Road Trip Tage 6 bis 8: Ab ins Hinterland: Tenterfield und Armidale
Zu Gast bei den grey nomads
Nach Byron Bay ging es wieder zurück ins Landesinnere. Wenn man nicht bis ins Outback fährt (was wir ursprünglich mal überlegt hatten, aber es hätte eine weite, vielleicht sogar mehrtägige Reise gebraucht und unser Auto war jetzt auch nicht das outbacktauglichste), sondern sich nur ein paar Stunden von der Küste entfernt, landet man in einem Zwischending mit dem schönen deutschstämmigen Namen Hinterland. Das Hinterland ist wohl eher weniger ein Reisetipp, entweder zieht es die Leute richtig ins Outback für das echte Roter-trockener-Sand-Australien-Feeling oder sie bleiben an der Küste. Für uns war es ein Kompromiss, wir wollten schon nochmal irgendwie ins Landesinnere und Städte abseits der großen Touristenstraßen sehen, gleichzeitig aber nicht stunden- oder tagelang durchs Nichts fahren und ständig Angst vor einer Panne haben. Gelandet sind wir am Ende in Tenterfield, einer kleinen gemütlichen Stadt an der Great Dividing Range, dem Gebirgszug, der das Inland von der Küste trennt. Wir waren also gerade mal am Anfang des Hinterlands und dazu war von Byron Bay aus schon eine dreistündige, nicht unbedingt spannende Fahrt nötig. Übrigens sind wir – nachdem wir schon auf dem Weg von Nimbin nach Byron Bay die gleiche Straße genommen hatten – zum zweiten Mal durch die kleine Stadt Lismore gefahren. Das wäre nicht weiter interessant, wäre die Stadt nicht wenige Tage später durch schwere Unwetter unter Wasser gestanden und gesperrt gewesen. Schwein gehabt.
Bis auf einen kurzen Stopp in einem Café im absoluten Nirgendwo sind wir die Strecke nach Tenterfield durchgefahren und hatten – mal wieder – ordentlich Regen im Schlepptau, sodass man auch dann nichts gesehen hätte, wenn es auf der Strecke etwas zu sehen gegeben hätte. Auch die Außentemperatur wurde stetig niedriger, wir mussten uns also wieder vom milden Küstenklima verabschieden. Nach der Ankunft in Tenterfield und nachdem wir uns im örtlichen (und einzigen) Supermarkt eingedeckt hatten, ging es zum Campingplatz. Beim Check-in auf dem Tenterfield Lodge Caravan Park hat uns das nette ältere Ehepaar, dem der Platz gehört (und, so schien es uns, sogar in einem Camper selbst drauf wohnt), erstmal einen schlammfreien Platz suchen müssen, denn auch hier hatte der Regen seine Spuren hinterlassen. Unser Platz war am Ende ein geschotterter, schlammfreier Platz direkt neben den sauberen Waschräumen – sehr praktisch! Und das erste Mal hatten wir eine komplett geschlossene Campingküche. Hier war zwar alles bei weitem nicht so modern und neu wie in Byron Bay, aber der Platz wirkte gemütlich und gepflegt. Wir haben hier den Altersschnitt deutlich gesenkt, denn wie sich herausstellte, war der Platz eher auf ältere Camper ausgelegt. Grey nomads, wie sie sich anscheinend selbst nennen. Wir wurden allerdings trotz unserer jugendlichen Frische nicht misstrauisch beäugt – was vielleicht auch daran lag, dass das Wetter leider wieder zu wünschen übrigließ und wir uns mit einer Portion Kabelsalat ins Auto verkrochen.
Wandern im Bald Rock Nationalpark
Tenterfield selbst ist jetzt nicht gerade ein Highlight. Die Stadt gilt zwar als Geburtsort Australiens, da hier eine Rede gehalten wurde, in dessen Folge die die einzelnen, einst unabhängigen Landesteile, vereint wurden (oder so), aber das riss uns jetzt auch nicht gerade vom Hocker. Glücklicherweise gibt es auch um Tenterfield herum einige Nationalparks – unser Tagesziel am nächsten Tag war deshalb die Wanderung auf den Bald Rock im gleichnamigen Nationalpark. Der Bald Rock ist ein riesiger glatter Stein, von dem man bei gutem Wetter und klarer Sicht einen weiten Blick über die Landschaft hat. Es sah leider weder nach gutem Wetter noch nach klarer Sicht aus, also bewaffneten wir uns sicherheitshalber mit Regenjacken und fuhren die ca. 30-minütige Strecke zum Nationalpark.
Im Nationalpark war eine Gebühr von 8$ fällig. Das ist normalerweise die Gebühr für einen Tag pro Fahrzeug, für uns war es der Eintrittspreis für eine Wanderung. Dafür relativ happig, aber das wussten wir vorher. Und wir sind ja extra deswegen hingefahren… Die Wanderung hat sich aber gelohnt. Das Wetter war zwar weiterhin so geht so, aber es war weniger neblig als befürchtet und geregnet hat es auch nicht. Und die Felsformationen auf dem Wanderweg auf den Bald Rock waren echt beeindruckend. Teilweise kletterte man drüber, teilweise führten Spalten zwischen einzelnen riesigen Felsen hindurch. Die Aussicht vom Bald Rock selbst war, naja, nicht vorhanden. Aber wir haben wieder den positiven Aspekt gesehen: Bilder von hier mit Aussicht gibt’s bei Google zuhauf, Bilder im Nebel haben Seltenheitswert! Als i-Tüpfelchen gab es am Straßenrand noch ein paar wilde Kängurus auf dem Rückweg vom Nationalpark nach Tenterfield zu bestaunen, die zweiten nach Lamington. Merke: schlechtes Wetter und wenig Verkehr haben auch Vorteile!
Ein unnötiger Tourist Drive
Am nächsten Tag war es wieder so weit: blauer Himmel, Sonne, gutes Wetter. Und wie sich noch herausstellen sollte, würde das eine ganze Weile so bleiben! Heute wäre die Wanderung zum und auf den Bald Rock sicherlich auch schön gewesen, aber gut. Eine andere Sache in Tenterfield hatten wir uns noch aufgespart: den Tourist Drive 9 zum Mount Mackenzie Lookout. Auf den Tourist Drive ist man in Tenterfield besonders stolz. Er steht in den Empfehlungen für die Stadt an zweiter Stelle – direkt hinter der atemberaubenden Geschichte über den Birthplace of Australia und irgendeinem Museum über Pferdesättel. Klar, dass wir den unbedingt mitnehmen müssen! Vorher gab es einen kurzen Spaziergang über die Hauptstraße Tenterfields, damit wir wenigstens wissen, wo wir die letzten beiden Tage waren. Tatsächlich gab es hier ein paar hübsche Läden und alles wirkte sehr sauber und gepflegt. Aber viel mehr als diese Straße schien es hier nicht zu geben.
Also weiter zum Tourist Drive 9. Es gibt viele Straßen, oft kleinere Seitenstraßen abseits der Städte, die als Tourist Drive bezeichnet und ausgeschildert werden. Die sollen dann selbst landschaftlich schön sein oder zu einem touristisch interessanten Punkt führen. Der Tourist Drive 9 bei Tenterfield versprach beides. Gehalten hat er…höchstens die Hälfte. Etwa eine halbe Stunde lang ging es über Schotterwege voller Schlaglöcher, teilweise war die Straße durch die Regenfälle weggewaschen. Und alle paar Minuten fuhr man über Gitter, die Viehweiden voneinander abtrennten, und unser ganzes Auto samt Gepäck durchschüttelten. Zwischendurch wäre man gerne umgedreht, aber ein Wendemanöver war auf der engen Straße auch nicht unbedingt machbar. Als wir irgendwann am Aussichtspunkt ankamen, beherrschte eine interessante Mischung aus völliger Genervtheit und grimmiger Erleichterung die Gefühlswelt. Aber: die Aussicht war tatsächlich existent! Das Wetter erlaubte uns einen letzten Blick auf Tenterfield. Es war eigentlich ganz schön hier – wie immer bleibt die Erkenntnis, dass Orte bei gutem Wetter schöner und positiver im Gedächtnis bleiben als im Regen. Aber bereut haben wir unseren Trip ins Hinterland nicht.
Armidale
Armidale war der nächste Stopp unseres Road Trips. Anders als Tenterfield war Armidale im Voraus geplant, denn Armidale liegt am westlichen Ende des Waterfall Ways, der bis runter zur Ostküste führt und den man sich nicht entgehen lassen sollte (dazu später mehr). Über Armidale selbst wissen wir allerdings nicht gerade viel zu berichten. Das Interessanteste, was es hier gibt, sind mehrere Weingüter und den höchstgelegenen Flughafen Australiens. Nun ja. Aber da uns das bekannt war, war Armidale nur für eine Nacht unser Zuhause. Mit dem Armidale Tourist Park haben wir eine günstige Bleibe gefunden, haben abends gekocht und einen wirklich schönen Sternenhimmel bestaunt. Was will man mehr? Außer gutes WLAN vielleicht…