Mahahual: Traumhafter Ort im Wandel der Zeit

Nach sechs Nächten in Bacalar war es Zeit für unser nächstes Ziel. Auch wenn wir es dort locker noch länger ausgehalten hätten und (mal wieder) den Wecker verfluchten, der für unsere Verhältnisse (mal wieder) viel zu früh klingelte. Das war vor allem der Tatsache geschuldet, dass von Bacalar nach Mahahual nur ein Bus am Tag fuhr, leider schon um 9:30. Oder, anders ausgedrückt: Es hätte sicherlich viele Busse und Transportmöglichkeiten gegeben, wir haben in Mexiko aber konsequent die ADO-Busse genutzt, die luxuriösesten und somit hochpreisigen, aber immer noch sehr günstigen und vor allem komfortablen Reisebusse in Mexiko (sowohl was das Sitzen und Fahren selbst als auch das entspannte Ticketbuchen via Webseite oder App angeht). Die ADO-Bushaltestelle war eine kurze Taxifahrt von unserem Airbnb entfernt, dort mussten wir dann noch eine gute halbe Stunde warten. War aber ok, denn es gab einen richtigen Wartebereich samt Ticketschalter. Wären wir aus Europa gekommen, hätten wir das hier als eher schäbige Wartehalle beschrieben, nach zahlreichen unberechenbaren Busfahrten in Costa Rica und Belize war das für uns eher ein höchst bequemes und gut organisiertes Busterminal.

Unser Bus war eher ein kleiner Minivan, das liegt aber auch daran, dass Mahahual kein Durchreiseort ist, sondern eher eine Sackgasse, die Busse hier her sind also eher Shuttle und haben keine Durch- bzw. Weiterreisepassagiere an Bord. Trotzdem war die Fahrt sehr entspannt. Bequeme Sitze, Klimaanlage…ein Traum! Zwei Stunden später waren wir in Mahahual, wo wir uns erstmal eine Sitzgelegenheit in einem Café suchten. Es war erst 11 Uhr und der Check-in ins Airbnb war für 15 Uhr angesetzt. Wir stellten uns also gerade auf eine längere Pause ein, als wir die Nachricht bekamen, schon um 12 einchecken zu können. Noch ein Traum! Und der dritte Traum war dann die Wohnung selbst. Groß, hell, freundlich, mit separatem Schlafzimmer, sehr gut ausgestatteter Küche, guter Dusche, Klimaanlage und sogar einem eigenem Garten samt Waschmaschine. Bis dahin definitiv unsere schönste Unterkunft, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Lage am Dorfrand, weit genug weg von der Strand- und Hotelzone, aber nah genug dran für einen Spaziergang dorthin. Und trotz einer kleinen Überschwemmung dank eines heftigen Regenschauers, der das halbe Dorf nachhaltig unter Wasser setzte. Man hätte sich glatt ärgern können, dass wir nur vier Nächte bleiben würden. Wir haben sie deshalb so gut es geht genutzt, lange geschlafen, gefrühstückt, gekocht und mal wieder Pizza bestellt. Rausgegangen sind wir natürlich trotzdem, einerseits zum Einkaufen (was hier ähnlich anstrengend ist wie in Bacalar, richtige Supermärkte sind nämlich hier Mangelware), andererseits natürlich, um Mahahual selbst zu sehen. Das Dorf ist nämlich viel zu schön, um es sich nicht mindestens einmal anzuschauen. Trotz der bereits von uns erwarteten Missstände vor Ort…

Ein Stranddorf wie im Traum…

Mahahual ist eigentlich nur ein kleines Dorf im Süden von Yucatan, hat aber inzwischen auch den Tourismus für sich entdeckt. Mittlerweile gibt es eine große Strandpromenade voller Strandclubs und Restaurants, zahlreicher Hotels mit Pools und Meerblick und nördlich des Dorfes sogar einen eigenen Kreuzfahrthafen. Angeblich ist auch ein eigener Flughafen geplant, womit spätestens dann aus dem Geheimtipp eines abgelegenen Stranddorfes eine schnell wachsende (und womöglich oft überfüllte) Touristendestination werden wird. Bei unserem Besuch war Mahahual vergleichsweise leer, trotz Wochenende, was immerhin einige Bewohner Mahahuals oder des Umlands zu den Strandclubs gelockt hatte. Die wirklich schöne Strandpromenade konnten wir an manchen Stellen sogar fast alleine genießen, nur an wenigen Stellen, an denen besonders viele Restaurants und Hotels aufeinandertreffen, war es belebter und wuseliger. Wir sind sehr gerne die Promenade entlanggelaufen, haben aufs Meer geguckt, die Waren der Straßenhändler begutachtet und uns auch einmal einen Cocktail in einem der Strandclubs gegönnt. Was wir nicht gerne gemacht haben: Geldautomaten durchgetestet. Von denen gibt es hier tatsächlich jede Menge und viele freundliche Menschen zeigen einem gerne den Weg zum nächsten ATM. Was wir aber wohl immer vergessen hatten, zu erwähnen: Wir brauchen einen, der funktioniert. In ganz Mahahual haben wir keinen einzigen Geldautomaten gefunden, der nicht außer Betrieb war. Sehr förderlich für die Wirtschaft, vor allem dann, wenn fast jedes Restaurant nur Barzahlung akzeptiert. Abgesehen davon war es aber wirklich schön hier. Mahahual könnte wirklich ein kleines beschauliches Paradies sein. Das war es bestimmt auch mal.

…und seine stinkende Realität

Seit einigen Jahren ist Mahahual aber, wie zahlreiche weitere Orte an der Karibikküste, Opfer von Sargassum. Das Seegras vermehrt sich jedes Jahr mehr und trifft irgendwann auf die Küsten, wo es verrottet und anfängt erbärmlich zu stinken. Mittlerweile sind es so große Mengen, die manchmal über Nacht auf die Küsten treffen, dass man sie nicht mehr ohne weiteres – vor allem nicht ohne größere Maschinen – beseitigen und abtransportieren kann. Der Gestank ist nicht nur richtig eklig, sondern kann auch gesundheitsschädlich sein. Mal davon abgesehen, dass niemand Lust hat, durch dicke schleimige Algenteppiche ins Meer zu waten. Ein echtes Problem, wenn man Strandurlaub machen möchte. In Mahahual haben wir einen ersten, sehr guten Eindruck von der Problematik bekommen. An manchen Bereichen wurde versucht, das Seegras mit Netzen fernzuhalten, sodass wenigstens kurze Strandabschnitte sauber und begehbar bleiben. An anderen Stellen waren die Teppiche schon so groß, dass man dort nur mit zugehaltener Nase vorbeilaufen konnte. Dass Mahahual so ausgestorben wirkte, hat also womöglich vor allem mit dem Seegras zu tun. Die wenigen besuchten Strandbars haben ihre Abschnitte sauber halten können, allen anderen sind vermutlich (vielleicht auch durch Corona) die Gelder (oder die Geduld) ausgegangen. Dort war dann überall tote Hose, egal ob Hotel, Restaurant oder Massagesalon. Und da eher nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Problem in den nächsten Jahren behoben wird, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis der Tourismus hier und anderswo früher oder später komplett zusammenbricht. Mahahual hat mit seinem Leerstand jedenfalls schon einen bleibenden Eindruck davon hinterlassen, wie Touri-Orte an der Karibikküste in Zukunft aussehen könnten.