Road Trip Tag 1: Monterey bis Big Sur
Eine Nacht an der Monterey Bay
Für unseren ersten richtigen Road Trip-Tag wurden wir im Hotelzimmer von der Sonne geweckt. Wir haben im Gosby House Inn übernachtet. Natürlich ist auch das Hotel in der amerikanischen Holzhaus-Optik (wie die meisten Häuser in Pacific Grove) und irgendwie ist alles ein bisschen krumm und schief – aber wunderschön! Die Einrichtung erinnert an ein altes Herrenhaus und abends bekommt man ein Glas Wein. Im Salon gibt’s einen Kamin und viele hübsche, alte Möbel. Wir würden sofort wieder in diesem Hotel übernachten, auch wenn es nicht ganz günstig war.
Vor dem eigentlichen Beginn des Road Trips stand jetzt aber noch eines der Highlights von Pacific Grove an: der Lovers Point Park. Der war nur ein paar Minuten Fußweg von unserem Hotel entfernt und ist eigentlich nur ein eher unscheinbarer, kleiner, wenn auch sehr schöner, sehr grüner und sehr gepflegter Park. Ein Besuch lohnt sich allemal!
Klettereinlage am Lovers Point
Denn der Park liegt direkt an der Küste, hat einen eigenen Sandstrand, aber auch viele Felsen und Klippen, die das eigentlich Sehenswerte sind. Die Wellen des Pazifik klatschen hier ordentlich gegen die Steine und hinterlassen einen ganz feinen Nebel Salzwasser in der Luft. An den Klippen tummeln sich hunderte zahme Streifenhörnchen, die sich auf den Steinen wärmen, miteinander zanken und vor allem – für uns sehr überraschend – sofort auf einen zukommen und nach Futter betteln. So zahme und zutrauliche Hörnchen haben wir noch nie gesehen. Vermutlich haben sie gelernt, dass Menschen sie süß finden und ab und zu etwas Essbares fallen lassen (wobei wir uns nicht sicher sind, ob das wirklich so gut für die Hörnchen ist).
Traut man sich weiter auf die Klippen, hat man einen einmalige Blick auf den offenen und unendlich weiten Pazifik. Hier hätte man stundenlang einfach auf den Horizont gucken und dem Tosen der Wellen lauschen können. Aber irgendwann mussten wir uns losreißen. Schließlich gab es heute noch ein kleines Stück zu fahren und dabei viel zu entdecken!
Zu viele Eindrücke und zu wenig Zeit
Als erstes „richtiges“ Stück Highway 1 war heute nur eine kurze Etappe bis in die Region Big Sur geplant. Allerdings war uns da noch nicht bewusst, wie viele Highlights an diesem Küstenstreifen aufgereiht sind. Wir hatten zwar am Lovers Point schon ein bisschen Pazifik getankt, doch wir hatten uns noch lange nicht sattgesehen.
Der erste Stopp auf dem Weg nach Big Sur war der Point Lobos State Park. Wir hatten ihn auf der Karte entdeckt und er schien uns ein sehenswertes Zwischenziel zu sein – denn er versprach Wanderungen und eine tolle Aussicht. Der Eintritt kostet 10$ pro Fahrzeug, was uns erst bewusst wurde, als wir am Parkeingang standen und vom Parkranger begrüßt wurden. Vermutlich hätten wir den Park nicht angesteuert, wenn uns der Eintritt bewusst gewesen wäre. Hinterher waren wir jedoch froh, dort gewesen zu sein.
Man läuft hier direkt an den Klippen entlang – natürlich auf gesicherten Wanderwegen – und hat einen fantastischen Blick auf den Pazifik und seine Buchten. Außerdem kann man den Hidden Beach besuchten. Das ist eine versteckte, kleine Bucht mit Kiesstrand und riesigen Wellen. Wir haben uns bestimmt zwei Stunden hier aufgehalten – und wieder einmal gilt: Es hätten noch viele weitere sein können, wenn wir uns für den Tag nicht noch mehr vorgenommen hätten.
Auch der nächste Stopp war eher ein Zufallsfund: der Garrapata State Park. Hier haben wir eigentlich nur Halt gemacht, weil der Strand vom Highway aus so toll aussah. Und Eintritt gab’s hier auch nicht. Über ein paar Stufen geht’s runter zum hellen Sandstrand. Die Wellen waren wirklich riesig und das Wasser arschkalt. Hier haben wir das erste Mal seit langem wieder Sand unter den nackten Füßen gespürt und uns wieder einmal vom Blick auf den unendlichen Ozean fesseln lassen.
Der dritte Stopp war ausnahmsweise ein planmäßiger: die Bixby Creek Bridge. Das wohl bekannteste Fotomotiv vom Highway 1. Vorbei kommt man an ihr nicht, man muss sie zwangsläufig überqueren, wenn man weiter Richtung Süden möchte. Aber ein Stopp in einer der Parkbuchten vor oder hinter der Brücke, lohnt sich sehr. Die Fotos sehen aus wie Postkartenmotive!
Big Sur Lodge und der Aufstieg zum Valley View
Für das letzte Stück von der Bixby Bridge zu unserer Unterkunft in Big Sur führte der Highway 1 weg von der Küste und hinein in einen dicht bewachsenen Wald. Außerdem machten wir einige Höhenmeter, was sich auch in der Temperatur bemerkbar machte. Unsere Unterkunft war die Big Sur Lodge, eine Lodge direkt im Pfeiffer Big Sur State Park. Die einzelnen Zimmer sind in Holzhütten mitten im Nationalpark untergebracht und man kommt sich wirklich vor wie in der Wildnis. Vermutlich weil man auch wirklich in der Wildnis ist. Etwas, das wir häufig nicht wirklich realisiert haben, weil alles so aussah, wie es in Freizeitparks oft nachempfunden ist – nur dass wir jetzt eben im „Original“ waren und es hier echte Bären gibt.
Die Unterkunft war wirklich riesig, nett eingerichtet und man kam sich vor wie ein echter Abenteurer. Abendessen und Frühstück im Restaurant waren nicht ganz billig, aber lecker. Als Gast in der Lodge hat man Eintritt in alle drei State Parks in Big Sur: in den Pfeiffer Big Sur State Park, in den Andrew Molera State Park und den Julia Pfeiffer Burns State Park.
Für eine Wanderung muss man aber nicht unbedingt wieder ins Auto steigen und einen der Parks oder bestimmte Wanderwege ansteuern. Man kann auch direkt von der Lodge aus viele unterschiedliche Wanderungen unternehmen. Von easy peasy in einer Stunde machbar bis hin zu mehrtägigen Wandertrips für Fortgeschrittene ist alles dabei. Wir haben uns abends noch für einen Marsch zum Valley View aufgemacht. Gerade bei Sonnenuntergang eine absolute Empfehlung. Die Wanderung sollte moderat sein – war aber echt anstrengend! Oben angekommen sahen wir die Sonne noch hinter den Baumwipfeln verschwinden. Wunderschön! All zu lange haben wir uns oben nicht aufgehalten, weil wir vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurück sein wollten. Beleuchtung oder so gibt’s da nämlich nicht. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären wir gern noch eine oder zwei weitere Nächte geblieben, da es wirklich viel zu entdecken gibt und wir auch gern eine etwas längere Wanderung gemacht hätten.
Zurück in der Unterkunft sind uns dann doch kleinere Negativaspekte aufgefallen: Es gibt hier weder WLAN noch Fernseher. Klar, braucht man nicht unbedingt und nicht jeden Abend, aber zum Abschalten oder zum Recherchieren, was man am nächsten Tag so machen möchte, wäre es schon praktisch gewesen. Allerdings war man nach all den Eindrücken und gelaufenen Metern eh müde genug. Und so konnte man sich umso mehr auf das wirklich große und bequeme Bett freuen. Ein weiteres Manko: die Heizung, die man hier im Februar nachts definitiv noch braucht. Das war ein großer, irgendwie beängstigender Gasofen, der etwa alle 20 Minuten mit besorgniserregender Lautstärke angesprungen ist. Ein typischer Fall von „kann nicht mit, kann nicht ohne“. Seitdem ein Must Have auf unserer Packliste: Oropax.