Cenoten, Ruinen, Strände und viel Seegras: Fahrradtour durch Tulum
Die Maya-Stätte von Tulum
Neben der Stadt Tulum, die sich von unserer Unterkunft aus wunderbar zu Fuß erkunden ließ, wollten wir auch das Umland nicht unbesucht lassen. Das hat nämlich auch einiges zu bieten und zu allen größeren Sehenswürdigkeiten fahren von überall her Sammeltaxen, aber auch richtige Shuttlebustouren ab. Wir haben uns für die sowohl ökologisch als auch ökonomisch wertvollste Lösung entschieden und uns in einem der zahlreichen Fahrradverleihe zwei Räder gemietet. Bei Rentadora ML haben wir für zwei Räder für zwei Tage 38€ bezahlt, sowohl Kommunikation vorab und vor Ort waren gut und die Räder schienen auch in sehr gutem, wenn nicht sogar neuem Zustand zu sein. Damit ging es dann zunächst am Highway entlang Richtung Norden, der irgendwann zu den Maya-Ruinen von Tulum abzweigen sollte. Die zuvor gelobten Radwege waren übrigens wirklich gut, wären aber noch besser, wenn sie nicht plötzlich verschwinden oder konsequent und unsanktioniert als Parkplätze missbraucht würden, sodass man sich plötzlich auf dem vielbefahrenen Highway wiederfindet. Der verwöhnte Münsteraner schüttelt den Kopf.
Umso besser ist die Infrastruktur aber, sobald man den Highway Richtung Osten verlässt und sich der Küste nähert. Hier gibt es wieder vernünftige Fahrradwege und wenig bis keinen Autoverkehr. Die vielen Stände am Straßenrand, die Essen und Souvenirs verkaufen, sahen vielversprechend aus, wir sind aber direkt bis zum Parkplatz zu den Ruinen gefahren. Der Eintritt zu den Ruinen kostet etwa 5€ pro Person (90 Pesos, die passend bezahlt werden müssen, weil kein Wechselgeld vorhanden sei…was wiederum nicht stimmen kann, wenn jeder mit Kleingeld zahlen muss, aber egal), dafür bekommt man dann aber auch eine große und gut erhaltene Maya-Stadt zu Gesicht, bei der man sich (im Gegensatz zu anderen Tempelanlagen, die wir uns bislang angeschaut hatten) richtig gut vorstellen konnte, wie hier früher das alltägliche Leben aussah. Die Maya haben hier außerdem ein gutes Auge für die Lage bewiesen, denn von der Ruinenstadt aus hatte man nicht nur einen weiten Blick über das Gelände, sondern auch auf das Meer. Der kleine Strand, zu dem man vom Gelände aus über eine Treppe Zugriff hat, war leider gesperrt. Die genauen Gründe dafür, kennen wir nicht, die Mengen an Seegras hätten uns aber auch nicht wirklich motiviert, die ganzen Stufen bis nach unten zu laufen. Den Gestank hatten wir aus Mahahual noch gut genug in Kopf und Nase.
Playa Paraiso im Sargassum-Würgegriff
Im Prinzip kann man sich sehr lange auf dem Ruinengelände aufhalten, es gibt viel zu entdecken und viele Orte zum Verweilen. Uns hat ein Rundgang gereicht und nachdem wir uns beim kleinen Shop am Eingang mit Wasser ausgestattet hatten (es war mal wieder verdammt heiß), ging es für uns weiter die kleine Küstenstraße entlang bis zum Playa Paraiso. Dieser und weitere Strände bei Tulum galten lange als die schönsten Strände Mexikos, sind mittlerweile aber auch Opfer von Seegras geworden. Vom Parkplatz (sogar mit Fahrradständern!) bis zum Strand bekommt man einen Eindruck davon, wie schön es hier normalerweise ist. Am Strand holt einen dann die Realität ein und das Seegras zeigt sich in seiner vollen Pracht. Wenn auch nicht in ganz so gigantischen Massen wie in Mahahual, hier wird deutlich mehr dafür getan, das Seegras verschwinden zu lassen. Kein Wunder, denn die Strandpromenade hier ist gesäumt von teuer und teilweise nobel aussehenden Strandbars und Hotels. Und dementsprechend mehr los war hier im und am Wasser. So richtig zum Sonnen oder Baden hat das Wasser dennoch nicht eingeladen, denn das Seegras, das noch nicht entfernt oder bis zur Küste geschwemmt war, verfärbte das sonst so blaue Wasser in eine braune Suppe, durch die wir jetzt nicht unbedingt durchlaufen wollten. Die Strandbars, die gerne mit Liegen und Cocktails an uns verdient hätten, gingen so leider leer aus. Wir hingegen waren um eine Erfahrung reicher: Selbst an Stellen, an denen genug Geld für die Beseitigung des Seegrases vorhanden ist, reicht die Symptombekämpfung längst nicht mehr aus. Es muss dringend etwas passieren, wenn hier in den kommenden Jahren noch mit Tourismus gerechnet werden will.
Ein noch besserer Supermarkt
Vom Strand aus ging es eine sehr lange und trockene Straße entlang zurück Richtung Tulum-Stadt. Hier gab es neben viel Staub vor allem eins: Baustellen. Riesige Resortkomplexe werden hier aus dem Boden gestampft und jedes Bauprojekt wirbt mit dem ultimativen Luxus. Guckt man sich die Gegend auf Google Maps an, kann man erahnen, wie viel Waldfläche schon für diese Hotels weichen musste und wie viel noch weichen muss. Die Hotels werden sicher cool, keine Frage, aber ob es das braucht – gerade hinsichtlich der Seegrasproblematik – ist die andere Frage. Kurz bevor das städtische Tulum wieder in Sicht kommt, kommt man am Selecto Chedraui Tulum, dem größten Supermarkt der Region vorbei. Klar, dass wir uns den auch nicht entgehen lassen haben. Waren wir schon vom letzten Einkauf begeistert, war das nochmal eine ganz andere Hausnummer. Bäckerei, Frischetheken, riesige Auswahl an Gemüse und veganen Sachen, ein begehbares Kühlhaus voller Bier und sogar frischer grüner Spargel. Da kippt der Deutsche doch direkt aus den Sandalen. Wir nicht, aber das Bier haben wir trotzdem gerne mitgenommen. Und so einige andere Sachen auch. Der Supermarkt konnte jedenfalls locker mit modernen, europäischen Supermärkten mithalten. Daumen hoch!
Ein Ausflug zur Cenote Santa Cruz
Über Nacht konnten wir die Räder zum Glück im Innenhof unserer Unterkunft abstellen. Am Straßenrand hätten wir so neue Räder nur sehr ungerne abgestellt. Für den zweiten Tag haben wir uns vorgenommen, eine Cenote zu besuchen, vor denen es um Tulum herum nur so wimmelt. Es gibt große, kleine, tiefe und flache Löcher, welche mit Rutschen, mit Angeboten für Kinder, mit großen Restaurants und Wellnessangeboten… Die Entscheidung fiel uns daher nicht leicht, am Ende ist es die Cenote Santa Cruz geworden. Die ist eher klein und hat uns mit ihren Fotos und einem eher noch moderaten (und trotzdem schon hohen) Eintrittspreis von 15€ pro Person überzeugt. Und damit, dass sie gerade noch so mit dem Rad zu erreichen war. Etwa 20 Minuten sind wir am staubigen Highway entlanggefahren, leider ohne Fahrradweg und daher immer mit einer Spur Angst im Nacken, vom nächsten LKW überrollt zu werden. Gibt es das Wort Überholabstand auf Spanisch? Bei unserer Ankunft war der Parkplatz noch ziemlich leer – und wir die einzigen, die mit dem Fahrrad angereist sind, was uns nach der Strecke nicht großartig gewundert hat. Dafür hatten wir die Cenote jetzt fast für uns alleine. Am Eingang bekam jeder ein Bändchen und eine kurze Einweisung – in keiner Cenote ist beispielsweise Sonnencreme erlaubt bzw. eine Dusche vor dem Schwimmen Pflicht, damit das so saubere Wasser inklusive seiner Bewohner nichts von möglichen Schadstoffen abbekommt. Schwimmwesten sind auch oft Pflicht, bei der Cenote Santa Cruz aber optional – was wir eigentlich gut fanden, denn die Dinger sind oft unbequem und schnüren einen so komisch ein. Wir suchten uns anschließend zwei Liegen aus und bewunderten dann erstmal von oben das Wasser. Das ging auch jedem neuen Gast so, der zur Cenote kam: Als erstes wurden Fotos vom Wasser gemacht. Denn das hatte auf jeden Fall wieder ein neues Level des Prädikats „kristallklar“ erreicht. Das Wasser war so durchsichtig, dass man nicht wusste, ob es 3 cm oder 3 m tief war (vielleicht gerade deshalb stand überall die Wassertiefe angeschrieben). Die Temperatur war auch sehr angenehm, vor allem für unsere vom Radfahren erhitzte Körper. Wir haben es hier gut mehrere Stunden ausgehalten, sind immer mal wieder ins Wasser gesprungen und haben auf den Liegen entspannt. Und damit wären wir auch schon beim einzigen Kritikpunkt: Die Liegen sind aus Holz und steinhart. Auflagen Fehlanzeige. Und durch die großen Abstände zwischen den Brettern, auf denen man liegt, drückte einem immer irgendwo ein Stück Holz in den Rücken. Das und die Tatsache, dass sich die Cenote zum Nachmittag hin dann doch deutlich füllte, verleiteten uns dann irgendwann zum Aufbruch. Nach so viel Erfrischung und Entspannung zog sich der Weg am Highway entlang leider deutlich länger als noch auf dem Hinweg, aber irgendwann schafften wir es dann doch zurück zur Unterkunft. Zwei Nächte und einen ganzen Tag hatten wir nach unserer Tour noch Zeit, Tulum und unser schönes Zimmer zu genießen. Vor allem letzteres (inklusive Dachpool) taten wir dann auch in vollen Zügen.