Road Trip Tag 7: Needles bis Grand Canyon Village

Nach einem Frühstück – wieder im Wagon Wheel (es gab auch keine wirkliche Alternative) – ging es weiter Richtung Grand Canyon. Ein kleiner, aber lohnenswerter Umweg führt an der Route 66 entlang nach Oatman.

Oatman ist einer dieser Orte, den wohl jeder Route 66-Touri ansteuert. Ein Biker-Stop in kultigem Gewand mitten in den Black Mountains. Übrigens sind wir hinter Needles über den Colorado River gefahren, waren somit in Arizona und mussten die Uhr um eine Stunde vorstellen. Oatman war mal eine Goldgräberstadt und die Gebäude sehen hier irgendwie originaler aus als in Pioneertown. Aber typisch Touri-Stop reiht sich auch hier ein Souvenir-Laden an den nächsten. Was aber auch cool sein kann. Ich (Kirsten) mag es zum Beispiel ganz gerne, hin und wieder durch solche Shops zu stöbern. Zum Glück erliege ich dort in der Regel keinen unkontrollierten Kaufimpulsen.

Das witzige in Oatman ist, dass hier wilde Esel frei herumlaufen. Das sind die Nachkommen der Esel, die hier mal in den Goldminen gearbeitet haben und einfach freigelassen wurden, als der Goldrausch vorbei war. Heute schlendern die „Burros“, wie die Esel hier heißen, genügsam durch Oatman und halten Autos in den Black Mountains an. Denn, Regel Nummer Eins: Esel haben immer Vorfahrt. Die Esel sind zwar an Menschen gewöhnt und lassen sich auch streicheln, allerdings sollte man das immer mit dem nötigen Respekt tun. Eigentlich selbstverständlich, trotzdem müssen Schilder in der Stadt die Touris noch drauf hinweisen.

Hinter Oatman begann dann ein wirklich cooler Abschnitt Route 66 (auf dem uns natürlich auch eine süße, graue, langohrige Straßensperre erwartete). Hier schlängelt sich die Mother Road abenteuerlich durch die Black Mountains, sodass man teilweise nur 20 km/h fahren kann (zumindest fühlte sich das für uns so an).

Wir haben an einem Aussichtspunkt, dem Sitgreaves Pass, Halt gemacht, von dem aus man weit über die karge Landschaft und hinunter auf der Route 66 blicken kann. Immer wieder war das Knattern von Motorrädern aus der Ferne zu hören und mir hat der Gedanke gefallen, sich vorzustellen, wie die Leute sich da unten „on the road“ vielleicht gerade ihren Lebenstraum erfüllen. Hier oben waren allerhand Gedenkstätten aufgebaut. Wir konnten nicht herausfinden, ob hier Menschen gedacht wird, die auf der Route 66 gestorben sind oder deren letzter Wille es war, dass ihre Asche hier verstreut wurde. Diese Gedanken haben den Ort noch bedeutungsvoller werden lassen.

Über Williams und Tusayan ins Grand Canyon Village

Nachdem wir die Route 66 abermals hinter uns gelassen hatten hieß es: Strecke machen. Auf der Interstate 40 ging es immer geradeaus nach Osten. Nicht sehr spannend, aber notwendig. Wir überholten riesige Trucks und machten auch schon einige Höhenmeter. Ganz oben lag sogar Schnee. Ein kurzer Stopp führte uns nach Williams, das auch als Tor zum Grand Canyon bezeichnet wird. Williams liegt auch an der Route 66 und hat auf uns einen sehr nostalgischen Eindruck gemacht. Viele Grand Canyon Besucher übernachten hier, weil es durch die große Konkurrenz zwischen Restaurants und Hotels vergleichsweise günstig ist. Viele nehmen dann auch nicht das Auto, sondern fahren mit der Grand Canyon Bahn direkt zum Bahnhof am Canyon, was auch ein tolles Erlebnis sein soll. Wir haben hier nur getankt, denn auch das lohnt sich, bevor man am Grand Canyon selbst den Monopolpreisen weniger Tankstellen ausgeliefert ist.

Der Weg zum Grand Canyon, genauer gesagt zur South Rim, führte uns dann noch auf den Highway 64 und durch Tusayan, den letzten Ort vor dem Nationalpark. Auf dem Highway ändert sich die Landschaft von staubig, sandig und trocken hin zu steppenähnlich mit hohen Gräsern und Büschen. In Tusayan angekommen haben wir noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt besorgt. Die Preise waren gesalzen, doch wir ahnten, dass es hier im Gegensatz zum Park noch relativ günstig war.

Der Eintritt in den Nationalpark kostet 35$ für sieben Tage. Schon vor Tusayan beginnen die unendlichen Nadelwälder. Überall sieht man Schilder, dass man hier auf wilde Tiere achten soll. Wir hatten großes Glück und haben (natürlich im Voraus) einen Platz in der Maswik Lodge im Park ergattern können. Im Internet hatten wir gelesen, dass man dort eigentlich bis zu einem Jahr im Voraus reservieren muss. Wir hatten einfach nur Glück, dass ein paar Wochen vorher ein Platz freigeworden ist.

In unserer Hütte haben uns direkt richtig wohl gefühlt. Es gab einen Hauptraum mit zwei großen Betten (eines haben wir als Klamottenlager genutzt), einem Kühlschrank und einem Fernseher – somit konnte Philipp abends den Superbowl gucken. Dann gabs noch zwei Waschbecken und ein Bad mit großer Duschwanne.

Als Philipp anfing, Football zu schauen, bin ich noch einmal los, um mir den Sonnenuntergang an einem der Aussichtpunkte anzuschauen. Ich hatte das Mary Colter’s Lookout Studio angesteuert, direkt am Bright Angel Trailhead. Hier war kaum was los – im Nachhinein hatte ich festgestellt, dass ich gar nicht exakt dort war, wo ich eigentlich hinwollte. Doch das tat dem Blick auf die Sonne, die langsam hinter den Felsen verschwand, wirklich keinen Abbruch. Neben mir stand ein Typ, der einem anderen Pärchen erzählte, er sei an diesem Tag den kompletten Canyon durchgewandert und zwölf Stunden unterwegs gewesen. Ich hingegen war froh, dass ich allein den Weg zurück zu unserer Lodge gefunden habe. Mein Orientierungssinn ist nämlich quasi nicht vorhanden.