auch sehr beeindruckend. Spätestens, wenn man sich bewusst macht, dass die Verzierungen der Gebäude Stein auf Stein von Hand angefertigt sind. Wat Pho beherbergt außerdem einen der bekanntesten und größten liegenden Buddhastatuen.

Wat Pho liegt am Chao Phraya, nach dem Mekong der zweitwichtigste Fluss in Thailand. Der ist – zumindest in Bangkok – eine große braune trübe Suppe. Muddy old river und reclining Buddha hätten wir also auch abgehakt, Murray Head wäre stolz auf uns. Praktischerweise bringt einen eine Fähre für 5 Baht über den Fluss und direkt vor den Eingang von Wat Arun.

Die Tempelanlage Wat Arun ist ebenfalls eine der bedeutendsten Thailands. Sie kam uns etwas kleiner vor als die von Wat Pho, war allerdings mindestens genauso beeindruckend anzusehen. Die Hitze (und auch ein wenig der Hunger) haben uns allerdings dann dazu bewegt, den Rückweg in Richtung Hotel anzutreten. Dazu ging es zunächst wieder mit der Fähre über den Fluss, anschließend wollten wir einen Bus nehmen. Was bislang einigermaßen gut geklappt hat, wollte aber hier so gar nicht funktionieren, Der Bus kam und kam nicht. Weder unsere Linie noch sonst irgendeine. Also hatten wir keine Wahl: es musste ein Tuk Tuk her. Die Strategie: Preis gesagt bekommen, niedrigeren Preis nennen, abgelehnt werden, weg gehen, zurückgerufen werden – und die klappte beim ersten Versuch! Für 150 Baht wurden wir dann mittels Tuk Tuk zum Hotel gefahren. Ob der Fahrer immer so irre fährt oder nur, weil er frustriert war, nicht besser von uns entlohnt zu werden, werden wir wohl nie erfahren. Aber wir haben es überlebt.

Ein feuriges Essen und ein extrem nasser Abend

Nach dem anstrengenden Touri-Tag (der Schrittzähler meldete sich mehrfach und gratulierte uns zum Erreichen der täglichen Laufvorgabe) sollte es natürlich noch etwas zu essen geben, diesmal außerhalb des MBK Center Food Courts. Allzu wählerisch darf man aber nicht sein, wenn man in Bangkok nach „günstig“ und „vegetarische Optionen“ filtert, denn hier gibt es eigentlich alles nur mit chicken, beef und sea food. Das Restaurant, das wir fanden, war klein und gemütlich – und hatte das schärfste Essen der Welt. Zumindest für uns. Wir haben nach zwei Bissen nichts mehr geschmeckt und uns blieb nichts anderes übrig, als den brennenden Schmerz mit kühlem Bier zu löschen (wir sind arm dran).

Am nächsten Tag hieß es bye bye 5-Sterne-Hotel und nice to meet you sterneloses Hostel. Wir tauschten einen riesigen roof top Pool im 8. Stockwerk gegen ein kleines Wasserloch zwischen Hostel und Nachbarhaus. Liest sich aber schlimmer als es ist, denn das Tepbunthom Hostel nahe der Khaosan Road war urgemütlich. Hier haben wir eine weitere Nacht in Bangkok verbracht, um uns einmal die berühmte Khaosan Road zu geben (und um einiges an Geld zu sparen…).

Die Khaosan Road gilt schon lange als der typische Backpacker-Treff Bangkoks. Hier reihen sich Bars an Cafes an Hostels und Clubs. Besonders in den Abendstunden soll hier die Post abgehen. Das wollten wir zumindest einmal gesehen haben. Da wir relativ früh im Hostel waren, haben wir uns zuerst die allgemeine Umgebung angeschaut. Das Viertel, in der die Khaosan Road liegt, wirkte eher gemütlich im Vergleich zur Umgebung rund ums MBK Center. Allerdings schlug hier bald das Wetter um und wir sind nur durch viel Glück, einem freundlichen Mann der uns einen Schirm geliehen hat und einem Loch in den Wolken trocken zurück ins Hostel gelangt. Der Plan war, irgendwo auf oder nahe der Khao San Road zu essen und dann einmal über die Straße zu spazieren. Während wir aßen zeigte sich allerdings erstmals die Monsunzeit in ihrer vollen Pracht. Es goss wie aus Kübeln. Wir saßen zwar unter einem Dach, aber haben irgendwann beschlossen, dass wir ja eh irgendwann weg müssen und es in den kommenden Stunden vielleicht auch nicht weniger nass werden würde. Also wurde der Plan durchgezogen und wir sind im strömenden Regen über die Khaosan Road marschiert. Was sollen wir sagen. Es war ziemlich nervig. Bar neben Bar und jede wollte mit ihrer Musik die andere übertönen. Da wir eh satt und schon komplett durchnässt waren, zog es uns auch nirgendwo rein. Spätestens als man das Wasser in den Schuhen spürte, wollte man zurück ins Hostel und raus aus den Klamotten. Khaosan Road – offiziell der Backpackertreff schlechthin, für uns aber eher eine übertrieben nervige Kneipenstraße.