Road Trip Tag 1: Vom Regen in den Nebel

Heute war es soweit. Neben ein paar Flügen war der Camper das, was wir am längsten im Voraus gebucht hatten. Dementsprechend lang und groß waren Vorfreude und Erwartung gewesen – aber auch eine gewisse Portion Skepsis und Ungewissheit. Drei Wochen lang würden wir in einem Auto schlafen. Quasi im Kofferraum. Dem Budget und der Tatsache geschuldet, dass man ja eigentlich nicht viel braucht (und auch nicht mit einem Ungetüm im australischen Linksverkehr unterwegs sein möchte), haben wir uns für die kleinste Variante von Jucy, einem low-budget-Anbieter, entschieden. Die Variante hörte auf den Namen „Crib“ und war ein umgebauter Toyota Tarago, quasi ein Van, dem im Kofferraum eine kleine mobile Küche mit Waschbecken, Kühlschrank und Gasherd eingebaut wurde. Unser kleines Hostelzimmer würden wir also gegen eine noch kleinere, schmalere Matratze auf den Rücksitz eines Mietwagens eintauschen. Sollte aber tatsächlich wirklich gemütlich werden.

Die Abholung in Brisbane war unkompliziert. Mit einer letzten Busfahrt ging es zu Jucy, die in der Nähe vom Flughafen stationiert waren. Vom Flughafen aus hätte es einen kostenlosen Shuttle-Service gegeben, so mussten wir selbst hinfinden. Im Bus hat uns noch ein älterer Mann in schwierig zu verstehendem australischem Akzent erklärt, was wir uns alles in Brisbane anschauen sollten (nachdem wir mehrfach betont hatten, dass wir gerade dabei waren, aus Brisbane abzureisen). Bei Jucy legten wir unsere Führerscheine vor und bekamen wenig später ein frisch gereinigtes Auto samt Campingstühlen und Campingtisch (die waren in unserem Tarif (Vollkasko ohne Selbstbeteiligung) inklusive). Kurze Inspektion, ob alles dran, drin und heile ist und schon ging es los. Gefahren ist die Kiste echt gut. Und dank Automatik musste man sich nur mit dem Linksverkehr und nicht auch noch mit der Kupplung rumschlagen. Einzig die umgekehrte Anordnung von Blinker und Scheibenwischer machte uns hin und wieder zu schaffen. Statt zu blinken wischten wir also alle paar Minuten über die trockene Frontscheibe – daran erkennt man wohl Touristen… Und nachdem wir uns jetzt einmal richtig bei Aldi mit allen möglichen Lebensmitteln für die kommenden Tage ausgestattet hatten ging es dann endlich zu unserem ersten Stopp: dem Lamington Nationalpark.

Sehenswert trotz wenig Sicht

Der Lamington Nationalpark liegt etwa zwei Autostunden südlich von Brisbane an der Grenze zu New South Wales. Wir hatten uns quasi last minute für diesen Stopp entschieden, eigentlich wollten wir direkt und ganz klassisch die Küste runter bis zur Gold Coast fahren. Dort war es aber sehr teuer (und laut Erfahrungen anderer viel zu touristisch), also haben wir uns doch für einen ersten Abstecher ins Inland entschieden. Anstatt auf der Autobahn Richtung Süden ging es dafür dann über kleinere und kurvige Landstraßen immer weiter ins Landesinnere – und auch weit hinauf. Links und rechts neben sich hatte man bald einen weiten Blick über die Landschaft, die immer kleiner wurde. Und irgendwann auch verschwand. Je höher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel. Zwischendurch mussten wir richtig langsam fahren, weil wir vor uns nichts mehr erkannt haben. Einmal hopste sogar ein Känguru vom Straßenrand in den Busch – unsere erste Kängurusichtung! Bei unserer Ankunft in der Binna Burra Lodge, einem von zwei Campingplätzen im Nationalpark, mussten wir uns erstmal orientieren. Als absolute Neulinge hatten wir keine Ahnung, wie das Einchecken bei sowas abläuft. War aber eigentlich nicht anders als im Hotel, ab zur Rezeption, Kreditkarte vorlegen und Platz (statt Zimmer) zugeordnet bekommen. Dazu haben wir einen Plan des Platzes bekommen, auf dem unser Stellplatz sowie die anderen wichtigen Orte (Toiletten, Kochstellen, Waschraum) markiert waren. Der war sehr praktisch, denn bei unserer Ankunft lag der Campingplatz komplett im Nebel und ohne Plan wäre man nahezu blind gewesen. Außerdem gab es noch einen Plan des Nationalparks, auf dem die Wanderwege und ihre Längen und Schwierigkeitsgrade markiert waren – auch sehr praktisch.

Nachdem wir unser kleines grünes Heim abgestellt hatten, war es 17 Uhr. Also hatten wir noch etwa eine Stunde Zeit bis Sonnenuntergang, die wir für eine erste kleine Wanderung nutzen wollten. 30 Minuten sollte die leichteste und kürze Strecke dauern, also ideal für einen kleinen Spaziergang. Und die war wirklich genial – trotz oder gerade wegen des Nebels. Alles war in einen grauen Schleier gehüllt, bis auf ein paar Laute von Vögeln und anderen Tieren lag alles um uns herum in kompletter Stille. Es war eine richtig mystische Atmosphäre. Und glücklicherweise hat es nicht angefangen, zu regnen. Für den Anfang also gar nicht schlecht! Als wir zurück waren, wurde es zunehmend dunkler und Hunger machte sich breit. Außerdem war es deutlich kühler als in Brisbane und wir waren froh, dass wir lange Klamotten und eine Regenjacke im Gepäck hatten. Das warme Rezeptionsgebäude, in dem es auch ein gutes Restaurant geben sollte, wurde jetzt sehr verlockend. Aber nein, wir waren ja Selbstversorger – auch wenn aller Anfang bekanntlich schwer ist…

Eine verbesserungswürdige Abendgestaltung

An sich war die Planung fürs Abendessen wasserdicht. Wortwörtlich. Es sollte gebratenes Gemüse in Wraps geben. Also: Gemüse im Auto am Tisch, den man hinter den Fahrersitzen aufbauen konnte, schneiden und in unserer Pfanne an einer Kochstelle im Camp braten. Simpel. Stellte sich aber im Laufe des Abends als deutlich komplizierter und frustrierender heraus, als es sein sollte. Zunächst einmal war (bzw. ist) der Tisch im Jucy Crib quasi unbrauchbar. Zum einen viel zu hoch (oder die Rücksitze zu niedrig, je nachdem), zum anderen total wackelig. Keine Ahnung, was genau man an diesem Tisch tun sollte, dass einen diese beiden Aspekte egal sind. Wir haben den Tisch nach diesem Abend nie wieder aufgebaut und genutzt und auch nicht vermisst. Mit der Pfanne ging es dann zu einer der Kochstellen im Camp. Mittlerweile regnete es leicht. Die Kochstelle war zwar überdacht, aber nicht windgeschützt, es war kalt und klamm. Und wir lernten außerdem, dass eine Pfanne auf einer Barbecue-Platte, auf die man sein Brat- und Grillgut eigentlich direkt legt, nicht die effizienteste Art zum Kochen ist. Es dauerte ewig, bis es in der Pfanne anfing zu braten und mittlerweile waren wir schon ziemlich durchgefroren (und genervt). Die Wraps waren umso schneller fertig und am Ende war es auch einigermaßen lecker (auch wenn das Gemüse aus Mangel an noch mehr Geduld vielleicht etwas bissfester war als wir uns wünschten). Satt und zufrieden ging es zurück zum Auto. Leider hatte der Regen nicht nachgelassen, im Gegenteil. Das machte den eigentlich kurzen Weg nicht nur länger, sondern die folgenden 10 Minuten auch deutlich beschissener: wir mussten das Auto noch umbauen, der Tisch musste weg, die Sitze umgeklappt und das Bettlaken ausgebreitet werden. Eigentlich ein sehr unkomplizierter Ablauf und – wie wir in den kommenden Wochen gelernt haben – auch schnell gemacht. Wer allerdings so schlau ist wie wir und sich für das erste Mal vollständige Dunkelheit und einen regnerischen Abend ausgesucht hat, verzweifelt vielleicht ein bisschen. Aber irgendwann war es geschafft und sich dann trockene Klamotten anzuziehen und sich ins gemachte Bett zu legen, während der Regen aufs Dach prasselte, war umso genugtuender. Die erste Nacht konnte kommen. Und wir schliefen mit der Gewissheit ein, dass vieles ja nur besser werden konnte.