Road Trip Tag 9: Grand Canyon Village bis Las Vegas
Raus aus dem Village, rein in die Vergangenheit
Nach der zweiten Nacht in unserer Lodge war es auch schon Zeit, Abschied vom Grand Canyon zu nehmen. Wir hatten dazu gelernt und nicht nochmal versucht, ein Frühstück im Village zu finden, sondern sind direkt nach Tusayan gefahren, um uns dort typisch amerikanisch zu stärken. Heute stand das letzte Teilstück unseres Roadtrips an, bis Las Vegas musste nochmal ordentlich Strecke gemacht werden. Allerdings mit Umwegen über die Route 66, auf der heute nochmal einige Highlights auf uns warten sollten.
Angeblich soll das Stück Route 66 von Kingman nach Seligman der schönste Abschnitt überhaupt sein. Es war auch wirklich eine schöne Strecke – doch das Stück hinter Oatman hat uns besser gefallen. Es geht hier auf jeden Fall ziemlich lang geradeaus, die Landschaft ist steppenähnlich. Als wir dort entlangfuhren, war es so windig, dass richtige Sandstürme in der Ferne entstanden sind und das Steppengras (diese runden Strohbälle, die man aus Westernfilmen kennt und die auch Tumbleweed heißen) flog uns nur so um die Ohren. Teilweise waren die Dinger so groß, dass wir bremsen mussten, weil wir Angst hatten, unseren Mietwagen zu zerkratzen, wenn wir einfach drüberbrettern.
Trotzdem kommen Route 66-Nostalgiker hier voll auf ihre Kosten und die Orte entlang der Strecke haben definitiv ihren Charme. Unser erster Stop war Seligman. In unserem Fall wirkte der Ort echt verlassen. Keine Menschenseele war zu sehen, die Läden alle geschlossen. Der Wind hat alles noch ein bisschen unheimlicher gemacht. Fun Fact: Der fiktive Ort, in dem der Pixar-Film „Cars“ spielt, ist von Seligman inspiriert. Vielleicht sehen die alten Autos vor dem Schnellrestaurant Delgadillo’s Snow Cap Drive-In deshalb den Cars-Protagonisten so ähnlich …
Die volle Ladung Nostalgie: von Seligman bis Kingman
Hinter Seligman führte die Route 66 kurz durch das Hualapai Reservat mit seiner Hauptstadt Peach Springs. Die Tatsache, dass die Ureinwohner des Landes in Reservate zurückgedrängt wurden, in denen Arbeits- und Perspektivlosigkeit, sowie das karge Land den Menschen das Leben schwermacht, lässt unweigerlich Fragen aufkommen: Wie kann so etwas ein akzeptierter Zustand sein? Und wie kann man bei Gebieten, in denen Menschen leben, von Reservaten sprechen? Vielleicht weiß ich auch nur zu wenig darüber. Aber es kommt mir einfach nur befremdlich und unegerecht vor.
Nach einigen weiteren Meilen Route 66 kamen wir an unserem zweiten Stop an: Hackberry. Zentrum des Ortes und Grund dafür, dass hier so viele Touris Halt machen, ist der Hackberry General Store – ein „Supermarkt“ mit Kultstatus. Draußen: viele alte Autos (wir haben schon überlegt, ob alte Autos hier das sind, was in Deutschland Gartenzwerge), Zapfsäulen, Metallschilder, die quietschend im Wind hin und her schwingen. Drinnen: ein buntes Sammelsurium aus einer Zeit, in der die Route 66 Orte wie Hackberry am Leben hielt. Marilyn Monroe und Elvis sind allgegenwärtig und natürlich kann man auch hier allerhand Route 66-Zeug kaufen. Man kann aber auch aufs Klo gehen. Das ist hier definitiv eine Erfahrung. Das Frauenklo ist tapeziert mit Marilyn Monroe-Postern. Das Männerklo mit nackten Frauen. Aber auch kalte Getränke haben sie hier – perfekt für unseren letzten Abschnitt auf der Mother Road.
Der sollte uns nach Kingman führen. Kingman ist weniger kultig als Seligman und Hackberry. Zumindest war das unser Eindruck. Hier sah alles so aus, als würden Leute hier ganz normal leben, in einer typisch amerikanischen Kleinstadt. Dort angekommen haben wir in dem typischsten aller American Diner gegessen: dem Mr. D’z. Für Philipp gab’s Pancakes, für mich Mozzarella-Sticks. Was als kleiner Snack gedacht war, entpuppte sich (natürlich) als vollwertige Mahlzeit (und eigentlich noch mehr als das, wenn man die Kalorien zählen würde). Somit konnten wir immerhin gut gestärkt aufbrechen zum letzten Stop unserer USA-Reise: Las Vegas, Baby!
Willkommen in Nevada
Mit Kingman hatten wir die Route 66 endgültig hinter uns gelassen und es ging auf dem eher eintönigen Highway 93 über den Hoover Dam nach Nevada. Die Landschaft hatte heute wieder einige Veränderungen durchgemacht: von schneebedeckter Canyonlandschaft ging es über die trockene Gegend der Route 66 – jetzt erinnerte uns die Umgebung zunehmend an Mondlandschaft. Steinig, bergig, und ab und an tiefere Krater links und rechts des Highway. Die Gegend lädt jenseits der Autobahn zum Verweilen oder auch Wandern ein, aber wir haben das Auto hier nur verlassen, um zu tanken und dann das letzte Stück bis Las Vegas zu fahren.
In Las Vegas war es Zeit, Abschied von unserem Mietwagen zu nehmen, der uns zuverlässig und komfortabel über Highways, Interstates, durch die Berge, durch die Städte und durch die Wüste gebracht hatte. Bevor es zum Flughafen ging, wo wir den Wagen abgeben mussten, machten wir noch am Las Vegas Sign Halt. Hier war ganz schön was los, mit ein bisschen Glück fanden wir noch einen freien Parkplatz. Hier ließen sich Junggesellenabschiede, frisch Verheiratete, Pärchen und Familien fotografieren. Wir wollten nur ein Bild vom Zeichen, also ohne uns mit drauf, und konnten es aus einem geschickten Winkel fotografieren, ohne die ganzen Menschen mit auf dem Bild zu haben. Mehrfach fuhren Autos laut hupend an uns vorbei, Leute streckten ihren Kopf und ihre Arme aus dem Fenster und grölten lauthals „Las Veeegaaaaaas!“ Die hatten uns sicherlich einige Getränke voraus.
Die Rückgabe des Mietwagens am Flughafen klappte fast reibungslos. Uns ist bereits bei unserer Ankunft in Pacific Grove ein Schaden am Wagen aufgefallen: Die Fahrerseite war zerschrammt und auch leicht verbeult. Bei der Abholung des Wagens in San Francisco war uns das noch nicht aufgefallen. Dort hatten wir die Wahl zwischen zwei Autos und irgendwie war die Situation ein bisschen stressig, sodass wir uns den Wagen nicht mehr in Ruhe angesehen hatten und einfach losgefahren sind. Memo an uns selbst: in Zukunft machen wir das! Nun fragte uns die Mitarbeiterin der Autovermietung, was mit dem Auto passiert sei. Wir schilderten ihr, dass wir nichts bemerkt hätten und dachten, der Schaden sei bereits vorhanden gewesen. Philipp ging kurz mit ihr ins Office und nach wenigen Minuten ließ sie uns gehen – der Versicherung sei Dank! Rückblickend vermuten wir, dass uns bei den Twin Peaks in San Francisco jemand auf dem engen Parkplatz in die Karre gefahren ist und es vielleicht selbst nicht gemerkt hat – nehmen wir es einfach mal so an.
Mit dem Bus zum Strip: die erste Portion Las Vegas
Vom Flughafen wollten wir nun mit dem Bus zu unserem Hotel fahren: dem Planet Hollywood direkt am Strip, der Hauptstraße von Las Vegas. Philipp hatte vorher genau recherchiert, an welcher Haltestelle der Bus fahren sollte. Auf den Tafeln vor Ort war von diesem Bus aber nichts zu lesen. Als der nächste Bus kam, fragte Philipp den Fahrer. Der war so nett, uns mitzunehmen zur richtigen Haltestelle und sagte uns auch noch, an welchem Bussteig wir warten sollten.
Er hatte (natürlich) Recht und der Bus, der uns zu unserem Hotel bringen sollte, kam pünktlich. Ein Doppeldeckerbus – wir setzten uns ganz nach oben in die erste Reihe. Und so bekamen wir einen wirklich coolen ersten Eindruck von der Stadt. Das Zwei-Stunden-Ticket hat 6$ gekostet.
Am Hotel angekommen wurde uns erstmals so richtig bewusst, was uns heute und morgen hier erwarten würde: die absolute Reizüberflutung. Von überall her kam Musik, überall Menschen. Wir hatten uns für zwei Nächte im Planet Hollywood eingebucht und unser Hotel war – wie eigentlich alle Hotels am Strip – ein einziges Casino. Musik, Gedudel, Lichter, viel von allem. Wir mussten uns erst einmal den Weg zur Lobby bahnen. War gar nicht so leicht, die zu finden. Ein Labyrinth aus Spielautomaten und -tischen, Bars, Shops und Restaurants. Das Einchecken dauerte ein bisschen, weil der Computer zum Self-Check-in irgendwie nicht so funktionierte, wie er sollte. An der Rezeption bekamen wir eine Wegbeschreibung zu unserem Zimmer: im 38. Stock!
Wir mussten drauf achten, den richtigen Aufzug zu nehmen – es gab extra welche, die nur in die oberen Stockwerke fuhren. Als wir oben ankamen und unser Zimmer gefunden haben, konnten wir beide nicht glauben, wo wir hier gelandet sind. Das Zimmer war schön, sauber und geräumig – aber die Aussicht! Der absolute Wahnsinn! Wir konnten von sehr weit oben direkt auf das Hotel Bellagio mit seinen berühmten Wasserfontänen blicken – wer die Oceans-Filme geguckt hat, weiß genau, welche das sind. Wir schauten auf den Eiffelturm, auf den Strip, der von hier oben wie ein bunter, leuchtender Streifen aussah. Und ganz hinten in der Ferne sahen wir die Berge. Da wurde uns wieder bewusst, wie verrückt dieser Ort eigentlich ist, mitten in der Wüste Nevadas.
Für den ersten Abend haben wir uns nichts Anstrengendes mehr vorgenommen. Wir gingen in die Bar direkt neben unserem Hotel, bekamen einen schönen Tisch auf der Terrasse mit Blick auf die Wasserfontänen und entschieden uns für ein Bier-Tasting. Wir konnten zwischen unterschiedlichen Bieren wählen und bekamen insgesamt vier Gläser. Philipp bestellte sich noch einen Burger – ich war mit den Mozzarellasticks aus Mr. D’z noch gut bedient.
Statt die Nacht zum Tag zu machen, sind wir ganz Spießer-like relativ früh wieder zurück ins Hotel. Schließlich hatten wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen.