Chichén Itzá und viel Hitze: Sechs Tage in Valladolid

Nach ein paar schönen und entspannten Tagen auf Cozumel hieß die nächste Station Valladolid. Diesmal waren wir schlau genug, uns unsere Fährtickets vorab online zu buchen – was für die Rückfahrt aber deutlich einfacher war, denn hier wussten wir, welche Fähre wir erwischen würden. Die Fahrt war ähnlich unspektakulär wie die Hinfahrt, dafür aber nur halb so teuer. Am Anleger hatte sich inzwischen so viel Seegras gesammelt, dass wir froh waren, nicht in Playa del Carmen Station gemacht zu haben. Der Ort an sich erinnerte uns ein wenig an Tulum, wenn Stadt und Strandzone zusammengelegt würden. Schöne, aber sehr touristische Flanierstraßen, Einkaufszentren voller bekannter Marken, alles direkt am Strand. Die leider wegen Sargassum völlig ungenießbar schienen, sehr zum Leidwesen zahlreicher Touristen, die sich in den Hotelburgen der Stadt eingebucht hatten. Auch hier schien die Masse an Seegras längst jede Anstrengung, Herr drüber zu werden, zunichte gemacht zu haben. Die Stunde Wartezeit zwischen Fähre und Bus haben wir ganz im Sinne der touristischen Ausrichtung des Ortes für Kaffee bei Starbucks und Burger bei McDonalds genutzt. Dann ging es mit dem nächsten ADO-Reisebus und der nächsten Salve laut aufgedrehter Filme über Tulum nach Valladolid.

Ein deutlicher Raumgewinn

Dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt nach Valladolid, während der Fahrt haben wir jedoch festgestellt, dass wir eine Zeitzone passierten und eine Stunde gewonnen hatten. Das passte uns sehr gut in den Kram, weil wir vor Ort nicht – wie immer – erstmal einkaufen mussten, sondern die Wäsche auch mal weggebracht werden wollte. Nach dem Check-in in unsere Wohnung (wieder am Stadtrand) war also erstmal Arbeit angesagt. Nicht nur für uns, sondern auch für die Klimaanlage, denn draußen waren es 36 Grad, die wir nur ungern in die Wohnung lassen wollten. Bis auf die anfängliche Hitze war die Unterkunft aber schön. In einer modernen und gepflegten Anlage gelegen hatten wir eine kleine Wohnung im Obergeschoss mit separatem Schlafzimmer und großer, gut ausgestatteter Küche. Das Wohnzimmer war zwar nicht so der Hit und die Möbel waren alles andere als zum Faulenzen geeignet, sodass wir das meistens ins Bett verlagern mussten, dafür konnten wir uns hier mal wieder richtig ausbreiten. Und durch den praktischen Fahrradverleih der Apartmentanlage waren wir direkt mobil und bereit für Supermarkt und Waschsalon. Am Ende war es ein sehr effizienter erster Tag in Valladolid. Die meiste Zeit würden wir hier weniger erleben und erledigen und uns viel ausruhen. Ein Ausflug gehört in Valladolid aber im Grunde zum Pflichtprogramm.

Schwitzen in Chichén Itzá…

Valladolid ist an sich ein ganz nettes Städtchen, viele (inklusive uns) kommen aber vor allem wegen Chichén Itzá in oder in die Nähe der Stadt. Chichén Itzá ist eine der bedeutensten Maya-Stätte Mexikos, ist seit 1988 Weltkulturerbe und gilt als modernes Weltwunder. Hier sind besonders viele Gebäude noch gut erhalten oder werden durch die UNESCO-Gelder gut in Stand gehalten oder restauriert. Viele kommen sogar extra zur Besichtigung der Anlage mit Bussen aus Tulum oder Cancún oder sogar von Kreuzfahrtschiffen aus umliegenden Häfen angereist. Um diesen Massen zu entgehen, startet man am besten früh morgens aus Valladolid (wenn man nicht ein Hotel direkt an der Stätte hat, von denen es auch viele gibt). Deshalb hieß es für uns leider mal wieder: früh aufstehen. Denn nicht nur dem Strom an Tagestouristen entgeht man durch einen frühen Besuch, auch die Hitze ist dann noch halbwegs gnädig. Für Valladolid als Ausgangspunkt für Chichén Itzá spricht außerdem die bequeme und spottbillige Anreise. Vom Stadtzentrum aus fahren Sammeltaxen regelmäßig zur Ruine und zurück und pro Fahrt sind gerade einmal 2 Euro fällig. Tickets kauft man direkt vor Ort, wir haben uns für ein Kombiticket aus Transfer zur Ruinenstätte sowie zu einer nahegelegenen Cenote entschieden.

40 Minuten dauert die Fahrt von Valladolid nach Chichén Itzá. Wer wie wir das erste Sammeltaxi des Tages erwischt, erreicht den Parkplatz und den Eingang noch vor der Öffnung der Anlage um 8:00. Wir waren somit unter den ersten Gästen, die die Stätte betreten konnten. Neben dem Eintrittspreis von nicht gerade wenigen 25 Euro kam für uns noch eine kleine Gebühr für unsere Kamera dazu, ohne die wir keine offizielle Filmerlaubnis gehabt hätten. Das erste Gebäude, auf das man nach dem Eingang zuläuft, ist direkt das imposanteste der ganzen Ruinenstadt. El Castillo ist eine große quadratische Stufenpyramide, die sehr gut erhalten ist (oder wird). Allein hier haben wir super viele Fotos gemacht, denn das Ding ist echt fotogen. Anschließend ging es an weiteren Tempeln, zwei Cenoten und sogar einer alten Sternwarte mit typischer Kuppel vorbei. Die Anlage ist echt groß und beeindruckend und wäre die Hitze nicht gewesen (und wir vielleicht etwas kulturell und historisch interessierter), hätte man hier mehrere Stunden verbringen können. Wir sind am Ende aber „nur“ einmal durch die Anlage gelaufen und waren nach zwei Stunden durch – und gar. Eine Sache, die wir so gar nicht erwartet haben und noch in keiner Tempelanlage zuvor gesehen hatten, war die Masse an Händlern, die hier die typische Touri-Ware verkauften. T-Shirts, Magnete, kleine Tempelabbilder, Postkarten, Kleider, Masken… Wir hatten noch das Glück, dass die meisten Händler ihre Stände noch aufbauten, während wir durch die Anlage spazierten. Vermutlich spekulieren die aber auch eher auf die Kaufkraft der Reisegruppen, denen wir mit unserer frühen Tour zuvorgekommen sind. Begegnet sind wir ihnen trotzdem noch, denn als wir die Anlage durch den Ausgang verließen, knubbelten sich jede Menge Menschen am Eingang. Die Flut an Besuchern konnten wir bei unserem Frühstück (gute, aber sehr teure Tacos) dann noch eine Weile beobachten und waren spätestens jetzt froh, so früh angereist zu sein. Der Parkplatz, der bei unserer Ankunft fast leer war, war jetzt brechend voll, Stau am Eingang inklusive. Zum Glück hat uns ein Mitarbeiter der Sammeltaxen abgefangen und uns zur Stelle geführt, an der wir auf das nächste Colectivo warten konnten. Chichén Itzá war wirklich sehenswert und auch, wenn wir uns immer noch ein bisschen ruinenmüde gefühlt hatten, waren wir im Nachhinein froh, es deshalb nicht ausgelassen zu haben. Ein Weltwunder kriegt man ja schließlich nicht überall und jeden Tag zu sehen.

…und Abkühlung in der Cenote Ik Kil

Für die meisten anderen im Sammeltaxi ging es zurück nach Valladolid, wir ließen uns bei der Cenote Ik Kil rausschmeißen. Eine Abkühlung hatten wir jetzt definitiv verdient und auch nötig. Wie bei unserem ersten Cenotenbesuch gab es hier eine gute Infrastruktur inklusive Umkleiden, Duschen, Schließfächern und Restaurants. Anders als die Cenote Santa Cruz war diese Cenote aber wirklich ein tiefes dunkles Loch. Allein der Blick von oben runter zum Wasser war beeindruckend. Außerdem war hier Schwimmwestenpflicht, was bei einer Wassertiefe von 40 Metern irgendwie verständlich ist. Bis zum Wasser müssen einige Stufen überwunden werden, dann kann man wahlweise über Leitern ins Wasser steigen oder direkt reinspringen. Eine Abkühlung war es auf jeden Fall, es war sogar ziemlich frisch. Und auch wenn es ziemlich voll war: Mitten in der Cenote wie ein Otter auf dem Rücken zu treiben und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen hatte was. Aber da sich wenig Bewegung und kaltes Wasser nicht gut vertragen, mussten wir auch schon bald wieder raus. Und so verlockend es gewesen wäre, hier noch ein bisschen zu verweilen, noch verlockender war ein kleiner Mittagsschlaf in unserer Wohnung. Den hatten wir uns nach dem Wecker um 5:30 irgendwie auch verdient.

Heißes schönes Valladolid

Valladolid war unsere erste (und einzige) Station in Mexiko ohne direkten Zugang zu einem Gewässer. Die Stadt liegt zentral im nördlichen Teil der Hauptinsel und war während unserer Woche auch noch besonders heiß. Die Sonne knallte jeden Tag gnadenlos auf uns nieder und lange draußen waren wir hier nie. Trotzdem ist die Stadt ganz schön, taucht in vielen Reiseführern auf und hatte zumindest auf dem Papier genug zu bieten, dass wir uns auch einmal aufrafften, und uns mit den Rädern durch die brütende Hitze ins Stadtzentrum schleppten. In Valladolid kann man erstaunlich gut Fahrradfahren. Verkehr ist zwar vorhanden, aber fühlt sich bei weitem nicht so bedrohlich an, wie wenn in Tulum LKWs direkt neben deinem Kopf an dir vorbeibrettern. Für uns war eher die Hitze das Problem. Und vielleicht, dass es in Valladolid so viel dann doch nicht zu sehen gibt. Ein erster Stopp beim Marktgebäude hat sich als Flop herausgestellt, was aber vermutlich auch daran lag, dass wir mal wieder viel zu lange getrödelt hatten und 14:00 einfach keine Marktzeit mehr ist. Bis auf ein paar halbleere Stände und dem vermutlich dauerhaft über allem schwebende Geruch nach nicht mehr so frischem Fleisch haben wir hier jedenfalls nichts mehr vorgefunden. Schöner war da schon der zentrale Platz von Valladolid mit kleiner Parkanlage, Schattenplätzen und schönem Blick auf die Kathedrale der Stadt. Anschließend ging es zur kleinen Straße Calzada de los Frailes, die die Innenstadt von Valladolid mit dem Konvent des Heiligen Bernhard, einer alten Klosteranlage, verbindet. Tatsächlich könnte die Straße mit ihren kleinen bunten Häuschen und den hübschen Cafés sehr schön sein. Schöner wäre es, wenn sie nicht halb als Parkplatz dienen würde. Schöne autofreie Fotos zu schießen und dabei nicht von weiteren Autos überfahren zu werden war hier schon eine Herausforderung. Die Klosteranlage am Ende der Straße war auch eher ein Fall von „hat man das auch mal gesehen“ – zumindest für Kulturbanausen wie uns. Deshalb ging es danach wieder zurück zum zentralen Platz. Hier gab es mit dem Marquesita noch eine kulinarische Spezialität aus Yucatan. Ein Marquesita ist im Grunde ein Crepes mit einer harten Waffel. Unsere Variante war mit Banane und Nutella gefüllt und von dem Stand, der, wenn man Google und Reiseblogs glauben will, die besten der Stadt macht. War auf jeden Fall lecker und eine verdiente Stärkung nach unserer Sauna-Tour. Die größte Belohnung wartete für uns Stubenhocker aber wieder Zuhause: Bewegungsarmes Abhängen in der klimatisierten Wohnung. Schöne Dinge müssen nicht immer kompliziert sein!