Sehr touristisch und trotzdem cool: Ein paar Tage Tulum
Per Kleinbus ins Touri-Zentrum
Nach vier Tagen Mahahual hieß das nächste Ziel Tulum. Viel größer, viel bekannter, viel touristischer. Wir waren trotzdem gespannt drauf – auch wieder auf die Seegrasproblematik vor Ort, denn die sollte in Tulum noch viel schlimmer sein und dem Tourismus entsprechend noch mehr zusetzen als im beschaulichen Mahahual. Diesmal klingelte der Wecker für die Weiterreise nicht früh morgens. Im Gegenteil. Wir konnten, obwohl offizieller Check-out um 11, noch bis 15 Uhr in unserem Airbnb bleiben. Sehr praktisch, wenn der Bus erst um 15:30 fährt. Early check-in, late check-out und das in einer so schönen Wohnung – eine bessere Kombination hätten wir nicht finden können. Ein wenig traurig aber trotzdem gespannt auf das, was als nächstes kommt, ging es zurück ins Dorf und zur Bushaltestelle, ein letztes Mal begleitet vom so bekannten und leider immer noch ziemlich widerlichen Geruch des Seegrases vor Ort. Auch für diese Fahrt wartete nochmal ein Kleinbus auf uns, der uns in zweieinhalb Stunden nach Tulum brachte.
Von der ADO-Haltestelle in Tulum waren es knappe zehn Gehminuten bis zu unserer neuen Unterkunft, dazu unten mehr. Die restliche Tages- bzw. Abendgestaltung war eher schlicht, schließlich war es schon dunkel. Tulum selbst sollte sich eigentlich noch bis zum nächsten Tag gedulden müssen, von uns begutachtet zu werden. Am Ende war doch eine halbe Stadtbesichtigung notwendig, bis wir einen funktionierenden Geldautomaten fanden. Die Orte können anscheinend noch so groß, modern und belebt sein, Geldautomaten bleiben eine schüchterne Spezies in Mexiko. Aber irgendwann hatten wir einen erwischt und mit einer großen Portion Bargeld (wer weiß, wann und wo wir den nächsten finden würden) ging es ins El Takazo Jr. für unsere ersten echt mexikanischen Tacos mit Nachos und Guacamole. Spätestens jetzt waren wir auch kulinarisch so richtig in Mexiko angekommen.
Wohnen mit Stil
Auch in Tulum haben wir uns für eine Wohnung am Stadtrand entschieden. Die Hotelzone am Strand war eh außerhalb unseres Budgets und die Hauptstraße in Tulum-Stadt ist nicht gerade für ihre ruhige Lage bekannt, weder was den Verkehr noch den Strom an Menschen betrifft. Unsere Unterkunft lag aber nur wenige Minuten von dieser Hauptstraße entfernt und stellte sich nicht nur wegen der guten Lage als absoluter Glücksgriff heraus. Casa Luz erscheint im ersten Moment vielleicht als eher unpassender Name für eine Unterkunft, deren Zimmer fast ausschließlich Fenster in einen Innenhof haben, tatsächlich waren die Zimmer aber nicht nur hell genug, sondern auch wirklich schön und stilvoll eingerichtet. Die Küche hätte ein bisschen besser ausgestattet sein können, ansonsten hatten wir aber nichts zu meckern. Highlight war das riesige Bett, mit Abstand das gemütlichste Bett unserer gesamten Reise. Hatten wir kurz zuvor noch das Apartment in Mahahual zur schönsten Wohnung erklärt, hatte sie den Titel jetzt leider schon wieder verloren. Wir hatten sogar noch ein zweites Stockwerk mit einem weiteren Bett. Und ruhig war es auch, denn erstens ging unser Zimmer nicht zur Straße raus, zweitens hatten wir keine Nachbarn, da von den insgesamt sechs Zimmern höchstens drei gebucht waren. Kleines i-Tüpfelchen war der Dachpool, den wir immer ganz für uns alleine hatten. Ein wirklich toller und schöner Ort mitten im hektischen Tulum – eine bessere Wahl hätten wir für die kommenden fünf Nächte nicht treffen können.
Wenn der Einkauf zum Highlight wird
Nicht nur die Wohnung hatte uns ziemlich angetan, auch die Aussicht auf einen ganz normalen Einkauf in einem ganz normalen Supermarkt weckte eine gewisse Vorfreude. Was für uns eigentlich selbstverständlich ist, war hier eine absolute Sehnsucht, denn im Grunde waren wir seit Hawaii und Phnom Penh nicht mehr in einem richtigen, für uns normalen Supermarkt mit entsprechendem Angebot gewesen (mit einer Ausnahme in Flores). In Tulum sollte diese Sehnsucht endlich wieder gestillt werden. Dafür war uns auch ein zwanzigminütiger Fußmarsch durch das heiße Tulum nicht zu weit. Außerdem gab es so einen ersten Eindruck von der Stadt im Tageslicht gratis dazu. Der Supermarkt hielt anschließend auch das, was er versprochen und wir uns erhofft hatten. Zwar haben wir in den kommenden Tagen und Wochen noch deutlich bessere gefunden, aber in dem Moment waren wir wie im Schlaraffenland. Das rächte sich leider hinterher, denn dann stand uns der zwanzigminütige Fußmarsch in die andere Richtung bevor. Nur jetzt halt mit sehr vielen Einkäufen im Schlepptau…
Downtown Tulum
Auch wenn Tulum wirklich ziemlich touristisch ist und nach Cancún der zweitbeliebteste und meistbesuchte Ort in Yucatan zu sein scheint, hat es uns hier überraschend gut gefallen. Die Touristen verteilen sich ziemlich gut, die Fußwege sind zur Abwechslung mal nicht nur vorhanden, sondern sogar gut und breit – sogar Fahrradwege gibt es hier – und entgegen unserer Erwartungen war es erstaunlich ruhig auf der Hauptstraße. Man konnte hier sowohl tagsüber als auch in den frühen Abendstunden entspannt seine Wege gehen, in die Läden gucken und hatte die Qual der Wahl zwischen endlos vielen Restaurants. Unsere Wahl fiel einmal auf das vegane La Hoja Verde für sehr leckere Burger. Für uns hat Tulum auf jeden Fall einen besseren Ruf verdient, als es momentan hat. Die sehr große Polizei- und Militärpräsenz (teilweise fuhren große gepanzerte Pickups mit einer Handvoll bewaffneter Polizisten oder Soldaten über die Hauptstraße) machte einem aber auch immer wieder deutlich, dass Mexiko immer noch im Kampf mit und gegen die Drogenkartelle ist, die auch nicht vor Touristenhochburgen wie Tulum Halt machen. Unsicher haben wir uns aber nie und nirgendwo gefühlt. Im Gegenteil. Tulum wird uns auf jeden Fall positiv im Gedächtnis bleiben. Genau wie die Erkenntnis, dass „touristisch“ zwar mittlerweile oft negativ konnotiert ist, für uns aber ganz klar auch sehr positiv sein kann. Touristische Infrastruktur hat eben doch so seine Vorteile.