Rom Teil 1: Ankunft in der ewigen Stadt
Unser letzter Weltreiseflug
Drei Wochen Marokko lagen hinter uns. Der Abschied fiel uns aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht besonders schwer. Auch wenn wir in jeder Stadt viele schöne Ecken entdeckt haben und wirklich von uns behaupten können, ein wenig in die Kultur eingetaucht zu sein, haben wir leider auch überall mindestens einmal ein wenig unwohl gefühlt haben – sei es, weil man unser Geld wollte oder aber die Stimmung irgendwie komisch war. Andererseits hatten wir zuvor in Portugal festgestellt, wie schön und komfortabel Europa ist und wie sehr es sich nach Zuhause anfühlt. Das und gleichermaßen die Aussicht auf Italien und generell Europa haben uns ein bisschen auf unser nächstes Ziel hinfiebern lassen. Den Start haben wir aber wieder mal verflucht, denn wie so oft verleiteten die günstigeren Preise dazu, sehr früh morgens zu fliegen. Um 6 Uhr sollte unser Flieger nach Rom abheben, um 3:15 standen wir dafür vor unserem Apartment bereit zur Abholung. Wir haben uns nach den letzten Taxierfahrungen (und der Ungewissheit darüber, ob wir so früh überhaupt schon spontan eins kriegen würden) für einen privaten Fahrer entschieden, der uns zum Glück pünktlich und zuverlässig abholte und in Rekordzeit über die leeren Straßen zum Flughafen von Fés brachte, der eine halbe Stunde südlich der Stadt liegt.
Der Flughafen war schon deutlich belebter als die Straßen, trotzdem waren wir schnell durch mit Gepäckabgabe und Sicherheitskontrolle. Und dann war er tatsächlich da, der allerletzte Flug unserer Reise, zur Feier des Tages ein klassischer low-budget-Flug mit Ryanair. Auch wenn wir echt oft geflogen sind und man meinen könnte, dass das dann schnell zur Routine wird, waren wir irgendwie froh, dass die Fliegerei erstmal hinter uns liegen würde. Und als wir dann aus dem Fenster das Colosseum und den Petersdom erkennen konnten, wurde die Vorfreude auf die kommenden Wochen nochmal größer. Die Einreise war dank unserer Pässe wieder unkompliziert, leider aber nicht so schnell wie auf Madeira, denn einen eigenen Schalter für EU-Staaten gab es leider nicht. Danach ging es mit zwei Bussen zu unserer Unterkunft für die nächsten drei Nächte.
Ein überraschend schönes Bed and Breakfast
Unsere Nächte in Rom haben wir im B&B Da Angelica verbracht, einer kleinen Unterkunft etwa eine halbe Stunde östlich des Stadtkerns. Hier gab es nur drei Zimmer, von dem eins privat genutzt wurde. Für uns und unsere Zimmernachbarn (die wir, wenn sie überhaupt existierten, nie gesehen oder gehört haben) gab es eine große Gemeinschaftsküche mit Balkon, jedes Zimmer hatte außerdem ein eigenes Bad. Die Unterkunft war im achten Stock eines großen Wohnhauses, vom Balkon aus hatte man einen tollen Blick ins Umland und auf den Villa Gordiani Park. Ein kleines inbegriffenes Frühstück gab es eine Straße weiter im Café der Besitzer, hier haben wir jeden Morgen Kaffee getrunken und Croissant gegessen und uns dabei schon echt italienisch gefühlt. Danach konnten wir entweder mit der Straßenbahn oder der Metro in die Innenstadt fahren. Wir sind ohne große Erwartungen zu dieser Unterkunft gekommen und waren sehr positiv überrascht. Wenn nochmal Rom, dann gerne wieder hier!
Immer den Massen hinterher
Dank des frühen Fluges waren wir auch ziemlich früh in Rom. So früh, dass unser Zimmer noch gar nicht bezugsbereit war. Wir konnten zum Glück unser Gepäck schon dort abstellen und sind dann sehr spontan und planlos ins Zentrum gefahren. Wir hatten die falschen Klamotten an (es war viel wärmer in Rom als erwartet), die Kamera nicht mit und das Handy war auch fast leer. Tolle Voraussetzungen für einen ersten Sightseeing-Tag… aber was solls. So schwierig, dass man dafür Google Maps oder eine Stadtkarte braucht, ist das klassische Sightseeing in Rom dann zum Glück doch nicht gewesen. Mit der Straßenbahn sind wir zunächst so lange Richtung Zentrum gefahren, bis das Colosseum in Sicht kam. Ein guter Anhaltspunkt, fanden wir. Spätestens jetzt waren wir wirklich in Rom. Gleichzeitig kam es einem irgendwie surreal vor, so ein weltberühmtes Gebäude endlich mal in echt zu sehen. Wir haben uns an Konstantinsbogen und Colosseum vorbeigekämpft (die Menschenmassen waren hier wirklich krass) und sind dann zwischen Kaiserforen und Forum Romanum entlangspaziert. Auch hier war irre viel los, die vielen Touristen knubbelten sich hier aber nicht zuletzt deshalb, weil die Straße gesperrt und die Fußwege enger waren als sonst. Wie sich später herausstellte waren wir pünktlich zum italienischen Nationalfeiertag in der Stadt, für den einen Tag später eine Parade durch die Stadt geplant war. Gut also, dass wir diesen Teil der Stadt schon heute erkundeten, bevor hier gar kein Durchkommen mehr war. Sowohl fürs Colosseum als auch fürs Forum Romanum verzichteten wir auf Eintritt und Führung. Einerseits, um den Geldbeutel zu schonen, andererseits aber auch, weil man beides kostenlos von außen bewundern kann und beides unserer Meinung nach zu den Gebäuden bzw. Sehenswürdigkeiten zählt, die von außen besser aussehen als (vermutlich) von innen. So ging es für uns dann mit (für unsere Verhältnisse) vollem Geldbeutel weiter durch Rom. Immer den anderen Touristen hinterher. Denn denen entkam man hier genauso wenig wie der Sonne, die mal wieder drohte, Gesicht und Nacken zu verbrennen.
Zwischen Kultur und Kulinarik
Das Geld, das man sich für Eintritte spart, kann man in Rom bzw. in ganz Italien eh viel besser anderswo investieren. Nirgends haben wir besser und lieber gegessen als in Italien. Zur Feier unseres ersten Tages haben wir uns jeweils eine Portion Nudeln im Pietro al Pantheon gegönnt, einer sehr guten und empfehlenswerten Adresse unweit der namensgebenden Sehenswürdigkeit, für die wir uns hier erstmal stärkten. Hier machten wir auch unsere erste Erfahrung damit, dass Italiener das mit dem al dente bei Nudeln wirklich ernst und wörtlich nehmen, zumindest musste man die deutlich mehr kauen als wenn wir Banausen sie selbst kochen (und für deren Gargrad uns wohl jeder Italiener hinrichten lassen würde). Anschließend ging es ins Pantheon selbst – um wenigstens einmal irgendwo drin gewesen zu sein. Das Pantheon ist als Kirche immerhin kostenlos, außerdem gab es keine Schlange und wir waren sofort drin. Die Größe war von innen nochmal beeindruckender als von außen, lange aufgehalten haben wir uns hier aber nicht (nicht nur Banausen beim Essen, sondern auch bei Kunst und Kultur…). Wieder im Tageslicht mussten wir dann feststellen, dass unser schneller Besuch des Pantheons nur deshalb möglich war, weil wir uns an einer ewig langen Schlange einfach vorbeigedrängelt hatten, die wir überhaupt nicht bemerkt hatten. Tatsächlich standen die Leute einmal quer über den gesamten Platz vor dem Pantheon, um ins Gebäude zu gelangen. Ups. Fühlte sich dann irgendwie schlecht und stumpf an – gleichzeitig aber auch ziemlich clever. Würden wir wieder machen! Nach einem kurzen Besuch des Vierströmebrunnens auf der Piazza Navona waren unsere Akkus dann aber genauso leer wie die unserer Handys. Zeit für den Rückweg. Für ein kurzes Aufladen ging es dafür abends nochmal raus, für eine sehr gute und sehr günstige Pizza und sehr guten und sehr günstigen Wein. Allein dafür lohnt es sich, außerhalb zu wohnen, denn dort sind die Preise höchstens halb so hoch wie in der Innenstadt. Und mit Pizza Margherita macht man in Italien wohl nirgendwo etwas falsch. Unser erster Tag in Rom war am Ende eigentlich ein voller Erfolg. Trotz fehlenden Plans und viel Müdigkeit. Dagegen half am Ende aber vor allem eins: ein gemütliches Bett und eine gute, lange Nacht…