Road Trip Tage 9 bis 11: Auf dem Waterfall Way zum Dorrigo Nationalpark

Als wir in Armidale in unserem grünen Flitzer wach wurden, war es fast ein bisschen zu warm im Auto. Wir wurden aus einer Mischung von Hitze und Helligkeit geweckt, die Sonne schien also ganze Arbeit zu leisten. Das ist fürs im Auto schlafen vielleicht nicht optimal, trotzdem waren wir richtig froh drüber. Gerade heute und die nächsten Tage sollten wir einige sehr schöne Fleckchen Natur bestaunen können und das Wetter passte bestens! Zum Frühstück gab es zum zweiten Mal Pancakes. Nachdem uns die im Lamington Nationalpark deutlich misslungen waren, weil die Beschichtung der Grillplatze nicht existierte, sollte es heute eine Pfanne in der Campküche richten. Klappte leider auch so geht so. Vielleicht sollten wir einfach keine Pancakes mehr essen…geschmacklich gut, optisch erneut eine Vollkatastrophe. Aber satt machen die Dinger.

Heute würden wir mal wieder nicht nur Strecke machen, um irgendwo anzukommen, sondern es war mal wieder der Weg das Ziel. Der Waterfall Way verbindet Armidale mit der Ostküste und ist nicht nur eine wichtige Verbindungsstraße zwischen Hinterland und Küste, sondern auch eine der wichtigsten Touristenstraßen Australiens (und im Gegensatz zum Tourist Drive 9 auch wirklich sehenswert). Die Strecke ist von schöner Natur und, dem Namen entsprechend, vielen Wasserfällen gesäumt, wobei sich die meisten davon im und um den Dorrigo Nationalpark befinden, den wir am nächsten Tag besuchen wollten. Unser Tagesziel heute war die Stadt Dorrigo selbst und für die Fahrt dort hin haben wir uns drei größere und bekanntere Wasserfälle für Zwischenstopps und kurze Wanderungen herausgesucht. Und wir hatten wirklich Glück: der Regen hatte sich endgültig – zumindest von unserer Route – zurückgezogen, der Himmel war blau und die Sonne trocknete allmählich die Wanderwege. Ein paar Tage eher und wir wären hier durch Matsch gewatet, wenn die Wege überhaupt offen gewesen wären.

Schönheit und Kraft der Natur an den Wollomombi Falls

Die Wollomombi Falls sind ein 100 Meter hoher Wasserfall am Waterfall Way samt eigenem Park- und Picknickplatz und mehreren, gut ausgezeichneten Wanderwegen – und damit prädestiniert für einen Stopp. Den Wasserfall selbst kann man schon vom Parkplatz aus hören und sehen, aber es gibt mehrere Optionen, um noch ein wenig näher heran oder zu einer besseren Aussicht zu kommen. Wir haben uns für den Weg zum Eagle Lookout entschieden, die kürzeste Wanderung (perfekt für Wanderluschen). Schon der Weg zum Lookout war schön, man hörte nichts bis auf das Rauschen einiger kleiner Bäche. Zwei Ranger sagten uns, dass eine Brücke, die über den Wollomombi River führt, jetzt wieder begehbar sei, gestern wäre dort noch alles unter Wasser gewesen. Nach dem schönen Blick vom Eagle Lookout sind wir dann tatsächlich noch zur Brücke gewandert, auch wenn wir den kommenden Rückweg schon beim Hinweg verfluchten. Aber es hat sich gelohnt: auf der Brücke konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie es hier bis gestern ausgesehen haben musste. Die Brücke war nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel, der Fluss war ziemlich reißend. So viel Wasser rauscht hier wohl normalerweise nicht durch das Flussbett, zumindest nicht zu dieser Jahreszeit. Nachdem wir unsere faulen Körper wieder zum Parkplatz gehievt hatten, sammelten wir ein paar Reservekräfte für eine Aussichtsplattform, von der aus man nochmal einen freien Blick auf den Wollomombi Wasserfall hatte. Lohnenswerter Zwischenhalt!

Ebor und Dangar Falls

Der zweite Stopp waren die Ebor Falls, ein zweistufiger Wasserfall, allerdings mit deutlich weniger Infrastruktur drumherum. Zwei Parkplätze, ein Weg, der am Fluss entlang- und schließlich zu den Ebor Falls führt, das wars. Schön ist der Wasserfall dennoch, besonders dann, wenn man so nah es die Absperrungen zulassen ran geht. Dann bekommt man sogar ein bisschen Nieselregen vom Wasserfall ab – als ob wir davon nicht schon genug gehabt hätten… Der Stopp war weitaus weniger spektakulär als der erste, aber da man dafür keinen Umweg in Kauf nehmen muss, trotzdem irgendwie empfehlenswert.

Zuletzt machten wir Halt an den Dangar Falls. Die liegen ein paar Autominuten nördlich von Dorrigo und sind DAS Ziel für Leute, die sich am liebsten gar nicht bewegen und trotzdem was sehen wollen. Quasi die US-amerikanische Variante. Bei den Dangar Falls parkt man sein Auto direkt an der Aussichtsplattform und kann dann ganz in Ruhe dem Rauschen zuhören und wenn man Glück hat einen Regenbogen bestaunen. Und wie für Australien üblich kann hier auch wieder gegrillt werden. Wenn der kleine Hunger kommt nach den drei Schritten vom Parkplatz. Quasi auch die US-amerikanische Variante.

Campen im Grünen

Nach den Wasserfällen war erstmal Pause angesagt. Und um morgen ausgeruht zu sein und einen ganzen Tag Zeit für den Dorrigo Nationalpark zu haben, haben wir uns für zwei Nächte auf den Dorrigo Mountain Holiday Park eingenistet. Der Park ist nur ein paar Autominuten vom Nationalpark entfernt und liegt etwas oberhalb der Stadt. Das und die Tatsache, dass der Platz eher klein und übersichtlich ist (und bei unserem Besuch auch nur spärlich gebucht war) sorgte für einen tollen Blick über die Landschaft um Dorrigo, einschließlich zwei schöner Sonnenuntergänge direkt von unserem Stellplatz aus. Was das Äußere und die Umgebung angeht, war das bislang definitiv unser schönster Stellplatz! Was das Innere angeht…da hatte der Platz seine besten Tage schon hinter sich. Die Waschräume waren in Ordnung, aber alt und von der Küche wollen wir hier gar nicht großartig reden. Nur so viel: die Sachen dort wollte man nicht benutzen und nach dem Spülen war man nicht sicher, ob es vorher nicht vielleicht sauberer war. Aber gut, wir wollen nicht meckern. Wir hatten einen tollen Platz, nette Nachbarn (die ihr Auto extra beiseite gefahren hatten, damit wir einen guten asphaltierten Stellplatz bekommen konnten) und weiterhin gutes Wetter. So gut, dass wir wieder unser Campingmobiliar aufbauen und draußen essen konnten, morgens wie abends. So hatten wir uns das Campen von Anfang an vorgestellt. Schön, dass es jetzt endlich so war!

Regenwald in Dorrigo

Unser voller Tag in Dorrigo war ganz dem gleichnamigen Nationalpark gewidmet. Wir hatten im Vorfeld viel Gutes gelesen und schöne Fotos gesehen und waren dementsprechend voller Erwartungen. Und die wurden auch nicht enttäuscht. Von der Infrastruktur her erinnerte der Nationalpark uns ein wenig an das Grand Canyon South Rim. Es gab einen großen Parkplatz, einen Souvenirshop mit Informationskiosk, ein Café und zahlreiche Wanderwege und Aussichtsplattformen für alle Fitnesslevel. Nach kurzer Abwägung des eigenen Fitnesslevels haben wir uns für den Wonga Walk entschieden. Der ist zwar knapp 7 km lang, schlängelte sich aber einmal durch den Park und kam außerdem an zwei Wasserfällen vorbei. Guter Deal, dachten wir. Der Walk war tatsächlich richtig schön. Im Gegensatz zum Lamington Nationalpark waren die Wanderwege hier asphaltiert. Gut für den Fall, dass es geregnet hat und matschig ist (was bei uns zum Glück keine Rolle spielte). Und die Wasserfälle waren auch sehr beeindruckend. Über die Tristania Falls führte eine kleine schmale Hängebrücke und bei den Crystal Shower Falls konnte man sogar einmal unter bzw. hinter dem Wasserfall entlanglaufen. Der Rückweg war wie immer sehr anstrengend. Um nicht zu sagen beschissen. Eine gute Stunde ging es nur bergauf und das Genießen der Natur fiel zunehmend schwer. Als wir wieder am Startpunkt ankamen, waren wir auf jeden Fall bedient und gesättigt, was das Wandern anging. Und nach einem kleinen Snack im Nationalparkcafé ging es zurück auf den Campingplatz. Der Tag war zwar noch jung, aber jetzt, wo das Wetter endlich frühlingshaft gut war, konnte man ja auch einfach mal draußen sitzen und nichts tun. Das würde auch in den kommenden Tagen häufiger der Fall werden.