Road Trip Tag 2: Natur pur im Lamington Nationalpark

Nach viel zu viel Action mit viel zu viel Chaos und viel zu viel Regen sollte heute vieles besser werden. Das fing schon damit an, dass wir von bzw. mit der Sonne geweckt wurden. Zumindest von ein paar Strahlen, die es durch die Schlitze unserer „Jalousien“ bis in unsere Gesichter schafften. Und der erste Blick nach draußen verriet auch: der befürchtete Matsch, den der Regen in unserer Vorstellung verursacht haben müsste, war ausgeblieben oder bereits getrocknet. Das war schon mal ein solider Anfang und nach einem ersten Bett-Kaffee wollten wir der Kochstelle vom Vorabend eine zweite Chance geben. Ohne Regen und mit Tageslicht, vor allem aber ohne Nebel und mit Sonne, war das direkt eine ganz andere Geschichte. Allein der Weg zur Kochstelle war schon richtig idyllisch und während des Frühstücks konnten wir dann auch endlich mal ein wenig in die Ferne blicken – und über viel Wald, der den Lamington Nationalpark prägt. Das alles, einschließlich der Campingplatz selbst, war buchstäblich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Wildlife hautnah

Nach einem halbwegs gelungenen Frühstück (die vielleicht für immer versaute Grillplatte, auf der wir versucht haben, Pancakes zu braten, wird hier nicht näher erwähnt) waren wir gestärkt und guten Mutes für eine zweite Wanderung durch den Nationalpark. Nach der gestrigen kleinen Runde sollte es heute auf die nächstgrößere gehen – für geübte Wanderer immer noch klein, für uns aber eine machbare und nicht allzu anstrengende Aufgabe. Sollte reichen. Nachdem alles wieder im Auto verstaut war – auf das wir jetzt auch einen ersten richtigen Blick werfen konnten, nachdem gestern bei der Abholung alles relativ schnell ging und bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz schon alles im dichten Nebel verschwunden war – ging es erneut in Richtung Wanderwege. Dass vor uns ein paar schaulustige Mitcamper sowie ein Parkranger standen, hat uns erstmal nicht weiter interessiert. Bis wir fast auf eine gut drei Meter lange Schlange gelaufen wären. Die schlängelte sich gerade gemütlich quer über den Platz. Und war laut Ranger noch eine der kleinen Sorte. Für ihn jedenfalls keine große Sache, für uns unsere erste Erfahrung mit echten wilden Tieren, die man bei uns nicht mal eben beim Spazierengehen trifft.

Grün, grüner, Lamington

Teile des Wanderweges kannten wir ja schon von gestern, umso beeindruckender, wie unterschiedlich jetzt alles aussah. Statt in einem mystischen grauen Schleier zu liegen, leuchtete der Wald heute saftgrün im Sonnenlicht. Beides hatte auf jeden Fall was, aber das Farbenspiel, für das die Sonne heute sorge, war auf jeden Fall nochmal eine andere Hausnummer. Wir waren froh, beides mal gesehen zu haben. Und trotzdem froh, dass es heute überhaupt nicht nach Regen aussah und wir ohne die Angst, jeden Moment total nass zu werden, durch den Wald spazieren konnten. Bis auf Tiergeräusche war wieder mal nichts zu hören. Und bis auf zwei Begegnungen mit anderen Wanderern waren wir ganz alleine im australischen Regenwald. Ursprünglich sollte es heute bis zu einem Wasserfall gehen, der auf Google Maps markiert war, aber ein Blick auf die Wanderkarte, die wir von der Rezeption des Campingplatzes bekommen haben, waren das gute 10 km bis dahin. Das wollten wir unseren untrainierten Leibern doch eher nicht zumuten, deshalb ging es nur zu einem Punkt, den die Karte als „Tullawallal“ bezeichnete, was auch immer das heißen möge. Tullawallal stellte sich als eine kleine Erhebung heraus, nichts Besonderes, auf jeden Fall aber eine Sackgasse, sodass man von hier zwangsläufig den Rückweg antritt – und weiß, dass man jetzt die Hälfte geschafft hatte (gut für die Psyche). Am Ende waren wir gute 5 km unterwegs und für unserer Verständnis – wir mussten uns für die kommenden Wochen ja Luft nach oben lassen – war das auch absolut ausreichend.

Unseren spontanen Ausflug zum Lamington Nationalpark haben wir alles andere als bereut. Der Start war durch Regen und Nebel etwas holprig und kurz dachte man wehmütig an ein warmes und großes Hotelzimmerbett, aber dank des heutigen Tages sah die Welt schon ganz anders aus. Und langsam aber sicher fing es auch an uns zu packen: das Campingfieber.

Eine schon bessere Abendgestaltung

Auch der Tagesausklang verlief schon deutlich besser und routinierter als zuvor. Wir haben die Campingplatzausstattung ausgiebig genutzt und Wäsche gewaschen und getrocknet, uns selbst gewaschen bzw. geduscht (leider nur lauwarm, aber dafür in sehr sauberen Waschräumen) und versucht, möglichst viele Geräte an möglichst wenig Steckdosen zu laden (auch die Stromsituation sollte sich in den kommenden Tagen noch deutlich verbessern).

Da auch abends das Wetter mitspielte, gab es außerdem das allererste Abendessen aus unser eigenen Campingküche. Pasta a la Kofferraum mit Pesto. Und einem Glas Wein. Die Flasche kostete uns übrigens 4$ und war damit billiger als eine einzelne kleine Dose Bier. Die spinnen, die Australier…